?Warum klingen deine Bitten immer wie Befehle?“ Es klang, als würde Ruby in seinem Kopf schmollen, aber Lucien kannte seine Schwester besser… es war nur eine ihrer vielen Masken, hinter der sie ihre Neugier und ihren Trotz verbarg.
Mit einem Seufzen antwortete er ihr. ?Tue es einfach, Ruby.“
?Ist ja gut. Ist ja gut“, beklagte sich Ruby und die Verbindung brach ab… mit einem Kopfschütteln begab Lucien sich direkt in sein Arbeitszimmer. Gerade als er sich hinter seinem Schreibtisch setzen wollte, kam Ruby fr?hlich summend hereingeschlendert… nur sie schaffte das im gelassenen Ton. So war seine kleine Schwester immer gewesen, ein Wirbelwind aus Charme und Unverfrorenheit.
?Hallo k?nigliches Brüderchen“, tr?llerte Ruby begeistert. Sie setzte sich fallend in den bequemen Sessel vor seinem Schreibtisch, als geh?rte der Raum schon immer ihr. ?Ich habe dich heute schon den halben Tag gesucht, aber du warst ja nicht auffindbar.“
?Was hast du herausgefunden?“, lenkte Lucien sofort das Thema um, damit es nicht zu ausschweifend wurde.
?Nun wirst du aber immer gemeiner.“ Ruby zog einen Schmollmund, jammerte theatralisch, wie immer. ?Nicht einmal ?Wie geht es dir?‘. Oder ?Sch?n, dass du wieder sicher Zuhause bist.‘ Oder ?Toll, wie sehr ich dich vermisst habe, liebste kleine Schwester.‘ Oder ?Wie hübsch…‘“
?Ist ja gut. Ist ja gut“, knurrte Lucien ergeben und erhob beschwichtigend seine H?nde hinter seinem Schreibtisch, innerlich verdrehte er spielerisch die Augen. ?Ich habe schon verstanden. Toll, dass du wieder da bist, kleine Schwester. Ehrlich. Du wei?t, dass ich mir immer Sorgen um dich mache, wenn du da drau?en bist.“ Lucien l?chelte sie an… warm, aufrichtig, obwohl die Sorge in ihm noch immer nagte.
?Das freut mich echt zu h?ren“, sprach Ruby nickend und zufrieden. ?Also gut, ich habe schon einiges in Erfahrung gebracht, und ich sage dir gleich im Voraus… es ist nichts Gutes.“ Ihr leuchtend roter Blick wurde ernst, und pl?tzlich sprach ihre Drachin aus ihr… die ganze fr?hliche Art war wie weggeblasen. Aber ihm war es klar gewesen, dass Ruby nichts Gutes mitbringen würde.
?Was hast du herausgefunden?“, fragte Lucien erneut und lehnte sich mit verschr?nkten Armen in seinem bequemen Lederstuhl zurück, der knarzend ?chzte.
?Ich war in der gro?en Hauptstadt Tarentea, und die berichten vieles. Durch meinen unglaublichen Charme konnte ich einiges in Erfahrung bringen. Einige sind hinter deiner Elfe her“, summte seine Schwester zufrieden mit geschlossenen Augen, ihr feuerrotes offenes Haar wallend nach hinten streifend.
Schockiert schaute Lucien seine Schwester an… ihm war es schon bewusst gewesen, dass sie hinter Emmanline her waren. Schlie?lich hatte sie es ihm oft gesagt. Aber es zu h?ren war eine andere Sache. ?Wer?“, verlangte Lucien schlagartig zu erfahren. Erschütterung wandelte sich in unb?ndigen Zorn um… sein Drache tobte in ihm, ein tiefes, grollendes Feuer, das kaum zu b?ndigen war.
?Durch eine alte Freundin habe ich erfahren, dass es ein D?mon gewesen war. Ein Schakal-D?mon, um genau zu sein“, erl?uterte Ruby überzeugend, kein einziges Anzeichen auf verspottende Informationen.
Verflucht, Schakal-D?monen waren die intrigantesten unter den D?monen… sie besa?en keine Ehre und waren ohne Skrupel, wenn sie ihre Ziele erreichen wollten. Die Schakale waren mit allem bestechlich… verfluchte Bastarde. ?Was haben die davon, Emmanline gefangen zu nehmen?“
?Es k?nnte vieles sein. Darum habe ich Fenni auf diesen Schakal-D?mon gehetzt. Sp?ter teilte er mir mit…“ Lucien konnte noch immer nicht verstehen, wie Ruby sich mit diesem verlausten Zwerg verst?ndigen konnte… immerhin war seine Zunge herausgeschnitten. Doch ihm sollte es egal sein, solange seine Schwester ihn brauchte. ?… zwei Drachen h?tten ihm den Auftrag gegeben. Vermutlich waren die Drachen Anh?nger von Culebra gewesen. Das kann ich nicht genau sagen, aber eines ist gewiss… sie haben keine guten Absichten. Das steht fest. Egal wer es ist, derjenige ist fest entschlossen. Ein Schakal-D?mon wird nicht der einzige sein, der es versuchen wird, und glaube mir, sie wissen, wo sich Emmanline befindet. Sie wissen, dass sie hier bei dir ist, Bruder, und sie werden nicht aufh?ren… egal, was sie tun müssten.“
Nein, das dürfte niemals passieren… niemals würde Lucien Emmanline verlieren. Dafür würde er sorgen. M?ge da kommen, was da wolle… niemand würde sie bekommen. Geschweige denn anrühren. ?Das wird niemals passieren. Niemand wird Emmanline bekommen“, knurrte Lucien fauchend… besitzergreifend und wütend zugleich, sein Drache brodelte in ihm wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
?Das ist mir schon bewusst, Lucien. Es ist auch keine Option. Ich glaube… Arokh ist nicht der Einzige und auch nicht der Letzte, der vielleicht unter uns ein Verr?ter ist. Culebra mag vielleicht uns kennen, aber er k?nnte niemals genauere Informationen über uns haben. Wer wei?, wo die Spione genau sitzen. Ich an deiner Stelle würde aufpassen, wem du vertraust. Vor allem, was du preisgibst“, warnte Ruby ihn mit ernsten Gesichtszügen, die so selten auf dem Gesicht ihrer Schwester anzutreffen waren.
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Da war etwas dran, und seine kleine Schwester hatte vollkommen Recht. ?Ich werde es mir vor Augen halten.“
?Du solltest wirklich aufpassen, Lucien. Emmanline ist etwas Besonderes… alleine weil sie eine Elfe ist. Elfen seien vor einer Ewigkeit normalerweise ausgel?scht worden, aber niemand hatte daran gezweifelt, dass keiner mehr von ihnen existiert. Sie sind schlau genug, wann sie wissen müssen, sich verdeckt zu halten. Ich habe bisher noch keine weiteren nennenswerten Informationen über die Elfen, die ich dir schon geliefert habe, aber es ist kein Erfolg, dass dies wirklich stimmt“, meinte Ruby mit ihrer Ernsthaftigkeit, und ihre Züge verdunkelten sich, w?hrend sie mit zwei zarten Fingern über ihre helle gefaltete Stirn strich, als dachte sie intensiv nach oder würde sie gl?tten wollen. Lucien stimmte ihr weiterhin zu… er hatte diese Informationen genutzt und hoffte, dass darin ein Fünkchen Wahrheit liegt. ?Jedenfalls scheinen die dunklen Fae anderer überzeugung zu sein. Sie triumphieren über ihren gewonnenen Krieg über die Elfen, aber… nur durch die Hilfe der Nymphen. Sollten sie herausfinden, dass noch eine von den Elfen lebt, werden auch die dunklen Fae Jagd auf Emmanline machen. Ohne Wenn und Aber, weil sie solch einen Hass gegenüber den Elfen verspüren, dass sie nicht tolerieren würden, dass nur eine Einzelne noch lebt. Emmanline w?re ein Dorn in ihren Augen, den sie gerne ziehen würden. Wenn diese nicht schon l?ngst auf der Suche nach ihr sind. Der jetzige K?nig Mórag ist wahnsinnig und so was von krankhaft besessen… ich kann ihn überhaupt nicht als zurechnungsf?hig einstufen. Er würde sie bis zum Tod jagen“, seufzte Ruby verstimmt auf. ?Vermutlich wei? er es schon l?ngst von ihr, seit der letzten Zusammenkunft mit den Lykae und hat seine besten Killer auf sie angesetzt. Ich habe über ihnen auch nichts Gutes geh?rt, obwohl sie wenige von dieser Sorte haben, aber umso t?dlicher. über die sogenannten Sleeper.“ Ruby zuckte mit ihren zarten Schultern... eine scheinbar beil?ufige Geste, die ihre Sorge jedoch nicht ganz verbergen konnte.
Lucien war es bewusst, es ging seiner kleinen Schwester nicht spurlos vorbei… nicht, wenn es um das Wohl ihres Volkes ging. Und Ruby war verdammt gut in ihrem Element… scharfsinnig, unerschrocken und immer einen Schritt voraus. ?Also bedeutet es, wir haben nicht nur einen, der uns gef?hrlich werden k?nnte… sondern gleich mehrere Fronten im Nacken.“
?Sieht so aus, Bruder. Wir sollten vorsichtiger sein als je zuvor. Wir dürfen jetzt keine Schw?che zeigen oder als angreifbar gelten. Es geht um das Wohl aller. Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Ich werde weiterhin Informationen sammeln, was ich nur beschaffen kann. Ihr müsst euch hier etwas ausdenken… vor allem au?erhalb dieses Schlosses. Vermutlich würden sie auch andere Drachensiedlungen angreifen.“
?Dann tun wir Ma?nahmen treffen und warnen jedes kleinste Dorf vor. Ich werde mich mit Darius zusammensetzen und was einfallen lassen.“ Darius war ein guter Stratege und wüsste darauf vielleicht einiges zu sagen oder sogar eine Antwort zu geben. ?Ich will, dass du aufpasst, Ruby.“ Es war schon keine Bitte mehr, sondern ein Befehl... tief und ernst. ?Es k?nnte schlimmer werden. Wenn es gef?hrlich wird, ziehst du dich zurück. Hast du mich verstanden?“
Jetzt l?chelte seine Schwester… ein kleines, aber echtes L?cheln. ?Du musst dir keine Sorgen machen. Ich passe immer auf mich auf. Bis jetzt bin ich aus jeder Lage herausgekommen.“ Und genau darum machte Lucien sich auch die meisten Sorgen um sie… er bezweifelte ja nicht, dass sie ihre Sache gut machte, aber manchmal hatte er die Befürchtung, ihr würde genau das zum Verh?ngnis werden. Dennoch konnte er nicht mehr als ihren Worten vertrauen. Sie war ein Drache… eisern, hartn?ckig und mutig sogleich tierisch stur. Ruby würde nie aufh?ren mit dem, was sie tut. Würde Lucien ihr all das verbieten, würde sie hinter seinem Rücken weiter machen, ohne eine Kontrolle über sie zu besitzen. ?Ich nehme dich beim Wort, kleine Schwester.“ Lucien l?chelte sie an… warm, aber mit einem Hauch von Sorge. ?Kannst du mir noch etwas sagen?“
?Nein, noch nicht. Ich versuche jetzt noch genauere Informationen zu sammeln, was Mórag als N?chstes vorhat. Da ja sein letzter Plan, Lykae und Drachen aufeinanderzuhetzen, fehlgeschlagen war. Er wird sich definitiv was einfallen lassen, und ich habe absolut keine Ahnung, was auf uns zukommen wird.“ Ruby schloss seufzend ihre r?tlichen Augen… dann wandte sie ihren Blick voller Ernsthaftigkeit auf ihn zu, ihre Stimme trug den gleichen Ausdruck. ?Auch wenn ich es nie gehofft h?tte, es zu sagen, aber ich bin vollkommen deiner Meinung. Es ist eine richtige Entscheidung, darüber nachzudenken, mit den Lykae ein gemeinsames Bündnis einzugehen.“
Es überraschte ihn wirklich, wie entschlossen seine Schwester ihm gegenüber war. ?Danke.“ Das war das Einzige, was Lucien darauf antworten konnte.
?Jedenfalls tue, was du kannst, wenn es unserem Volk dient. Ich unterstütze dich in allem, wo ich nur kann. Darin hast du mein Vertrauen.“ Ruby stand auf, streckte sich wie eine Katze in die L?nge und g?hnte einmal vergnüglich… ohne auf ihre k?niglichen Anstandsregeln zu achten. Es geh?rte sich nicht für eine Prinzessin, was sie eigentlich war, aber ihm scherte es einen Dreck, solange sie glücklich und am Leben war. ?Ich werde mich dann mal zu Bett begeben. Ich bin hundemüde“, kicherte sie leise. ?Wie witzig das für einen Drachen klingt. Dabei ist es doch hin und wieder eine leckere Mahlzeit für mich, wenn mir ein Hund über den Weg l?uft.“ Ruby gluckste, wünschte ihm eine gute Nacht und verschwand aus seinem Arbeitszimmer.
Verrücktes Weib.
Lucien lachte innerlich. Seufzend lehnte er sich zurück und genoss für einen Augenblick die Stille um sich herum… die Nacht war schon l?ngst hereingebrochen. Er musste nicht aus dem gro?en Fenster hinter sich blicken, um es zu sehen, aber er tat es dennoch… zu sehr gew?hnt war er es und was eine ungeheure beruhigende Wirkung in ihm ausübte.
Mit einem leisen Klopfen an der Tür wurde Lucien aus seinen Gedanken und aus der Stille gerissen… ruckartig wandte er seinen Blick in Richtung Tür. Lucien wusste sofort, wer dahinter stand. Sofort erkannte er diesen dezenten Duft und konnte es an der Pr?senz in der Luft spüren. Es war unverkennbar, und ein L?cheln machte sich automatisch auf seinem Gesicht breit. ?Du kannst ruhig hereinkommen, Emmanline.“

