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Kapitel 24 - Arbeit und Vergnügen

  Rhiscea blickt in Gedanken vertieft aus dem Fenster. Irgendwie hatte sie gedacht, dass ihr den Vampir am Pranger stehen zu sehen, etwas Erleichterung bringen würde.

  Ein kleiner Teil von ihr wollte ihn für seine Sünden bü?en sehen, für Rubys und Malos Wunden, aber vor allem für Siths Tod.

  Ob es Viktor ?hnlich geht? Nein, sie kann Viktor nicht mit sich selbst vergleichen. Sie hat einen guten Freund und Ritter verloren, aber für Viktor war Sith ein gro?er Bruder, ein Vorbild und vor allem die einzige Familie, die ihm noch geblieben war. Er war wahrscheinlich gerade zu sehr mit seiner Trauer besch?ftigt, um sich Gedanken über belanglose Rache zu machen, schlie?lich war er nicht einmal dabei, als der Elf an den Pranger gestellt wurde.

  Wenigstens zu der Beerdigung seines Bruders war er gekommen. Sie hatte sich wegen seinem Verhalten Sorgen gemacht, ob er überhaupt anwesend sein würde. Aber er war es, zumindest k?rperlich.

  W?hrend der gesamten Zeremonie war er reglos geblieben, beinahe wie eine Statue, aber sobald die G?ste begannen, die Trauerfeier zu verlassen, kniete er sich vor den Sarg. Er legte seinen Kopf auf das dunkle Holz ab, umschlang den grob geschnittenen Kasten mit seinem Arm und begann leise zu weinen.

  Der Anblick brach Rhea beinahe mehr das Herz, als Siths Tod selbst.

  Eine Bewegung rei?t sie aus ihren Gedanken.

  Durch das Fenster beobachtet sie, wie die Ritter und Ruby den Elfen zurück zum Anwesen führen. Auf halbem Weg zum Haus bleibt die kleine Gruppe stehen. Zwei Stallburschen kommen mit je einem Kübel Wasser und schütten es ohne Z?gern über den Elfen. Dieser will überrascht wegzucken, doch die Garde neben ihm h?lt ihn nur umso h?rter fest.

  Danach verschwinden sie mit dem tropfnassen Gefangenen im Geb?ude.

  Kurz z?gert Rhiscea, schnappt sich dann aber ein Leinentuch. Nach einer grobgestrickten Decke will sie ebenfalls greifen, doch überlegt es sich nochmal anders. Etwas zum Abtrocknen wird reichen. Es gibt keinen Grund, den Elfen zu verh?tscheln. Sicherlich ist er Schlimmeres gewohnt.

  Am Eingang zum Treppengeb?ude trifft sie auf Ruby und die beiden Wachen. Sie begrü?en die Fürstin mit einem kurzen Nicken und geben ihr die Schlüssel zum Verlie? zurück. Ruby wirft einen misstrauischen Blick auf den Stoff in Rhisceas Hand, sagt aber nichts dazu.

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  Einige Momente sp?ter steht sie auch schon vor der Zelle des Vampirs. Sie wirft das Tuch hinein und will eigentlich gleich wieder gehen, h?lt aber doch noch kurz inne. Ihr Blick bleibt an der zitternden Gestalt in der Ecke h?ngen.

  Der Gro?teil des Schmutzes, der sich über den Nachmittag am Pranger angesammelt hat, wurde weggewaschen. Die letzten Rinnsale tropfen von den Spitzen der langen, schwarzen Haare und verlaufen sich im vollkommen durchn?ssten Hemd des z?hneklappernden Elfen.

  Erst als er den vor sich liegenden Stoff bemerkt, wendet er sich der Fürstin zu.

  “Was ist das?”, fragt er unbeeindruckt.

  “Ein kleines Geschenk, dass dich vom erfrieren abhalten soll”, erwidert sie Fürstin genauso desinteressiert.

  Zur Antwort lacht der Elf nur freudlos auf und lenkt seinen Blick wieder Richtung Wand.

  Als die Fürstin sich zum Gehen wendet, unterbricht er sie noch einmal:

  “Ich frage mich schon seit einiger Zeit, wozu der Raum da hinten sein k?nnte.”

  Er sieht sie nicht an und starrt stattdessen auf die eiserne Tür am Ende des Ganges.

  “Ein Amtszimmer”, antwortet die Fürstin wahrheitsgem??.

  Erneut lacht er auf.

  “Eine Folterkammer als Amtszimmer…”

  Er blickt wieder zu ihr.

  “Da h?lt aber jemand Arbeit und Vergnügen nahe beieinander”, schnurrt er dann.

  Die Fürstin antwortet ihm nicht. Wenn er glauben mag, dass sie einen eigenen Raum hat, um regelm??ig Gefangene zu foltern, soll er das ruhig. Etwas mehr Furcht schadet nie. Dass er in ihrer gesamten Regierungszeit der erste ist, bei dem sie es versucht hat, braucht er nicht zu erfahren. Vor allem aber hat sie nicht das Bedürfnis, sich vor dem Bastard einer Elfenhure zu verteidigen.

  Er wendet sich wieder ab und seufzt.

  “Ich frage mich nur, wie lange es dauern wird, bis ich zum n?chsten Vergnügen werde.”

  Zu dem Spott in seiner Stimme hat sich diesmal eine kleine Priese Bitterkeit gemischt.

  Die Fürstin antwortet nichts, sondern wendet sich zum Gehen. Sie sieht keinen Grund, diese Unterhaltung weiterzuführen.

  Im selben Moment schie?t ihr ein stechender Schmerz durch den Sch?del und ein paar dunkle Punkte fangen an, in ihrem Blickfeld umherzulaufen.

  Mist, doch nicht hier.

  Sie blickt zur steinernen Treppe vor ihr. Bis zu ihrem Arbeitszimmer wird sie es nicht schaffen, au?erdem will sie nicht unbedingt, dass jemand sie so sieht. Die n?chstbeste Alternative ist also wieder die Folterkammer.

  Als sie sich umdreht, verliert sie beinahe das Gleichgewicht. Sie flucht erneut und stützt sich mit einer Hand an der Wand ab, w?hrend sie sich die andere an die Stirn h?lt. Selbst wenn sie still steht, dreht sich die Welt um sie herum weiter. Gleichzeitig werden aus den kleinen Punkten immer gr??ere Flecken und etwas Feuchtes beginnt ihr Kinn herunterzulaufen. Sie f?ngt ein wenig von der zu Boden tropfenden Flüssigkeit in ihrer Hand auf.

  Das letzte, was sie zwischen dem sich schnell ausbreitenden Schwarz erkennen kann, ist rotes Blut auf ihrem Handschuh. Dann geben Ihre Beine unter ihr nach und das Bewusstsein entgleitet ihr.

  N?chstes Kapitel: 07.01. “Fremde Hilfe”

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