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35. Raiden

  ?Bü?en wird er es mit Sicherheit.“ Raidens Stimme war ein tiefes Grollen, das durch die B?ume vibrierte. ?Wenn sie nicht l?ngst damit angefangen haben.“ Sein Blick verfinsterte sich. Er besa? kein Funken Mitleid für seinen Bruder... Lucien hatte es verdient. Schlie?lich ging es um sie. ?hm Jesaja.

  Allein ihr Name lie? ihn eine hei?e, brennende G?nsehaut den Rücken hinunterlaufen. Das alte Verlangen erwachte sofort wieder. Roh und ungez?hmt. Der Drang, sie zu sehen, sie festzuhalten, an sich zu rei?en und dort weiterzumachen, wo sie zuletzt aufgeh?rt hatte, flackerte gef?hrlich auf. Unwillkürlich drifteten seine Gedanken ab, zurück zu jenem Moment, der sein ganzes endloses Dasein ver?ndert hatte.

  Es war an einem dieser nicht endenden wollenden, belanglosen Tage gewesen. Ein Weiterer in seiner schier unersch?pflichen, aber trostlos gewordenen Lebensspanne. Je ?lter Raiden wurde, desto leerer fühlte sich die Stunde an. Die Welt bot ihm nichts Neues mehr. Kein Wissen, keine Kreatur und kein Wunder, das er nicht l?ngst gesehen oder gegründet h?tte. Mit über dreitausendzweihundert Jahren war die Existenz zur Routine gekommen. Ein ewiger Kreislauf aus Wiederholungen.

  Doch an jener Nacht war etwas anders gewesen. Der schnelle volle Mond hing wie ein silberner W?chter am Firmament, umgeben von unz?hligen Sternen, die funkelten wie Splitter von uraltem magischem Glas. Die Luft war klar, rein und still. Eine dieser N?chte, die selbst einen alten Drachen dazu brachten, tief zu atmen, um dieses reine Nichts zu spüren. Und doch war ihm damals etwas entglitten. Ein Ziehen. Ein Flüstern. Eine unsichtbare Kraft, die ihn leitete.

  Raiden wusste nicht, was ihn dorthin geführt hatte, nur dass er sich pl?tzlich auf dem Weg in ein bekanntes seenreiches Gebiet, in der N?he des Grenzlandes zu den Sirenen, bemerkbar machte. Nicht, dass sie der Grund gewesen w?re. Sirenen waren manipulativ, hinterlistig, gef?hrlich... und bisweilen t?dlich, wenn man sich auf ihre Reize einlie?. Raiden konnte ihre Kunst nur zu gut. Doch er hatte sich nie verführen lassen und sie ansonsten weitr?umig gemieden. Sirenen waren eine Mischung aus Mensch und Fisch, alle von au?ergew?hnlicher, fast überirdischer Sch?nheit. Das musste Raiden ihnen überlassen. Sie wussten genau, wie sie ihre Reize einsetzen konnten, und am Land konnten sie eine vollst?ndig menschliche Gestalt annehmen. Kein Wunder, dass Menschen sie für Meerjungfrauen hielten. Doch wenn Sirenen in der N?he gewesen w?ren, h?tte er sie l?ngst bemerkt. Ihre Aura, ihr Gesang und ihr schimmernder Duft im Wasser. Aber hier war nichts von allem. Und trotzdem sah er pl?tzlich ein Wesen, dessen Sch?nheit Sirenen schnell banal erscheinen lie?. Nein. Es war etwas anderes gewesen. Etwas viel M?chtigeres. Etwas, das in dieser Nacht sein uraltes Herz geweckt hatte. Etwas, das ihn zu ihr geführt hatte.

  Raiden erstarrte. Er, der sich seit Jahrhunderten von nichts und niemandem überw?ltigen lie?, stand da... und war gebannt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas in seiner Brust zog sich zusammen, hei? und fordernd. Er verfluchte innerlich den Moment, in dem er glaubte, alles gesehen zu haben. Denn dann sah er sie.

  Die Frau im Wasser.

  Sie glitt durch den See, nackt, als geh?re das Wasser zu ihr wie Haut zu Fleisch. Ihre perlmuttfarbene Haut fing das Mondlicht ein und verwandelte es in ein sanftes, blaues Leuchten. Jede einzelne Bewegung lie? Lichtpunkte wie Diamanten von ihrem K?rper abperlen. Sie wirkte nicht wie ein Wesen dieser Welt, sondern wie etwas weit darüber... rein und sündig zugleich. Ihr K?rper … Bei allen heiligen Feuerflammen. Sie war Perfektion in Form gegossen.

  Ihre Brüste rund und voll, die Brustwarzen ein dunkles Braun, er konnte die Farbe selbst im Mondlicht erkennen. Ihr Rücken geschwungen, ihr Hintern fest, rund, eine einzige Einladung, seine H?nde dorthin zu legen, sie an sich zu ziehen, sie zu beanspruchen. Der Drang überrollte ihn mit solcher Wucht, dass ihm für einen Moment die Luft wegblieb. Raiden war ein uralter Drache. Selbstbeherrschung war seine zweite Natur. Aber jetzt? Jetzt war da nur noch Begierde. Roh. Heftig. Unerbittlich. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Ein Fehler, den er ausnutzen würde.

  Raiden würde sie nicht gehen lassen. Nicht ohne ihren Geschmack, nicht ohne ihren Duft, nicht ohne das Gefühl ihrer Haut unter seinen H?nden. Er wusste, was das bedeutete. Was passieren würde, wenn er sie für sich beanspruchte. Welche Konsequenzen, das h?tte, aber sp?ter war sp?ter. Jetzt z?hlte nur der Moment. Und er wusste genau, wie er ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.

  Sie badete in seinem Element... Wasser, das seinem Wesen genauso entsprang. Wenn sie glaubte, hier allein zu sein, würde sie sich gewaltig irren. Er l?chelte. Dunkel. Gef?hrlich. Hungrig.

  Dies würde ein Genuss aller Sinne werden. Das spürte er tief in seinem uralten Kern.

  An all das erinnerte Raiden sich klar und deutlich, als w?re es gestern gewesen. Jede Nacht holte es ihn aufs Neue ein, lie? sein Blut hei? werden, selbst jetzt, mehr als einige Jahrzehnte sp?ter. Damals hatte er sie berührt, verführt, verloren… und seit jenem Moment suchte er sie. Jeden verdammten Tag, besessen von der Versuchung, sie wiederzufinden. Sie zu besitzen.

  Schon beim ersten Aufeinandertreffen hatte Raiden begriffen, dass sie ein Engel war. Doch zu seiner überraschung verspürte er weder Abneigung noch Feindseligkeit, obwohl er im Krieg gegen ihresgleichen gek?mpft hatte. Im Gegenteil, etwas in ihm war erwacht. Und je l?nger seine Suche dauerte, desto unausweichlicher wurde die Wahrheit, die sich in ihm festsetzte, Jesaja war seine Seelengef?hrtin. Die Frau, die ihm vom Schicksal bestimmt worden war.

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  In seiner Einsamkeit wurde ihm bewusst, dass er nie wirklich geglaubt hatte, seine andere H?lfte zu finden. Doch sollte das Schicksal sie ihm eines Tages zurückbringen, schwor er sich, würde er sich niemals gegen sie wehren. Die Sehnsucht nach ihr war zu gro? geworden, um w?hlerisch zu sein. Zudem war er kein Mann ohne Erfahrung. Er hatte N?chte mit Frauen verschiedenster Spezies verbracht, aber keine von ihnen hatte je dieses Gefühl in ihm geweckt. Dass ausgerechnet ein Engel für ihn bestimmt sein k?nnte, h?tte er nie erwartet. Gegen die Bestimmung konnte niemand ank?mpfen, egal wie alt oder m?chtig er war.

  Und eines hatte er nie vergessen, die sü?e, trotzige Verführung jener Engelsfrau, die sich anfangs so heftig gegen ihn gewehrt hatte. Zumindest so lange, bis er seine Kunst eingesetzt hatte. Ihr Spiel erwiderte, sie mit seinem ganzen Wesen berührte, ohne sie auch nur einmal direkt anzufassen. Das Wasser, das über ihre K?rper rann, leitete jede Regung, jede Lust, jede gespannte Erwartung weiter, als w?ren seine H?nde auf ihrer Haut. Und er machte weiter… bis sie der Versuchung erlag und sich atemlos, leidenschaftlich in seine Arme schmiegte. Diese Nacht würde nie verblassen. Die Elektrizit?t zwischen ihnen war wie ein Gewitter über sie hereingebrochen... m?chtig und unentrinnbar. Sie hatten keine Chance gehabt. Am Ende gaben sie sich beide der hemmungslosen, stürmischen, einzigartigen Begegnung hin. Zwei Wesen, verloren in einem Moment, der st?rker war als jedes Gesetz, jeder Krieg und jede Selbstbeherrschung. Unter einem kleinen Wasserfall, im silbrigen Schein des Mondes, hatten sie sich geliebt... wild, verzweifelt und vollkommen.

  Brutal wurde Raiden aus seiner erotischen Erinnerung gerissen, als er eine Bewegung wahrnahm. Sein ganzer K?rper spannte sich schlagartig an, bereit zum Angriff. Erst jetzt drang die Umgebung wieder in sein Bewusstsein. Verdammter Mist, wie hatte er sich so gehen lassen k?nnen? Ohne den geringsten Gedanken an überwachung? Er... ausgerechnet er, vollkommen abgelenkt. Ihm war entglitten, wo er war und vor allem, mit wem.

  Zorn kochte in ihm hoch. Zorn auf sich selbst. Raiden h?tte sich dafür ohrfeigen k?nnen. Er musste sich zusammenrei?en und wieder klar werden. Der Schleier vor seinem Blick l?ste sich und er bemerkte, wie die Frau, die er hergebracht hatte, um Informationen aus ihr herauszuquetschen, sich davonstehlen wollte.

  ?Wo soll’s denn hingehen?“, knurrte Raiden tief und warnend. Eine unkluge Entscheidung abzuhauen. Die wei?haarige Elfe erstarrte sofort. Sie drehte sich nicht um, blieb reglos, bis ihre Finger unruhig an ihrer Kleidung zupften. Nerv?s und unruhig. Was hatte sie denn jetzt? ?Was soll das werden?“, verlangte er eine klare Erkl?rung von ihr. Ausflüchte gegenüber einem Drachen war nie gut.

  ??hm…“ Sie stammelte, fing sich kurz. ?Ich… wollte dich... alleine lassen.“

  ?Ich habe nicht gesagt, dass du verschwinden sollst.“ Seine Stirn verzog sich grimmig. Sie wollten fliegen und das in seiner Anwesenheit? Dabei musste ihr klar sein, dass sie ihm unm?glich entkommen konnte.

  Die Elfe wich seinem Blick weiterhin aus, als k?nnte sie ihn nicht anschauen und... war das etwa R?te auf ihren Wangen? ?Ich will…“ Sie presste ihre zarten Lippen fest zusammen, sichtbar überfordert. Raiden spürte, wie sie ihn langsam auf die Nerven ging. ?Ich wollte dich nur mit… dem da… alleine lassen. Ich wei?, dass ich nicht fliegen kann.“ Deine Stimme wurde brüchig. ?Oh G?tter… was tue ich hier?“ Sie zeigte mit einem zittrigen Finger auf ihn, drehte sich abrupt weg und bedeckte das Gesicht mit den H?nden.

  "Krieg?" Raiden sah irritiert und hinab... nichts Auff?lliges. Dann traf es ihn wie ein Schlag. Verdammt, er steht hier wirklich mit... einem Steifen? Kein Wunder, dass die Elfe flüchten wollte. Auch wenn er Kleidung an seinem Leib trug, sah man seine Erregung durchaus. Sie hatten die ganze Zeit mit ansehen müssen, wie er vor ihr eine Erektion bekam, w?hrend er seiner Erinnerung an Jesaja erlag. ?Glaub ja nicht, dass das wegen dir ist“, knurrte Raiden frustriert, da sie keine falschen Gedanken bekommen sollte.

  ?Nein,... das sah überhaupt nicht... danach aus“, gab sie hysterisch zurück. ?W... wie würdest du dich fühlen, wenn ein Mann dich anstarrt, abwesend, mit glühenden Augen und... und einen…“ Ihre Wangen f?rbten sich noch intensiver. Für einen, der unter seinem gleich aufgewachsenen Krieg, sogar unter Culebra, war sie erstaunlich stolz. Oder vielleicht liegt es an ihrer Unsterblichkeit.

  Wie alt war sie eigentlich?

  ?Stell dich nicht so an. Ich bin ein Mann. Ich h?tte auch keine Lust, jemandem zuzusehen, der seinen Schwanz nicht unter Kontrolle hatte.“ Raiden verzog das Gesicht. ?Schei? drauf. Nackt sein ist normal, aber auch das Ficken ist das normalste der Welt, wenn man seinen sexuellen Trieb ausleben will.“

  Die Elfe holte schockiert Luft. ?H?r auf damit. Das ist nicht...“

  ?...witzig“, beendete Raiden ihren Satz lachend. Doch ihr unschuldiges Verhalten war durchaus amüsant. ?Reg dich ab. Es ist doch nichts passiert.“

  ?Schluss damit.“ Emp?rung funkelte in ihrer Stimme und ihre silbernen Augen funkelten ihn wütend an. ?Du hast alles, was du wissen wolltest. Ich wei? nichts mehr. Also kann ich jetzt gehen? Ich würde die Erinnerung daran gern l?schen.“ Sie wollten offensichtlich wirklich nur weg.

  ?Von mir aus. Ich bin fertig“, sagte Raiden und zwang sich, wieder vollkommen Herr seines Selbst zu werden. K?rperlich wie geistig.

  ?Sehr gut.“ Die Elfe drehte sich direkt um und marschierte entschlossen davon, als sie sich sofort entfernen musste. Diese Frau war wirklich seltsam und er wurde nicht aus ihr schlau. Aber das musste er auch nicht. Raiden hatte, was er wollte.

  Zumindest suchte er es.

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