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010.3 Hinterher! (Teil 3)

  Diesen Abend schlief Wenzel, wie schon die ganze letzte Zeit, in seinem eigenen Bett in seinem kleinen H?uschen. Es war noch eine Glut im Kamin, doch das Feuer war bereits erloschen und er würde kein Brennholz mehr nachlegen. Die Temperatur im Raum war passabel, nicht gerade hei?, aber passabel warm. Er wünschte Brahm eine gute Nacht und ging in sein Schlafzimmer. Seine Leibw?chter waren logischerweise damit beauftragt auf ihn aufzupassen. Weil diese nicht jede Nacht aufbleiben konnten, um Wache zu schieben, wechselten sie sich deshalb jeden Tag damit ab. Heute war Isidor dran von drau?en das Haus zu bewachen, w?hrend Brahm sich auf einer Bank im Hauptraum des Hauses schlafen legen durfte. Wenzels Schlafzimmer war separat.

  Der Junge schloss die Türe hinter sich und machte sein Bett auf. Neben diesem stand, angelehnt an der Wand, sein Schwert. Das Zimmer war au?er einem Bett recht leer. Das Fenster war von der W?rme des Kamins hier drin angelaufen und man konnte nicht mehr nach drau?en sehen. Der Bursche war nach dem heutigen Training wieder einmal müde. Er legte sich hin und schlummerte ziemlich schnell weg.

  Eine unbestimmte L?nge an Zeit war vergangen. Pl?tzlich weckte irgendein Ger?usch ihn aus seinem Schlaf. Irgendetwas hatte er an seinem Kopf gespürt. Er griff an seine Brust nach seinem Amulett, nur um festzustellen, dass dieses nicht mehr um seinen Hals hing! Da durchfuhr ihn eine Panik und der Junge sprang abrupt aus dem Bett auf, sodass die Bodendielen unter seinen Fü?en laut quietschten. In der Finsternis, sah er eine Gestalt bei der Tür hinauslaufen. Der Bursche schnappte sein Schwert und nahm die Verfolgung auf! Er stürmte die Tür hinaus und durch das Hauptzimmer. In einer Distanz konnte er eine Person vor sich ausmachen. Er rannte ihm durch die Eingangstür hinaus ins Freie nach. Er lief so schnell seine Fü?e ihn tragen konnten. Doch dann stolperte er pl?tzlich über irgendwas, das er in der Dunkelheit übersehen hatte. Er fiel auf den Boden, rappelte sich aber sofort wieder auf und sprintete weiter. Weit hinter sich konnte er Brahm irgendetwas rufen h?ren. Er rannte und rannte. Die Verfolgung führte ihn zu den St?llen, wo die Person blitzschnell auf ein bereits vorbereitetes Pferd aufsitzte und losritt. Als das geschah, hatte Wenzel endlich aufgeholt. Und er sah, wer der Dieb war. Es war Isidor!

  Zornerfüllt schrie er diesen an, als er an im vorbei in die Dunkelheit ritt. In gr??ter Eile schnappte sich der Junge auch eines der Pferde und führte die Verfolgungsjagd fort! ?Ich kann es nicht fassen! Dieser Mistkerl!“, fluchte Wenzel in lautem Selbstgespr?ch. Wieder einmal war eine prophetische Vision eingetreten und wieder einmal hatte es der Bursche nicht verhindern k?nnen. Doch jetzt hatte er keine Zeit über irgend so etwas nachzudenken. Momentan war nur eines wichtig: Isidor einholen und dingfest machen. Brahm war auch schon auf dem Weg zu den Stallungen, doch würde er noch etwas brauchen. Somit spornte Wenzel sein Pferd so stark an, wie er nur konnte. Er hatte einen Rückstand dem Dieb gegenüber, doch er wusste in welche Richtung er davongeritten war. Er kannte diesen Pfad und konnte ihm auch im Dunkeln halbwegs folgen. Und, mein Lieber, war es Dunkel!

  Immer wieder schnalzten ?ste in sein Gesicht, da er nicht genau ausmachen konnte, was vor oder neben ihm war. Das Einzige, das ihn noch mehr st?rte, war die Eisesk?lte, die es um diese Jahreszeit hier drau?en hatte. Durch das laute Klappern der Hufe seines eigenen Pferdes konnte er nicht genau sagen, wie weit Isidor noch vor ihm war, oder ob er überhaupt vor ihm war. Pl?tzlich zog der Bursche die Zügel an und blieb stehen. Nichts mehr. Au?er einen langsam entstehenden Aufruhr im Lager in der Ferne, konnte er nichts und niemanden mehr h?ren. Aber das Abhanden Sein von Ger?uschen, die Isidors Pferd eigentlich machen müsste, war nicht der Grund für seinen sofortigen Halt. Nein, er spürte, dass seine Seele nicht weiter entlang der Stra?e lag, sondern irgendwo hinter ihm war. Der Fliehende war wohl zur Seite hin ins Gestrüpp abgebogen. ?Keine kluge Entscheidung“, dachte sich Wenzel da, der wusste, dass er bei dieser Finsternis nicht weit in dem Dickicht auf einem Pferd reitend kommen würde.

  Der junge Mann kehrte um und folgte seinem Gefühl, um sein Ziel zu finden. Er ritt querfeldein durch das Gestrüpp. Als er erspürte, dass er dem Amulett n?herkam, machte er m?glichst wenig L?rm, um Isidor ja keinen Hinweis zu geben, dass er ihm auf der Spur war. Weiter weg h?rte er M?nner schreien und ein Pferd in seine Richtung reiten. Das war sicher Brahm, der versuchte aufzuholen. Wenzel spürte, dass er immer n?her kam und stieg daher vom Pferd ab. Isidor versteckte sich anscheinend irgendwo in dem Dickicht hier. Er ging ein Stück weiter und…..da war er! Der Bursche stürzte mit gezogenem Schwert auf ihn zu. Dieser hatte seinen Verfolger allerdings früh genug entdeckt und zog ebenso sein Schwert. Er wehrte den Hieb ab. Erst jetzt begann Wenzel laut zu schreien, damit Brahm oder irgendeiner der anderen sie hier finden würden. Sie waren schlie?lich immer noch nicht ?unendlich weit“ weg von Hauptquartier.

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  Er schlug von rechts Richtung Schulter, doch Isidor parierte. Dem Gegenschlag wich Wenzel nach hinten aus, auch wenn er dafür ins Gestrüpp stolperte. Der Konter seines Gegners scheiterte aber auch, da er so halb über irgendeine Wurzel oder sowas stolperte. In der fast vollst?ndigen Dunkelheit hatten beide ihre Probleme irgendetwas zu bewerkstelligen. Der Junge machte wieder und wieder mit lauter Stimme auf sich aufmerksam. Schlie?lich wollte der Dieb wieder die Flucht ergreifen, wurde aber von Wenzel am Obergewand festgehalten. In dem Moment schaffte es der Junge ihn überraschend auf die Hand zu schlagen, sodass dieser seine Waffe fallen lie?. Diesen Augenblick der Verwirrung nutzte er aus, um den Mann in mit aller Kraft auf den Boden zu sto?en. Auch trat er dessen Schwert mit dem Fu? weg. Hinter ihnen kam dann pl?tzlich Brahm angeritten! Mit einer Laterne in der Hand sprang er vom Gaul und stürmte zu seinem ?Kollegen“.

  ?Was zum Teufel ist hier los?“, schrie er mit lauter Stimme. ?Er hat mein Amulett gestohlen und wollte damit davonlaufen!“, antwortete Wenzel augenblicklich. Beide seiner Leibw?chter waren von ihm darüber aufgekl?rt worden, was sein Amulett war. ?Ist das wahr?“, fragte ihn der aufgebrachte Brahm. Isidor leugnete seine Tat nicht. Daraufhin packte er den Verr?ter sofort am Kragen und presste ihn gegen einen Baum. In seinen Augen brannte die Wut. Brahm zückte sein Schwert und sprach dann: ?Für das Verbrechen des Hochverrats verurteile ich dich im Namen Seiner Majest?t hiermit zum Tode!“ Bevor Wenzel irgendwie verarbeiten konnte, was hier gerade vor sich ging, war es schon geschehen. Brahm hatte seine Kehle durchschnitten. Im trüben Schein der am Boden stehenden Laterne sank der leblose K?rper seines ehemaligen Leibw?chters zu Boden. Wenzel war geschockt. Er wusste nicht mehr, was er sagen sollte. Bald darauf holten die anderen M?nner sie auch noch ein und die Sache wurde ihnen erkl?rt.

  Für Wenzel war ihr aber noch gar nichts gekl?rt. Ganz im Gegenteil, dieser Vorfall setzte nun Dinge in ihm in Bewegung, die sich zwar schon l?nger aufgebaut hatten, aber noch keine handfesten Konsequenzen nach sich zogen. Diesmal aber schon. Als sie im Nachhinein alle Habschaften Isidors durchst?berten fanden sie auch eine verschlüsselte Nachricht mit dem Siegel des K?nigreichs Ordanien. Isidor war ein Verr?ter in ihrem innersten Kreis gewesen! Wem also konnte man nun trauen? Der Erkorene war h?chst verunsichert. ?Du konntest ganz allein Isidor in Schach halten, bis ich dir zur Hilfe kommen konnte. Dein Kampftraining hat sich tats?chlich bezahlt gemacht, was?“, lobte ihn Brahm. Doch all dies konnte dem Jungen jetzt nicht über sein tiefes Misstrauen seines Umfelds hinweghelfen. Auch Brahm war dennoch klar erschüttert vom Verrat Isidors.

  Zudem wusste Wenzel ja auch nicht, ob er Theodor, der ja eigentlich ein Kaschare war, wirklich vertrauen konnte. Aber der Krimi um die Geschehnisse der heutigen Tage ging noch weiter. Isidor hatte sich ganz bewusst einen Tag für sein Unterfangen ausgesucht, an dem Theodor nicht da war. Er war n?mlich heute fort auf einer Mission gewesen, so wie er es ?fters tat. Gute Bedingungen für den Diebstahl des Amuletts. Eine weitere, kuriose Begebenheit war auch, dass genau heute keine Wache in der N?he der St?lle eingeteilt war, obwohl dies eigentlich sonst immer der Fall war. Einen der M?rtyrer hatte Wenzel sagen geh?rt, dass die Wache angeblich von August abgezogen worden war. Dies konnte auch nur ein Gerücht sein, doch wer wusste das schon so genau, besonders in den jetzigen Umst?nden? Wenzel dachte intensiv nach. Auch August k?nnte genauso seine eigene Agenda haben und nur versuchen ihn gegen Theodor auszuspielen.

  Der Bursche wusste einfach nicht mehr, wem er vertrauen konnte. Brahm war die einzige Ausnahme. Dessen Handlungen hatten Wenzel eindeutig gerettet, selbst wenn er Isidor ohne jegliches Z?gern get?tet hatte. Dennoch, die Bilder seines hingerichteten Leibw?chters sah der Junge immer noch vor seinem inneren Auge. Nach diesem Ereignis teilte er Brahm mit, dass dieser künftig nur noch mit seiner Erlaubnis einen Gefangenen hinrichten dürfte, au?er natürlich die Situation lie?e nichts anderes mehr zu. ?Selbstverst?ndlich. Wie du willst“, kam es da nur von Brahm zurück.

  Am n?chsten Tag kehrte der Feldmarschall von seiner Mission so um die Mittagszeit zurück. Als er über die Geschehnisse der letzten Nacht informiert wurde, zeigte er schon beinahe eine Art von Emotion, blieb aber dennoch im Endeffekt ausdruckslos. Er setzte infolge zwei Ma?nahmen:

  


      
  • Theodor und August durchsuchten in Anwesenheit von anderen Ranghohen die H?user und den Besitz aller im inneren Kreis der Organisation. Das Ergebnis dessen war, dass kein Hinweis auf einen weiteren Verr?ter gefunden wurde.


  •   
  • Wenzel bekam einen neuen Leibw?chter als Ersatz für Isidor. Sein Name war Ferenc und wie es sein Name erahnen lie?, war er kascharischer Herkunft! Das lie? bei Wenzel die Warnlampen aufleuchten, vor allem, da Theodor h?chstpers?nlich diese Person bestimmt hatte.


  •   


  Was sollte Wenzel nun also tun? Wem konnte er wirklich trauen? Theodor? August? Ferenc? Keinem von diesen? So konnte es nicht bleiben. Etwas musste geschehen. Aber was nur? Was konnte Wenzel hier tun? Als der Tag sich dem Ende zuneigte sa? der Bursche auf einer niedrigen Gartenmauer und schaute nachdenklich den Sonnenuntergang an. Dann kam ihm eine Idee. ?Hey, ich gehe heute Abend zu Theodor hinüber, okay?“, sagte er zu Brahm. ?Okay? Hat das mit Ferenc zu tun? Ich bin mir sicher, dass er in Ordnung ist. Theodor wei? schon, was er tut“, entgegnete sein Freund. Wenzel aber antwortete: ?Nicht unbedingt. Ich kann’s dir aber nicht sagen.“ Brahm reagierte mit fragendem Gesicht.

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