Als der n?chste Morgen graute, hatte Wenzel kein gemütliches Erwachen. Er hatte in einem Zelt gemeinsam mit drei anderen Personen, die H?herrangige in der Organisation waren, geschlafen. Einer davon war Isidor. Von dem harten Boden, auf dem er übernachten musste, tat dem Jungen der Rücken weh. Die ganze Nacht hatte er sich nur rastlos hin und her gerollt. Daran würde er sich leider gew?hnen müssen. Noch vor Sonnenaufgang standen viele von den M?nnern schon wieder auf. Fasziniert schaute Wenzel ihnen zu, als er bemerkte, dass das Erste, was sie nach dem Aufstehen machten, ein kurzes Gebet war. Wenzel selbst betete nie, genauso wenig wie sein Bruder es getan hatte. Er hatte versucht m?glichst wenige Vorurteile gegenüber den Leuten hier zu haben und auf sie mit Unbefangenheit zuzugehen. Glücklicherweise waren sie bisher nicht so ?schlimm“, wie er es sich vorgestellt hatte. Das Einzige, was er hoffte, war, dass man nicht von ihm verlangen würde, Dinge zu tun, die er nicht wollte.
Obgleich ein Gebet wohl kein Problem für den Burschen darstellte. Er glaubte an Gott, aber er widmete diesem nicht wirklich viele Gedanken oder orientierte sein Leben nach der Religion. Das war schon mal ein klarer Unterschied zwischen ihm und den ?M?rtyrerbrigaden“. Eigentlich wollte Wenzel noch weiterschlafen, doch er hatte das Gefühl, dass es unangemessen w?re weiterzuschlafen, w?hrend die anderen aufstanden und ihrer Arbeit nachgingen. Er trat auch aus dem Zelt hinaus und streckte sich. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte, denn keiner hatte ihm bisher gesagt, was seine Rolle hier sein sollte. Darum folgte er einfach Isidor und Brahm. Die beiden sammelten sich gemeinsam mit ihren M?nnern und begannen Kraft und Ausdauerübungen zu machen. Als die Sonne dann schlie?lich begann am Horizont hervorzublinzeln, startete das eigentliche Trainingsprogramm und die Soldaten begannen den Schwert- und Speerkampf gegeneinander zu üben.
W?hrenddessen setzte sich Wenzel einfach nur ins dürre Gras auf der Seite hin und schaute ihnen beim Trainieren zu. Er selbst hatte natürlich überhaupt keine Erfahrung mit oder Ahnung von Waffen. Generell w?re er wahrscheinlich kein guter Soldat, weil er nicht gerade der Sportlichste war. Er war jetzt auch nicht total unsportlich, aber ein K?mpfer war er nicht und dessen war sich der Junge auch vollkommen bewusst. ?Komm her, Wenzel! Wir trainieren auch“, forderte ihn Brahm auf. Der Junge lehnte vehement ab. Auch nach mehrmaligem Nachfragen weigerte er sich, woraufhin sein Leibw?chter nachgab und ihn einstweilen in Ruhe lie?. Da atmete der Bursche erleichtert auf. Man würde ihn wohl nicht mit Gewalt zu irgendetwas zwingen.
Die K?mpfer übten mit h?lzernen übungsschwertern, wobei manche auch echte aus Eisen gebrauchten. Sie schlugen gegeneinander und versuchten den anderen auszuman?vrieren, sprich eine Lücke in der Verteidigung zu finden, um ihn dort anzugreifen. Alle trugen sie dicke Gew?nder, um sich nicht versehentlich zu verletzen. Nachdem er eine gefühlte Stunde als Zuschauer verbracht hatte, kam pl?tzlich eine Dame zu ihm. Sie hatte schulterlanges, schwarzes Haar und war ziemlich klein. Sie stellte sich ihm als Petra vor und teilte ihm mit, dass August ihn sehen wollte. Somit stand er auf und folgte ihr zum gro?en Zelt, wo die ?Chefs“ von der Gruppe verweilten. Der Junge trat ein und ging hinüber zum ?edlen Herren“, der auf einem Tisch sa? und etwas las. Theodor konnte man momentan nirgendwo sehen. ?Guten Morgen, Herr August!“, begann Wenzel die Unterhaltung. ?Was h?tten Sie denn von mir gewollt?“
?Oh, gut, dass du hier bist. Ich habe zwei Dinge mit dir zu besprechen“, sagte dieser und l?chelte Wenzel dabei an. Daraufhin lief dem Jungen ein Schauer über den Rücken. Er mochte dieses L?cheln überhaupt nicht. ?Die erste Angelegenheit betrifft, was wir heute vorhaben. Wir werden dich so schnell wie irgend m?glich der Altgl?ubigen Kommune vorstellen. Also, um genau zu sein, dem Patriarchen werden wir einen Besuch abstatten.“ Der Junge sah ihn an und dachte sich nur: ?Altgl?ubig?“ Ohne seine Ausführungen zu unterbrechen, h?rte er ihm aber weiter zu.
?Dieser ist, wie du dir denken kannst, wie wir im Untergrund agierend. Wir werden uns, wenn Theodor zurück ist heute zusammenpacken und unmittelbar diesen aufsuchen. Den Grund dafür kannst du dir wohl denken. Es gibt wohl niemanden, für den es wichtiger ist, den Erkorenen zu treffen und willkommen zu hei?en, als die wahre Kirche.“
Als Wenzel das h?rte, schwante ihm schon übles. Er lie? sich das Gesagte kurz durch die Gedanken gehen. Beinah h?tte er dann fast schon fragen wollen, ob dies die sogenannte ?Melgaristenkirche“ war, hielt sich dann aber zurück, da er ohnehin die Antwort darauf wusste. ?Und dann h?tten wir noch einen zweiten Punkt, den wir besprechen müssen, aber den ich nicht entscheiden kann“, fuhr August fort. ?Deine künftige Rolle in der Organisation haben wir noch nicht festgelegt, aber der Anführer hat hier ohnehin das letzte Wort und ohne ihn würde ich die Sache gar nicht besprechen. Also wird diese Angelegenheit wohl entweder sp?ter heute oder morgen am Programm stehen. Ist das so weit klar?“ Der Bursche best?tigte. Sowieso wusste er nicht, was er darauf sagen sollte. Einstweilen würde er mit ihren Entscheidungen einfach mitgehen müssen.
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Dann rückte August etwas n?her zu ihm, hielt sich die Hand vor und sprach mit leiserer Stimme: ?Du solltest hier nicht deinen eigenen Willen verlieren! Es ist ratsam, immer kritisch gegenüber den Zielen der Organisation, aber auch des Anführers zu bleiben. Du solltest nicht immer alles glauben was Leute dir hier sagen. Hinterfrage sie! Mach dir deine eigenen Gedanken. Nicht jeder hier ist auch wirklich Ordanier und hat das Beste für unser Volk im Sinne! So mancher verfolgt hier sicher eine Agenda, die er nicht ver?u?ern wird.“
Dies überraschte Wenzel nun sehr und August konnte das auch an seinem Gesicht erkennen. Hatte ihn der Stabschef gerade vor einer ?geheimen Agenda“ des Anführers gewarnt? Hier musste der Junge nun nachfragen. ?Was meinen Sie? Euch geht es doch um den Sturz der jetzigen Herrscher und der Alethischen Kirche, oder?“, flüsterte ihm Wenzel zu. Dieser erwiderte: ?Ja. Und das ist auch das Ziel von allen hier. Du solltest dich aber fragen, woher manche Leute hier kommen und was sie vielleicht noch beabsichtigen k?nnten. Mehr werde ich dazu nicht sagen.“ Er trug einen sehr seri?sen Ausdruck im Gesicht, als er das sagte.
Der Bursche war verunsichert. Er wusste nicht, ob er dem glauben oder trauen konnte. Immerhin kannte er ja auch niemanden hier so richtig. Er antwortete nicht mehr und kehrte zurück zu den trainierenden Soldaten. ?Woher manche Leute kommen…..Was meinte er damit?“, ging es dem Jungen durch den Kopf. W?hrenddessen schaute er dem Schwert-und Speerkampftraining der K?mpfer zu. Bald schon würde man ihn aber schon wieder abholen. Petra kaum erneut zu ihm und informierte Wenzel, dass der Anführer zurückgekehrt war. Gemeinsam machten sie sich sogleich auf dem Weg zu diesem, wobei Brahm auch gleich mitkam.
Sie gingen dorthin, wo die Pferde untergebracht waren. Als er sich ann?herte, konnte er schon die riesige Statur Theodors von Weitem sehen. Er kommandierte ein paar seiner M?nner herum, gefolgt von deren Salutation und Abgang. Neben ihm waren August, Isidor, Irnfrid und ein weiterer Soldat. Alle sattelten und bepackten gerade ihre Pferde für die Reise. Als er dann bei ihnen ankam, sprach ihn Theodor sogleich an: ?Ich nehme an, dass August dich bereits über unseren heutigen, nennen wir’s mal, Ausflug unterrichtet hat.“ – ?Ja. Ich wei? Bescheid“, entgegnete Wenzel schnell. Irnfrid trat an den Burschen heran und hielt ihm einen kleinen Rucksack hin. ?Hier ist dein Reiseproviant.“ Der Junge bedankte sich. Dann wandte sie sich an ihren Mann: ?Hast du deinen auch eingepackt? Ich hab ihn dir hingelegt.“ – ?Ja, Schatz, hab ich“, kam es von Theodor zur Antwort. ?Sehr gut! Dann hoffe ich, dass du sonst nichts vergessen hast.“ – ?Denke mal nicht.“
Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und wünschte ihm eine sichere Reise. Petra tat es ihr gleich und küsste August zu Abschied. ?Oh! Okay!“, ging es Wenzel durch den Sinn, als ob ihm ein Licht aufgegangen w?re. ?Also, gut!“, begann Theodor zu erl?utern. ?Wenzel, du reitest mit Brahm. Alles klar?“ – ?Ja.“ Brahm richtete gerade noch etwas an seinem Pferd, doch er musste kaum etwas machen, da es bereits gesattelt gewesen war. Er hob Wenzel hinauf auf das Ross und stieg danach selbst hinauf. Dann ritt die Gruppe los. Es ging quer durch den Wald. Erst nach einer Weile trafen sie auf einen Weg, dem sie folgten.
Nach einer Weile fragte ihm sein Leibw?chter: ?Und du hast keine Erfahrung mit Reiten?“ – ?Naja, ich bin schon mal auf einem Pferd gesessen, aber so wirklich gelernt hab ich das Reiten nicht.“ – ?Na, dann müssen wir das schleunigst nachholen! Es gibt nichts Wichtigeres als selbst reiten zu k?nnen! Du willst ja nicht immer von anderen mitgenommen werden müssen, oder?“ – ?Da hast du wohl recht.“
Der Ritt dauerte zwei Stunden. All das lange Sitzen auf einem Pferderücken hatte eine überaus scheuernde Wirkung an bestimmten Stellen. ?Ach, du Lieber!“, konnte Wenzel da nur sagen. Doch ungeachtet dessen kamen sie schlie?lich in einer kleinen Siedlung an. Sie hatten ein ganzes Tal durchquert und kamen einen kleinen Bach entlang zu den ersten H?usern. Es war ein Dorf das, wie in die Felsen gewachsen schien. Links und rechts teils gro?e Felsen, auf denen und an denen entlang geschmiegt kleine zierliche H?user errichtet waren. Man konnte keine Kirche hier sehen. Wo also waren die Leute, die sie aufsuchen wollten? Der Junge würde es bald herausfinden.