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97. Mórag/Evanna

  Auf einer ganz anderen Ebene, in einer Welt, die eigene Gesetze und Regeln kannte… erbarmungslos und unerbittlich… lebte ein Volk, das nur ein Ziel kannte, die Spitze der Macht zu erklimmen. Sie wollten die M?chtigsten, die Klügsten, die Unantastbaren sein. K?rperliche St?rke war ihnen nicht gegeben, dafür waren sie geistreich, verschlagen und hinterh?ltig.

  Mórag war ihr K?nig, ein dunkler Fae von unermesslicher Geduld und noch gr??erem Ehrgeiz. Seit Jahrhunderten schmiedete er Pl?ne, jedes Mal meisterhaft ausgeführt und jedes Mal unbemerkt. Doch diesmal lief etwas schief.

  Warum gerade jetzt?

  ?Seid ihr zu nichts f?hig?“, schrie Mórag seinen Kommandanten Brae an. Eisern wie immer hatte er klare Anweisungen gegeben, die bisher perfekt befolgt worden waren. Nun jedoch brodelte pure Wut in ihm, beinahe Wahnsinn.

  ?Mein K?nig…“ Brae verneigte sich tief, die Nasenspitze fast den steinernen Boden berührend. Doch eine kleine Handbewegung Mórags und er wurde mit seiner magischen Macht gegen die n?chstgelegene Wand geschleudert. Fehler und Versagen waren ihm ein Dorn im Auge.

  ?Schweig!“, befahl Mórag eisig kalt. Brae richtete sich keuchend vom steinigen Boden auf, einige Knochen offenbar gebrochen, doch er wagte keinen Widerstand. Mórags Lust, ihn noch h?rter zu bestrafen, war kaum zu zügeln. ?Alles war perfekt geplant und ihr…“, brach er ab und zitterte vor kochender Wut am ganzen Leib. ?Ihr habt es vermasselt. Wie konntet ihr nur scheitern?“

  Wieder verneigte sich Brae, blutend vor ihm. ?Wir haben den Bruder des Lykae-K?nigs mit dem t?dlichen Gift belegt“, redete er z?gerlich und verbissen. ?Er h?tte nicht mehr lange zu leben gehabt, und… wir wollten ihm den Rest geben, als er in das K?nigreich… der Drachen eindrang.“

  Mórag erinnerte sich genau an den Plan, den er für diese Intrige geschmiedet hatte. Drachen und Lykae gegeneinander auszuspielen, ohne dass es jemand bemerkte… es war meisterhaft durchdacht. Alles davon… bis ins kleinste Detail. Schon lange hatte Mórag aufgeschnappt, dass der alte Drachenk?nig Raziz vor Jahren einen wackeligen Waffenstillstand mit den Lykae ausgehandelt hatte, kurz bevor er von seinem eigenen Bruder kaltblütig ermordet worden war. Diesen Umstand hatte Mórag geschickt ausgenutzt und nun stand er vor den Folgen… einem Versagen, das ihn kaum zu fassen schien.

  Durch raffinierte T?uschung hatte Mórag Drachen und Lykae gegeneinander ausgespielt. Die Fae beherrschten das Verstellen meisterhaft; für kurze Augenblicke konnten sie andere Gestalten annehmen… nie l?nger als drei?ig Minuten. Kurz, aber genug, um Zwietracht zu s?en. In Drachengestalt griffen sie ein kleines Dorf an der Landgrenze der Lykae an und t?teten alle… Frauen, Kinder… ohne Unterschied. Jede Brutalit?t diente ihrem Zweck, egal wie grausam.

  ?Mit seinem Heer wollten wir ihn zur Strecke bringen, als w?ren es die Drachen gewesen, wie befohlen. Doch bevor wir handeln konnten, kam Lucien De la Cruise uns in die Quere. Beinahe h?tte der Drachenk?nig den Todessto? ausgeführt, wenn nicht… diese Frau dazwischengegangen w?re“, berichtete sein Kommandant und verzog sein Gesicht vor Abscheu, als verachtete er diesen Augenblick.

  ?Welche Frau?“, fauchte Mórag zornig, weil er keine Verz?gerungen duldete.

  ?Wir wissen es nicht genau. Sie… sie schien eine… Elfe zu sein. Einige Anzeichen sprechen dafür“, erklang Braes Stimme immer leiser, als fürchtete er schon den n?chsten Ausbruch.

  Wutentbrannt schleuderte Mórag einen Energiesto? in die Luft und schrie: ?Eine Elfe?!“ Das letzte Wort spuckte er mit solcher Bitterkeit und Hass aus, als würde jede Silbe seine Kehle zerrei?en. Vor langer Zeit hatte er alles daran gesetzt, dieses verfluchte, verr?terische Volk auszul?schen. Mit Hilfe der Nymphen war es ihm gelungen… die Elfen wurden in einem blutigen Krieg dem Erdboden gleichgemacht, gnadenlos geführt. Kein dunkler Fae, keine Nymphe hielt sich zurück… nicht vor Frauen, nicht vor Kindern oder den schw?cheren S?uglingen. H?tten die Elfen damals kooperiert, w?re dies nie geschehen. Doch K?nig Alarion hatte sich geweigert… aus Stolz und falscher Tugend. Mórag selbst hatte ihm den t?dlichen Schlag versetzt… und empfand noch immer die verbotene Genugtuung, als Alarions Lebenshauch erlosch. ?Wie kann es also sein, dass eine von diesem verr?terischen Abschaum noch lebt?“

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  ?Ja… mein K?nig“, zitterte Brae vor Furcht. ?Ich konnte es genau erkennen. Sie strahlte… dieses gewisse Etwas aus, das nur Elfen besitzen.“

  ?Evanna!“, brüllte Mórag. Augenblicklich trat eine gro?e Frau aus den Schatten hervor, die Pr?senz und Autorit?t ausstrahlte, so dass selbst die dunkelsten Winkel des Raumes erzitterten.

  ?Ja, Vater?“ Ihre Stimme war eisig, ohne jedes Z?gern. Für eine dunkle Fae war Evanna au?ergew?hnlich hochgewachsen, ihre Augen von einem kalten Grau, das pechschwarze, kurze Haar ein deutliches Zeichen ihrer Herkunft. Kleine spitze Ohren, die schlanke, grazile Statur, dunkelbraune seidige Haut verliehen ihr eine t?dliche Eleganz, ihr Blick war arglistig und boshaft… und genau das musste Evanna auch sein. Sie war ein Sleeper. Eine Spionin, wenn man es h?flich ausdrücken wollte. Doch Killerin traf es weitaus besser.

  Genau das liebte Mórag an seiner Tochter. ?Ich habe einen neuen Auftrag für dich.“ Ein boshaftes L?cheln legte sich auf seine Lippen, denn er wusste, dass sie begierig darauf wartete. Evanna lebte für solche Momente. Bei ihr bestand kein Zweifel, dass seine Tochter versagen würde… dafür war sie viel zu gut ausgebildet. Seit ihrer Geburt hatte er dafür gesorgt, dass sie die beste Ausbildung erhielt, h?rter als jede andere. Eine t?dliche Kriegerin, geformt nach seinem Willen.

  ?Welchen Auftrag?“, erwiderte Evanna ohne überflüssige Worte, genau wie Mórag es liebte.

  ?Ich h?tte es nicht für m?glich gehalten, doch eines dieser verfluchten Elfen hat überlebt. Eine Frau.“ Seine Stimme triefte vor Hass. ?Und wenn eine lebt, k?nnten es mehr sein. Ich will sie tot sehen. Ich will ihren Kopf, und genau du wirst ihn mir bringen. Keiner dieser Brut soll weiter existieren. Nicht damals und erst recht nicht heute. Mach dich auf die Suche und bringe ihn mir.“

  Evanna

  Evanna wusste nicht wirklich, was sie davon halten sollte, doch sie würde die Methoden und Handlungen ihres Vaters niemals infrage stellen. Sie mochten brutal und erbarmungslos sein, aber das spielte keine Rolle. Sie befolgte seine Befehle. Etwas anderes kannte sie nicht.

  Seit ihrer Kindheit lebte Evanna ausschlie?lich fürs T?ten und war zu einer Killerin ausgebildet worden. Schon lange z?hlte sie ihre Opfer nicht mehr, hatte bei Tausenden aufgeh?rt. Was machte es schon für einen Unterschied, ob es eine mehr oder weniger war? Gerade weil so viel Blut an ihren H?nden klebte, würde sie niemals wagen, die Anweisungen ihres K?nigs zu missachten. ?Ich werde es tun.“ Ihre Antwort war kurz und nüchtern, frei von jeder Regung.

  Sie wollte sich bereits umdrehen, als ihr Vater sie aufhielt. ?Warte.“ Schweigend wandte Evanna sich erneut um und blickte ihn kalt an. Sie wusste, wie sehr er darauf bestand, dass sie emotionslos war… ein weiterer Grund, warum ihre Ausbildung so gnadenlos gewesen war. ?Entt?usche mich nicht, Tochter.“ Es war weniger eine Bitte als vielmehr eine Drohung. Doch sie wusste genau, wie sie mit ihm umgehen musste.

  ?Ich habe dich noch nie entt?uscht und werde auch heute nicht damit anfangen. Ich werde nicht eher zurückkehren, bevor ich sie tot vor dich lege.“ Evanna wusste es, ebenso wie er… Aufgeben war für sie keine Option. Ganz gleich, was kommen mochte.

  Ein grausames L?cheln legte sich auf das Gesicht ihres Vaters und die goldene Krone, die seinen Kopf zierte, funkelte im Schein der Feuerfackeln hinter ihm. Vom Aussehen hatte sie pers?nlich mehr von ihrem Vater als von ihrer eigenen Mutter... schwarze lange Haare, die er immer offen trug, ebenso die dunkle braune Haut, seine kleinen spitzen Ohren und diese schlanke Gestalt. Nur die K?rpergr??e war anders. W?hrend die dunklen Fae eher von kleiner Natur waren, war sie hochgewachsen. ?Gut.“

  Es war nicht seltsam, dass Evanna nicht zurück l?chelte. In ihren dreihundertfünf Jahren hatte sie es nie getan. Sie empfand nichts… und würde es auch niemals. Mit einem kurzen Nicken verschwand sie, um genau diesen einen Befehl auszuführen. Mehr hatte sie nie getan, mehr würde sie nie tun. Dafür war sie geboren worden.

  Zum T?ten.

  Evanna trat aus dem Schloss hinaus, das eigentlich l?ngst nicht mehr bewohnt war. Schloss war ohnehin ein zu gro?es Wort… eher eine verfallene Ruine, die vom rankenden Grün bewuchert war. Doch sie diente als Schein, denn ihr wahres Reich existierte tief unter der Erde. Sicher war es dort nicht, aber das war die Oberfl?che ebenso wenig. Kaum hatte Evanna ihren Blick von ihrem sogenannten Zuhause abgewandt, brachen die Schleusen des Himmels auf. Wie ein stürzender Bach prasselte der Regen herab und binnen Sekunden war sie bis auf die Haut durchn?sst. Es kümmerte sie nicht. Ohne sich weiter daran zu st?ren, verschwand sie im n?chstgelegenen Wald in den dunklen Schatten, um das zu tun, was sie am besten konnte.

  T?ten.

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