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109. Lucien

  ?Bei weitem nicht.“ Lucien gestand es sofort ein, denn sie war keinesfalls dumm… Emmanline war für eine Nicht-Drachin die selbstbewussteste und klügste Frau, die er je begegnet war. Emmanline war etwas Besonderes, und kein Wunder, dass sein Drache sich zu solch einer au?ergew?hnlichen Frau hingezogen fühlte, die mitfühlend schwach machen konnte, wenn sie nur bezaubernd l?chelte… wie jetzt. Gut, dass Lucien sa?, denn er wirkte jetzt schon in ihrer Gegenwart wackelig auf den Beinen. Ein Drache war eines der m?chtigsten Kreaturen der Mythenwelt und verbreitete nur Schrecken, wohin sie auch kamen… ihr Feuer hinterlie? nur Tod und Asche, wenn sie ihrer freien Natur freien Lauf lie?en. Drachen besa?en die sch?rfsten Klauen, die alles auseinanderrei?en konnten, rasiermesserscharfe Z?hne, die alles zerfleischen konnten, einen Kiefer so stark, dass er alles zermalmen konnte. Ihre Muskelkraft war unermesslich, die Luft ihr Revier. Drachen besa?en harte Schuppen, die einiges aushalten konnten… Drachen hatten viele St?rken und besa?en viel Macht, wenn sie ein Teil von Magie verfügten, auch wenn es nicht viel war. Genau all das verk?rperte Lucien… all diese Macht in einem Wesen verk?rpert… und dennoch machte eine kleine, winzige Frau ihn schwach und z?hmte seine wilde und t?dlichste Bestie in sich, sodass er sich vor ihr verneigte. Sein Drache senkte vor Emmanline sein Haupt, nur damit sie ihm die volle Aufmerksamkeit schenkte und niemals Angst vor ihm verspürte, weil er ihr vollstes Vertrauen haben wollte. Sie sollte ihr Leben in seine Klauen legen, damit er sie für immer beschützen konnte… sein ewiges Leben für das der ihre. Für immer, wie es ein Schwur bezeugte… ein Schwur, der bezeugte, für alle Ewigkeit die Frau zu beschützen, für die er geboren wurde und allein aus diesem Grund lebte. Für seine Seelengef?hrtin. Der Drache spürte und wusste es besser, als der Mann es selbst wusste. Niemand hatte eine Ahnung, was er in Emmanline sah… niemand kannte sie, wie er sie kannte. Niemand sah sie, wie er sie sah… wie wundersch?n und klug sie war. Sie bewegte etwas in ihm, was er noch nicht genau benennen konnte, aber es ver?nderte sich einiges, seit sie hier war.

  ?Ich wei?, was Ruby ist. Ich kenne solche wie sie… die als Spione arbeiten. Auch wenn deine Schwester es auf ihre ganz andere Art und Weise tut, ist sie dennoch eine. Du musstest es mir nicht einmal verraten“, erklang Emmanlines zarte Stimme nach einer kurzen Stille. Ihre tiefen silbernen Augen blickten in seine… klar, ruhig und voller Gewissheit.

  Dies überraschte Lucien und verbarg es auch nicht vor ihr. ?Seit wann… wusstest du das?“

  ?Kurz nachdem ich sie das erste Mal gesehen habe… und die Verhaltensweisen deiner Schwester haben mich darauf gebracht“, sprach Emmanline nickend, als würde das alles erkl?ren. Lucien konnte einfach nicht anders, als herzhaft anzufangen zu lachen, und es fiel ihm schwer, damit aufzuh?ren… sein Lachen hallte von den W?nden wider, tief und unbeschwert, als h?tte Emmanlines Worte einen Damm in ihm gebrochen. ?Was gibt es da zu lachen? H?r auf damit.“ Sie legte ihre H?nde auf seine Brust und versuchte, ihn dadurch wegzuschubsen, doch sie besa? die Kraft nicht dazu, was ihn nur noch mehr zum Lachen brachte. ?H?r... auf“, murmelte sie leicht verstimmt und ihre Stirn runzelte sich bezaubernd. Jetzt sah es von ihr schon etwas streng aus.

  ?Schon gut. Schon gut. Ich h?re auf“, gluckste Lucien verzückt, bevor er sich beruhigte. ?Doch das musst du mir noch einmal genauer erkl?ren. Welche Verhaltensweisen meiner Schwester haben dich darauf gebracht, eine Spionin zu sein?“, wollte er ehrlich von ihr erfahren.

  ?Lucien, muss das sein?“, brummte Emmanline noch etwas verstimmt, aber ihre silbernen Augen blitzten erheitert auf.

  ?Oh ja, durchaus. Ich bestehe darauf. Ich bitte dich sogar darum.“ Nickend wollte Lucien es unbedingt erfahren und weil sein Drache in ihm dafür brannte. Er l?chelte sie verschmitzt an… sofort unterdrückte er ein weiteres Lachen, als er sah, wie finster sie ihn nun anstarrte.

  So verdammt sexy und verführerisch.

  ?Na fein.“ Emmanline versuchte, sich loszumachen, aber Lucien lie? sie nicht gehen, und sie gab schnell auf… war auch gut so, denn er wollte sie weiterhin spüren und berühren. Die Decke um ihren Schultern war schon l?ngst überflüssig geworden und lag vergessen auf dem Boden zu ihren Fü?en, w?hrend Lucien Emmanline an sich herangezogen hatte… seine H?nde legten sich auf ihre zierliche Hüfte. Mittlerweile stand sie zwischen seinen Beinen, ihre H?nde lagen noch immer auf seiner breiten Brust… ihre Finger, zart und feingliedrig, wie sie waren, streiften über sein schwarzes Hemd. Sein Drache brummte innerlich zufrieden von den Streicheleinheiten seiner Gef?hrtin. ?Deine Schwester versucht es gut zu überspielen, indem Ruby vielen auf die sogenannten Nerven geht. Mir ist es sehr oft aufgefallen und wie übertrieben gespielt es wirkt. Niemand erkennt es, was für ein rotes Feuer in ihren Augen lodert. Durch ihr Aussehen kann sie viele und vieles manipulieren. Viele wissen, wie klug sie ist, aber nur wenige scheinen zu wissen, wie gerissen sie ist. Genau das scheint sie auszunutzen, um andere an der Nase herumzuführen, wobei sie daran den gr??ten Spa? zu haben scheint.“

  Luciens Lippen zuckten amüsiert. ?Den hat sie in der Tat.“ Lucien murmelte es leise… er betrachtete Emmanline ausgiebig. Er lauschte ihren Worten, aber noch mehr betrachtete er sie… und all das, was sie sagte, zu seiner Schwester... stimmte. Sie war eine kluge Frau, aber keiner wusste von ihrer Raffinesse. Ruby k?nnte es jeden zeigen, der sie für schwach hielt, aber sie tat es nicht. Würde je einer Ruby für einen schwachen Drachen halten, würde seine kleine Schwester denjenigen nicht vom Gegenteil überzeugen. Sie würde es nur mit einem Schulterzucken hinnehmen und meinen… dann sei es so. Oder… Narren sind der Mühe nicht wert, für die ich meinen k?niglichen Hintern bewegen werde. Sollen sie denken und sagen, was sie wollen, das juckt meinen k?niglichen Hintern nicht. Und jedes Mal h?rte Lucien das Gel?chter seiner kleinen Schwester, wenn sie diesen Spruch immer von sich gab… vor allem, wenn sie von ihrem eigenen Hintern sprach. Dabei ging es ihm pers?nlich ebenfalls am Allerwertesten vorbei.

  ?Deine Schwester redet, redet, redet und redet, um alles von dem abzulenken, was sie überhaupt tut. Je mehr sie redet, je mehr st?rt sie andere, und umso mehr ignorieren andere sie und ver?ndert mit Absicht andere Gedankeng?nge. Ich habe schon einige Spione gesehen, aber nicht so eine wie deine Schwester. Nicht wie ihre Herangehensweise. Das macht sie zu einer guten und au?ergew?hnlichen Spionin“, erkl?rte Emmanline weiter ihre Denkweise.

  Seine Lippen verzogen sich zu einem liebevollen L?cheln, w?hrend er ihren silbrigen Blick gefangen hielt. ?Du hast eine erstaunliche Auffassungsgabe, was mich sehr beeindruckt. Niemand k?nnte Ruby je so einsch?tzen… wie du. Wenn ich ehrlich bin, nicht einmal ich selbst. Jedenfalls nicht so ausgiebig wie du.“ Lucien berührte ihre Wange… er liebte es, ihre helle Haut zu berühren… weich und geschmeidig. ?Du bist eine stille Beobachterin.“ Was keine Anklage war, sondern eine gute Eigenschaft, wenn er das anmerken durfte.

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  Emmanline schaute ihn für einen tiefen Augenblick in seine roten Augen. ?Dafür hatte ich eine lange Zeit, um es zu lernen… still zu beobachten“, hauchte sie heiser. Sie fuhr mit ihren H?nden über seine Brust zu seinen Schultern hinauf, w?hrend sie mit ihren Gedanken irgendwo anders war. Diesmal schwieg Lucien, ohne sie darauf aufmerksam zu machen, sie k?nne mit ihm reden, wenn sie es m?chte… er wusste sowieso, sie t?te es nicht. Wer wei?, ob sie es jemals tun würde. ?Ich war fünf gewesen… als Culebra mich so viele Male zu sich in seine eisigen R?ume gerufen hatte.“ Emmanline fing an zu erz?hlen, als w?re sie weit entfernt… ihre Stimme leise, aber fest. ?Ich wusste… etwas erwartete mich. Nur wusste ich nie, wie und was es sein würde. Culebra machte sich immer einen Spa? daraus… wie er mich t?ten oder qu?len würde und k?nnte. Er dachte sich stets etwas Neues aus. Wenn er es tat, verga? er mich stets und lie? mich liegen. Culebra wusste… ich würde wieder neu auferstehen. So viele Male, wie er mich schon get?tet hatte… so viele Male konnte ich beobachten und lernen, wenn er andere um sich hatte… egal ob seine W?chter, Mitstreiter oder Verbündete. Nie hatte er gedacht… ich würde je aus seinen Klauen verschwinden.“

  Fünf Jahre? Lucien war mehr als schockiert, als Emmanline anfing zu erz?hlen… über sich, aber die Offenbarung war das Schlimmste. Sein Herz schlug schneller in seiner Brust und es zerriss ihn innerlich blutig. Sie vertraute ihm etwas an, was tief in ihr drinnen verborgen lag, und zum ersten Mal erz?hlte sie ihm etwas von sich heraus. Er fühlte sich nicht glücklich dabei… nicht, wenn es um etwas so Grausames ging. Nicht, wenn es um ein damals verlorenes Kind ging. Es tat ihm tief in der Seele weh, doch vor allem im Herzen. Es blutete für seine Seelengef?hrtin.

  ?Daher kommt auch... meine Panik… vor dem Fliegen, Lucien.“ Ihre Stimme wurde noch leiser, und Emmanline wandte ihren Blick ab.

  Erst verstand Lucien nicht, bis ihm dann ein Licht aufging und sein Herz einen Schlag aussetzte. ?Emmanline, es tut mir leid, ich…“

  Emmanline legte ihre Finger auf seine Lippen und unterbrach ihn z?rtlich. Ihr silberner Blick trübte sich und leicht senkte sie ihren schneewei?en Schopf. ?Du konntest es… nicht wissen“, sprach sie und Lucien konnte ihre Atemlosigkeit und ihren schnellen, unregelm??igen Herzschlag in ihrer Brust h?ren. Laut und deutlich. Emmanline biss sich auf die Unterlippe… ihre Stimme zitterte leicht, als sie weitersprach. ?Jedes Mal… wenn du es mir anbietest zu fliegen… oder jemand anderes… bekomme ich panische Angst. Ich versuche… es mir nicht anmerken zu lassen. In der Gefangenschaft haben sie sich oft den Spa? daraus gemacht… mich von ganz weit oben fallen zu lassen… ohne mich vorher wieder aufzufangen. Ich kann nicht mehr z?hlen… wie oft ich diesen Tod ins Auge geblickt habe.“ Ihr Blick wurde immer verbitterter, und es war um Lucien geschehen… es gab ihm den Rest, ein scharfer Stich, der ihm die lebenswichtige Luft entzog.

  Mit einer einzigen Bewegung zog Lucien Emmanline auf seinen Scho? und lehnte sich mit ihr auf seinen Stuhl zurück, w?hrend er beschützend seine Arme um sie legte… sie schlang ihre Arme sofort um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht in seine Halsbeuge, als wollte sie sich in ihm vergraben. Dies k?nnte sie jederzeit tun. ?Ich werde dich… nie wieder danach fragen. Nie wieder.“ Lucien versprach es ihr mit fester, warmer Stimme. Zumal hasste er sich selbst für seine vorigen Vergehen und wenn er zurückdachte… wie Lucien Emmanline behandelt hatte. Dass er sie gezwungen hatte bei ihrer ersten Begegnung und da hatte er schon ihre schiere nackte Angst gerochen. Dann die Drohung, als er sie mitnahm… ins Schloss zu seiner Familie. Er verabscheute sich dafür.

  ?Er wird… niemals aufgeben, Lucien.“ Emmanline antwortete stattdessen, ihre Worte ged?mpft gegen seine Haut. ?Culebra wird alles daran setzen, um mich zu bekommen.“

  ?Ich wei?, dass ich keine Antworten auf die Fragen bekomme… warum Culebra dich unbedingt haben will, aber dennoch will ich eines wissen… wie sehr h?ngt dein Leben davon ab?“ Lucien klang vollkommen ernst, sein Ton schwer von Sorge und Reue.

  Emmanline schien überrascht zu sein, als sie sich zurücklehnte, um ihn anzuschauen. ?Lucien…?“

  Sein Blick wurde schmal. ?Ich akzeptiere es, wenn du nicht darüber sprechen kannst oder willst, aber… ich akzeptiere es nicht, wenn es bezüglich um dein Leben geht. Ich werde dich vor ihm beschützen, und ich will, dass du es annimmst. Mehr will und verlange ich nicht von dir. Culebra soll dir nie wieder Schmerzen bereiten. Verstehst du das nicht? Ich will dich einfach nur… von ganzen Herzen beschützen.“ Lucien fühlte sich nur noch müder, als er seinen Kopf senkte und an ihre Schulter lehnte… die Ersch?pfung lag schwer in seiner Stimme.

  Für kurze Zeit musste Schweigen zwischen ihnen geherrscht haben, bis Emmanline die Erste war, die sprach. ?Es ist nicht so… dass ich nicht darüber sprechen will, Lucien, sondern… dass ich es nicht kann. Doch, ich akzeptiere es, dass du mich beschützen willst… und ich werde auch niemals mehr von dir verlangen, was du mir nicht geben kannst. Tue, was du kannst, um mich zu beschützen, aber wage es ja nicht… mich einzusperren.“

  Drohte sie ihm?

  Verwundert lehnte Lucien sich zurück, damit er ihr diesmal ins Gesicht schauen konnte, und sah in drohende, silberne, funkelnde Augen… ja, eindeutig, sie drohte ihm. Diesbezüglich brachte es ihn zum Schmunzeln, und er musste ihr einen Kuss rauben… schnell, aber z?rtlich. ?Nein, ich werde dich… nicht einsperren.“ Lucien versprach es ihr… das meinte er auch ernst. Am liebsten und am einfachsten w?re es gewesen, aber… am Ende keine L?sung erzielen. Er würde sie somit nur verlieren. Da würde er sich etwas anderes einfallen lassen.

  ?Nun lass uns aber ins Bett gehen.“ Emmanline schlug es vor, w?hrend sie mit ihren Fingern sanft über seine Wange strich… ihr Blick so weich, warm und z?rtlich.

  Jetzt kannte Lucien die Bedeutung, wenn einige vom sü?en Tod sprachen. ?Gibst du… mir noch einen Augenblick?“ Lucien l?chelte sie an… wenn er jetzt aufstand, würde er sich vor ihr zum Deppen machen. Er hatte doch jetzt glatt weiche Knie bekommen und würde sonst sofort wie ein nasser Sack zu Boden stürzen. ?Aber ich lasse dir den Vortritt.“ Er schob Emmanline von seinem Scho? herunter und gab ihr einen kleinen Klaps auf ihren knackigen Hintern, wo Lucien ein kehliges Knurren hinterherschickte… er liebte und betete ihren Hintern an. Emmanline machte ein emp?rtes Ger?usch, blickte ihn finster über ihre Schulter hinweg an, w?hrend sie ihren Hintern rieb… er wusste, sie tat nur so, denn so fest hatte er nicht zugehauen. Er k?nnte ihr niemals wehtun. ?Gut, dann lass uns gehen.“

  Lucien stand auf, da er sich nun sicher fühlte… eindeutig, diese Frau machte ihn schwach. Gemeinsam gingen sie in ihr Zimmer zurück, das sie gemeinsam bezogen hatten… ohne Umschweife lagen sie eng beieinander, und Lucien hielt Emmanline in seinen Armen, w?hrend ihr Kopf auf seiner Brust lag und eine Hand auf seinem Bauch ruhte, wie sie es mittlerweile jede Nacht tat. Er hatte sich schon so sehr daran gew?hnt, dass er es nicht mehr missen wollte. Nie wieder. Es dauerte wirklich nicht lange, und sie beide schliefen sofort ein… ohne sich noch weitere Gedanken zu machen.

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