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Kapitel 20 - nicht ihre Magie

  “Du blutest”, bemerkt er wie nebenbei, w?hrend er den Krug mit Wasser neben sich ablegt und in das Br?tchen bei?t.

  Verwirrt sieht ihn Rhiscea an, bevor sie eine Hand zu der kalten Stelle unter ihrer Nase hebt und die N?sse abwischt. Als sie ihren Handrücken wieder senkt und betrachtet, findet sie zwei breite rote Streifen darauf.

  Im selben Moment fangen wieder die schwarzen Punkte an vor ihrem Blickfeld zu tanzen und alles beginnt sich zu drehen.

  “Phex verflucht”, flüstert sie und stürmt dann durch die eiserne Tür zu ihrer Rechten.

  Nach nur ein paar Schritten in den Raum hinein sinkt sie auch schon auf das klapprige Gestell von Bett, das in einer Ecke des Raumes steht, w?hrend die Welt um sie herum weiter zu einem Gewirr aus Bewegungen verschwimmt.

  Einige Momente sp?ter ist wieder alles weg. Sie bleibt dennoch eine Weile liegen, nur um ganz sicher zu gehen. Es kommt selten vor, dass sie so eine starke Reaktion zeigt. Nasenbluten hatte sie schon einige Male, aber noch nie ansatzweise so viel und so pl?tzlich.

  Sie hatte es dieses Mal wohl wirklich übertrieben.

  “Das Vieh hatte es auf Sith abgesehen, das sag ich dir”, beteuert Malo.

  Laut ihm hielt sich der Vampir wahrscheinlich oben in den Baumwipfeln versteckt und hatte dadurch sowohl Sith als auch Ruby kalt erwischt. Den Schützen konnte er dank dem überraschungsmoment aus dem Gleichgewicht bringen, wodurch dieser mit dem Kopf auf einen Stein stie?. Ruby hatte er an der Kehle gepackt, bevor sie überhaupt reagieren konnte.

  “Was hat Viktor w?hrenddessen gemacht?”, hakt die Fürstin nach.

  “Nichts”, lautet Malos simple Antwort.

  “Wie nichts? Ist er nur danebengestanden und hat D?umchen gedreht?”

  “Ja, so in etwa.”

  Erst als ihm Rhea einen zweifelnden Blick zuwirft, verdreht Malo die Augen und erkl?rt schlie?lich: “Er hat sich erst einmal gewaltig erschrocken und hat dann nur noch Sith angestarrt. Ist einfach nur dagehockt, wie wenn um ihn herum nicht gerade alles zur H?lle fahren würde.”

  Die Fürstin seufzt. Viktor war schon immer das schw?chste Glied der Kette gewesen, aber so etwas h?tte sie selbst von ihm nicht erwartet.

  “Der Bursche verdient eine Tracht Prügel, wenn du mich fragst”, fügt der Hüne schlie?lich hinzu.

  “Malo!”, weist ihn Rhea sofort zurecht, “Er hat dabei zugesehen, wie sein Bruder gestorben ist!”

  “Wir haben alle schon mal jemanden sterben sehen, der uns wichtig war. Und natürlich ist man da vollkommen hin, aber doch nicht mitten unterm Kampf!”

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  Rhea legt den Kopf in die H?nde. Sie wei? selbst nicht, auf wessen Seite sie eigentlich steht.

  Nach einer kurzen Pause murmelt Malo, den Blick von Rhiscea abgewandt: “So jemanden im engen Kreis zu haben ist gef?hrlich.”

  Sie z?gert einen Moment lang. Ein Teil von ihr würde Malo gerne zurechtweisen, schlie?lich kann sie Viktor nicht einfach so hinauswerfen. Sie hat Sith ein Versprechen gegeben und sie hat nicht vor ihr eigenes Wort zu brechen. Andererseits hat ihr Geschworener aber Recht. Es w?re ?u?erst Leichtsinnig deswegen die Sicherheit ihrer anderen Ritter zu gef?hrden.

  Aber das ist eine Entscheidung für einen anderen Tag, beschlie?t sie und wendet sich zum gehen. Noch bevor sie den ersten Schritt machen kann, packt Malo sie am Arm und h?lt sie zurück.

  “Rhea”, flüstert er, “Was war das im Wald?”

  Sie versteht sofort, worauf er hinaus will, doch kann und will diese Konversation jetzt nicht führen.

  “Ich wei? nicht, was du meinst”, antwortet sie ihm, ohne sich umzudrehen.

  “War das Magie? Was anderes kann es ja nicht gewesen sein”, l?sst er nicht locker.

  Rhiscea schweigt nur, sie ist sich nicht sicher, was sie ihm darauf antworten soll. Davon überzeugen, dass es alles nur Einbildung war, kann sie ihn nicht, so viel steht fest.

  “Wieso h?ltst du es geheim? Es ist doch nichts Schlechtes daran, eine Hexe zu sein.”

  “Ich bin keine Hexe!”, zischt sie zurück.

  “Du würdest gefeiert werden. Die Leute würden sich sicherer fühlen mit einer Hexe über ihnen.”

  Niemand hat sich sicher gefühlt, denkt sie, nicht einmal sie selbst. Sie spricht den Gedanken aber nicht aus. Es würde nur viele weitere Fragen aufwerfen, die sie jetzt nicht beantworten will. Für manches sch?mt sie sich, für anderes müsste sie an eine Zeit zurückdenken, die sie aus ihrem Ged?chtnis verbannt hatte.

  “Wieso vertraust du uns nicht, Rhea?”, murmelt Malo. Er klingt gekr?nkt und sie kann es ihm nicht einmal verübeln.

  “Es ist Magie, ja”, gibt sie schlie?lich zu, “aber ich bin nicht verantwortlich dafür.”

  Das ist alles, was sie preisgeben will. Zumindest fürs erste. Vielleicht wird sie irgendwann über ihren eigenen Schatten springen und ihren Rittern mehr sagen k?nnen.

  Ein Knappe folgt def Fürstin, als sie die steinerne Wendeltreppe heruntersteigt. Er tr?gt den Stoffbeutel bei sich, den sie zwischen den Felsen im Wald gefunden hat.

  Sie hat vor, den Vampir zu befragt, solange noch kein Brief mit dem Befehl zur sofortigen Hinrichtung eingetroffen ist. Au?erdem scheint er wieder genug bei Kr?ften zu sein, um sprechen zu k?nnen.

  An seiner Zelle angekommen findet sie ihn genauso vor, wie auch schon am Tag vorher. In einer Ecke zusammengekauert, die Beine angezogen, das Gesicht zwischen seinen Armen verborgen. Er rührt sich nicht. Selbst als sie sich im Schneidersitz vor das Gitter setzt, hebt er nicht einmal den Kopf.

  “Es gibt ein paar Dinge, die mir noch nicht ganz klar sind”, durchbricht sie die Stille. Als der Hybrid keine Reaktion zeigt, redet sie weiter: “Ich bin bereits seit fünf Jahren Fürstin. Fünf Jahre lang beschütze ich diese Stadt vor Monstern und Halbwesen. Ich jage sie, finde sie, schneide ihnen die Kehle durch und stecke ihre K?pfe auf Pf?hle.”

  Sie wartet einen Moment, um eine Reaktion zu sehen, doch es kommt keine.

  “Es ist eine einfache Arbeit. Alle Vampire sind gierig, Wasserwesen kommen bei Vollmond heraus und Untote haben das r?umliche Vorstellungsverm?gen von Maik?fern. Aber am meisten zu tun habe ich mit Hybriden.”

  Sie verlagert ihr Gewicht ein wenig. Das Wesen hat sich nicht bewegt, aber an seiner ged?mpften, oberfl?chlichen Atmung und seinen zu F?usten geballten H?nden kann sie sehen, dass er zuh?rt.

  “Jeder von denen ist eine andere Mischung aus H?sslichkeiten, aber eines haben sie alle gemeinsam. Sie benehmen sich wie Tiere.”

  Ein wütendes Schnauben kommt von der zusammengekauerten Gestalt. Sie hat wohl einen wunden Punkt erwischt. Aber wenn sie will, dass er redet, muss sie mehr tun. Und sie wei? ganz genau wie sie ihn dorthin bringen kann, wo sie ihn braucht.

  N?chstes Kapitel: "Treue zu wem"

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