?Du bist ein stures Weib. Du stehst unter meinem Schutz und solange ich es für n?tig halte. Solange du bei mir bist, beschütze ich dich, mit allem, was ich habe und bin. Also verschwende deine Energie nicht mit sinnloser Zanerei. In diesem Punkt musst du mir vertrauen.“ Seine Stimme klingt tats?chlich sanfter oder bildete sie sich das nur ein?
?Vertrauen?“, spuckte Emmanline das Wort f?rmlich aus. ?Erz?hl mir nichts von Vertrauen. Du magst mich hier festhalten, aber so ein Gefühl wirst du niemals von mir bekommen. Und falls es dich tr?stet, auch von keinem anderen. Nicht von dir. Nicht von irgendjemandem.“ Denn Vertrauen war ihr nie m?glich gewesen. Einzig ihre Mutter hatte sie es einst geschenkt. Doch das war lange her und hatte nicht lange gehalten. Trotzdem war Emmanline überrascht. Der Drache wurde nicht wütend. Kein Zorn, kein Ausbruch. Drachen duldeten normalerweise keinen Widerspruch und doch... nichts .
?Was ist? überrascht, dass ich ruhig bleibe?“, fragte er, als er ihre Gedanken erraten h?tte. ?Ich habe geahnt, dass du das sagen würdest und ich habe kein Problem damit. Ich werde dich trotzdem dazu bringen, mir zu vertrauen.“ Er l?chelte. Kein herablassendes Grinsen, kein sp?ttisches Zucken der Lippen, einfach nur ein neutrales, ruhiges L?cheln. Was hatte er vor?
?Wieso l?sst du mich nicht einfach in Ruhe?“, murmelte Emmanline ersch?pft. Er brachte sie in einen inneren Aufruhr, den sie sich selbst nicht erkl?ren konnte. Nichts an ihm ergab für sie Sinn. Nur ein Krieg von Anfang an klar gewesen, seine besitzergreifende, herrische Art.
Was auf dem Flur geschehen war, darüber hatte Emmanline die ganze Zeit nachgedacht, w?hrend sie hier in diesem Zimmer sa? und wartete. Aiden hatte sie fortgeschickt. Sie wussten auch, warum, er wollte ihr nicht vor Augen führen, was ihr Leben wirklich war. Doch so sehr er es auch gut meinte, davon konnte sie nicht loskommen. Es war ein Teil von ihr. Es war alles, was sie konnte.
Hilfe? Vertrauen? Was bedeuteten diese Worte überhaupt? Niemand in ihrem Leben hatte sie je wirklich gekannt und wer h?tte ihr auch helfen wollen? Seit dem Tod ihrer Mutter war sie allein gewesen. Eine andere Wahl hatte sie nie gehabt und jetzt, zum ersten Mal, hatte Emmanline für einen kurzen Moment das Gefühl gekostet, frei zu sein. Sie wollten das nicht kampflos aufgeben. Zum ersten Mal k?mpfte sie nicht für andere, sondern für sich selbst. Sie hatte es sich stark versprochen. Doch hier, in diesem Zimmer, fühlte sich nichts nach Freiheit an. Als Aiden und dieser Drache sie fortgeschickt hatten, hatten zwei W?chter sie begleitet. Sie hatte ihre Stimmen geh?rt, wusste, dass es um sie ging. Emmanline konnte nur eines tun, sie ignorieren und danach hatte sie nichts anderes getan, als zu warten. Sie wussten, dass jemand zu ihr kommen würde, und sie hatte geahnt, wer es sein würde. Immerhin war stirbt sein Reich.
Nun kniete er vor ihr, stur wie jeder stolze Drache und noch immer behandelte er sie, als w?re sie sein Besitz. ?Weil das nicht so einfach ist. Du schuldest mir schlie?lich noch meinen Rubin.“ Seine Stimme war ruhig, beinahe sanft.
?Dann musst du mich auch gehen lassen, wenn du ihn zurückhaben willst. Wenn du mich einsperrst, wirst du ihn nie wiedersehen.“ Ihre Worte waren trotzig, doch sie hatte das Gefühl, gegen eine Wand zu reden.
Er l?chelte. Kein Spott lag darin, nur ein Hauch von Bedauern. ?Ich hatte recht, du bist schon einmal einem Drachen begegnet. Ich h?tte nie gedacht, dass es ausgerechnet Culebra w?re. Aber das ver?ndert alles. Vielleicht war es ein Fehler, dich mit hierher zu bringen. Dies ist unser Reich, Au?enstehende sind hier nicht willkommen. Nur mit wenigen Ausnahmen, aber jetzt ist es zu sp?t und da du unter Culebra gelebt hast, kann ich dich nicht einfach wieder gehen lassen. Du k?nntest Dinge wissen und erfahren, die uns schaden k?nnten.“ Er sprach nur die Wahrheit und Emmanline wusste es. Sie war die Gefahr.
?Dann solltest du mich irgendwo verstecken… oder einsperren. Irgendwo, wo mich niemand findet, denn er wird mich suchen und früher oder sp?ter wird er mich finden. Er wird mich nicht gehen lassen.“ Ihre Stimme wurde leiser, ihr Blick verlor sich im Nichts. Dann schloss sie die Augen, schwer vor Müdigkeit und Last. Als sie pl?tzlich H?nde auf ihren Wangen spürte, ?ffnete sie sie erschrocken wieder. Verwirrt sah Emmanline ihn an. Seit wann war er so sanft zu ihr? Wann hatte er begonnen, sie vorsichtig zu berühren?
?Genau das ist das n?chste Problem.“ Seine Stimme blieb ruhig, aber seine Augen verrieten, dass er es ernst meinte. ?Ich hatte mir schon gedacht, dass er dich wieder zu sich holen will. Auch wenn du mir den Grund nicht verraten willst, ich werde ihn noch herausfinden. Aber eines solltest du wissen, ich werde dich beschützen. Du musst mir nicht vertrauen, aber du solltest meine Worte ernst nehmen. Du bist hier sicher. Selbst Culebra ist nicht dumm genug, hier einzudringen.“ Sollte das beruhigend klingen? Offenbar hatte er vergessen, wo sie sich befand.
?Du kennst ihn nicht gut genug, um so etwas zu sagen. Er hat Verbündete überall und er hat immer bekommen, was er wollte. Immer. Dass Aiden mich gefunden hat, war reiner Zufall. Culebra war l?ngst über alle Berge.“ Emmanline schüttelte ihren Kopf, obwohl er sie noch immer festhielt. ?Ich kann dir nicht sagen, warum er nicht aufgibt, aber er wird es nicht tun. Er kann es nicht.“ Sie sah, wie sein Blick sich ver?nderte. Nachdenklichkeit schlich sich hinein. Natürlich, auch er wusste, wie gef?hrlich Culebra war. Wie raffiniert, wenn etwas nicht sofort funktionierte, fand er einen anderen Weg und genau das machte ihn so t?dlich. Weil dieser Drache vor Grausamkeit keine Rücksicht nahm.
Der Drache streichelte mit den Daumen über ihre Wangen, langsam, fast unbewusst. Spürte er überhaupt, was er da tat? ?Mag sein, aber ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, was er vorhat.“ Seine Stimme klang ruhig, aber bestimmt. ?Trotzdem werde ich dich nicht gehen lassen und ich werde dich auch nicht irgendwo alleine lassen. Du kannst tun, was du willst, das wird sich nicht ?ndern. Also sei einfach brav und tu, was man dir sagt, dann wird dir auch nichts passieren.“ Wie beil?ufig seine Worte klangen. Doch Emmanline konnte darauf nichts geben. Sie wollte es auch nicht.
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Ihre H?nde legten sich gegen seine Brust. Sie versuchte, ihn wegzuschieben, weil er ihr zu nah war, zu warm, zu viel. Diese N?he weckte etwas in ihr, das sie nicht zulassen durfte. Aber er bewegte sich keinen Zentimeter. Er war wie ein Fels in der Brandung. Und sie? Sie fühlte sich wie ein Gegenstand, der dorthin geschoben wurde, wo es ihm beliebte.
?Versuch es einfach einmal. Hier wird dir nichts geschehen. Das verspreche ich dir.“ Doch sein Versprechen bedeutete ihr nichts. Es war nur ein weiteres Wort unter vielen.
Emmanline seufzte leise. ?Das kann ich nicht. Du stellst dir das alles zu einfach vor. K?nntest du dich sorglos in die H?nde eines Wesens begeben, das dich jahrelang gefangen hielt? Ich bezweifle es. Du bist ein Drache. Ein stolzes Volk, das St?rke zeigt, wenn es euch nicht passt. Ohne Gnade.“ Sie sah, wie seine Miene sich ver?nderte. Ja, er wusste, dass sie recht hatte.
Er lie? seine Arme sinken, aber seine r?tlichen Augen blieben auf ihr. ?Ja, du hast recht. So sind wir Drachen.“ Er zuckte mit den Schultern, als w?re es nichts, doch es war alles. ?Wie lange warst du in Culebras Gefangenschaft? Wenn du mir schon nichts anderes verr?tst, dann sag mir wenigstens das.“
Wofür?, fragte Emmanline sich innerlich selbst. Wofür sollte sie ihm das sagen? Und doch… die Worte kamen aus ihrem Mund, bevor sie sie aufhalten konnte. ?Ich bin über zweihundertachtzig Jahre alt. Ein paar Jahre mehr oder weniger. Rechne fast drei Monate ab, dann wei?t du, wie lange ich bei ihm war.“ Sie hatte es nicht gewollt und doch war es geschehen.
Die Reaktion des Drachen war unmittelbar. Seine Miene versteinerte und dann fluchte er leise. ?Verflucht, so lange?“ Er knurrte. ?Das bedeutet, seit deiner Geburt?“ Sie schwieg. Sagte nichts, aber ihr Schweigen war Antwort genug. ?Ich werde diesen Bastard abschlachten“, zischte er und riss sich in die H?he. Emmanline konnte es sehen, sein innerer Drache tobte vor ungezügelten Zorn. Er wollte zerst?ren. Alles.
?Warum wirst du so wütend?“ Ihre Stimme war ruhig. Fast zu ruhig. ?So ist es eben. Du kannst es nicht mehr ?ndern.“
?Nein, ich kann es nicht ?ndern, aber verflucht noch mal... das geht zu weit.“ Seine Stimme bebte. ?Wir Drachen sind vielleicht nicht gutmütig, aber wir kennen unsere Grenzen. Wir wissen, was Ehre und Stolz bedeutet. Es gibt eine Grenze, die nicht überschritten wird, ein unschuldiges Kind in kranke Spiele hineinzuziehen. Das ist abscheulich.“ Er begann auf und ab zu gehen, unruhig, getrieben. Emmanline beobachtete ihn still, wollte nichts sagen, das seinen Zorn weiter schürte. Pl?tzlich blieb er stehen. ?Wurde deine Mutter von Culebra gefangen genommen?“
Emmanline sah ihn an, aber dann wandte sie den Blick ab. ?Was verstehst du nicht, seit meiner Geburt? Sie wurde gefangen genommen, als sie mit mir schwanger war.“ Ihre Stimme war leise. Zu leise. Es fiel ihr schwer, über ihre Mutter zu sprechen.
Er wurde still. ?Was ist mit ihr geschehen?“ Seine Stimme war nun weich, aber eindringlich. Sie presste die Lippen aufeinander, wandte weiterhin ihr Gesicht ab. Stille. Dann seine Antwort: ?Verstehe, mehr musst du mir nicht sagen.“ Er trat n?her und blieb vor ihr stehen. ?Aber eines verspreche ich dir, er wird dafür bü?en.“
Nun wurde Emmanline verdammt wütend und riss sich auf ihre Beine, baute sich vor ihm auf. ?Was willst du von mir?“, schrie Emmanline ihn an, und es war ihr gerade egal, was er mit ihr machen würde. Ihr Gesicht verfinsterte sich zunehmend. ?Willst du dich jetzt als ein R?cher aufspielen? Oder gar versuchen, einmal in deinem unendlichen Leben etwas Gutes zu tun? H?r auf damit, ich will das alles nicht. Du hast kein Recht, von mir etwas zu verlangen, das dich nichts angeht. Ich quetsche dich ja auch nicht aus. Wie ich so etwas verachte.“ Ihre Stimme wurde immer zynischer. ?Ich habe es wirklich satt, dass ihr Drachen euch alles nehmt, was ihr wollt, ohne auch nur einmal daran zu denken, was ihr damit anrichtet.“ Am liebsten w?re Emmanline davongelaufen. Doch das konnte sie nicht. Stattdessen wandte sie sich ab, wollte ihm einfach nur aus dem Weg gehen.
Natürlich packte er sie, zog sie zurück und drückte sie erneut an seine Brust. Sofort begann Emmanline, sich zu wehren, wollte sich losrei?en. Doch es war zwecklos. Nicht nur, weil sie ihm k?rperlich unterlegen war. Er wirkte auf sie in einer Weise, die tiefer ging. Allein sein erdiger Geruch machte sie schwach, aber sie gab nicht auf.
?Nein, lass mich los“, presste Emmanline hervor. Doch er lie? sie nicht los. Im Gegenteil, er drückte sie noch fester an sich. Ihr Herz raste, ihr Atem wurde flach. Eine brennende Hitze durchflutete sie, als würde sie von innen heraus verzehrt.
?Ich müsste dich allein für deine Dreistigkeit bestrafen, so wie du mit mir sprichst, aber diese Seite gef?llt mir an dir. Also verzeihe ich dir.“
Emmanline verabscheute ihn dafür. Es reichte. Wenn sie ihn nicht mit Kraft loswerden konnte, dann anders. Etwas regte sich in ihr, eine unkontrollierbare Energie, gespeist aus Wut. Er weckte in ihr ungeahnte Empfindungen, die sie zuvor noch nie empfunden hatte. Sie gab für einen Moment nach, schmiegte sich an ihn, so perfekt, als würden zwei Puzzlestücke ineinandergreifen. Doch das hielt sie nicht auf. Sein Oberk?rper war leicht vorgebeugt, ihr Gesicht lag an seiner Halsbeuge und ihre Chance. Mit aller Kraft biss Emmanline zu. Ein lautes Zischen folgte seinerseits. Seine Muskeln spannten sich unter ihrem Biss an, aber sie hielt ihn eisern fest. Doch da war noch etwas... ein Laut, der mehr war als Schmerz. Ein St?hnen. Sie spürte, wie sich etwas Hartes gegen ihren Unterleib drückte. Erschrocken lie? sie mit ihren Z?hnen los, japste nach Luft, schlug nach ihm, aber es schien ihn kaum zu kümmern. Was hatte sie nur getan oder dabei gedacht? Ihn zu bei?en war ein Fehler gewesen. Wie war sie nur auf diesen Gedanken gekommen?
?Nein... nicht“, keuchte Emmanline und wusste nicht, was sie damit eigentlich meinte.
?Was nicht? Du hast doch angefangen. Ich kann nichts dafür, dass ich auf deine Reaktionen... nun ja, reagiere. Ich bin auch nur ein Mann mit Begierden.“ Er lachte, scheinbar amüsiert.
?Begierden? Ich... ich habe nichts getan. Ich will das nicht“, zitterte Emmanline Stimme, als ein Kribbeln sich in ihrem Unterleib ausbreitete. Sein Lachen wurde tiefer. Eine Hand wanderte ihren Rücken hinauf, vergrub sich in ihrem wei?en Haar. Ein scharfer Stich durchzuckte sie, aber sie weigerte sich, Schw?che zu zeigen. Seine andere Hand lag auf ihrem unteren Rücken. Er lie? ein wenig von ihr ab, blickte sie mit einem L?cheln an, das sie erschaudern lie?.
?Aber dein K?rper spricht eine andere Sprache. Ich kann es riechen. Gib es zu, ein Teil von dir will es.“ Er beugte sich vor, flüstert ihr die Worte an ihre Lippen. Ihre Augen weiteten sich.
?Nein... das stimmt nicht.“ Ihre Stimme zitterte weiterhin, doch ihr K?rper antwortete mit einem ungewollten St?hnen, als er seinen Unterleib gegen ihren presste. Es war kein Schmerz, eher ein pochendes Ziehen, das Emmanline zutiefst erschreckte. Ihr Verstand rebellierte, doch ihr K?rper... sie verstand ihn nicht mehr. Seine Hand verhinderte, dass sie den Kopf wegdrehte. Der Druck war stark, aber nicht schmerzhaft. Ihr Hals schnürte sich zu, sie bekam kaum Luft, ihr Herz raste.
?Und dafür, dass du mich gebissen hast...“, schnurrte er rau, seine Stimme tief und fordernd. Dann küsste er sie. Erst sanft, dann immer fordernder. Die Hitze überrollte sie. Sie seufzte gegen seine Lippen, krallte sich an seine Schultern fest. Deine Augen schlossen sich, ihr Kopf neigte sich wie von selbst. Noch nie hatte sie sich so... lebendig gefühlt. Was war nur los mit ihr? War es ein Zauber? Eine Manipulation? Oder... wollte sie es wirklich? Er entfachte ein Feuer in ihr, das sie nicht konnte und Emmanline wusste nicht, wie sie ihm widerstehen sollte.

