Die Fürstin sitzt vor der Zelle ihres Gefangenen. Er hat sich immer noch nicht bewegt und au?er einem kurzen Schnauben keinen Laut von sich gegeben. Doch sie ist noch nicht fertig mit ihm.
“Hybride sind wie Tiere. Sie jagen allem hinterher, was sie sehen und rei?en es in Stücke. Sie haben keinen Plan, keine Taktik. Ihr Vorgehen ist das, was ihnen ihr Instinkt sagt. Sie fressen, was sie finden. Schlafen, wo es sie gerade hin verschl?gt. Sie besitzen nichts.”
Sie l?sst sich von dem Knappen neben ihr den Beutel übergeben.
Zwei blaugrüne Augen blitzen giftig zwischen zusammengezogenen Augenbrauen und verschr?nkten Armen hervor.
“Sie benutzen keine Waffen”, f?hrt sie fort, w?hrend sie die beiden Messer aus dem Leinensack hervorholt und vor seiner Zelle platziert, gerade weit genug, dass er nicht an sie herankommt.
“Und vor allem…”, f?hrt sie fort, w?hrend sie noch einmal in den Beutel greift und die dritte verzierte Klinge herauszieht.
“Fass das nicht an”, faucht der Vampir beim Anblick der Waffe in ihren H?nden.
“…sprechen sie nicht”, beendet sie ihre Vorführung.
Der Hybrid fixiert sie mit stechendem Blick und presst die Z?hne zusammen, erwidert aber nichts mehr.
“Also, sag mir, was macht dich so besonders?”, spricht sie ihre Frage aus.
Als Antwort erntet sie nur Schweigen.
“Bist du dir sicher, dass du nicht antworten willst? Du k?nntest es sp?ter bereuen”, warnt sie.
Der Gefangene schnaubt nur, macht aber keine Anstalten auch nur ein Wort mehr zu verlieren.
Mit einem Mal verschwinden aus ihrem Gesicht alle Emotionen, fast so, als h?tte man sie weggewaschen. Sie kann dieses Spielchen auch anders spielen.
“Lass bitte dashier in meinem Arbeitszimmer”, sagt sie, an den Knappen gewandt und übergibt ihm das S?ckchen mit den Messern, “Und bring mir eine Wanne mit Wasser.”
“Was hast du vor?”, knurrt der Vampir misstrauisch. Doch diesmal ist die Fürstin an der Reihe zu schweigen.
Mit Gewalt st??t sie den Kopf des Hybriden unter Wasser. Das Wesen k?mpft und versucht sich mit einer Hand am Rand der Wanne, mit der anderen vom Boden hochzudrücken, doch es kann rein gar nichts ausrichten. Luftblasen steigen zur Oberfl?che auf und vom Wasser ged?mpfte Schreie hallen durch den Gang.
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Die Bewegungen des Gefangenen werden immer panischer, doch erst als sie anfangen, wieder schw?cher zu werden, zieht sie ihn an den Haaren heraus.
Der Vampir spuckt Wasser und schnappt nach Luft, w?hrend er versucht die H?nden der Fürstin zu greifen, die seinen Kopf schmerzhaft am Schopf hochalten.
“Wer hat dich geschaffen und wozu?”, knurrt sie ihre Frage zum gefühlt hundertsten Mal.
Der Elf hustet und keucht, macht aber keine Anstalten, ihr eine Antwort zu geben.
Langsam wird sie ungeduldig.
Erneut drückt sie das sich wehrende Wesen unter Wasser. Und erneut windet und k?mpft der Vampir vergebens.
Sie wartet wieder einige Sekunden, bis das Gurgeln erstirbt, z?hlt dann im Geiste noch bis fünf und zieht ihn aus dem Wasser, nur um ihn nach einem halben Atemzug wieder zurückzudrücken. Diesmal werden seine Bewegungen schneller panisch, doch sie wartet wieder, bevor sie ihm ein wenig Luft g?nnt. Beim dritten oder vierten Eintauchen f?ngt der K?rper des Vampirs an, unkontrolliert zu krampfen und zu zittern.
Sie beschlie?t, dass sie es vielleicht nicht übertreiben sollte und rei?t seinen Kopf mit Schwung aus dem Wasser, nur um ihn an der Wand hinter ihm aufschlagen zu lassen.
Der Vampir krümmt sich vor Schmerz, w?hrend er versucht das Wasser aus seinen Lungen herauszuwürgen.
Einige Momente lang beobachtet sie ihn, wie er um das bisschen Luft k?mpft, das in seinen Lungen noch Platz hat.
Ihre Stimme ist vollkommen gefühlslos, als sie ihre Frage stellt: “Wer war es?”
Der Hybrid, der mittlerweile langsam wieder normal atmen kann, versucht sich aufzusetzen, doch seine Arme brechen unter ihm weg wie Strohhalme.
Als die Fürstin sich langsam erhebt, blickt der Vampir zu ihr hoch und beginnt rückw?rts von ihr weg zu kriechen. Er zittert am ganzen Leib und Angst spiegelt sich in seinen Augen.
Sie macht einen Schritt auf die Kreatur zu, woraufhin der Elf nur noch schneller versucht, von ihr wegzukommen. Seine Arme geben immer wieder unter ihm nach, doch er schafft es, bis an das Gitter seiner Zelle zu kriechen und sich dort anzulehnen.
Die Angst in seinem Blick wandelt sich in Panik, als Rhea noch zwei weitere Schritte auf ihn zu macht und knapp vor seinem Gesicht in die Hocke geht.
Es fasziniert sie, diese Angst.
In den Augen aller Hybride und Monster, die sie bisher gejagt hat, sah sie nur Hunger, Mordlust oder Wut, nie aber Angst. Bisher hatte sie einfach angenommen, dass das eine zu menschliche Emotion war, um sie in so unmenschlichen Kreaturen zu finden, aber dieser Hybrid scheint alles auf den Kopf zu stellen, was sie bisher geglaubt hatte zu wissen.
Den Kopf schiefgelegt betrachtet sie die zitternde Gestalt vor sich. Sie beobachtet, wie seine Atmung schnell und unregelm??ig geht, wie seine Muskeln krampfen, w?hrend er versucht, sich so weit wie m?glich von ihr wegzudrücken und wie er zusammenzuckt bei jeder ihrer Bewegungen, als w?re er ein verwundetes Tier.
Dann f?llt ihr wieder ein, weswegen sie hier ist.
“Wer?”, ihre Stimme ist leise, doch in ihren Augen brennt ein gieriges Feuer.
Der Gefangene dreht still den Kopf weg und sieht zur Seite.
“Bist du deinem Sch?pfer etwa so treu, dass du für sein Geheimnis in den Tod gehen würdest?”
Er lacht nur freudlos auf.
“Nein, das sicher nicht.”
Als er wieder hochblickt und ihr in die Augen sieht, erg?nzt er giftig:
“Aber an eine Hexe wie dich, ist jedes Wort eine Verschwendung.”
N?chstes Kapitel: 26.12. "...soll das Volk bekommen"
Frohe Weihnachten euch allen!