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30. Lucien

  ?Ehm...“ Emmanlines Stimme zitterte, kaum h?rbar, w?hrend Lucien sie mit seinen feurigen Augen fixierte. Er wartete auf eine Antwort und sie wusste es. Ihr silberner Blick senkte sich hastig zu Boden, ihre Finger nestelten nerv?s am Saum ihrer Kleidung. Diese kleinen, fahrigen Z?gern brachten ihn nur noch mehr in Aufruhr. Und dann sah er es. Ein Hauch von Farbe stieg in ihre blassen Wangen. Verlegenheit? Lucien blinzelte, irritiert. Warum? War es ihr etwa unangenehm, sich woanders zu waschen? Glaubte Emmanline tats?chlich, er würde sein Wort brechen und sie im Badezimmer überraschen?

  Ein gef?hrliches L?cheln zuckerte über seine Lippen. Abgeneigt w?re er gewiss nicht. Der Gedanke, ihre wohlgeformten K?rper zu sehen, wie Wassertropfen über ihre weiche Haut glitzern. Sein Drache regte sich unruhig. Doch Lucien verdr?ngte das Bild, immerhin hatte er ihr etwas versprochen und er hielt sein Versprechen.

  ?Ich wollte ja, aber...“ Ihre Stimme brach und ihr wei?er Schopf senkte sich tiefer, bis ihr Kinn fast die Brust berührte.

  Lucien seufzte leise, ratlos. Dann hob er eine Hand und legte zwei Finger unter ihr Kinn, zwang sie sanft, ihn anzusehen. Ihre Haut war kühl unter seiner Berührung. ?Ja, aber was?“, fragte er ruhig, seine Stimme vibrierte tief. ?Wo liegt das Problem?“

  Noch mehr R?te überflutete ihr Gesicht. Emmanline sah aus, als sie am liebsten im Boden versinken wollte. ?Ich... ich wei? nicht, wie das ... alles funktioniert.“

  Ihre Worte kamen brüchig, leiser werdend, bis sie schnell im Raum verloren gingen.

  Lucien starrte sie an. Er musste sich tats?chlich anstrengen, sie zu verstehen. Wie bitte? ?Was meinst du damit?“ Seine Stirn legte sich in tiefe Falten.

  ?Alles ist so fremd für mich“, flüsterte Emmanline und sah wieder zu Boden. ?Mir würde es vollkommen reichen, wenn du mich an einen See oder Fluss bringst... wo ich mich waschen k?nnte.“ Ihre Stimme zitterte weiterhin und sie konnte ihn nicht in den Augen sehen, als sch?mte sie sich dafür.

  Lucien blinzelte. Mehrmals sogar und dann d?mmerte es ihm. Schlagartig. ?Moment mal“, sagte er langsam, schnell ungl?ubig. ?Habe ich das jetzt richtig verstanden? Du wei?t überhaupt nicht, wie das funktioniert? Wie soll das denn gehen?“ Ein ungl?ubiges Schnauben entrang sich ihm. Wenn es ihn nicht v?llig sprachlos gemacht h?tte, h?tte er vielleicht gelacht. über diese absurde, freundlich naive Aussage. Doch stattdessen schwieg Lucien, den Blick fest auf sie gerichtet. Wie konnte so etwas Banales wie ein Badezimmer jemanden so ratlos zurücklassen? Lucien rieb sich über die Stirn und murmelte leise, fast mehr zu sich selbst als zu ihr: ?Nein, warte... Ich glaube, ich will es gar nicht wissen. Das würde mich nur wütend machen.“ Ihm f?llt nur ein einziger Grund ein, warum sie jetzt in so einer Situation steht.

  Culebra.

  ?H?r auf, dich über mich lustig zu machen!“ Ihre Stimme ist sch?n, scharf und verletzlich zugleich. Mit einem Ruck schl?gt Emmanline seine Hand fort, die sich noch unter ihrem Kinn spürt. Der Schlag war nicht stark, doch der Ausdruck in ihrem Gesicht traf ihn unerwartet tief. Lucien sah die Verbitterung in ihren Augen und endlich begriff er. Für sie war das keine blo?e Unwissenheit, kein Mangel an Bildung. Es war Schmach. Ein Schatten, der sich über ihr ganzes Leben gelegt hatte. Sie hatten nie gelernt, was es bedeutete, wirklich zu leben.

  Seine Wut, seine Anspannung... all die brodelnden Gefühle, die ihn eben noch beherrscht hatten, l?sten sich auf. Zurück blieb nur ein seltsames, ungewohntes Ziehen in seiner Brust. Langsam hob Lucien die Hand, legte sie auf ihren unteren Rücken, w?hrend die andere ihre erhitzte Wange berührte. Deine Haut war weich und warm unter seinen Fingern. Er zog sie behutsam an sich, darauf bedacht, keine Schmerzen an ihrem verletzten Rücken zu verursachen.

  ?Es tut mir leid.“ Die Worte kamen leise, schnell tonlos und doch war da Ehrlichkeit in seiner Stimme. ?Ich war nur... überrascht“, fuhr Lucien fort, seine Stirn leicht an die ihre geneigt. ?Ich hab nicht darüber nachgedacht. In dieser Welt ist alles so modern geworden, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass es noch jemanden gibt, der das nicht kennt.“ Sein Daumen strich sanft über ihre Wangen, zeichnete Kreise auf ihrer Haut und er blickte tief in ihre silbernen trüben Augen. Wie Emmanline ihn jetzt ansah... von unten herauf, verletzlich und gleichzeitig so wundersch?n, brachte ihn v?llig aus dem Gleichgewicht. Sie wirkt verführerisch und unschuldig zugleich. Ein Widerspruch, der ihn innerlich auftrieb. Lucien wusste nicht, was genau es war, das ihn so in ihren Bann zog. Etwas an ihr sprengte seine Kontrolle und genau das machte ihm Angst.

  Lucien zwang sich, die Gedanken zu verdr?ngen. Sie war hier aus zwei Gründen noch bei ihm. Erstens, um ihm seinen gestohlenen Rubin zurückzugeben. Zweitens... ?hm in seinem Bett zu landen. Dies musste er sich nur st?ndig wieder ins Ged?chtnis rufen. Das war der Plan. Das war alles. Und doch spürte er, wie schwer es ihm fiel, sie loszulassen.

  ?Komm mit“, sagte er schlie?lich, seine Stimme eiterte wieder, aber noch immer ruhig. ?Ich zeige es dir.“ Mit einer flie?enden Bewegung lie? Lucien Emmanline los, trat einen Schritt zurück und spürte, wie sich ein Teil von ihm dagegen stürbte. Sein Drache widersprach ihm bei fast jedem Schritt.

  Stolen from its rightful author, this tale is not meant to be on Amazon; report any sightings.

  Lucien griff nach ihrer Hand und zog sie hinter sich her. Seine Finger umschlossen ihre schmalen, kühlen Finger fest, aber nicht grob. Schweigend führte er sie durch den Raum, bis sie vor einer Tür standen, die sich lautlos ?ffnete. Ein warmes Licht flutet den Raum, wenn er den Schalter bet?tigte. Sanfte goldene Strahlen tauchen das Badezimmer in eine behagliche W?rme. Für einen Moment blieb auch Lucien stehen. Es mag seltsam wirken, dass ein uraltes Volk wie das der Drachen sich so modern eingerichtet hatte und doch auch sie liebten Komfort. Vor ihnen lag ein Raum, halb so gro? wie sein Schlafgemach und das war bereits weitl?ufig. Rechts sich eine Dusche, gro? genug, um vier Personen Platz zu bieten, daneben eine elegante, dreieckige Wanne aus wei?em Stein, die sich harmonisch in die Ecke schmiegte. In ihr hatten sechs Erwachsene einen bequemen Platz gefunden. Er erinnerte sich, wie er hier oft in einem Sprudelbad gesessen hatte. Manchmal allein und manchmal in Gesellschaft. Auf der linken Seite stehen eine Toilette, Regale voller sauber gefalteter Handtücher, Lappen und Badem?ntel, deren Duft nach Lavendel und W?rme in der Luft liegt. Bedienstete sorgt stets dafür, dass hier alles makellos bleibt. Ein gewaltiger Spiegel erstreckte sich über die halbe Wand, und das Licht, das von kleinen Kristallkugeln an der Decke ausging, lie? die wei?en Granitw?nde und den schwarz gesprenkelten Boden gl?nzen.

  In der Mitte des Raumes blieb Lucien stehen und lie? ihre Hand los. Er wollte gerade fragen, ob sie lieber duschen oder baden wollte... doch der Gedanke blieb ihm im Hals stecken. Emmanline steht da, reglos, die Lippen leicht ge?ffnet, ihre Augen silbrig leuchtend. Ihr Blick wanderte über jeden Winkel des Raumes, über das Licht, die Fl?chen, die gl?nzenden Armaturen. Sie schien kaum zu atmen.

  ?Sag mir nicht, du hast wirklich noch nie so etwas gesehen?“, fragte Lucien mit einem Stirnrunzeln, halb ungl?ubig und halb neugierig.

  ?Nein, noch nie.“ Ihre Stimme klang leise, ehrfürchtig. ?Das ist das erste Mal. Mein ganzes Leben habe ich in H?hlen gelebt. Da gab es nichts au?er kalter grober Stein und Schatten. Das hier ist so...“ Sie suchten nach dem Wort, ihre Stirn legte sich in Falten. ?...unglaubwürdig.“

  Lucien spielte Emmanline in der Obersten. ?Du willst mir sagen, du hast dein ganzes Leben in einer H?hle verbracht?“ Seine Stimme klang rau. ?Du hast... nichts davon gekannt?“ Emmanline schüttelte langsam den Kopf. ?Ich mag vielleicht nicht sanft und fair mit dir umgegangen sein“, begann er, leiser als beabsichtigt, ?aber ich h?tte dich nie von der Welt ferngehalten. Ich h?tte dir gezeigt, was es alles gibt. Die Wunder dieser Welt.“ Seine Worte überraschten ihn selbst. Sie kamen von allein, aus einem Teil in ihm, den Lucien lange verdr?ngt hatte.

  Emmanline blickte zu ihm auf. Deine Augen suchten die seinen, still und doch emotionslos von etwas, das er nicht deuten konnte. ?Wieso sagst du mir das?“, fragte sie ausdruckslos und schüttelte kaum merklich den Kopf. ?In den paar Monaten, in denen ich frei war, habe ich mehr erlebt als in meinem ganzen Leben“, fuhr sie fort und Lucien konnte keine einzige Gefühlsregung in ihrem Gesicht erkennen. Lie? sie das wirklich alles so kalt? ?Ich habe so viele Dinge gelernt, gesehen, gerochen. Dieses Schloss zum Beispiel. Das Bett, diese... Waschst?tte... das ist alles neu für mich. Ich habe davon geh?rt, ja, aber Worte erschaffen keine Bilder. Nur Illusionen und Illusionen tun nicht weh, wenn man sie nie hatte.“ Emmanline wandte sich wieder ab, ihr Blick glitt über den Raum, als sie jedes Detail in sich aufnehmen wollte, als sie Angst hatte, es k?nnte sich in der Luft aufl?sen.

  Lucien sah die kleine Elfe an, unf?hig, sich zu rühren. Sie wirkte so zerbrechlich und gleichzeitig so ungebrochen. ?Sag“, murmelte er schlie?lich, trat n?her und legte eine Hand auf ihre Schulter... sanft und schnell z?rtlich. ?Hast du niemals versucht zu fliehen?“

  ?So oft, dass ich nicht mehr z?hlen kann, wie viele Fluchtversuche es waren. Ich bin nie weit gekommen. Sie wussten immer, wie sie mich halten konnten.“ Ihre Stimme war fest und los leichtfü?ig, als würde sie über eine belanglose Sache sprechen. Lucien strich ihr eine wei?e Str?hne aus dem Gesicht, w?hrend sein Blick auf ihr verweilte. In ihren silbernen Augen lag Trotz und eine Bitterkeit, die ihn traf. ?Wag es ja nicht, mir jetzt zu sagen, ich soll dir vertrauen.“ Ihr Ton schnitt wie ein Messer in sein Fleisch und sie wandte sich von ihm ab. ?Das wird niemals passieren. Du wolltest mir was zeigen, also tu es.“

  Lucien unterdrückte ein Knurren. Ihre Verachtung war spürbar, wie ein Dorn in seiner Brust. Und doch … sie war keine Frau, die sich so leicht lesen lie?. Jede ihrer Reaktionen widersprach der Vorherigen, jedes Wort stellte seine Kontrolle infrage. Er wollte sie beherrschen und genau das war sein gr??tes Problem.

  Mit einem tiefen Atemzug drehte sich Lucien zur Dusche, stellte das Wasser an und regelte die Temperatur. ?Wenn es zu hei? oder zu kalt ist, kannst du es hier anpassen“, erkl?rte er ruhig. ?Hier stellst du es wieder ab.“ Er griff nach den Handtüchern und legte sie auf den Hocker neben der Dusche. ?Zum Abtrocknen.“ Dann brachte er ihr noch die frische Kleidung und legte sie auf das Waschbecken. ?Den Rest schaffst du alleine“, murmelte er, bevor er das Bad verlie?.

  Drau?en lehnte er sich an die Tür. Die Müdigkeit überkam ihn, aber mehr noch... die Unruhe. Etwas in ihm vibrierte, ein st?ndiges Ziehen, das er nicht abschütteln konnte.

  Was war nur los mit ihm?

  Lucien Lauschte. Nur das Rauschen des Wassers war zu h?ren. Kein Wort, keine Bewegung. Erst nach Minuten h?rte er das Rascheln von Stoff. Sie zog sich aus. Ein Fehler, das zu bemerken, denn sofort begann sein Verstand zu arbeiten, sich Bilder zu malen, die er nicht wollte. Er drückte die Augen zu. Denk nicht daran. Denk. Nicht. Daran.

  Aber es ist halb nichts. Sein K?rper reagierte schneller als sein Wille, seine Gedanken malten Szenen, die ihm das Blut in den Adern zum Kochen brachten. Ihre zarte weiche Haut. Ihr schneewei?es Haar. Das Wasser, das sich über sie ergoss. Ein heiseres Fluchen entwich ihm, als Lucien sich abrupt von der Tür abstie?. Er wollte sie. Verdammt, ja ... mehr, als gut für ihn war. Aber er konnte nicht. Nicht nach dem, was Emmanline erlebt hatte. Nicht, solange sie ihn verachtete. Und nicht, solange er sich selbst dafür hasste, dass er sie festhielt. Er hatte ihr versprochen, sie zu beschützen. Auch vor sich selbst.

  Culebra war noch da drau?en und solange dieser Bastard atmete, war sie hier sicher. Das redete er sich zumindest ein. Doch tief in seinem Inneren wusste Lucien, Sicherheit war nicht der wahre Grund, warum er sie nicht gehen lie?. Es war dieses unbegreifliche Etwas, das sie in ihm ausl?ste. Etwas, das ihn gleichzeitig schw?chte und lebendig machte.

  Mit einem tiefen Seufzer stie? Lucien sich von der Tür ab und ging mit lautlosen Schritten immer weiter von der Badezimmertür weg.

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