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Kapitel 22 - ...soll das Volk bekommen

  Sie wiegt das verzierte Messer in ihrer Hand. Eine ?hnliche Waffe hat sie bis jetzt nirgendwo gesehen. Wieso eine Klinge aus Horn schnitzen, nur um sie dann doch mit Metall zu verst?rken? Und wozu die ganzen kryptischen Symbole? Es scheint eher zur Zierde gedacht als für den Kampf, aber falls es nur sch?n aussehen muss, stellt sich erneut die Frage, wieso sich die Arbeit machen und extra Eisen anschmieden?

  Aus welchem Grund es dem Elfen so wichtig ist, kann sie auch nicht sagen. Ob es wohl magische F?higkeiten besitzt? Aber warum würde er es dann nicht im Gefecht benutzen und stattdessen in einem Leinensack herumliegen lassen?

  Was auch immer die Besonderheit der Waffe sein mag, sie muss sicherstellen, dass es nicht gefunden wird. Und genau deshalb wird sie es in der ehemaligen Folterkammer verstecken. Au?er ihr betritt den Raum nie jemand, es wird also nicht so einfach abhanden kommen.

  Die anderen beiden Messer hingegen wird sie hier, in ihrem Arbeitszimmer aufbewahren. Sie ?ffnet eine der Schubladen an ihrem Schreibtisch, stockt jedoch als sie sieht, dass diese bereits befüllt sind.

  Zwei eiserne Pistolen blicken ihr aus dem Schubfach entgegen.

  Sie hatte vergessen, dass sie Siths Waffen hier zwischenlagert.

  Nachdem sie seiner Leiche im Kampf beide abgenommen hatte, wollte sie diese erst einmal zumindest bis zu seiner Beerdigung behalten. Anschlie?end hatte sie vor, beide feierlich an Viktor zu übergeben. Doch dessen ist sie sich jetzt nicht mehr so sicher.

  Seit dem Tod seines Bruders verh?lt sich der einst schüchterne und liebe junge Ritter anders. Er verschanzt sich in seinem Zimmer, ist nur noch selten auf den G?ngen des Anwesens zu sehen. Seine Armbrust hat er kein einziges Mal in die Hand genommen, obwohl ihm das Training immer viel Freude bereitet hat.

  Was ihr aber am meisten Sorgen bereitet, sind die blutigen Hemden, die die W?schefrau regelm??ig aus seinem Raum tr?gt und dumpfen Schl?ge, die sie nachts vor seiner Tür h?ren kann.

  Nein, er ist sicherlich nicht in einer Verfassung, in der sie ihm eine Pistole anvertrauen k?nnte. Das wird warten müssen, bis es ihm wieder besser geht.

  Falls es ihm irgendwann wieder besser geht.

  Sie h?lt kurz inne und schüttelt sich im Geiste. Was denkt sie blo?? Natürlich wird es ihm wieder besser gehen. Es mag seine Zeit brauchen aber Viktor wird auch damit fertig werden, ganz sicher.

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  Sie legt die beiden unverzierten Messer zu den Pistolen und schlie?t die Schublade. Irgendwann wird Viktor die Waffen seines Bruders bekommen.

  Als sie aus ihrem Arbeitszimmer heraustritt, l?uft ihr bereits ihre Ritterin entgegen.

  “Hallo Ruby, wie geht es dir?”

  Die kleine Asiatin unterbricht sie mit einigen scharfen Handbewegungen.

  “Gut, worum geht es denn?”, antwortet die Fürstin z?gerlich, überrascht mit der Aufdringlichkeit ihrer Geschworenen.

  Zwei weitere energische Handbewegungen folgen.

  “Wieso ungeduldig, auf was warten sie denn?”, fragt die Fürstin verwirrt.

  Die Ritterin führt eine Reihe von schnellen Geb?rden vor. Rhiscea kann kaum mithalten und das, obwohl sie in den letzten paar Tagen überraschend viel übung hatte.

  “Wieso l?ufst du in der Stadt herum, du solltest deine Bettruhe einhalten!”, protestiert Rhea.

  Ruby verdreht die Augen und antwortet mit einigen wenigen Gesten:

  `Freunde - sehen - Weg - kurz′

  Danach beginnt sie wieder wild weiter zu gestikulieren.

  “ok, ok”, bremst Rhiscea sie, “Und was genau wollen sie?”

  Ihre Geschworene hebt daraufhin eine Hand und krümmt ihre Finger zweimal, als w?ren es zugreifende Krallen.

  Die Fürstin stellt die Frage, obwohl sie die Antwort darauf bereits kennt: “Und was soll ich mit ihm tun?”

  Zur Antwort ballt Ruby ihre rechte Hand zu einer Faust und schl?gt damit zweimal auf das Handgelenk ihrer Linken.

  “Das ist eine kreative Umschreibung für `an den Pranger stellen′", gibt Rhiscea zu, "Aber das kann ich nicht zulassen, du wei?t selbst, wie gef?hrlich er ist."

  Nach einigen weiteren Handbewegungen, seufzt die Fürstin und f?hrt sich mit zwei Fingern über das Nasenbein. Wenn sie sich bereits in den St?dten versammeln, sind sie m?glicherweise kurz davor den Fürstensitz zu stürmen und dann w?re es nicht mehr weit bis zu einem Bürgerkrieg.

  Sie hatte wirklich gehofft, die ganze Sache würde sich noch aufschieben lassen bis der Brief der Oberhexe sie erreichte aber das scheint jetzt nicht mehr in Frage zu kommen. Der Bote ist nirgends zu sehen und der wütende Mob steht schon praktisch vor ihrem Tor.

  Sie hat zwei M?glichkeiten, wenn sie die Massen beruhigen will.

  Entweder sie stellt ihn an den Pranger und hofft, dass ihre Ritter den Elfen für ein paar Stunden unter Kontrolle halten k?nnen, oder sie richtet ihn auf der Stelle hin und riskiert damit den Zorn der Oberin, die sie damit um eine k?stliche Vorstellung bringt.

  Es ist schon einige Tage her, seit sich der Vampir mit ihrem Blut vergiftet hat, aber er scheint sich immer noch nicht wirklich erholt zu haben. Die dunklen Ringe unter seinen Augen haben sich nicht verflüchtigt und er verbringt den Gro?teil seiner Zeit damit, zu schlafen. Vielleicht ist es besser, nicht zu lange zu z?gern und ihn gleich an den Pranger zu stellen, solange er noch nicht vollst?ndig bei Kr?ften ist.

  Erneut seufzt sie. Als sie aufblickt und Rubys entschlossene Mine sieht, gibt sie schlie?lich nach.

  “Luk”, ruft sie den jungen Stallburschen zu sich, der gerade auf dem Weg zum Pferdestall an den beiden Frauen vorbeikommt, “lauf schnell zu Ritter Lorenz und bitte ihn, in meinem Namen eine Verkündung in der Stadt zu halten. Der Hybrid wird morgen Nachmittag an den Pranger gestellt.”

  N?chstes Kapitel: 31.12. “Steine und Tomaten”

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