Auch Estragon steht lachend auf seinem kleinen Felsen.
Nachdem die Heiterkeit etwas abgeklungen ist, ruft Wagon Estragon zu: "Wir bauen die Essg?rten für das Pilzwesen und die Siedlungen für die Wandernden ... Worauf willst du hinaus, Estragon?"
Estragon, den einen Arm in die Seite gestützt, den anderen leicht angewinkelt erhoben, sodass die nach oben gerichtete Handfl?che auf Schulterh?he schwebt: "Wo sind denn diese Wandernden? ..."
Estragon, die Arme weit nach vorn ausgebreitet, als wolle er das Publikum wie eine riesige Suppenschüssel ergreifen: "Wann hat jemand von euch Wandernde gesehen, seit wir Natural City verlassen haben? Ausser Pferdchen und Giftstrauss, aber die geh?ren eigentlich zu Meneor."
überrascht und grübelnd, schauen die Leute sich gegenseitig an.
Wagon, leicht erschüttert von der Schlussfolgerung: "Willst du damit sagen, dass unser Arbeit hier so ziemlich sinnlos ist?"
Estragon, sich sinnierend das Kinn haltend: "Nun ja, mit den Essg?rten ern?hren wir das Pilzwesen ... aber sonst ..."
Chromos 5: "So viel ich weiss, hat das Pilzwesen kein Geschmackssinn. Wenn es also nur darum geht, es zu ern?hren, k?nnen wir ein spezielles Nahrungspflanze entwickeln, das sich in begrenztem Rahmen selber reproduziert. Das würde uns viel Arbeit ersparen."
Aladan, mit geschlossenen Augen und leicht schr?gem Kopf, versonnen: "Klingt gut."
Hisch, ?tzend: "Für dich klingt alles gut, was nach Faulheit riecht."
Aladan grinst selbstgef?llig. Gekicher.
Martin: "Aber was wird dann unser n?chstes Ziel sein?"
Meer: "Das liegt doch auf der Hand ..."
Das Publikum schaut neugierig zu Meer. Die Grossdois schauen neugierig auf ihre Handfl?chen.
Meer, l?chelnd: "Wir bauen eine Stadt für uns ... ein neues Genville."
Iris, wenig begeistert: "Und wo soll dieser Monsterpark entstehen, etwa hier?"
Lara, mit leuchtenden Augen: "Nein, in Estragons Wald."
Piri, verzückt: "Genville in Estragons Wald ... wie poetisch!"
Die Begeisterung bricht aus Piri hervor. Sie springt drei Meter in die Luft und ruft: "Genville in Estragons Wald, juhuuu!"
Das Publikum l?sst sich von Piris Begeisterung anstecken. Die Gesichter leuchten und l?cheln. Martin, von Piris Luftsprung überrascht, denkt: 'Dass so viel Kraft in einem so zierlichen K?rper steckt! ... Daran werde ich mich wohl nie gew?hnen.'
Grossdois im Chor: "Genville in Estragons Wald."
Piri dreht sich zu den Grossdois um ...
... und schenkt ihnen w?hrend des n?chsten Luftsprungs ihr strahlendstes L?cheln mit 'Juhuuu'.
Beckett: "So viel L?cheln für ein einziges Satz ..."
Allgemeine Begeisterung, Kichern, Gel?chter. Iris blickt skeptisch. Auch Tanja weiss nicht, was sie von der Sache halten soll.
Szeneanfang:
Es ist Nacht. Da sind Ambellmi, Trage, Bioskop, Hilfsorgane und Tank.
Held, Giftstrauss und Pferdchen n?hern sich den Nutzwesen. In Helds Gesicht arbeitet es. Er ist hin- und hergerissen.
Held reisst sich zusammen und befiehlt den Nutzwesen mit finsterem Gesicht: "Wacht auf! Ihr müsst mir etwas herstellen!"
Trage: "Ah, Chief Held. Warum sollen wir dir etwas bauen? Du hasst doch Genmonster.
Hilfsorgane: "Vielleicht hat es sein Meinung ge?ndert, seit es selber eines ist."
Die Nutzwesen kichern.
Held, wütend: "Schweigt, ihr widerlichen Scheusale! Ihr sollt mir eine Waffe bauen!"
Bioskop: "Und was soll dieses Waffe k?nnen?"
Held, finster: "Meine Feinde vernichten."
Ambellmi: ""Aber Meneor hat doch alle Chromos 2 Krieger vernichtet. Jetzt hast du keine Feindlichen mehr.""
Held, grimmig: "Feinde entstehen jeden Tag. Jeder, der sich mir in den Weg stellt, ist mein Feind."
Trage: "So funktioniert also ein Herrschbedürftiges. Es zieht durch das Welt und schafft sich überall Feindliche, die es dann vernichten kann."
Hilfsorgane: "Irgendwie krank."
Held, sich mühsam beherrschend: "Ihr seid da zum Gehorchen, nicht zum Kritisieren. Also vorw?rts!"
Trage: "Warum denkst du, dass wir gehorchen müssen?"
Held, ungeduldig: "Ihr tut alles, was die anderen Monster euch befehlen ... Ihr seid bloss lebende Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren."
Die vier Nutzwesen lachen. Held ist irritiert.
Tank: "Du hast das falsch verstanden. Wir gehorchen den Genvilles nicht. Wir arbeiten mit ihnen zusammen."
Held, protestierend: "Aber ihr tut doch, was sie sagen. Und wenn ich etwas will, h?re ich nur dumme Sprüche."
Ambellmi: ""Wir arbeiten alle für das grosse Ziel. Du nicht. Du bist das Sklave deines kranken Herrschbedürfnisses.""
Held, wütend: "Welches 'grosse Ziel'?!
Bioskop: "Mehr Freude. Weniger Schmerz."
Held, voller Verachtung: "Pah, ihr scheinheiliges Pack! Ihr wollt doch bloss euer eigenes K?nigreich, gefüllt mit perversen Monstern!"
Bioskop: "Ob es recht hat?"
Tank: "Das ist wohl Ansichtssache."
Ambellmi: ""Nein, ist es nicht ... Mein Feldsinn spürt die Schmerzen und das Freude der Lebewesen ... Ich werde wissen, ob unser 'K?nigreich' unser Anspruch erfüllt oder nicht.""
Tank: "Ob die Gesch?pfe, die wir schaffen, Monster sind, bleibt aber Ansichtssache."
Trage: "Lasst uns Monsterreich gründen!"
Die Nutzwesen kichern und lachen.
Grimmig besteigt Held Giftstrauss ...
... und reitet wortlos in Begleitung von Pferdchen in die Nacht.
Szeneanfang:
Held ist die ganze Nacht geritten und er, Giftstrauss und Pferdchen sehen nun im Morgengrauen vor sich einen respektablen, breiten Vulkanberg aus der Wüste aufragen.
Am Fuss des Berges beschreiten sie einen Weg, der sich hoch schl?ngelt.
Weiter oben flacht sich der Berg an einer Stelle ab und auch der Weg führt nun flacher durch eine felsige Landschaft.
Weiter vorn ist eine altertümliche Bogenbrücke.
Wie sie die Brücke erreichen, sehen sie, dass sie über eine nicht allzu tiefe Schlucht führt.
Giftstrauss will mit Held eben die Brücke betreten, da sagt Pferdchen, in eine Richtung zeigend: "Ich h?re Schritte in dem Schlucht."
Reaktionsschnell springt Held von Giftstrauss ...
... und alle drei ducken sich hinter die steinerne Seitenmauer der Brücke auf der von Pferdchen bezeichneten Seite.
Ein schwaches 'Toc Toc Toc' ist zu h?ren ...
... und vorsichtig sp?hen die drei über die Mauer. Ein Trupp von etwa zwanzig mit Munition und Gewehren schwer bewaffneter Frauen und M?nner reitet auf merkwürdigen Tieren durch die leicht abfallende Schlucht auf die Brücke zu. Die Reittiere gehen auf zwei starken Hinterl?ufen, die von einem kleinen Tyrannosaurus stammen k?nnten. Auf dem schlanken Hals sitzt jedoch ein harmloser Pflanzenfresserkopf.
Held flüstert: "Sind das Genkrieger?"
Giftstrauss flüstert: "Genkrieger haben keine angemalten Lippen."
Held, verblüfft, leise: "Das kannst du auf diese Entfernung sehen?"
Pferdchen, sp?ttisch, leise: "Das kannst du auf dieses Entfernung nicht sehen?"
Pferdchen und Giftstrauss kichern. Held ist betupft.
Ohne die drei zu sehen, reitet der Trupp unter der Brücke durch.
Die drei gehen auf die andere Seite der Brücke, um den Trupp weiter zu beobachten. Dabei sehen sie, wie die Schlucht weiter vorn durch Felsen blockiert wird.
Held, Giftstrauss und Pferdchen flüstern gleichzeitig alarmiert: "Ein(e) Falle!"
Pferdchen flüstert dr?ngend: "Schnell rüber, vielleicht wird in ihrem Rücken dieses Brücke gesprengt!"
Held rennt hinter Pferdchen und Giftstrauss und denkt überrascht: 'Die zwei Missgeburten sind offenbar nicht bloss freche Clowns. Ich habe sie untersch?tzt.'
Dumm wie L?mmer tappen die Reitleute weiter auf die Felsenbarriere zu.
Das Trio Held hat die Brücke überquert und schleicht nun den Schluchtrand entlang. Pferdchen flüstert: "Wie soll das Angriff stattfinden? Hier oben ist niemand."
Giftstrauss streckt seinen kleinen Kopf über den Schluchtrand und entdeckt etliche H?hlen?ffnungen in der gegenüberliegenden Schluchtwand. Giftstrauss, leise: "Das gegenüberliegende Schluchtwand ist voller H?hlen."
Pferdchen eilt vorw?rts und sagt leise: "Dann verstecken sie sich vor dem Felsenriegel in den H?hlen."
Held rennt den beiden hinten nach und denkt etwas verwirrt: 'Wer hat hier eigentlich das Kommando?'
Zeitgleich erreichen das Trio Held und die Reitleute den Felsenriegel.
Menschen in eher b?urischer Arbeitskleidung tauchen in den Felsenh?hlen auf und beginnen Felsbrocken auf die Reitleute zu schmeissen.
Von unten ert?nen die Schreie der verletzten Menschen und Tiere und der Ruf: "überfall!"
Das ohrenbet?ubende 'Taktaktak' der Schnellfeuergewehre erfüllt die Schlucht, wie die Reitleute auf die H?hlen?ffnungen schiessen, deren R?nder unter den Geschossgarben stieben.
Die Angreifenden ziehen sich scheinbar in die H?hlen zurück, ...
... erscheinen jedoch sogleich wieder mit neuen Felsbrocken.
Bevor sie ihre Ladung in die Schlucht schmeissen k?nnen, zischen über die Schlucht hinweg die Kapseln des Giftstrausses ...
... und l?sen die K?rper der Angreifenden in Zellenmatsch auf.
Bei den Reitleuten herrscht Chaos: Schreie, Verletzte, angstvolles Ballern nach oben.
Aus der sicheren Deckung des Schluchtrandes brüllt Held in die Schlucht: "Ruhe! Es ist vorbei!"
Etwas verblüfft halten die Reitleute inne und schauen nach oben, wo nichts zu sehen ist.
Nur eine Stimme ert?nt: "Zieht euch zurück! Ich werde die Felsen weg sprengen!"
Der Anführer der Reitleute ruft: "Rückzuuug!"
Nicht recht wissend, wie ihnen geschieht, gehorchen die Reitleute ...
... und ziehen sich mit ihren Verletzten bis zur Brücke zurück.
Etwa zwei der gesunden Reitleute gehen mit den Verletzten weiter die Schlucht hoch, wo sie hergekommen sind.
Das verbleibende Dutzend Reitleute beobachtet gespannt den Felsenriegel.
Pferdchen h?lt sich mit den H?nden am Schluchtrand fest, ...
... schwingt seinen Hinterleib hinaus in die Schlucht, ...
... trennt sich von ihm, ...
... sodass er, vom Schwung getragen, einen Bogen zur Mitte der Schlucht hin beschreibt, ...
... um schliesslich mitten auf dem Felsenriegel zu landen.
Nichts geschieht.
Irritiert sagt jemand von den Reitleuten: "Was soll dieses Theater?"
Ein anderer ruft: "Die wollen uns ver...!"
Mit gewaltigem 'Kawuuum' explodiert Pferdchens Hinterleib und zerspritzt den Felsengürtel, als sei er ein H?ufchen Kies, das von einem kr?ftigen Fusstritt getroffen wird.
Die Druckwelle erfasst die erschrockenen Reitleute und die unruhigen Tiere, richtet aber keinen Schaden an.
Die Reitleute sind schwer beeindruckt und eine Person sagt: "Was ist das? Eine Ein-Mann-Armee?"
Andere Person: "Zum Glück haben sie nicht diesem Dreckshaufen geholfen ..."
Dritte Person: "Ja, sonst w?ren wir jetzt alle tot."
Der Anführer befiehlt: "Los, dem hinterlistigen Gartenpack zeigen wir's!"
Mit entschlossener Wut reitet die Truppe auf den gesprengten Felsenriegel zu.
Wie sie die Stelle passieren, ruft der Anführer nach oben: "Danke für die Hilfe! Geht die Schlucht entlang weiter! Wir treffen uns im Tal!"
Giftstrauss fragt Held: "Willst du wieder reiten?"
Held winkt ab: "Nein, sie brauchen nicht zu wissen, wie schnell wir uns im Ernstfall bewegen k?nnen."
So marschieren Held, Giftstrauss und Pferdchen weiter auf dem Weg, der meistens dem Schluchtrand folgt ...
... und schliesslich am Ende der Schlucht in ein rundes Vulkantal mündet. Das Tal ist übers?t mit rundbogenf?rmigen Treibh?usern aus halbdurchsichtigen Plastikplanen. Aus einem Stollen im Fels des Talrandes kommt ein Bündel prall mit Wasser gefüllter Feuerwehrschl?uche, die sich im ganzen Tal verteilen. Durch eingefügte 'T'-Stücke führt von diesen Hauptschl?uchen zu jedem Treibhaus ein kurzer Schlauch. Im Herzen des Tals liegt ein kleines Dorf, das wie ausgestorben wirkt. Unweit nach dem Ende der Schlucht vereinigt sich der Weg durch die Schlucht mit dem Pfad, den das Trio Held benutzt, und führt dann geradewegs auf das Dorf zu.
Wo die Wege zusammentreffen, bleibt Held stehen und sagt mit Blick auf das Dorf: "Das Dorf ist bestimmt feindlich. Wir warten besser hier auf die Reitleute."
Pferdchen: "Die Reitleute sind nicht mehr in dem Schlucht."
Held schaut Pferdchen überrascht an ...
... und f?hrt alarmiert herum zum Dorf, wo das 'Peng, Peng, Peng' einzelner Schüsse zu h?ren ist.
Spontan rennen die drei zum Dorf, ...
... wo Held schwer atmend als Letzter eintrifft, w?hrend bei Pferdchen und Giftstrauss keine Anzeichen von Anstrengung zu erkennen sind.
Die Reitleute haben an die fünfzig Dorfleute jeglichen Alters, auch Kinder, auf dem Dorfplatz zusammengetrieben. Unbewaffnet und in Arbeitskleidern stehen sie v?llig eingeschüchtert in einer Reihe.
Der Anführer bellt die Dorfleute wütend an: "Ihr wollt euch mit Gewalt gegen die Erfüllung unseres Vertrages wehren, der euch verpflichtet, uns 50 Prozent eurer Ernte abzuliefern?! Ihr glaubt also, dass ihr unseren Schutz nicht mehr braucht?!"
?ngstliches Schweigen bei den Dorfleuten.
Anführer, wie oben: "Wir werden jetzt jeden zweiten erschiessen, dann werdet ihr nie mehr vergessen, wie viel 50 Prozent sind und was unser Schutz wert ist."
Die Dorfleute sind starr vor Schreck. Nur eine Frau traut sich verzweifelt zu rufen: "Aber wir k?nnen doch nicht doppelt so viel arbeiten!"
Anführer, ruhiger, mit satanischem Grinsen: "Braucht ihr nicht. Ihr müsst ja auch nur noch die H?lfte eurer M?uler stopfen."
Anführer, in hartem Befehlston zu seinen Leuten: "Los, erschiesst jeden zweiten!"
Anführer, zu den Dorfleuten, brüllt b?se: "Und ihr bleibt stehen! Alles, was sich bewegt, wird sofort erschossen!"
Die Reitleute fangen an, den Befehl auszuführen. Die getroffenen Dorfleute sinken hin.
Eine Frau umarmt ihren Mann, der gleich dran ist, ...
... und wird mit diesem zusammen erschossen.
Der Mann, der das Paar erschossen hat, fragt den Anführer verwirrt: "?hm, muss ich jetzt einen überspringen?"
Ungehalten winkt der Anführer dem Mann, fortzufahren und sagt: "Ja ja."
Ein junger Gartenmann, der neben seiner vor Angst schlotternden Freundin steht, flüstert seinem Nachbarn zu: "Lass uns tauschen, dann überlebst du."
Der erstaunte Nachbar: "Aber du ..."
Schnell vollzieht der junge Mann den Tausch und flüstert dabei zum Nachbarn, der nun zwischen dem Liebespaar steht: "Wenn meine Freundin stirbt, will ich auch nicht mehr leben."
Das Liebespaar gibt sich hinter dem Rücken des Nachbarn die Hand ...
... und wird gleich darauf erschossen.
W?hrend im Hintergrund noch Schüsse zu h?ren sind, sagt Pferdchen nachdenklich: "Wir haben wohl den Falschen geholfen."
Held, mit steinerner Miene: "Wenn wir überleben wollen, sollten wir uns auf die Seite der St?rkeren schlagen."
Giftstrauss: "Die St?rkeren sind wir."
Held, etwas verwirrt: "Wie meinst du das?"
Giftstrauss: "Die Genkrieger waren uns an Zahl und Kampfkraft weit überlegen. Trotzdem haben wir sie vernichtet. Also sind wir die St?rkeren."
Held, trocken lachend: "Ich habe ja nicht mal eine Waffe."
Pferdchen, ernsthaft: "Du spielst einfach das grosse Weise. Die Leute fassen eher Vertrauen zu dir, wenn du unbewaffnet bist ..."
Giftstrauss, l?chelnd: "Und wenn du Waffen brauchst, sind wir da."
Held staunt über diesen Vorschlag.
Die Stimme des Anführers unterbricht aus dem Off das Gespr?ch: "Ah, da ist ja unser Retter."
W?hrend der Gruppenführer auf ihn zukommt, überlegt Held fieberhaft: 'Der grosse Weise? ... Was bleibt mir anderes übrig ...'
Held denkt mit kaum wahrnehmbarem Grinsen: 'Vielleicht gar keine schlechte Tarnung ...'
Ohne Giftstrauss und Pferdchen zu beachten, streckt der Gruppenführer Held die Hand hin und sagt mit schmalem L?cheln: "Willkommen im Klub. Der Grosse wird sich über Verst?rkung freuen. Wie ist dein Name?"
Held, ebenfalls mit schmalem L?cheln: "Held."
Der Gruppenführer hat sich umgedreht und bewegt sich schon wieder zurück zu seinen Leuten, wobei er lachend ruft: "Er ist ein Held und heisst Held, hahaha!"
Einige der Reitleute lachen auch. Die Erschiessungen sind beendet ...
... und der Gruppenführer brüllt die Gartenleute an: "Zurück an die Arbeit, faules Pack!"
V?llig eingeschüchtert huschen die überlebenden Gartenleute davon.
Im Verlauf der Geschichte w?chst Pferdchens Hinterleib ziemlich schnell, in einem Tag oder so, wieder nach.
Die Reitleute bewegen sich auf ihren Tieren zurück durch die Schlucht. Held ist hinter dem Gruppenführer aufgesessen. Pferdchen und Giftstrauss trippeln unbeachtet, als w?ren sie stumme Haustiere, hinten nach.
Die Schlucht führt zu einem H?hleneingang, der ebenso hoch ist wie die Schlucht. Ein eindrucksvolles Stahltor verhindert den Zugang. Der Gruppenführer brüllt: "?ffnet das Tor!"
Unterstützt von Motorenkraft, bewegen sich die Torflügel quietschend und knarzend langsam nach aussen und geben den Weg frei.
Zwei schwer bewaffnete Wachposten grüssen die Eintretenden, wobei der eine sich noch an der elektrischen Torsteuerung zu schaffen macht.
Wie das Tor sich hinter den Reitleuten schliesst, wird die riesige H?hle nur noch schwach von wenigen, seitlich angebrachten Leuchtstoffr?hren erhellt.
Der H?hlenboden steigt an, führt sozusagen hinauf zur Decke, die horizontal bleibt.
Wie der Boden wieder eben wird, ist die Decke nur noch fünf Meter hoch, was etwas 'gemütlicher' wirkt. Hier sind auch weitere Reittiere angebunden. Die Reitleute steigen ab und der Gruppenführer sagt dabei zu Held: "Ich bringe dich zum Grossen."
Der Gruppenführer, Held, Pferdchen und Giftstrauss verlassen den 'Stall', indem sie eine in den Fels gehauene Treppe erklimmen, die offenbar in ein oberes 'Stockwerk' führt.
Die Felsentreppe mündet in einen betonierten Flur.
Geschlossene Türen führen zu unbekannten R?umen, andere G?nge zweigen ab. Wie in einem Bürogeb?ude.
So überrascht es kaum, dass da eine Sekret?rin oder Vorzimmerdame sitzt, welche die Herankommenden aufmerksam mustert. Etwas ungew?hnlich ist die umgeschnallte Pistole und das Schnellfeuergewehr, das hinter ihr an der Wand lehnt.
Erstaunlich zahm sagt der Gruppenführer zur Sekret?rin: "Dieser Mann heisst Held. Er hat uns vor einem überfall der Gartenleute gerettet. Würdest du ihn bitte dem Grossen vorstellen?"
Die Sekret?rin nickt ...
... und fragt den weggehenden Gruppenführer: "Und sonst?"
Gruppenführer, über die Schulter, mit selbstgef?lligem L?cheln: "Alles erledigt."
Die Sekret?rin in die Gegensprechanlage: "Da ist ein Mann namens Held. Er hat unseren Trupp vor einem überfall der Gartenleute gerettet."
Gegensprechanlage: "Soll reinkommen."
Die Sekret?rin h?lt die Tür zum Büro des Grossen auf und sagt mit kühler Freundlichkeit: "Darf ich bitten."
Zuerst ist das Trio Held geblendet. Die eine Wand des Büros besteht ganz aus einer Glasscheibe, durch die helles Tageslicht herein flutet.
Wie sich ihre Augen an die Helligkeit gew?hnt haben, sehen sie von der Kraterwand tief hinunter ins Rundtal der Gartenleute.
Erst jetzt bemerken sie den kleinwüchsigen, etwa fünfzigj?hrigen Mann, der lachend mit ausgestreckter Hand auf Held zukommt und sagt: "Ah, so sieht also ein Held aus, hahaha ..."
Held und der Grosse geben sich die Hand. Grosser, wie oben: "Ich begrüsse dich Held. Sie nennen mich Grosser ... nicht wegen meiner K?rpergr?sse, sondern wegen meiner Verdienste, hahaha."
Held l?chelt gezwungen. Pferdchen und Giftstrauss tun so, als w?ren sie stumme Tiere, die nichts verstehen.
Held, artig: "Wir ... ich m?chte mich gern nützlich machen. Aber ich bin erst angekommen und kenne die Verh?ltnisse nicht."
Grosser, g?nnerhaft: "Nun, durch die Rettung unseres Trupps hast du dich ja schon sehr nützlich gemacht. Jeder Mann ist kostbar ..."
Grosser, geheimnisvoll: "Allerdings sind zu viele auch nicht gut ..."
Grosser, über seinen Witz lachend: "Hahaha."
Held, verwirrt: "Wie darf ich das verstehen?"
Der Grosse geht ans Fenster, blickt hinaus und sagt ernst: "Sieht aus wie das Paradies, nicht wahr?"
Das Trio Held stellt sich ebenfalls ans Fenster und schaut hinab auf die Pflanzungen der Gartenleute, die unter ihren Treibh?usern nicht sehr paradiesisch wirken. Der Grosse zeigt hinab, wie oben: "Siehst du die Schl?uche, die in der Felswand verschwinden? Sie führen zu einem unterirdischen See ..."
Der Grosse, mit auf dem Rücken verschr?nkten H?nden, wie oben: "Seit es nicht mehr regnet, wird der See nicht mehr aufgefüllt ... und er ist bald leer ..."
Der Grosse schaut Held an und f?hrt bedeutungsvoll fort: "Und wenn der See leer ist, werden alle Pflanzungen verdorren und wir verdursten."
Held sieht vor seinem geistigen Auge einen Essgarten der Genvilles und denkt: 'Hm, die Genmonster haben das Problem gel?st ... und mit einem halb verhungerten Haufen kann ich Hans Hart nicht besiegen ...'
Held, vorsichtig, weil er hier neu ist und nichts zu sagen hat: "Ich h?tte da eine Idee."
Grosser, neugierig, aber ohne grosse Hoffnung: "Ja?"
Held, wie oben: "Wir sollten die Pflanzen in der Wüste anbauen. Ich vermute, dass es dort noch genügend unterirdische Wasservorr?te hat."
Der Grosse ist entgeistert: "Aber nein, wir k?nnen nicht in die Wüste! Die Kampfpilze fressen jeden auf, der sich dorthin wagt! Wir sind auf diesem Vulkan gefangen!"
Held, wie oben: "Darf ich es versuchen?"
Der Grosse ist zuerst verblüfft, weil Held gar nicht auf seine Argumente eingeht, ...
... lacht dann aber los: "Ach so, du willst mich auf den Arm nehmen und ich Trottel merk es nicht, hahaha."
Held l?chelt freundlich mit, ...
... und sagt bescheiden: "Eine solche Respektlosigkeit würde ich nicht wagen ... Es ist vielmehr so, dass ich durch die Wüste gekommen bin und mich die Kampfpilze in Ruhe gelassen haben. Vielleicht sind sie weg oder ich habe Glück gehabt."
Der Grosse staunt, ...
... fasst sich aber schnell und sagt zweifelnd: "Nun gut, wenn es dir Ernst ist ..." und denkt: 'Und wenn er drauf geht, haben wir ein Maul weniger zu stopfen.'
Held, mit bescheidener Verbeugung: "Danke, ich werde gleich beginnen."
Wie Held das Büro verlassen will, ruft ihm der Grosse nach: "Aber bewaffne dich ordentlich ... Waffen haben wir genug."
Held denkt an Pferdchens Worte 'Dann spielst du einfach das grosse Weise ...' und sagt bescheiden: "Vielen Dank, aber ich fühle mich unbewaffnet wohler."
Pferdchen und Giftstrauss kichern verstohlen.
Wie Held auf einem Reittier die Schlucht hinab trabt, sagt Pferdchen zu Held: "Das lustige Kerl hat mindestens so viel Herrschbedürfnis wie du."
Giftstrauss: "Ja, das ist gef?hrlich. Es macht Witzchen, obwohl es eben über zwanzig Leute hat ermorden lassen."
Held, kühl: "Dessen bin ich mir bewusst."
Pferdchen: "Ja, du bist ja auch so eines."
Giftstrauss: "Bringst 500'000 Leute um, nur weil sie nicht deines Meinung sind."
Held ist ver?rgert, aber auch voller Unbehagen, weil seine Grausamkeit so schonungslos auf den Punkt gebracht wird.
Held, wütend: "Warum helft ihr mir, wenn ich so ein Scheusal bin?!"
Pferdchen: "Unser Bedürfnisstruktur zwingt uns dazu, bei Herrschbedürftigen unser Dienvergnügen zu suchen. Ebenso wie Herrschbedürftige dazu gezwungen sind, für ihr Herrschvergnügen über Leichen zu gehen."
Giftstrauss: "Wir h?tten unser Bedürfnisstruktur von Ambellmi ?ndern lassen k?nnen."
Pferdchen: "Hm, ja, das werde ich eines Tages tun."
Giftstrauss, zu Held: "Du k?nntest dein Herrschbedürfnis auch l?schen lassen."
Held, dem der Gedanke Angst macht, erregt: "Ich lass mir doch nicht vor diesem Monstrum an meinem Gehirn rum flicken! Ich will nicht wie eine debile Tunte am Wegrand hocken und vor mich hin lallen!"
Pferdchen: "Ich weiss nicht, was ein Tunte ist, aber die Genvilles haben auch kein Herrschbedürfnis und hocken trotzdem nicht lallend am Wegrand."
Giftstrauss: "Du hast bloss Angst vor einem neuen Leben, wo ganz andere Dinge wichtig sind, als was oben und was unten ist."
Held, wütend: "Eure Meinung interessiert mich nicht! Haltet endlich eure Monsterschnauzen!"
Giftstrauss, sp?ttisch: "Das arme Held, so ohne S?uregraben."
Pferdchen, sp?ttisch: "Ups, wie will es uns dann bestrafen?"
Beide lachen. Held macht 'Grrr'.
Schritte von galoppierenden Reittieren sind zu h?ren ...
... und zwei Bewaffnete, eine Frau und ein Mann, schliessen zu dem Trio auf. Der Mann ruft: "Wir sollen dich vor dem Gartenpack beschützen."
Held, kühl: "Gut danke." und denkt: 'Der Grosse traut mir nicht.'
Im Dorf beladen die Gartenleute nach Helds Anweisungen einen Karren mit Setzlingen, Gartenger?ten und Planen. W?hrend Held abgestiegen ist, verfolgen die Bewaffneten auf ihren Reittieren aufmerksam das Geschehen.
Der Karren ist voll und Held befiehlt: "Spannt mein Reittier vor den Karren."
Ein G?rtner, demütig: "Aber dann kannst du nicht mehr reiten."
Held, bescheiden: "Ich werde mit euch zu Fuss gehen." und denkt: '... der grosse Weise ...'
Die Gartenleute schauen ihn erstaunt und respektvoll an. Pferdchen und Giftstrauss kichern verstohlen.
Der Bewaffnete schreit: "Worauf wartet ihr?! Tut, was Held sagt!"
Eingeschüchtert spannen die Leute Helds Reittier vor den Karren.
Der kleine Treck aus den zwei Bewaffneten, dem Trio Held, dem Karren mit Zugtier und zwei Gartenleuten erklimmt den Pfad, der oberhalb der Schlucht entlang führt.
Wie sie am Fuss des Berges vor der Wüste stehen, z?gern die Bewaffneten und die Gartenleute.
Held dreht sich um und fragt: "Was ist?"
Die Gartenleute werfen sich v?llig ver?ngstigt auf die Knie und betteln: "Bitte nicht in die Wüste, Held. Die Kampfpilze werden uns fressen. Das ist ein schrecklicher Tod!"
Held denkt stirnrunzelnd: 'Hm, früher h?tte ich einfach los gebrüllt, aber wenn ich hier den Weisen spielen will, muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen.'
Held wendet sich wieder um und wandelt mit ausgebreiteten Armen langsam und schwerelos in die Wüste. Giftstrauss will ihm folgen, da flüstert Pferdchen unh?rbar für die andern: "Bleib stehen! Das macht jetzt ein grosses Auftritt. Da st?ren wir nur."
Die Gartenleute und die Bewaffneten starren mit angehaltenem Atem und offenen Mündern auf Held, der bereits an die zwanzig Meter weit vorgedrungen ist.
Held h?lt an und bringt seine ausgebreiteten Arme nach vorn, so als wolle er eine grosse Kugel anfassen. Held denkt: 'Bilde hier einen Trinkbrunnen, du scheussliches Monster!'
Wie nichts geschieht, denkt Held gestresst: 'Ah, dieses bl?de Vieh gehorcht nicht ... Wenn jetzt nicht bald etwas geschieht, blamiere ich mich bis auf die Unterw?sche ...'
Giftstrauss flüstert: "Was will es überhaupt?"
Pferdchen flüstert: "Bestimmt will es ein Trinkbrunnen, um den Leuten zu beweisen, dass hier Wasser ist."
Giftstrauss flüstert: "Und warum klappt es nicht?"
Pferdchen flüstert: "Es macht etwas falsch ... Vielleicht redet es mit Worten, aber du musst mit Bildern zu dem Pilz sprechen."
Wie immer noch nichts geschieht, kommt Held ins Schwitzen. Die Vulkanleute im Hintergrund werfen sich fragende Blicke zu. Held denkt gestresst: 'Und wenn dieses Monster sich von hier zurückgezogen hat? ...'
Giftstrauss flüstert: "Wir müssen ihm helfen."
Pferdchen schliesst die Augen und flüstert: "Ja, konzentriere dich auf das Bild eines Trinkbrunnens vor seinen Füssen."
Beide Kampforganismen konzentrieren sich mit geschlossenen Augen ...
... und tats?chlich w?chst vor Helds Füssen eine schlanke Kampfpilzs?ule empor.
Die Vulkanleute sind entsetzt ...
... und flüchten einige Meter zurück. Derweil formt der Kampfpilz auf Hüfth?he ein Trinkbecken, ...
... welches sich mit Wasser füllt. Held drückt seinen Stress weg und schreitet würdevoll um das Becken herum, ...
... sodass er nun den entsetzten Vulkanleuten zugewandt ist. Held, priesterlich: "Kommt und trinkt."
Held füllt seine zur Schale geformten H?nde mit Wasser ...
... und trinkt davon. Das Nass tropft von seinen H?nden herab und beweist dadurch, dass hier tats?chlich Flüssigkeit vorhanden ist.
Pferdchen flüstert grinsend: "Diese Vulkanleute wissen nicht, was trinken heisst. Wir müssen es ihnen vormachen."
Leise kichernd gehen die Kampforganismen zum Becken ...
... und trinken daraus. Pferdchen muss sich auf die Hinterbeine stellen, was niedlich aussieht. Das Entsetzen der Vulkanleute weicht ungl?ubigem Staunen. Wie Held den beiden beim Trinken zusieht, denkt er: 'Igitt!'
Der bewaffnete Mann, findet zu seiner Rolle zurück, richtet die Waffe auf die Gartenleute und sagt in harschem Befehlston: "Ihr zuerst!"
Neue Angst kommt bei den Gartenleuten auf und einer sagt mit schwachem Protest: "Aber ..."
Der Bewaffnete feuert zwei Schüsse dicht neben den Gartenleuten in den Boden und brüllt: "Ich knall euch ab!"
Hastig und erfüllt von schrecklicher Angst wieseln die Gartenleute zum Becken. Pferdchen und Giftstrauss geben das Becken frei ...
... und stellen sich freundlich und harmlos neben Held auf, als w?ren sie Kinderspielzeug.
Z?gernd starren die Gartenleute auf das sich stets nachfüllende Becken, ...
... tauchen zitternd vor Angst ihre H?nde ins Wasser ...
... und trinken aus ihren Handschalen, wobei sie das meiste durchs Zittern verschütten.
Sich verblüfft anschauend, sagt der eine: "Es ist gutes Wasser!"
Der andere: "Und wir leben noch!"
Gartenmann, voller Ehrfurcht zu Held: "Aber wie ist das m?glich?"
Nun wagen sich auch die zwei Bewaffneten auf ihren Reittieren heran.
Zum Trinken haben sie ihre Reittiere verlassen. Auch die Bewaffneten schauen sich verblüfft an, wie sie gekostet haben. Held erl?utert ruhig: "Ihr werdet jetzt mit euren Ger?tschaften hier ein erstes Gemüsefeld errichten. Der Kampfpilz wird die Pflanzen mit Wasser und N?hrstoffen versorgen. Als Gegenleistung wird er sich einen Teil der Ernte und die Rüstabf?lle holen. Erschreckt also nicht, wenn Tentakel aus dem Boden schiessen, weil der Kampfpilz sich seine Nahrung holt."
Gartenmann, zweifelnd: "Und woher weiss er, dass nicht wir seine Nahrung sind?"
Held, geheimnisvoll: "Er weiss es, vertraut mir."
Bewaffnete Frau, mit dem Gewehr im Anschlag auf die Gartenleute, unwirsch: "An die Arbeit!"
Szeneanfang:
Es ist Abend. Die Sonne steht schon tief. Iris h?lt ein imagin?res Mikrofon in der Hand und l?sst sich von Ewald mit seiner nicht vorhandenen Kamera 'filmen'. Da die B?ume in Estragons Wald zwei Kilometer Abstand haben, ist nur einer dieser Giganten im Hintergrund zu sehen. Ausgewachsen wird er etwa einen Kilometer hoch und am Fuss fünfzig Meter dick sein. Dazu braucht er etwa hundert Tage. Aber diese Zeit ist noch nicht abgelaufen. Also ist er vielleicht zwanzig, dreissig Meter dick. Die ursprünglich kleine Wendeltreppe in seiner Rinde ist immerhin schon so breit, dass sie begehbar ist. Die Wendeltreppe führt zu einer Art runder Terrasse, von der aus vier Wege, alle neunzig Grad einer, wie H?ngebrücken ohne Gel?nder zu den Nachbarb?umen führen. Diese Baumbrücken liegen bei unserem Exemplar an die fünfzig Meter über Boden. Am Ende werden sie in hundert Metern H?he schweben. Die Baumkronen müssen wohl eher schlank sein wie Pappeln. Sonst würde schliesslich kaum mehr ein Sonnenstrahl die Erde erreichen, was das Leben in Genville recht düster werden liesse. In genügendem Abstand um den m?chtigen Stamm herum, sodass er sich noch auswachsen kann, haben die Genvilles begonnen, das neue Genville zu bauen mit Geb?uden, Pl?tzen, Skulpturen, Parkanlagen, Brunnen, Essg?rten, allem, was zu einer Traumstadt geh?rt. Da die Arbeit ganz am Anfang steht, ist von alldem nur wenig zu sehen. Vielmehr ist es eine einzige Baustelle oder eher 'Wachstumsstelle', denn jedes Element von Genville ist ein lebender Organismus, wenn auch meist ohne Bewusstsein. Iris mimt die Reporterin und spricht ins 'Mikro': "Die Genville-Monster haben nun ihre Rundreise durch die Wüste beendet. Ziel dieser Reise war es, überall sogenannte 'Essg?rten' zu pflanzen, welche das unterirdische Kampfpilz-Monster mit Nahrung versorgen. Was hat es mit diesem auf den ersten Blick sinnlosen Projekt auf sich? Nun, das Kampfpilz-Monster verhindert, dass die Natürlichen von Natural City die Wüste betreten k?nnen. Natürliche werden von seinen Tentakeln ergriffen, grausam zerquetscht, in die Tiefe gerissen und verspeist. Die Unterstützung dieser abscheulichen Ausgeburt einer kranken Fantasie ist ein Angriff der Genville-Monster auf das Recht der Natürlichen auf freie Bewegung. Die Natürlichen sind auf natürliche Weise entstanden und damit die natürlichen Erben dieses Planeten. Niemand hat das Recht, sie zu behindern und zu bevormunden."
Aus dem Off ert?nt ein 'Bravo!' und ein 'Klap Klap Klap'. Irritiert schaut Iris in die Richtung der Ger?usche.
Breit l?chelnd, immer noch applaudierend, kommt Meer auf Iris zu und sagt: "Was für ein Hochglanztext für die n?chste Propagandaschrift der Natural Guard! 'Wahlrede' kann ich ja nicht gut sagen, seit es keine Wahlen mehr gibt."
Iris, angriffig: "Na und, ich darf nicht einrosten. Eines Tages werde ich wieder meinen Job ausüben. Oder glaubst du, ich will hier noch lange das Maskottchen dieser Genmoster spielen?"
Meer und Ewald sind erstaunt über dieses Selbstverst?ndnis und denken: 'Maskottchen?'
Meer, mit schmerzlichem L?cheln: "Du weisst genau, dass die Genvilles den Kampfpilz ern?hren, weil er Wasser in die Wüste bringt und damit Estragons Wald erm?glicht, der die Erde vor der überhitzung schützen wird. Sie retten die Welt und du stellst sie in ein schiefes Licht. Wie kannst du damit leben?"
Iris h?rt etwas betroffen zu, ...
... sagt dann aber trotzig: "Wie kann ich ohne damit leben? Wie bekomme ich sonst mein altes Leben zurück, mein Auto, meine Wohnung, mein Büro, meine Vergnügungen?"
Meer, kritisch: "Wozu brauchst du diese Mühe? Du kannst hier wohnen, essen und dich vergnügen?"
Iris, ver?chtlich: "Pah, in diesem Kaff ist es doch stink langweilig."
Meer, ernsthaft: "Du bist Reporterin und darfst miterleben, wie Genville entsteht. In tausend Jahren werden dich alle beneiden, dass du in diesem Augenblick der Geschichte hier sein durftest. Warum schreibst du kein Buch über die Entstehung und Entwicklung von Genville?"
Iris lacht sp?ttisch: "Hahaha, soll ich's in den Sand kritzeln? Hier gibt's ja nicht einmal einen Computer."
Ewald, vorsichtig: "Die Genvilles k?nnten dir doch eine Art Bibliothekswesen mit Superged?chtnis bauen. Dem kannst du dein Buch diktieren. Und alle, die es lesen wollen, k?nnen es sich auf seinem Bildschirm anzeigen lassen ... tausend Jahre lang."
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Iris fühlt sich in die Enge gedr?ngt und faucht Ewald an: "Ich soll mich Stunden lang neben ein Monster setzen und Selbstgespr?che führen? ... Bist du verrückt?"
Iris rennt weg und ruft dabei wütend: "Lasst mich in Ruhe, ihr Spinner!"
Ewald, unglücklich: "Puh, voll im Fettnapf."
Meer, Iris nachblickend, sinnierend: "Was meinst du, ist sie eher etwas beschr?nkt oder einfach stur?"
Ewald, nachdenklich: "Ich glaube, sie ist vor allem zutiefst verunsichert. Sie ist aus ihrem alten Leben gerissen worden und hat noch kein neues Zuhause gefunden."
Meer, Ewald anschauend, ernst: "Das gilt für uns auch oder?"
Ewald, mit leichtem L?cheln: "Ja, aber wir nehmen das etwas lockerer oder?"
Meer l?chelt still, ...
... wendet sich zum Gehen und sagt anerkennend: "Iris hat einen wahrhaft guten Freund in dir, Ewald."
Meer, im Weggehen: "Ich werde jetzt mal schauen, ob ich mir einen Traum erfüllen kann."
Ewald: "?"
Meer schlendert suchend durch das entstehende Genville und denkt: 'Dieser Traum geht mir nicht aus dem Kopf ...'
Meer erinnert sich an seinen Traum: Ein Mann steht in einer Sonnen beschienenen Wüste und sagt traurig: "Ich m?chte, dass die Sonne in mein Herz scheint."
Traum: Der Mann ist im prallen Sonnenlicht mit nacktem Oberk?rper an einen Felsen gekettet, sodass seine Brust der Sonne ausgesetzt ist.
Traum: Aus der Perspektive von Meer sind nur seine H?nde zu sehen, wie sie dem entsetzten Mann eine Sternums?ge auf die Brust setzen.
Traum: Die Sternums?ge fr?st sich von unten nach oben durch das Brustbein. Das Gesicht des Mannes ist entsetzt und schmerzverzerrt und er schreit laut 'Aaaaahhhhh!!!'.
Traum: Meers H?nde greifen in den Schlitz ...
Traum: ... und reissen den Brustkorb des Schreienden auseinander, ...
Traum: ... sodass auf dessen schlagendes Herz nun die Sonne scheint.
Ende des Traums.
Ein verzücktes L?cheln liegt auf Meers Gesicht. Geniesserisch sind die Augen geschlossen.
Meer ?ffnet die Augen und seufzt vor Entbehrung, weil er schon lange niemanden mehr hat foltern k?nnen.
Sein suchender Blick ersp?ht die Nutzwesen Bioskop, Tank, Trage und Hilfsorgane, welche, von überall leicht erreichbar, inmitten der Genville-Baustelle auf einem freien Platz stehen.
Mehr n?hert sich den Nutzwesen und denkt leicht nerv?s: 'Sie werden mich durchschauen.'
Meer, zu den Nutzwesen, sich um lockere Freundlichkeit bemühend: "Ich weiss, der Aufbau von Genville belastet euch bis über beide Ohren ..."
Bioskop: "Soll ich ein Ohrens?ule entwerfen, damit du unser Belastung ablesen kannst?"
Meer, verblüfft: "Ohrens?ule?"
Bioskop: "Ja, ein S?ule mit zwanzig Ohrenpaaren, die wir von unten nach oben rot werden lassen k?nnen, sodass du sehen kannst, bis über welche Ohren wir belastet sind."
Meer war nicht gefasst auf diesen Vorschlag und guckt entsprechend dumm aus der W?sche. Tank spottet: "Allein schon dieses Gesichtsausdruck ist ein Ohrens?ule wert."
Die Nutzwesen kichern und lachen. Mit gequ?ltem L?cheln ertr?gt Meer den Spott.
Bioskop: "Nachdem du so viel zum Erheiterung beigetragen hast, darfst du dir etwas wünschen."
Hilfsorgane: "Was es wohl sein wird?"
Trage: "Na ein duftendes Sexualpartner."
Hilfsorgane: "Du meinst, es steht auf Blumen?"
Wieder kichern und lachen die Nutzwesen. Sogar Meer muss grinsen.
Meer, l?chelnd: "Nein, ich br?uchte nur ..."
Trage: "Warum eigentlich nicht? Stell dir eine langes, schlankes, duftendes Blütenkelch vor, das dich n?chtens leer saugt, sodass du gleichzeitig davon tr?umen und es erleben kannst."
Meer, mitspielend, l?chelnd: "Klingt ganz nett, aber ich habe ja noch andere Tr?ume."
Hilfsorgane: "Welche denn?"
W?hrend alle gespannt auf die Antwort warten, fühlt sich Meer leicht schwitzend ertappt.
Meer druckst herum: "Och ... nun ja ... ich tr?ume auch von einer besseren Welt."
Bioskop: "Wie edel."
Bioskop: "Und was brauchst du dafür?"
Meer, sicher, weil's jetzt in der richtigen Bahn l?uft: "Ich dachte an einen Schmerzmesser. Wenn wir weniger Schmerz wollen im Universum, w?re es praktisch, ein Messinstrument zu haben, das anzeigt, wo Schmerz existiert und wie stark er ist. Dann k?nnten wir ihn gezielter bek?mpfen."
Hilfsorgane: "Klingt plausibel."
Tank: "Kannst du mir da was entwerfen, Bioskop?"
Bioskop: "Wie w?r's mit einem Wesen, das du ums Handgelenk tragen kannst? Es hat ein Feldsinn für Schmerzen, ein Richtungspfeil und ein Art Kuchendiagramm, das dir von 0 bis 360 Grad das Intensit?t des Schmerzes anzeigt. 360 Grad bedeutet das Maximum, kurz bevor das organische Quelle zerst?rt wird."
Meer, begeistert: "Das w?re fantastisch!"
Meer denkt: 'Dann weiss ich endlich, wann ich jemandem das Maximum an Schmerzen zufüge.'
In Bioskops Oberfl?che bildet sich die Glasschalen f?rmige Mulde, ...
... durch deren Boden nun ein kürbiskernartiger Pflanzensamen tritt. Bioskop: "Gibst du das Gensatz an Tank weiter, Doktor Meer?"
Meer greift nach dem Gensatz und meint verblüfft: "Das ging aber schnell!"
Meer l?sst den Gensatz unter dem leicht angehobenen Deckel hindurch in Tank fallen. Hilfsorgane ruft: "Wir sind eben die Gr?ssten!"
Trage, zu Hilfsorgane: "Das sind doch wohl die DOIs, du mickriges Krake."
Hilfsorgane gibt sich gelehrig: "Ah, ja klar ..."
Hilfsorgane, triefend vor Spott zu Meer: "Gibst du mir L?cheeeln?"
Die Nutzwesen lachen und kichern. Auch Meer muss lachen.
Etwas sp?ter bewegt Meer sich im Eilschritt und starrt gebannt auf seinen Schmerzmesser, den er am Handgelenk tr?gt. Sein Atem geht heftig und er zittert vor Erregung. Meer denkt: 'Ich brauche ein Opfer!'
Martin sieht Meer in diesem Zustand auf sich zukommen und spricht ihn an: "Doktor Meer ..."
Meer zieht, ohne aufzusehen, an Martin vorbei und zischt unfreundlich: "Keine Zeit!"
Martin schaut dem davon eilenden Meer verwirrt nach und denkt: 'Was ist mit dem los? Der ist doch sonst immer ruhig und souver?n ...'
Zitternd erreicht Meer die drei Grossdois und sagt zu Kafka: "Kannst du mich zu Natürlichen bringen?"
Kafka: "Gibt es dafür L?cheln?"
Meer schneidet eine Grimasse, die entfernt an ein L?cheln erinnert, und sagt: "Jede Menge."
Beckett: "Das sieht aus, als ob dein Gesicht bald auseinanderfallen würde, aber nicht wie ein L?cheln."
Immer zitternd, reisst Meer sich zusammen, zupft sich die Mundwinkel zurecht ...
... und versucht ein freundliches Gesicht, was ihm diesmal besser gelingt. Meer denkt: 'Eine Taxifahrt mit Geld bezahlen war einfacher.'
Sokrates: "Ob es je ein L?cheln wie Piri zustande bringt?"
Beckett: "Das glaube ich nicht. Dafür ist es zu wenig rein."
Meer ist verblüfft.
Kafka: "Wohin willst du?"
Verwirrt von den Grossdois, zitternd vor Gier nach Grausamkeit, stottert Meer: "?hm, ja ... Moment ..."
Meer schliesst die Augen und konzentriert sich. Meer denkt: 'Das Pilzwesen wird mir verraten, wo noch ein Restposten Natürlicher sich versteckt.'
Ein Tentakel des Pilzwesens schl?ngelt sich aus dem Boden ...
... und nimmt die Form eines Elefantenstosszahns an, der in eine Richtung hinaus in die Wüste weist.
Meer versucht wieder sein missglücktes L?cheln, weist in die Stosszahnrichtung und sagt zu Kafka: "Da lang, lieber Kafka."
Kafka l?sst Meer auf seine Hand steigen, ...
... platziert ihn auf der Schulter ...
... und rennt los, dass Meers Haare oder Kleider im Wind nur so flattern.
Kaum ist Kafka ein paar Kilometer weit, taucht Martin bei Beckett und Sokrates auf und fragt: "Was hat Doktor Meer gewollt?"
Sokrates: "Was kann das wissen?"
Beckett: "Es sucht Natürliche."
Martin, stirnrunzelnd: "Natürliche? Wozu?"
Martin ruft spontan: "Ambellmi! Ambellmi! H?rst du mich?!"
Schnell wie ein Schatten huscht Ambellmi herbei, sodass Martin leicht erschrickt. Ambellmi: ""Zu Diensten, das Herr. Soll ich für Tanja ein Blumenstrauss zaubern oder ein Stern vom Himmel holen?""
Martin l?chelt gezwungen: "Mir ist nicht nach Scherzen zumute ... Dieser Meer hat etwas vor und ich habe kein gutes Gefühl ... K?nntest du ihm folgen und ihn überwachen?"
Ambellmi: ""Ja, aber wie geht es Tanja?""
Martin, bedrückt: "Warum fragst du? Du weist es doch."
Ambellmi: ""Ich will wissen, was du denkst, nicht was ich spüre.""
Martin, wie oben: "Es geht ihr nicht gut."
Ambellmi: ""Aber wir haben doch ihre Angstfelder stark reduziert.""
Martin, wie oben: "Ja, die Angstzust?nde sind weg, aber ... ihr Herz ist schwer ... Seit sie Gott verloren hat, sieht sie keinen Sinn mehr im Leben ... Es ..."
Ambellmi: ""Vielleicht k?nnte ich ...""
Martin wehrt fast erschrocken ab: "Nein, nein ... Der Sinn des Lebens mag ja auch bloss ein Gefühl sein, das du herstellen kannst. Aber dieses Gefühl muss Tanja schon selber finden, sonst ..."
Ambellmi: ""Sonst wird es ein aus Gefühlsbausteinen zusammengesetztes Puppe?""
Martin, unglücklich l?chelnd: "Ja, eine Anziehpuppe mit Gefühlskleidern."
Ambellmi: ""Es tut mir Leid, dass ich Tanja nicht mehr helfen kann.""
Martin, tapfer l?chelnd: "Es gibt Grenzen, die wir respektieren müssen. Ich bin froh, dass auch du Grenzen hast. Es macht dich ..."
Ambellmi: ""Menschlich?""
Martin muss unfreiwillig l?cheln.
Ambellmi fliegt hinaus in die Wüste und denkt noch: ""Dann werde ich mal nachsehen, welche Grenzen Doktor Meer überschreitet.""
Einsam und klein aus der Perspektive der Grossdois geht Martin weg.
Sokrates: "Wenn ein Wesen Gefühle hat, dann muss sein Leben ein Sinn haben?"
Beckett: "Gut, dass wir keine Gefühle haben, sonst h?tten wir auch solche Probleme."
Szeneanfang:
Zur gleichen Zeit packt Chromos 5 Yons Hand und zerrt den überraschten hin zur gewachsenen Wendeltreppe von Estragons Baum mit den Worten: "Komm Yon, lass uns die letzten Strahlen des Abendsonne von h?herem Warte aus geniessen."
Sie erreichen das Ende der Wendeltreppe, welche in die kreisrund um den Baumstamm herum gewachsene Terrasse mündet.
Ohne zu z?gern, betritt Chromos 5 einen der vier Wege, die zu den benachbarten B?umen führen. Der Weg ist mittlerweile an die zwei Meter breit und h?ngt etwa fünfzig Meter über Boden.
Yon schaut in die Tiefe auf das wachsende Genville.
Chromos 5 hat sich auf den Wegrand gesetzt und l?sst die Beine baumeln. L?chelnd zieht er Yon zu sich hinab.
Yon hat sich neben Chromos 5 gesetzt. Auch er l?sst die Beine baumeln. Beide betrachten die im Horizont versinkende Sonne.
Yon ist es unbehaglich, dass seine Hand noch in der von Chromos 5 ruht, und er zieht sie zurück.
Chromos 5 l?chelt leicht ...
... und betrachtet Yon, der nicht eben glücklich wirkt.
Chromos 5, aufmerksam: "Das Licht des Sonne wird geschluckt von deinem dunklen Seele ..."
Yon l?chelt bitter: "Klingt wie der Anfang deines n?chsten Gedichtes."
Chromos 5, ernst: "Du scheinst mir nicht in Stimmung für Gedichte."
Yon, melancholisch: "Je stiller der Moment, desto deutlicher spüre ich den tiefen, stummen Schmerz."
Chromos 5, aufmerksam: "Du weisst also nicht, was dich qu?lt?"
Yon, stirnrunzelnd: "Ein paar S?tze geistern durchs Dunkle, aber nichts, das es wirklich trifft."
Chromos 5, sanft: "Dann angle uns mal ein solches Satz und h?nge es auf am Horizont, auf dass wir es betrachten."
Yon horcht in sich hinein ...
... und spricht leicht entrückt: "Dass es noch nie gelungen ist ... glücklich zu sein ... in meinem ganzen Leben ... und dass ... wenn ich die Augen schliesse und mir vorstelle ... dass alles sich ausschaltet ... und tiefe Nacht sich herabsenkt ... dies die einzige Form des Glücks ist ... die mir je verg?nnt sein wird ..."
Chromos 5 starrt mit grossen Augen zum Horizont, als h?tte Yon die Worte wirklich dorthin geh?ngt.
Chromos 5, leise zum melancholischen Yon: "Kann Genville kein Schoss sein, auf das du dein Haupt bettest und das Licht des Geborgenheit hereinstr?men l?sst, bis alle Schatten vertrieben sind?"
Yon, traurig: "Wenn es bloss so w?re, doch bin ich nun nirgends mehr zu Hause, weder bei den Natürlichen, deren schlichte Grausamkeit mir Angst macht, noch bei den Genvilles, deren Fremdartigkeit mich ausschliesst."
Chromos 5, nachdenklich: "An das Fremde kannst du dich gew?hnen. An das Grausamkeit wohl nicht ..."
Chromos 5 betrachtet Yon aufmerksam: "Du weisst, dass wir dich lieben? Und du allein es bist, das sich nicht zugeh?rig fühlen will, kann?"
Yon schaut Chromos 5 mit grossen, neugierig-melancholischen Augen an. Er will wissen, worauf Chromos 5 hinaus will.
Chromos 5, wie oben: "W?re es also nicht vernünftig, unserem Zuneigung ein Chance zu geben, dein Herz zu w?rmen?"
Yon, wie oben, mit einem Hauch Verzweiflung: "Aber wie?"
Chromos 5, sinnierend: "Wenn wir nicht versunken sind in unserem Arbeit, geritten von übermut oder bedroht von Gefahr ... Spürst du dann nicht dieses Frieden, das sich aufbaut, weil das Existenz des andern ein pers?nliches Reichtum ist und keine schlechten Gefühle dieses kostbare Gut zerst?ren?"
Yon ist etwas verwirrt, weil er nicht weiss, worauf Chromos 5 hinaus will, und stottert: "Ja ... nein ..."
Yon, traurig, dass es so ist: "Antara ist doch auch nicht glücklich ... Sie wird von schlechten Gefühlen gequ?lt."
Chromos 5, voller überzeugung: "Oh, aber Antara schwimmt im Teich des Friedens und sch?pft daraus sein Kraft ..."
Chromos 5, melancholisch: "Wer weiss, ob es sonst bis heute überlebt h?tte ..."
Yon macht grosse, betroffene Augen, ...
... kehrt den Blick nach innen und murmelt fast zu sich selbst: "Ich soll auch lernen, in diesem Teich des Friedens zu schwimmen?"
Chromos 5 schaut Yon gross und ehrlich an und sagt mit Nachdruck: "Ja."
Szeneanfang:
Kafka eilt durch die Nacht ...
... mit Meer auf seiner Schulter, der vom Festklammern und Druchgeschüttelt-Werden schon etwas mitgenommen aussieht. Meer denkt: 'Wenn das noch lange dauert, falle ich runter ...'
Als habe er Meers Gedanken gelesen, sagt Kafka: "Vor uns liegt ein kaltes Gebiet mit W?rmepunkten, die nicht vom Pilzwesen stammen."
Meer ruft: "Dann n?here dich ihnen so, dass sie uns nicht bemerken."
Kafka verlangsamt sein Tempo, ...
... bis er sich im Schleichgang dem kleinen, niedrigen Felsplateau n?hert, auf dem im schwachen Licht des Mondes ein paar Zelte zu erahnen sind.
Kafka will mit seinen Fingern eines der Zelte anheben. Meer flüstert: "Nicht, Kafka, sonst erwachen sie."
Kafka zieht seine Hand zurück und flüstert: "Ich wollte nur sehen, ob da auch wirklich von diesen instabilen, flüssigkeitsgefüllten Eiweissblasen drunter sind."
Meer protestiert flüsternd: "Na, so instabil sind wir nun auch wieder nicht."
Kafka ballt bedrohlich eine Faust über Meers Kopf und flüstert: "Wollen wir es testen?"
Meer flüstert erschrocken abwehrend: "Nein nein, du hast ja Recht."
Meer flüstert: "Versteck dich jetzt. Wir müssen warten, bis es Tag ist. Ich brauche Sonnenlicht für meine Forschung."
Kafka flüstert: "Welches Forschung?"
W?hrend Kafka sich um das Felsenplateau herumbewegt, um sich ein Versteck zu suchen, antwortet Meer flüsternd: "Ich will sehen, wie lange ein Herz schl?gt, wenn die Sonne darauf scheint."
Kafka flüstert: "Klingt interessant."
Da sie etwas weiter weg sind vom Zeltlager, redet Meer wieder normal: "Hast du mir keinen bequemeren Schlafplatz als deine Schulter?"
Wortlos h?lt ihm Kafka eine Handfl?che hin, ...
... die Meer besteigt.
Kafka hat sich hinter einem Felsen in Deckung gesetzt und h?lt Meer wie eine Kostbarkeit auf Bauchh?he in seiner zur Schale geformten Handfl?che. Meer hat sich zum Schlafen zusammengerollt. Irgendwie rührend.
Szeneanfang:
Am n?chsten Morgen, wie die ersten Sonnenstrahlen die Spitzen der Zelte ertasten, erklimmt Kafka mit Meer auf der Schulter das Felsenplateau.
Meer erl?utert: "Ich brauche nur einen. Du kannst die andern also t?ten, damit sie meine Forschung nicht st?ren."
Kafka: "Gibt es dafür L?cheln?"
In der Vorfreude auf seine sadistischen Spielchen gelingt Meer ein strahlendes L?cheln. Kafka: "Das ist viel besser als gestern."
Wie Kafka auf das Zeltlager zu stapft, zeigen sich dort erste verschlafene Gesichter. Kafka: "Soll ich sie zertreten oder mit dem Mikrowellenstrahl kochen?"
Mehr grübelt ernsthaft, als handle es sich hier um eine wissenschaftliche Frage: "Hm, interessante Alternative."
Mit Forschermiene beobachtet er seinen nach vorn gehaltenen Schmerzmesser und sagt: "Testen wir es doch einfach. Beginne mit Zertreten."
Die verschlafenen Gesichter der zuerst erwachten Zeltleute zeigen nun ungl?ubiges Erschrecken. Jemand ruft: "Hilfeee, ein Monster!!!"
Kafkas Fuss zerquetscht einen Fliehenden, ...
... was das Kuchendiagramm auf dem Schmerzmesser auf etwa die H?lfte, also hundertachtzig Grad, ansteigen l?sst. Meer murmelt entt?uscht: "Das ist ja nicht gerade berauschend."
W?hrend Kafkas Fuss eine Frau zerquetscht, befiehlt Meer: "Jetzt kochen!"
Der Mikrowellenstrahl trifft einen rennenden Jungen, der noch im Rennen zu dampfen beginnt, ...
... um dann aufzuplatzen ...
... und tot hinzufallen.
Der Schmerzmesser zeigt fast das Maximum an. Meer ist begeistert: "Wunderbar, fantastisch! ... Dass mir der Trick mit dem Kochstrahl nicht früher in den Sinn gekommen ist ..."
Meer befiehlt: "Nur noch kochen! Und nicht zu schnell, sonst erreichen wir das Schmerzmaximum nicht!"
Der Mikrowellenstrahl trifft die n?chsten nur kurz, ...
... sodass sie kochend und zuckend am Boden liegen und laut schreien.
Meer, dessen Schmerzmesser nun das Maximum anzeigt, ist hin und weg: "Das ist einfach genial ... herrlich ... monstr?s! Nimm mein L?cheln, Kafka, ich bin im Paradies!"
Kafka 'nimmt' sich Meers L?cheln und sagt: "Ja, so ist es gut."
Meer weist auf einen kr?ftigen, jungen Mann, der flieht, und befiehlt: "Den brauche ich lebend!"
Kafka schnappt sich den Flüchtigen sorgf?ltig mit seiner m?chtigen Faust ...
... und h?lt ihn darin gefangen.
Etwas sp?ter liegen alle Zeltleute aufgeplatzt und tot am Boden.
Meer hat den Gefangenen an Hand- und Fussgelenken mit Zeltseilen an einen Felsen gefesselt, sodass die Arme seitlich ausgestreckt und die Beine gespreizt sind. Die Sonne scheint auf den nackten Oberk?rper des Mannes, dessen Augen vor Entsetzen weit ge?ffnet sind.
Als handle es sich um ein echtes Forschungsprojekt, zückt Meer mit professioneller Gesch?ftigkeit ein lebendes Messer. Der Gefangene ruft entsetzt: "Was hast du vor?"
Meer konzentriert sich auf das Messer, das er vor sein Gesicht geführt hat und antwortet mit kühler Strenge: "Seit wann muss ich mit Laborratten diskutieren?"
Der Gefangene macht ein befremdetes Fragezeichengesicht, ...
... um emp?rt auszurufen: "Ich bin keine Laborratte!"
Ungerührt sagt Meer 'Sirrr' zu dem Messer und n?hert sich dem Gefangenen.
Gefangener, angstvoll: "Warum sprichst du mit dem Messer? Bist du verrückt?"
Meer führt die Messerspitze bis dicht übers Brustbein des Gefangenen und sagt, schwach l?chelnd: "Ich demonstriere es dir."
Geschockt sieht der Gefangene, wie die Messerspitze sich in sein Brustbein senkt ...
... und schreit vor Schmerzen 'Aaaaahhhhh!?, w?hrend Meer das Messer nicht tiefer einsinken l?sst, sondern es langsam nach unten zieht, ...
... sodass nun der Brustkorb aufgeschnitten ist. Der Gefangene schreit nun unabl?ssig, bis etwas anderes steht.
Meer schaut vor dem Schreienden stirnrunzelnd auf den Schmerzmesser und sagt: "Warum so laut? Wir haben doch noch nicht mal die H?lfte des Maximums."
Energisch reisst Meer, den Messergriff im Mund, die Brust mit den H?nden auseinander, ...
... sodass die Sonne auf das pulsierende Herz scheinen kann. Meer hat das Messer wieder in der Hand, starrt auf das Herz und sagt verzückt: "Was für ein erhabener Moment, wenn Traum und Wirklichkeit sich vereinigen!"
Meer zielt mit dem Messer auf den Brustkorb des Schreienden, schaut auf den Schmerzmesser an seinem Handgelenk und sagt konzentriert: "Gipfel der Wollust, ich komme!"
Mit raschem Schnitt ?ffnet Meer die Bauchdecke, ...
... sodass die inneren Organe sichtbar werden. Er sagt 'Sirrr' und 'Loder' zum Messer, ...
... sodass die Klinge aufh?rt zu vibrieren und eine Gasflamme aus dem Messergriff lodert.
Meer l?sst die Flamme in die Bauchh?hle lodern und betrachtet dazu den Schmerzmesser. Der Gefangene st?sst noch schrecklichere Schmerzensschreie aus.
Unerbittlich klettert der Schmerzmesser nach oben.
Dicht vor dem Maximum zieht Meer die Fackel zurück.
Doch der Schmerzmesser klettert unbeirrt weiter, was Meer zu dem erschrockenen Ausruf veranlasst: "Haaalt! Nicht so schnell!"
Der Schmerzmesser erreicht das Maximum. Die Schreie ersterben ...
... und der Gefangene sinkt tot zusammen. Meer, bedauernd: "Oh, jetzt habe ich zu lange gefackelt. Dabei h?tte er bestimmt noch ein Minütchen l?nger durchgehalten."
Meer sagt 'Bumm' zu dem Messer ...
... und wirft es schnell in den offenen Leib des Toten, sodass es steckt.
Die Leiche wird von dem explodierenden Messer zerfetzt. Meer denkt: 'Besser alle Spuren verwischen. Die Genvilles h?tten keine Freude, wenn sie wüssten, was ich hier treibe.'
Erschrocken h?rt Meer die Stimme von Ambellmi im Kopf: ""Da hast du allerdings Recht, Doktor Meer ...""
Ambellmi schwebt herbei und f?hrt fort: ""Ich werde den Genvilles von deinem Ausflug erz?hlen, dann wirst du sehen, wie viel Freude sie haben.""
Meer wehrt erschrocken ab: "Nein, tu das nicht! Ich will nicht zum Buhmann werden, wo ich mich doch die ganze Zeit beherrscht habe!"
Kafka: "Was sagt Ambellmi? Kann es nicht Schallwellen erzeugen, damit ich es auch h?ren kann?"
Für den Rest dieses Gespr?chs erzeugt Ambellmi Schallwellen: "Von dir kann ich auch nichts Gutes berichten, Kafka. Warum hast du diesem kaputten Typen geholfen, diese Leute zu qu?len?"
Kafka nimmt den überraschten Meer in die Hand, ...
... inspiziert ihn und sagt: "Aber an ihm ist nichts kaputt ...",
... schaut zu Ambellmi und f?hrt fort: "Und geholfen habe ich für L?cheln. Ich helfe immer für L?cheln."
Ambellmi: "Solange du nicht weisst, was Schmerz ist, weisst du wohl auch nicht, was du da tust."
Kafka: "Ich weiss, was Schmerz ist. Es ist das Quelle von lauten Ger?uschen."
Kafka hat Meer wieder zwischen sich und Ambellmi auf den Boden gestellt. Ambellmi: "Erschütternd, diese Schlichtheit der Gefühllosen, ..."
Ambellmi, zu dem leicht erschreckenden Meer: "Das Schlichtheit der Gefühlvollen ist hingegen entsetzlich."
Meer verteidigt sich: "Aber ich kann doch nichts dafür, dass ich diese Bedürfnisse habe!"
Ambellmi: "Seit es mich gibt, ist es dein Entscheidung, welche Bedürfnisse du hast."
Meer, leicht triumphierend: "Du brauchst dich gar nicht so aufzuspielen. Du hast uns zugeschaut und es nicht verhindert. Vielleicht hast du es sogar genossen. Ich kenne ja deine Bedürfnisse nicht."
Ambellmi: "Ich habe kein solches Bedürfnis. Und ich habe nicht eingegriffen, weil ich g?ttliches Macht habe."
Meer, verblüfft: "Das musst du mir erkl?ren."
Ambellmi: "Wenn ich selbst?ndig zu handeln beginne, werde ich früher oder sp?ter dieses Planet beherrschen, und dann das ganze Universum. Deshalb tue ich nur, was die anderen von mir verlangen, und nur dann, wenn es mehr Freude und weniger Schmerz bringt. So ist mein Macht in festen Grenzen und niemand braucht sich vor mir zu fürchten."
Meer, erstaunt: "Das ist ja was ganz Neues. Bisher wollten alle M?chtigen immer nur mehr Macht und haben dafür alles Leid der andern in Kauf genommen."
Meer, aufgewühlt: "Trotzdem h?ttest du mich hindern sollen, statt mich jetzt zu verpetzen!"
Ambellmi: "Du bist das Herr deiner Taten. Ich werde dein Freiheit nicht einschr?nken. Aber dann musst du auch die Konsequenzen tragen."
Meer, gequ?lt: "Aber die Konsequenz wird sein, dass ich der Buhmann bin!"
Ambellmi: "Du BIST das Buhmann."
Meer, unfroh: "Gibt es keine andere M?glichkeit?"
Schweigen.
Kafka: "Ich weiss nicht, was ein Buhmann ist, aber vielleicht kann Ambellmi es heraus schneiden. Wenn kein Buhmann mehr da ist, kannst du auch kein Buhmann mehr sein."
Meer schaut verblüfft hoch zu Kafka ...
... und protestiert: "Wenn ich meine sadistischen Bedürfnisse nicht mehr habe, bin ich bloss noch ein harmloser Gutmensch. Wo bleibt da die d?monische Dimension meiner Existenz?"
Kafka: "Warum willst du ein d?monisches Existenz?"
Meer, leidenschaftlich: "Wenn ich schon nichts Grossartiges vollbringen kann, um meinen unsterblichen Ruhm zu begründen, will ich wenigstens ein Teufel sein."
Kafka: "Und was hast du von diesem Teufel?"
Meer, fast schw?rmerisch: "Ich habe die Genvilles schon einmal gerettet. Ich k?nnte jetzt alle Natürlichen ausrotten, dann w?ren die Genvilles endlich sicher ... Und ich w?re ein unsterblicher, teuflischer Held."
Ambellmi: "Ein bisschen viel Schmerz für das Herstellung eines einzigen Helden."
Kafka: "Wenn die Genvilles sicher sind, ist das gut. Dann gibt es immer Piris L?cheln."
In Meer keimt Hoffnung: "Siehst du, Helden haben Vorteile."
Ambellmi: "Dann werden wir den Genvilles dein Wandlung vom Schl?chter dieser Leute zum teuflischen Helden vorschlagen."
Meer, unbehaglich: "?hm nein, sie brauchen ja nichts davon zu wissen. Wir erz?hlen's ihnen erst, wenn ich als strahlender Held zurückkehre."
Ambellmi: "Kaum hast du alle Natürlichen umgebracht, wird sich dein sadistisches Bedürfnis wieder melden. Was willst du dann qu?len?"
Meer ist überrumpelt: "?hm ..."
Ambellmi: "Und auch wenn du noch etwas findest zum Misshandeln, wie willst du all die noch folgenden Qu?lereien vor den Genvilles verstecken?"
Meer, hilflos: "?hm ..."
Ambellmi: "Früher oder sp?ter werden sie es erfahren und ich glaube nicht, dass sie deinem Treiben zusehen werden."
Meer hebt hilflos seinen Arm: "Ich ..."
Ambellmi: "Du hast die Genvilles gerettet und damit das Neuanfang des Menschheit erm?glicht. Ist das nicht Ruhm genug?"
Meer, geknickt: "Niemand wird ein sadistisches Schwein wie mich verehren."
Ambellmi: "Deine Bedürfnisse steuern dein Denken und damit dein Handeln. Du kannst dich ihnen nur sehr begrenzt widersetzen. Für deine angeborenen Bedürfnisse wird dich niemand verantwortlich machen. Aber sehr wohl für das Tatsache, dass du sie nicht ver?ndert hast, als du das Gelegenheit dazu hattest."
Mit leidendem Ausdruck starrt Meer Ambellmi an, ...
... um dann ergeben die Arme etwas anzuheben mit den Worten: "Dann l?sch dieses verdammte Bedürfnis ..."
Ambellmi: "K?nntest du Doktor Meer sanft festhalten, Kafka? Es darf sich nicht bewegen, wenn ich in seinem Hirn arbeite."
Meer liegt auf dem Rücken in der riesigen Hand Kafkas. Mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand h?lt Kafka Meers Kopf fest. Ambellmi schwebt herbei und sagt: "Du wirst dich zum ersten Mal in deinem Leben nicht mehr schmutzig fühlen ..."
Meer sieht nicht glücklich aus.
Szeneanfang:
Eine ?rmliche Wohnung in Natural City. Nur wenig Tageslicht dringt in den abgedunkelten Raum, wo eine noch junge Frau mit seltsam leerem Blick auf einen Fernsehschirm starrt.
Auf dem Fernsehschirm ist ein fast m?rchenhaft gestaltetes Tor zu sehen, eine Art Himmelpforte mit der Inschrift: "Schmerzfreie Zone".
Fernsehkommentar: "Geht es dir schlecht? Hat dir das Schicksal übel mitgespielt? Kannst du das Leben kaum mehr ertragen? ... Du brauchst nur durch dieses Tor zu gehen und alle Schmerzen werden von dir abfallen. Denn hier wartet das Paradies auf dich."
Die Frau schaltet den Fernseher mit der Fernbedienung aus, ...
... erhebt sich vom Sofa ...
... und geht rüber in einen helleren Raum, wo ein kleines Kind im Laufgitter sitzt und selbstvergessen mit seinen Plüschtieren spielt.
Die Frau hebt das Kleinkind hoch, welches sofort zu greinen anf?ngt, weil ihm das Spielzeug entglitten ist.
Mechanisch und blicklos greift die Frau sich das Spielzeug ...
... und gibt es dem Kind, sodass es wieder zufrieden ist.
Die Frau hockt sich an einen Tisch und füttert das Kind auf ihrem Schoss mit einem L?ffelchen Brei.
Die Frau hat das Kind auf den Tisch gelegt, um seine Windeln zu wechseln. Alle Handgriffe der Frau geschehen mit befremdlicher, ausdrucksloser Mechanik.
Behutsam setzt die Frau das Kind zurück ins Laufgitter, ...
... wo es sogleich wieder zu spielen beginnt, was die Frau mit starrem Blick beobachtet.
Die Frau streift sich eine leichte Jacke über.
Wie sie die Wohnung verl?sst, ist auf einem Tisch ein frisch ge?ffnetes Schreiben zu sehen.
Die Frau kommt aus einer tristen Mietskaserne. Obwohl auch hier die selbstfahrenden Kabinen verkehren, wirkt die Gegend ziemlich heruntergekommen.
Die Frau richtet ihren Blick zu Boden und geht mit kleinen Schritten voran.
Von Kinderhand mit Pastellkreide auf den Boden gezeichnete Pfeile rücken in ihr Gesichtsfeld.
Unwillkürlich folgen ihre Füsse den Pfeilen, ...
... immer weiter.
Zwischen zwei Pfeilen liegt ein rundlicher Kieselstein, den sie mit dem Fuss leicht wegst?sst. Ein Ruf aus dem Off: "Mamaaa!"
Die Frau st?sst den n?chsten Kiesel weg. Ruf aus dem Off: "Die Frau macht unser Spiel kaputt!"
Die Frau merkt nicht, dass sie gemeint ist, und will den n?chsten Kiesel wegstossen. Da tauchen die Beine der Mutter auf.
Die Frau schaut auf und sieht das zornige Gesicht der Mutter. Die Mutter faucht: "Haben Sie nichts Besseres zu tun, als den Kindern das Spiel zu vermiesen?!"
Für die Frau verwandelt sich das Gesicht der Mutter in eine bissige Fratze ...
... und mit klopfendem Herzen geht sie ein paar eilige Schritte weg, ...
... f?llt dann aber zurück in ihr altes, mühseliges Tempo.
Sie sieht ein eng umschlungenes Liebesp?rchen plaudernd auf sich zukommen.
Wie sie an der Frau vorbeigehen, ohne sie zu beachten, müssen beide lachen.
Das lachende Gesicht des Mannes bleibt vor dem geistigen Auge der Frau erhalten ...
... und wandelt sich in das lachende Gesicht eines anderen Mannes, der ihr Freund war ...
... und der nun, am Arm einer anderen Frau von ihr weggehend, lachend zu ihr zurückschaut.
Die Fantasie zerbr?selt ...
... und wie die Realit?t wieder zu ihr durchdringt, sieht sie einen alten, h?sslichen Mann auf einer Bank sitzen, der sie anl?chelt und sie zu sich herwinkt.
Schaudernd beschleunigt die Frau ihren Schritt ...
... und biegt nach einer Zeit in eine noble Einkaufsstrasse ein, ...
... der sie, steif wie eine Puppe, blicklos entlang geht, ...
... bis ein Hochzeitskleid in einem Schaufenster doch ihre Aufmerksamkeit erregt.
Mit grossem, traurigem Blick betrachtet sie das Kleid, ...
... bis ihre Augen überlaufen und Tr?nen ihr Gesicht benetzen.
Ohne sich um die neugierigen Blicke der Leute zu scheren, eilt die Frau weinend weiter, ...
... bis sie vor dem m?rchenhaften Tor mit der Aufschrift 'Schmerzfreie Zone' anlangt. Das Tor führt in einen recht grossen, gl?sernen Pavillon, dessen Glasw?nde den Blick freigeben auf eine kleine, idyllische Parklandschaft, in deren Mitte sich eine Senke befindet, deren Grund von aussen nicht einsehbar ist.
Schluchzend, mit dem Mut der Verzweiflung wirft sich die Frau gegen das Tor, welches sich ohne Weiteres ?ffnet.
Hinter dem Tor führt ein Pfad in den Park. Ein Schild fordert auf: "Folge dem Pfad ins Paradies."
Weinend folgt die Frau dem Pfad, ...
... der nach einigen Metern abw?rts in die Senke führt, in der sich aus einer Felswand ein kleiner Wasserfall in ein lauschiges Weiherchen ergiesst.
Die Frau geht einige Schritte auf das Weiherchen zu, ...
... bis alles vor ihren Augen verschwimmt ...
... und sie bewusstlos zusammensackt.
Die Frau bleibt liegen. Nichts geschieht.
Szeneanfang:
Vom Dach der Universit?t beobachtet Hans Hart mit einem Feldstecher den 'Schmerzfreie Zone'-Pavillon und sagt zu Caesar: "Es zieht sie an wie die Fliegen. Dieser psychisch geschw?chte Abschaum vernichtet sich selbst. Das ist natürliche Selektion. Nur wer eine ausreichende Seelenst?rke besitzt, wird überleben. Dadurch vervollkommnen sich die Natürlichen ganz von selbst. Und um diesen Prozess zu beschleunigen, habe ich alle Sozialprogramme gestrichen. Wer nicht arbeitet, wird verhungern ..."
Caesar, mit gezwungenem L?cheln: "Oder ins Paradies eintreten."
Hart lacht hart ...
... und fragt dann kritisch: "War diese kostspielige Glaskuppel nicht überflüssig? Das Gas in der Senke ist doch schwerer als Luft."
Caesar, sachlich: "Wir wollten verhindern, dass Luftturbulenzen das Gas aus dem Senke wehen. Es k?nnten wom?glich Leute in dem Nachbarschaft ersticken."
Hart, mit hartem L?cheln: "Na gut. Jedenfalls wird Natural City mit jedem Tag sauberer."
Szeneanfang:
Minuten sp?ter liegt die Frau immer noch unver?ndert in der Senke der 'Schmerzfreien Zone'. Eine getarnte Tür ?ffnet sich in der Felswand ...
... und zwei mit Sauerstoffger?ten ausgestattete M?nner treten hervor ...
... und verschwinden mit der Frau in der Tür?ffnung.
Szeneanfang:
In Genville gegen Mittag. Yon n?hert sich Antara, die ihm den Rücken zuwendet und ganz vertieft dabei ist, ihr neustes lebendes Kunstwerk zu pflanzen.
Ger?uschlos lehnt Yon sich an eine Hauswand, S?ule oder sonst etwas Passendes und schaut Antara zu mit seinem melancholischen Blick.
Ohne sich umzudrehen, fragt Antara: "Du misstraust unserem Zuneigung, Yon?"
Yon erschrickt leicht, weil sie ihn schon wahrgenommen hat, ...
... und antwortet etwas verwirrt: "Nein ... ich glaube nicht."
Antara dreht sich um zu Yon und sagt freundlich: "Kann ich dir helfen?"
Yon unsicher: "?hm ja ... ich ... ich verstehe es nicht."
Yon sieht Antaras geduldigen und aufmerksamen Blick, was ihn etwas entspannt.
Yon, stirnrunzelnd: "Wie kann jemand, der so intelligent ist wie ein Genville, jemanden lieben, der so dumm ist wie ich?"

