Ohne wirklich zu wissen, wo Lucien sich befand, versuchte er sich zu orientieren… das Erste, was er wahrnahm, war diese eisige K?lte. Es war eigenartig… er war ein Feuerdrache, aber er hatte in seinem ganzen Leben noch nie so gefroren wie in diesem Augenblick. Eisige K?lte kroch in seinem K?rper hoch, drang bis tief in seine Knochen ein, als würde in ihm überhaupt kein Feuer existieren. Nichts w?rmte ihn von innen her, und es beunruhigte ihn zutiefst… es machte ihn nerv?s, fast panisch. Im ersten Moment tappte Lucien im Dunkeln, doch als er langsam Klarheit bekam, vernahm er ein blendendes kaltes Licht, das ihm fast in seinen Augen wehtat. Er wollte die Arme heben, um seine Augen zu bedecken, aber… seine Arme fühlten sich bleischwer an. Doch durch einen ziehenden Schmerz wusste er mehr. Wunderlich bemerkte Lucien, dass er an seinen Handgelenken mit einem dicken Strick festgebunden war. Seine Handgelenke waren aufgeschürft und blutverschmiert, als h?tte er st?ndig versucht, sich aus diesen Fesseln zu befreien. Dabei h?tte er sich ohne jegliche Mühe daraus befreien und verbrennen k?nnen… er war ein Drache, und es war nur ein verlotterter Strick, der kein Hindernis für ihn darstellte. Dennoch schaffte er es nicht. Nicht einmal in diesem Augenblick seines Bekenntnisses.
?Nicht, Emma, du machst es… nur noch schlimmer. So werden deine Handgelenke nicht heilen.“ Eine sanfte Frauenstimme sprach, liebevoll und beruhigend, als wollte sie jemanden tr?sten. Es klappte… und Lucien h?rte auf.
Aber… Emma?
Verwirrt schaute Lucien an sich herab und bemerkte erst jetzt, dass es nicht seine H?nde waren, die er betrachtete, sondern Kinderh?nde… nicht die eines Jungen, sondern die eines jungen M?dchens. Eines sehr jungen M?dchens. Er sah noch weiter an sich herab, bemerkte kleine nackte Fü?e und entbl??te kleine Beine, der kleine magere K?rper in einem dünnen Fetzen gehüllt. Genaustens übersetzt, mit einem Hauch nichts am Leib. Wenn Lucien jetzt befürchtete, was hier geschah, dann brauchte er sich nicht zu wundern, warum er diese eisige K?lte verspürte und sein eigenes hitziges Feuer nicht.
Eigentlich war ihm in Erinnerung geblieben, dass Lucien sich mit Emmanline in ihr warmes Bett begeben hatte und mit ihr eingeschlafen war… friedlich und seelenruhig, ohne an etwas zu denken. Er hatte sie an sich gezogen und sie in seinen Armen gehalten, bis sie eingeschlafen war, und ihr dann versprochen, sie jederzeit zu beschützen… egal wo sie sein würde. überall.
Zuvor hatte Lucien auch immer wissen wollen, was Emmanline in Culebras Gefangenschaft hatte erleiden müssen… nur um zu wissen, was er ihr alles angetan hatte. Er wollte es wissen, damit sie darüber sprach und nicht alles in sich einschloss und in all ihrer Dunkelheit allein ertrank. Er wollte sie dadurch nicht verlieren, aber… er konnte sie dazu nicht zwingen, nur weil er es wissen wollte. Jetzt, aus einem unerkl?rlichen Grund, befand Lucien sich hier… in einem Teil von Emmanlines Erinnerungen. In ihrem K?rper. In ihrer Vergangenheit. Er wusste es irgendwie, dass es so war.
?Aber… es tut… so weh, Momma.“ Emmanline schluchzte leise und Lucien spürte in sich die schiere Traurigkeit und das Leid des Kindes, als bef?nde er sich selbst an Ort und Stelle.
?Ich wei?“, s?uselte die sanfte warme Frauenstimme weiterhin tr?stend. Lucien riss sich aus seinen inneren Gedanken und konzentrierte sich auf das, was gerade vor ihm lag… er wollte die Wahrheit wissen, alles… was Emmanline betraf.
Nun nahm Lucien auch die Frau vor ihm wahr, weil sich Emmanlines Augen ?ffneten, nur wissend, dass er von ihren Reaktionen abh?ngig war, aber nicht selbst handeln konnte… ihm stockte der Atem. Diese Frau war das genaue Ebenbild von Emmanline selbst… nur war sie etwas gr??er und schlanker, ihr schneewei?es Haar noch l?nger. Ihre Ausstrahlung war fast die Gleiche. Emmanline hatte etwas Sonniges und einen Hauch von den ersten Sonnenstrahlen eines Morgens an sich, aber diese Frau etwas vollkommen anderes… es war etwas am frühen Morgen, das ihn an den morgendlichen Tau erinnerte. Frisch und rein. Diese sinnliche Frau war zwar im Gesicht mit Dreck und Blut verschmiert, aber ihre Sch?nheit wurde dadurch um nichts vermindert. Keineswegs.
Ihm fiel auf, dass diese Frau… Emmanlines Mutter… genauso gefesselt war wie Emmanline selbst auch… jeder sa? an der gegenüberliegenden Wand. Um sie herum befand sich nur Eis, das er bis zu den Knochen schmerzhaft spüren konnte. Es gab einfach nichts, womit er sich vor der K?lte schützen konnte. Absolut… nichts.
Lucien bemerkte, der Ausgang besa? keine Tür, sondern war nur ein einfacher Durchgang wie in seiner H?hle. Emmanline hatte in der Ratssitzung erw?hnt, er blieb nie lange an einem Ort, sondern wanderte. Da würde er sich wegen Türen keine sonderlichen Gedanken machen. Wieder konzentrierte er sich auf die zwei weiblichen Personen in diesem Raum, die so tief miteinander verbunden waren.
?Ich will, dass du wiederholst, was du niemals vergessen darfst.“ Pl?tzlich sprach ihre Mutter auf mentaler Ebene mit Emmanline … es kam so schnell, dass es ihn überraschte.
?Ich… ich darf niemanden… vertrauen und mich niemanden n?hern. Ich muss mich stets… unsichtbar machen und ich darf keine Aufmerksamkeit auf mich erregen. Das ist sehr… wichtig. Niemand darf wissen… wer und was ich bin, sonst werden sie mich jagen… bis aufs Blut und nicht eher ruhen, bis sie das haben… was sie wollen. Ich werde es niemals vergessen, wie du es mir gesagt hast, Momma“, zitterte Emmanline in ihren Gedanken und die Worte immer mehr. Kein Unterschied festzustellen, ob es aus der tiefen Angst ihrer Seele her führte… oder die Tatsache, dass die eisige K?lte ihren kleinen geschundenen K?rper erfrieren lie?.
Ihre Mutter fing an, warmherzig zu l?cheln… sah es durch Emmanlines silberne Augen. ?Richtig. Ich bin wahnsinnig stolz auf dich, meine kleine sü?e Emma.“
Liebevolle Worte… was willkürlich auch ein L?cheln auf Emmanlines Gesicht zauberte, aber es erstarb sofort wieder… er konnte es nur erahnen, warum, als er die Schritte auf dem Gang h?rte. Er konnte fühlen, wie sein Herz anfing zu rasen. Nein… nicht seines, sondern das von Emmanline. Schlie?lich steckte er in ihrem K?rper fest. Er fühlte nun alles, was sie erfuhr… ihren rasenden Herzschlag, den schnellen Puls, den überflüssigen Adrenalinschub und… die wachsende Panik. Emmanline versuchte, mit ihren gefesselten Handgelenken vom H?hleneingang wegzukriechen, in eine hintere Ecke hinein… auch wenn sie wusste, dass es keinen Schutz gab, wollte sie doch weiter weg. Kinder dachten anders als Erwachsene… sie suchten instinktiv nach Abstand, nach einem winzigen Stückchen Sicherheit, sich zu einem Ball zusammenrollte und hoffend, niemand würde sie sehen, wenn sie ruhig, still, den Atem anhaltend und regungslos liegen blieb, aber… das es am Ende gar nichts gab. Nichts davon.
Gerade als Emmanline die hintere Ecke erreicht hatte und zum Eingang blickte, standen dort zwei finster hochgewachsene M?nner… der Rechte trug nur eine Hose und Stiefel, ihm schien die K?lte nichts auszumachen. Er hatte tiefbraunes Haar, und sein ganzer Oberk?rper war mit Narben bedeckt. Der erste Gedanke, der Lucien kam, war, dass er ein Drache sein musste. Der Linke trug mehr Tierfellkleidung, was ihn vermuten lie?, dass es ihn vor der K?lte schützen sollte. Nach seinem Aussehen zu urteilen war er kein Drache… er erkannte es an seinen Augen, die dumpf und schwarz erschienen. Er war ein D?mon.
In Lucien schrillten die Alarmglocken, und sein Beschützerinstinkt schaltete sich ein… er wollte sich die beiden schnappen und t?ten. Allein wie sie Emmanline ansahen, wusste er sofort Bescheid… sie wollten ihr wehtun, und das machte ihn unsagbar wütend. Sein Drache wollte aus ihm herausbrechen, aber er hatte keine Chance. Er konnte nichts tun… weil niemand ihn sah. Er existierte hier ursprünglich nicht. Dies war nur ein Rückblick in eine Vergangenheit, die schon durchlebt wurde.
?Na, wen haben wir denn hier?“ Gel?chter hallte von den W?nden wider… kalt und grausam. Emmanline schien es zu wissen, denn Lucien konnte es verspüren… ihr K?rper zitterte vor Angst hemmungslos. ?Genau nach dir haben wir gesucht.“ Sie kamen auf sie zu, wobei Emmanline sich immer weiter zurückzudr?ngen versuchte… doch sie kam durch die eisige Wand nicht weiter. Tief in die Haut frierend, aber den Schmerz vor Qual nicht verspürend.
?Ne… nein.“ Emmanline schüttelte panisch mit weit aufgerissenen schmerzhaften Augen ihren schneewei?en Schopf.
?Lasst sie in Ruhe“, fauchte Emmanlines Mutter… schrie aus der anderen Ecke voller Wut heraus… Lucien sah sie im Augenwinkel, wie sie sich verzweifelt an ihren Stricken zerrte… versuchte sich zu befreien. ?Fasst sie nicht an. Nehmt mich. Bitte… lasst mein M?dchen in Ruhe.“
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Auch Lucien wollte schreien, sie sollten Emmanline nicht mit ihren dreckigen Pfoten anfassen… niemand dürfte das. Er würde sie jeden Einzelnen abhacken. Die beiden M?nner schienen nicht auf ihre Mutter zu reagieren, geschweige denn auf ihn, sondern… der eine Drache packte lachend mit seiner Hand grob in Emmanlines wei?es Haar und zog sie auf die Beine… Emmanline schrie auf, als der Schmerz durch ihren Kopf und K?rper schoss, den Lucien ebenfalls verspürte… ein scharfer, brennender Stich, der ihm den Atem raubte. ?Schneide ihre Fesseln los.“ Der Drache befahl es dem D?mon, und dieser schnitt ihre Handfesseln mit einem einzigen Hieb durch… Emmanline griff sofort mit ihren H?nden nach der des Drachen, um sich aus seinem Griff zu befreien. Sie hatte keine Chance … nicht bei einer solchen rohen geballten Kraft.
Wie ein Spielzeug schleiften sie Emmanline hinter sich her, w?hrend die schreiende Mutter sich zunehmend von ihnen entfernte… innerlich bekam Lucien eine G?nsehaut, weil selbst für ihn die Ungewissheit zu schaffen machte. Vielleicht h?tte es ihn in seiner wahren Gestalt nicht so sehr getroffen, aber er steckte in Emmanlines Gestalt fest… in Emmanlines tiefbegrabener Vergangenheit. Lucien fühlte und erlebte genau das mit, was sie erlebte… oder erlebt hatte. Er durchlebte genau das, was sie hatte erleiden müssen. Es brach ihm schier das Herz… doch er wusste, es würde noch schlimmer kommen, und er wusste, es würde noch ganz anders kommen. Keine Frage, Lucien litt mit Emmanline, aber es steigerte seine Wut nur noch mehr.
Wimmernd und kraftlos schleiften sie Emmanline weiter hinter sich her, als sie sie in eine riesige H?hlenkammer brachten, wo sich viele Drachen aufhielten… viele waren verwandelt und ragten über ihnen auf. Aber auch viele andere Fraktionen und … V?lker wie D?monen, Vampire, Hexen, Nymphen, Gestaltenwandler und sogar Inkubusse waren vertreten. Entweder sie k?mpften gegeneinander, hurten oder hatten Sexorgien miteinander, oder sie bezechten sich einfach nur. Inmitten all dieser sa? er… dieser Verr?ter Culebra auf einem eisigen Thron voller Stolz und Ehrfurcht, als geh?rte ihm alles… doch nach Jahrhunderten sah Lucien ihn, diesen Verr?ter, zum ersten Mal wieder. Auch wenn es aus Emmanlines silbernen kindlichen Augen heraus war.
Lucien war entsetzt… nicht weil er ihn so sah. Hatte er all diese Schar zu einer Armee zusammengeführt? Zu seinem… eigenen Imperium? Zu seiner eigenen Macht? So viele Fraktionen zu einem?
Ihm blieb die Luft weg, und Lucien wusste nicht, was er denken sollte… er und all die anderen wussten, Culebra war ein gef?hrlicher Drache und Feind… einer der besten Strategen. Culebra war ihnen immer einen Schritt voraus gewesen, sonst h?tten sie ihn schon l?ngst erwischt, aber wenn er dies jetzt sah… die H?hle voll von diesen unz?hligen verschiedenen Anwesenden… es müssten an die zweihundert sein, und er konnte nicht erahnen, wie alt… diese Erinnerung von Emmanline war.
Mit einem dumpfen Aufprall fühlte Lucien den Schmerz durch seinen K?rper schie?en, als Emmanline auf dem Boden aufschlug… er fühlte es durch sie. Mühsam versuchte sie, sich aufzurappeln, indem sie ihre H?nde auf den eisigen Boden legte und sich mit aller Kraft aufzustemmen versuchte. Ihre Augen waren geschlossen, qualvoll zusammengepresst und somit konnte Lucien nichts erkennen, aber… als Emmanline ihre Augenlider wieder ?ffnete, sah er eine Spiegelung. Der Boden gab durch das Eis… zwar etwas verzerrt, das eigene Spiegelbild zurück. Sein Herz setzte ein weiteres Mal aus… ihr Gesicht war kalkwei?, blau erfrierend und teilweise mit Blutergüssen bedeckt, die schon auf dem Weg der Heilung waren. überall an ihr hing Schmutz.
Wie alt war sie da gewesen? Sieben vielleicht?
Den heiligen G?ttern, nein… viel zu jung, und doch… musste Emmanline schon durch so eine H?lle gehen, und Lucien spürte es tief in seine Seele schneidend… es war erst der Anfang von allem. Er fühlte es. Es brach ihm erneut das Herz in tausende Stücke. Wie viele Male würde ihm das passieren? In wie viele Splitter?
Lucien wollte Emmanline daraus holen, aber konnte es nicht… er besa? die Macht nicht dazu. Erneut verspürte er eine unb?ndige Wut, und er wollte einfach nur ausbrechen… zerst?ren. Er wollte toben, und sein Drache wollte zum Ausbruch kommen wie ein Vulkan. Jetzt gerade war er am gef?hrlichsten, und genau in diesem Augenblick wollte er t?ten. Lucien erkannte, vor ihm war alles ein Trugbild, aber er konnte trotzdem seinen Zorn keinen Einhalt gebieten. Nicht… wenn er die Visage von diesem verabscheuungswürdigen Bastard sah.
?Wenn das nicht mein Lieblingsspielzeug ist.“ Culebra lachte voller Hohn auf, w?hrend er in seiner Drachengestalt auf dem Thron sa?. ?Bist du heute bereit dazu?“ Sein Spott verschwand sofort aus seiner Stimme und wurde todernst.
Emmanline setzte sich auf und blickte ihn direkt an, aber antwortete nicht… sie forderte ihn nicht heraus, weil sie sich fürchtete. Dann wurde das Grinsen von Culebra breiter. In Drachengestalt war es noch grauenhafter, w?hrend er seine rasiermesserscharfen Rei?z?hne zeigte. Culebras spitzer Schwanz schnellte nach vorne, umschlang Emmanlines schlanken Hals und hob sie in die Luft empor… so schnell h?tte sie… selbst er nicht… reagieren k?nnen.
Verzweifelt versuchte Emmanline sich aus seinem t?dlichen Griff zu befreien… ohne Boden unter ihren nackten Fü?en hatte sie noch weniger Chancen dazu, und die anfeuernden Rufe im Hintergrund waren be?ngstigend… als w?re dies ein Schauspiel der Freude. Oder ein… Stimmungsmacher.
Culebra hob Emmanline bis zu seiner gro?en Schnauze heran, sein Atem übel und faul riechend. ?Du bist so ein dummes, dummes kleines G?r. So jung und doch so n?rrisch. Anstatt es einfach zu sagen, was ich wissen will, willst du doch lieber leiden… jeden gottverdammten Tag aufs Neue? Dabei k?nnte es für dich doch viel einfacher sein. Stattdessen h?rst du auf deine herzlose Mutter. Sie ist schuld, dass du so leiden musst.“ Er sprach verachtungsvoll und nur so laut, dass nur Emmanline es h?ren konnte. Wie ein Zischen voller Verachtung und Widerw?rtigkeit. ?Es sind doch nur simple einfache Fragen. Was ist dein Geheimnis? Warum kehrst du immer wieder zu den Lebenden zurück? Egal… welchen Tod du erliegst? Ich will es wissen. Sind es irgendwelche magischen Relikte? Zaubersprüche? Sag es mir!“, schrie Culebra die letzten Worte heraus, was die Ohren zum Bluten brachte. Sein goldleuchtender Drachenblick wurde immer wahnsinniger.
Da wurde Lucien erst richtig bewusst, wie sehr Culebra der Macht hinterher war… Emmanline behielt Recht, und er konnte sich vorstellen, wie gerne er ihn vom Thron sto?en wollte. Er h?tte es sich auch so vorstellen k?nnen, aber jetzt bekam er die Vorstellung im vollen Ausma? zu Gesicht, dass er es wirklich tun konnte… sogar dass er die Macht besa?, das Volk der Drachen in eine Richtung zu herrschen, die jenseits von Gut und B?se lag. Es grenzte an den gr??ten Wahnsinn einer Pers?nlichkeit.
?N… nein.“ Emmanline kr?chzte es, ihre Stimme rau und schwach… sie presste die Worte mühsam aus ihrer zarten Kehle heraus, als sie ihre silbernen Augen schloss. Immer wieder verschwamm die Sicht vor ihm, und das Atmen fiel ihm schwerer, da der Griff um den Hals fester wurde.
Am Rand nahm Lucien ein wütendes erschütterndes Brüllen wahr. ?Dummes Weibsg?r.“
Damit verschwand Culebra von der Horde der Fraktionen weiter ins H?hleninnere hinein… da wusste Lucien, Culebra hatte jetzt noch weitaus Schlimmeres vor. Ohne noch etwas mitzubekommen, wohin es ging, spürte er irgendwann noch mehr K?lte um sich herum, der eisige Hauch und die Klauen, die nach ihm unbarmherzig griffen… noch eisigere K?lte als zuvor. Mit einem Schock war Lucien hellwach und fand sich mit einem lauten Pl?tscher im eisigen Wasser wieder... schmerzhafte Stiche der bei?enden K?lte, die Glieder starr und vor Eisesk?lte schlotternd… das Herz schlug unnatürlich schnell in der Brust, weiter beraubend und den letzten Funke an W?rme im kleinen Leib. Verzweifelt bemühte Lucien sich, an der Wasseroberfl?che zu halten, aber... es war kaum m?glich.
?Na, was ist los? Schon so oft schwimmen gewesen und noch immer kein Schwimmen gelernt?“ Culebra lachte amüsiert, h?hnisch am Rand des Sees in der H?hle auf.
Japsend versuchte Emmanline sich an der Wasseroberfl?che zu halten… mit Armen und Beinen strampelte sie wild im Wasser, verzweifelt… nicht unterzugehen. Lucien spürte, wie schnell die Kraft aus ihrem kleinen ausgezehrten K?rper verschwand und die restliche W?rme sich blitzartig entzog. Da sie noch ein Kind war, würde sie in solch eisigen Gew?ssern schnell unterkühlen, und ihr Herz würde noch schneller aufh?ren zu schlagen… als es h?tte dürfen. Sein Herz zog sich noch mehr zusammen, als für ihn guttun dürfte.
Nicht mehr lange, und Emmanline würde beenden, sich zu bemühen, an der Wasseroberfl?che zu halten… es war nicht tief, aber in Emmanlines Bewusstsein spürte er, sie würde aufgeben, obwohl ihr überlebensinstinkt ihr sagte, sie müsse erbittert um ihr Leben k?mpfen. Es schmerzte ihm, dass sie so dachte… so fühlte… sie müsse aufgeben, anstatt zu k?mpfen… aber vielleicht würde Lucien auch so denken, wenn er immer und immer wieder solch ein Leid ertragen musste. Irgendwann kam die Zeit... innerlich zerbrach alles in unz?hlige Stücke, keine Chance je wieder zu etwas Ganzem zu werden.
Dann pl?tzlich, als h?tte sich tief in ihm ein Schalter umgelegt… wurde Emmanline ruhig und wehrte sich nicht mehr… mit ihrem ganzen K?rper sank sie wie ein Stein weiter in die Tiefe des Wassers in den dunklen Abgrund. Ihre Lungen wurden mit jedem Atemzug sofort mit Wasser gefüllt, heftige erstickende Zuckungen rüttelten ihren K?rper durch und in wenigen Herzschl?gen und Herzensangst… ihr Atem blieb aus. Alles um sie wurde urpl?tzlich leicht, schwerelos und bedeutungslos. All dies konnte Lucien aus ihr Dasein fühlen. Bis die Dunkelheit wieder über ihn hereinbrach und er den letzten Herzschlag vernahm, der in der Brust von Emmanline schlug… nur ein einziges Mal holte es aus, und es war vorüber und es zog ihn pers?nlich in einen tiefen, leeren Abgrund... fühlte, wie der Tod schonungslos über Lucien hereinbrach. Gnadenlos, langsam erstickend und ohne jede Schonung auf das Opfer.

