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100. Emmanline

  Erstarrt schaute Emmanline Lucien an… und fragte sich in einem einzigen, wirren Gedankenstrom, warum er das alles tat. Dieser Mann war hartn?ckig bis zur Unertr?glichkeit, stur wie ein Fels, beharrend und so verbohrt, dass es fast wehtat. All diese Eigenschaften in einer einzigen Person zu vereinen war einfach nur schrecklich… und doch stand er da, unerschütterlich, und sah sie an, als g?be es für ihn keine andere M?glichkeit mehr. Alles nur wegen der Situation heraus, weil sie seine Seelengef?hrtin war? Lucien übertrieb ma?los.

  Emmanline konnte es nicht glauben… und gleichzeitig wusste sie absolut nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Lucien überforderte sie immer wieder auf eine Art und Weise, die sie überrumpelte und ahnungslos zurücklie?. Am Anfang hatte sie sich nur gefragt, wohin er sie eigentlich führte, und am Ende standen sie hier… an diesem Ort, der atemberaubend war, einmalig, fast unwirklich. Alles leuchtete, alles schimmerte, und sie fühlte sich sofort wohl… und geborgen. Das warme Licht umhüllte Emmanline wie eine Umarmung, die sie nicht erwartet hatte. Sie spürte eine tiefe Verbundenheit zu all dem Glanz… ein Gefühl, das sie nur zu gut kannte. Dieses Licht war ein Teil von ihr… etwas, das sie in sich aufnahm, wann immer sie konnte… wie ein Schwamm, der das Wasser nicht nur wollte, sondern brauchte. Dazu der erdige Duft nach einem regnerischen Herbsttag. überall roch Emmanline nur… ihn. Seine reine, unverf?lschte Existenz, die ihre Sinne umspielte… umgarnte mit jedem Zug.

  Niemand au?er ihr wusste davon. Und es würde ihr Geheimnis bleiben… bis zum Tod, bis ins Grab, falls n?tig. Es war l?cherlich, sich das so vorzustellen, und doch war es die Wahrheit. Es gab niemanden, absolut niemanden, dem Emmanline je etwas verraten würde. Sollte es eben die gr??te Last auf ihren Schultern bleiben… eine Last, ohne jede M?glichkeit, sie je abzulegen oder Erleichterung zu finden.

  ?Lass es, Lucien“, meinte Emmanline etwas missfallend. Ihre Stimme klang scharf und… endgültig. Sie wollte nichts mehr davon h?ren… nichts mehr von Seelengef?hrtin, von Zugeh?rigkeit, von all dem, was Lucien so selbstverst?ndlich aussprach. Sie drehte sich um, um zu gehen… doch wie befürchtet lie? er sie nicht gehen. Seine Hand schloss sich fest, aber nicht brutal um ihren Oberarm, wirbelte sie herum und riss sie in seine Arme… nah, zu nah… so nah, dass sie seinen Herzschlag spürte.

  ?Wage es ja nicht, jetzt zu gehen“, sagte Lucien mit einer Stimme, die ruhig war, aber darunter vibrierte etwas Rohes, Unnachgiebiges. ?Ich werde nicht zusehen, wie du dich immer wieder zurückziehst. Du bist so weit gekommen… und ich werde nicht einfach zusehen, wie du immer wieder davonl?ufst.“

  ?Ich… ich laufe nicht… davon!“, schrie Emmanline fast… die Worte brachen aus ihr heraus, lauter, als sie beabsichtigte.

  ?Ach ja?“ Lucien blieb weiterhin ruhig… unnatürlich ruhig. ?Und warum schreist du mich dann an, wenn es so nicht ist?“

  Das ?rgerte Emmanline noch mehr… diese Gelassenheit, diese unerschütterliche Ruhe, w?hrend in ihr alles tobte. Es fühlte sich unfair an, als würde Lucien sie mit seiner Beherrschung noch weiter in die Enge treiben. ?Ich schreie, weil du mich nicht verstehst!“, fauchte sie und stemmte die H?nde gegen seine Brust, ohne ihn wirklich wegzusto?en. ?Du h?rst nicht zu! Du entscheidest einfach, dass ich zu dir geh?re… dass ich das akzeptieren muss… dass ich bleiben muss! Aber ich bin kein Ding, das du dir nehmen kannst, Lucien. Ich bin kein Teil von dir, nur weil du es so willst!“

  Lucien lockerte seinen Griff nicht… hielt sie weiter fest, aber sanfter jetzt, als h?tte er Angst, sie doch noch zu verlieren oder zu verletzen. ?Ich will dich nicht nehmen“, sagte er leise, fast beschw?rend. ?Ich will, dass du bleibst… weil du es willst. Weil du irgendwann spürst, dass das hier… das mit uns… nicht nur ein Zwang vom Schicksal ist. Dass es echt ist. Dass es richtig ist.“ Seine glühenden goldenen Augen suchten ihre… suchten verzweifelt nach einem Funken Verst?ndnis, nach einem Riss in ihrer Mauer. ?Aber wenn du jetzt gehst… wenn du wirklich gehst… dann lass es wenigstens nicht aus Angst geschehen. Sondern weil du wei?t, dass du es willst. Nicht, weil du vor etwas davonrennst.“

  Einen Moment lang herrschte Stille… nur das leise Pl?tschern des unterirdischen Wassers von der Decke und das sanfte Pulsieren der Kristalle um sie herum. Emmanline spürte, wie ihr Atem schneller ging… wie ihr Herz gegen seine Brust h?mmerte… und wie sehr sie sich wünschte, dass Lucien sie einfach loslie?… oder sie noch fester hielt. Beides zugleich. Und keines davon war gut genug.

  ?Dann lass mich in Ruhe… und ich würde dich nicht anschreien“, zischte Emmanline ver?rgert zurück und stemmte beide H?nde gegen seine harte Brust. Es ?rgerte sie selbst ma?los, wie widersprüchlich sich ihr Innerstes splittete. Doch sein Griff war zu stark… sie konnte sich kaum rühren, auch wenn er ihr, wie immer, kein bisschen wehtat.

  Mit einem verschmitzten, fast schelmischen Grinsen schaute Lucien auf sie herab. ?Na, was ist los, mein kleines V?gelchen?“, reizte er sie mit Absicht.

  ?Grinse nicht so herablassend… und ich bin nicht dein kleines V?gelchen“, fauchte Emmanline zurück und versuchte, sich weiter zu wehren. Sie mochte es nicht, wenn er sie so nannte. ?Du sollst mich nicht so nennen und… lass mich endlich los.“

  ?Gut… wie du willst.“ Ohne jede Vorwarnung ?ffnete Lucien seine Arme. Das pl?tzliche Fehlen seines Haltes lie? sie das Gleichgewicht verlieren… Emmanline kippte nach hinten, die Arme ruderten ins Leere. Diesmal fing er sie nicht auf. Emmanline stellte sich auf den harten Aufprall auf dem Steinboden ein, doch der Schlag blieb aus. Ihre Lunge wurde zwar schmerzhaft leer gepresst, aber es tat nicht weh… nicht richtig.

  überrascht und entsetzt rang Emmanline nach Atem, ihre Augen vor Panik und Schock aufgerissen und begriff erst Sekunden sp?ter, was passiert war. Lucien hatte sie gezielt bis ans Ufer des Sees gedr?ngt… und sie ins Wasser fallen lassen. Nach Luft ringend k?mpfte sie sich an die Oberfl?che, hustete und schnappte gierig nach Sauerstoff. Das Erste, was sie klar wahrnahm, war sein lautes, ungeniertes Lachen, das von den funkelnden W?nden widerhallte. Aber Emmanline fand es überhaupt nicht lustig und das steigerte ihre zus?tzliche innere Panik, w?hrend sie verzweifelt strampelte und um an der Oberfl?che zu bleiben. Sie hatte absolut keine Ahnung, wie man schwimmt.

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  ?Du…“, keuchte Emmanline und hustete erneut, weil ihr ein Schwall Wasser in Mund und Luftr?hre geraten war. ?Das hast… du mit Absicht getan!“, gurgelte sie angespannt. Sie strampelte weiter verkrampft, um an der Oberfl?che zu bleiben, und versuchte verzweifelt, die nackte aufsteigende Panik niederzuringen. Sie durfte nicht in H?llenangst geraten und das sie jederzeit wie ein schwerer Stein in den Abgrund des Sees sinken k?nnte.

  ?Nein, habe ich nicht“, antwortete Lucien erst, als sein Lachen etwas abgeebbt war. Sein K?rper bebte immer noch vor unterdrücktem Feixen. ?Du hast mich darum gebeten, ich solle dich loslassen… und genau das habe ich getan.“

  Warum war Emmanline pl?tzlich so wütend… eine kochende, blinde Wut, die ihr den Atem noch mehr raubte als das kalte Wasser? Mit funkelnden silbernen Augen starrte sie ihn an, w?hrend sie langsam zum Rand des Sees schwamm. Mehr oder weniger das, was man so nennen konnte. Das würde Emmanline ihm nicht so schnell verzeihen… ganz sicher nicht. Darum beschloss sie, ihn von jetzt an einfach zu ignorieren… egal, was Lucien noch sagen oder tun würde.

  Endlich am Ufer angekommen legte Emmanline keuchend die Ellenbogen auf den glatten Steinrand, stemmte sich mit ihrer letzten Kraft mit beiden Armen hoch und zog sich halb aus dem Wasser. Stirnrunzelnd schaute sie sich um… und erstarrte. Lucien war nicht mehr da. Der Platz, an dem er eben noch gestanden hatte, war leer.

  Wo war er hin? Hatte er sie tats?chlich allein zurückgelassen?

  Ihre Kleidung und ihr nasses schneewei?es Haar klebten wie eine zweite Haut an ihr. Gerade wollte Emmanline sich vollends hochhieven, als zwei starke Arme sie pl?tzlich um die Taille packten, sie zurück ins Wasser rissen und ihr erneut die Luft aus den Lungen pressten. Ihr Rücken prallte gegen eine harte Wand… nur dass diese Wand hei? war, lebendig und sich anfühlte wie ein Ofen im Vergleich zum kühlen See. Ihr Herz h?mmerte wieder wie wild in ihrer Brust und bekam keine Atempause, damit es langsamer schlug. Ihr Atem fehlte ebenfalls.

  Wie kam Lucien so unbemerkt ins Wasser? Bis eben hatte er noch am Rand gestanden… sie hatte keinen einzigen Laut geh?rt… kein Platschen, kein klitzekleines Pl?tschern.

  Ihre Gegenwehr war kaum mehr als ein schwacher Versuch… ein letztes, halbherziges Zucken, das sofort in sich zusammenfiel, sobald Lucien sie fester in seinen Griff nahm. Er würde ihr niemals wehtun… das wusste Emmanline tief in ihrem Inneren. Doch was er stattdessen mit ihr vorhatte, war etwas ganz anderes, etwas, das sie gleichzeitig fürchtete und ersehnte. Sie spürte es in jeder Berührung, in jedem Atemzug an ihrer Haut... eine tiefe, sinnliche Z?rtlichkeit, die sie machtlos machte, noch bevor sie richtig verstand, was geschah.

  ?Bitte nicht… lass mich“, st?hnte Emmanline leise, als seine hei?en Lippen ihren Hals fanden und einen sanften, hei?en Kuss darauf drückten, was ihren ganzen K?rper mit einer G?nsehaut überzog. Warum reagierte ihr K?rper nur so verr?terisch auf ihn? Warum gehorchte er ihm, wo ihr Verstand doch noch immer rebellierte?

  ?Oh mein liebes kleines V?gelchen…“, hauchte Lucien gegen ihre feuchte Haut, seine Stimme dunkel und samtig, ?dein K?rper zeigt mir aber etwas ganz anderes.“

  Ihr Kopf fiel automatisch mit einem St?hnen zur Seite, ihre Augenlider flatterten wie kleine Schmetterlinge… eine stumme Einladung, die Emmanline sich selbst nicht eingestehen wollte. Seit wann hatte Lucien diese Macht über sie? Seit wann beherrschte er ihren Puls, ihren Atem, ihre Sehnsucht so vollst?ndig? Ihr Herz h?mmerte rasend gegen ihre Rippen, ihr Atem ging sto?weise und flach. Seine Hand glitt langsam über ihren Bauch, wanderte h?her, bis er ihre Brust umfasste… warm, besitzergreifend über den nassen dünnen Stoff fühlte… doch ohne jede Hast. Wieder entwich ihr ein St?hnen, diesmal lauter, unkontrollierter, was sich von der H?hlenwand unendlich zurückgeworfen wurde und leicht ihre spitzen Elfenohren zucken lie?.

  ?Du bist so sch?n“, murmelte Lucien sinnlich seufzend, w?hrend er weitere Küsse auf ihren feuchten Hals regnen lie?… und dann ein leichtes, spielerisches Bei?en in ihre Schulter folgte.

  Der kleine Schmerz mischte sich mit purer Lust und lie? ein weiteres, lautes St?hnen über ihre Lippen kommen. ?Lucien…“, keuchte Emmanline erschrocken auf und ihr K?rper fühlte sich vollkommen wehrlos und nachgiebig in seinen muskul?sen Armen an.

  ?Ja, mein V?gelchen?“, summte Lucien rau, heiser, als wirkte er mit ihrer Reaktion durchaus zufrieden.

  ?H?r damit auf“, begehrte Emmanline schwach auf, wissend, sie kam gegen seine verführerische Art nicht an und sein Drache war seine St?rke, gegen die sie pers?nlich nichts ausrichten konnte.

  ?Warum?“, gluckste Lucien leise… ein amüsiertes, tiefes Lachen, das durch ihren K?rper vibrierte, als w?re das alles für ihn ein vergnügliches Spiel… und doch lag in seinen Augen etwas Ernstes, fast Verzweifeltes.

  ?Lass mich gehen“, versuchte Emmanline ein letztes Mal, sich zu befreien… vergeblich. Wie schafften sie es überhaupt, an der Wasseroberfl?che zu bleiben? Der See war tief, die Mitte des Beckens lag weit entfernt vom Ufer… und doch trieben sie dort, eng aneinandergeschmiegt, als würde das Wasser sie tragen… als würde etwas Unsichtbares sie beide halten. Magie? Seine Drachenmacht? Oder einfach nur die schiere Kraft ihrer gegenseitigen Anziehung?

  ?Fühlst du es nicht, Emmanline?“, flüsterte Lucien, strich ihr nasses wei?es Haar hinter ihr Ohr, zog sie noch enger an sich, bis sie die harte, unverhohlene Erregung an ihrem Rücken spürte. ?Du willst es genauso sehr wie ich. Unsere K?rper sehnen sich nacheinander… und du wei?t genauso gut wie ich, dass wir uns nicht l?nger wehren k?nnen. Ich will dich, weil ich dich begehre wie nichts anderes auf dieser Welt. Spürst du es denn nicht?“

  Oh ihr heiligen G?tter… Emmanline wollte es nicht zugeben. Wollte es nicht einmal sich selbst eingestehen. Aber er hatte recht. Jede Faser ihres Seins schrie danach. Nach ihm.

  Kaum nahm Emmanline ihn wahr, wie Lucien sie langsam zum Rand des Sees trug… sie in seinen Armen umdrehte, wie er sie sanft auf den glatten Stein setzte, sich zwischen ihre Beine dr?ngte und sie mit einer Intensit?t küsste, die ihr den Atem raubte. Seine Lippen waren fordernd, hungrig, doch immer noch z?rtlich… ein Widerspruch, der sie endgültig zerbrechen lie?. Emmanline musste es tun. Sie musste sich ihm hingeben… sonst würde sie tats?chlich verrückt werden. Egal wie sehr sie sich dagegen gewehrt hatte, egal wie viele Mauern sie errichtet hatte… in seinen H?nden zerfloss sie wie Wachs unter Flammen.

  Ihre Finger krallten sich in seine Schultern, N?gel gruben sich in seine leichtgebr?unte Haut, w?hrend Emmanline sich ihm entgegen neigte… mehr wollte, mehr brauchte. Ihr aufgewühlter, erhitzter K?rper schrie nach ihm… lautlos, verzweifelt, unmissverst?ndlich. Und Lucien… Lucien gab ihr alles, was sie nicht zu fordern wagte.

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