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77. Garett

  Garett stand wie angewurzelt da und wusste nicht, was er denken oder wie er handeln sollte. Das hier war eine verdammte Schei?e… und sie wurde immer beschissener. Was eben passiert war, war eine verkackte Katastrophe. Er h?tte mit vielem gerechnet in diesem Chaos… aber das? Auf keinen Fall.

  Mit Lucien war Garett in die Schlacht gestürzt, um die K?mpfenden auseinanderzubringen. Er war verwirrt und musste jedes Puzzleteil neu zusammensetzen. Zu viel stieg ihm zu Kopf. Wie sollte er das alles wieder in Ordnung bringen? Zurzeit war zu viel passiert, und wenn er ehrlich zu sich war, hatte er mit seinem Leben l?ngst abgeschlossen. Sein K?rper war am Ende gewesen… es h?tte nicht viel gefehlt, und der letzte Hauch Leben w?re aus ihm gewichen. Ihm war bewusst gewesen, dass er vergiftet worden war… und todsicher, dass Lucien dahintersteckte. Aber nach allem, was hier passiert war, war er sich nicht mehr sicher. Das Schlimmste… er glaubte dem Drachen wirklich. Aus irgendeinem Grund tat er das… und das machte ihn fix und fertig. Darum war das Ganze eine vollkommene, immer gr??er werdende Schei?e.

  Unter hoher Spannung dachte Garett an die Geschehnisse zurück. Erst die Angriffe in seinem Reich, dann der Anblick des angeblichen Drachenk?nigs, dessen Schwert sich in seine Brust bohrte. Die vergeblichen Versuche, sein Leben zu retten. Die Rache, die er sich geschworen und auch ausgeführt hatte… wenn auch nicht bis zum Ende. Diese Frau an Luciens Seite… eindeutig eine Elfe. Das war wirklich merkwürdig. Waren die Elfen nicht vor einer verfluchten langen Zeit von der Bildfl?che verschwunden? Seit Jahrhunderten hatte niemand mehr eine Elfe gesichtet. Es gab unz?hlige Gerüchte… dass sie ausgerottet worden waren oder sich selbst ins Exil verbannt hatten… ein Leben als eigenes Gef?ngnis. Dümmlich klang das, aber eigentlich ziemlich klug. Lieber ins Exil gehen, als ausgel?scht werden. Eine reine überlebensstrategie. Dann blieb die Frage… aus welchem Loch war diese Elfe gekrochen?

  Trotz allem hatte diese Frau es geschafft, ihn zu retten… obwohl nichts und niemand sein Leben h?tte retten k?nnen. Selbst die st?rksten Hexen hatten versagt… das sollte etwas hei?en. Es gab nicht vieles, wogegen es kein Gegenmittel gab… doch solche Dinge existierten. Ein langsamer, herannahender Tod. Auf schmerzhaften Sohlen, und niemand bemerkte es. Was für ein elender Tod. Es war nicht so, dass Garett undankbar war, noch zu leben. Es erschreckte ihn nur, mit welcher Leichtigkeit diese Elfe ihn von dem Gift… oder Parasit, was auch immer… in seinem K?rper befreit hatte. Schockiert hatte er sich gefühlt und im Zelt kein einziges Wort herausgebracht… so fixiert hatte er sie angestarrt.

  Was dann ans Licht gekommen war, war weitaus schockierender. Sein Volk… die Lykae… war in einen gestrickten Krieg verwickelt worden. Ebenso die Drachen. Sie sollten sich gegenseitig ausl?schen. Alles durch diese kleinen Bastarde von den dunklen Fae, die einfach nicht den Arsch aus Dingen heraushalten konnten, die sie nichts angingen. Mit diesem Anschlag hatten sie einen verdammten Fehler begangen… einen, den sie nicht h?tten begehen dürfen. Rache und Blutdurst waren eine schlechte Kombination bei einem Lykae. Das führte nur zum Tod. Keine Chance zu entkommen. Einmal Blut geleckt, immer Blut geleckt. Das war die Devise.

  ?Garett?“ Eine respektvolle Stimme erklang hinter ihm… eine, die ihm mehr als vertraut war.

  Wut stieg in ihm auf... seine F?uste ballten sich. Blitzartig drehte Garett sich um und verpasste dem Mann einen harten Schlag ins Gesicht, der ihn zu Boden riss. Blut spritzte aus dessen Nase. ?Bist du komplett bescheuert, Gaias?“, brüllte er seinen Oberoffizier wütend an. Am liebsten h?tte er noch einmal zugeschlagen. ?Habe ich dir nicht einen ausdrücklichen Befehl gegeben, dich nicht einzumischen?“

  Gaias wischte sich das Blut aus dem Mundwinkel. ?Klar, als ob ich dich dem Tod überlassen h?tte“, schnaubte er.

  ?Pass auf, was du sagst“, warnte Garett. ?Ich w?re sowieso krepiert. Aber ich habe die Schnauze voll davon, dass du dich dauernd widersetzt. Ist dir in den Sinn gekommen, dass du einen gro?en Fehler gemacht hast?“ Er wandte sich ab und fixierte jeden einzelnen Krieger mit einem t?dlichen Blick. Sie duckten sich sofort… ein Kopf kleiner. Garett verstand keinen Spa?, wenn man sich ihm widersetzte.

  ?Du scheinst weit davon entfernt zu sein, zu krepieren“, bemerkte Gaias. ?Was ist geschehen?“

  Kurz überlegte Garett. ?Die Drachen haben… mir geholfen“, sagte er schlie?lich… obwohl es ihm widerstrebte.

  überraschung zeichnete sich auf den Gesichtern seiner Krieger ab… das konnte er gut nachvollziehen. ?Warum sollten die das tun?“

  ?Auch wenn es mir widerstrebt, es zu sagen… sie waren es nicht, die uns angegriffen haben“, gab Garett zu.

  Entsetztes und wütendes Knurren schnitt scharf durch die Luft. ?Nicht gewesen? Wir haben sie gesehen… Drachen, die unsere abgeschlachtet haben wie Vieh“, spie einer voller Verachtung und Hass aus.

  Garett h?rte nicht auf, auf und ab zu gehen. ?Dann sagt mir… wart ihr es, die jetzt D?rfer der Drachen angegriffen haben? Wart ihr es, die genauso abgeschlachtet haben?“ Seine Augen glühten vor Zorn… alle schreckten einen Schritt zurück. Garett stand kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. ?Was habt ihr getan, als ihr hierher eingedrungen seid? Ich will eine verfluchte Erkl?rung!“ Schwere Stille breitete sich aus… eine Stille, die ihm langsam zu viel wurde. Er brauchte dringend Bewegung... das Auf-und-ab-Gehen war eine minimale L?sung.

  Das Schweigen hielt an, bis Gaias sprach. ?Wir haben nichts dergleichen getan. Wir sind nicht wie diese verfluchten Drachen.“

  ?Genau das ist es“, sagte Garett. ?Ich war dort... in ihrem Lagers. Sie wurden wirklich angegriffen. Es hat nach Tod und Blut gerochen. Au?erdem hatte ich ein Gespr?ch mit Lucien. So ungern ich es sage… sie waren es nicht. Nicht die Drachen sind unsere Feinde, sondern die dunklen Fae. Sie stecken hinter all den Anschl?gen. Sie haben uns und die Drachen get?uscht, damit wir uns bekriegen. Sie haben es so aussehen lassen, als h?tten Drachen uns angegriffen… und umgekehrt. Sie haben uns hereingelegt. Und ich soll verflucht sein, wenn ich meine Rache nicht bekomme.“ H?tte er am liebsten voller Zorn und Hass gebrüllt. ?Ihr h?ttet niemals hier sein dürfen, Gaias. Das war genau das, was diese Bastarde wollten. Sie waren es auch, die mich vergiftet haben… mit t?dlichen Parasiten. Ich w?re beinahe daran krepiert, wenn mich jemand nicht geheilt h?tte.“ Garett wollte noch nicht ins Detail gehen.

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  ?Bitte verzeiht unseren dummen Fehler“, sagten alle und fielen auf die Knie vor ihm. Die Worte sprach Gaias mit gesenktem Haupt.

  Stumm schaute Garett all seine Krieger an. Er mochte es überhaupt nicht, wenn sie sich ihm so unterwarfen. Als K?nig war er nicht geboren worden, und er wollte es auch niemals sein. Dieser Platz geh?rte seinem Bruder Dyade… und sonst niemandem. Es nervte ihn bestialisch, dass Dyade ihn damals dazu gezwungen hatte, den Thron zu übernehmen, solange er weg war. Zu Anfang hatte Garett sich vehement gewehrt und seinen Bruder ma?los wütend gemacht… besonders, als Dyade berichtet hatte, er müsse in den Krieg ziehen. Garett wollte selbst dorthin, nicht hier Aufpasser spielen. Langsam fing Garett an, seinen Bruder dafür zu hassen. Zumal h?rte man kein Sterbensw?rtchen von ihm… als w?re er vom Erdboden verschluckt. Sein Gefühl sagte ihm, dass Dyade noch lebte. Aber wo? Es war nur eine Frage der Zeit, bis er selbst etwas unternahm, um ihn zu finden. Langsam hielt er es nicht mehr aus. Der Posten als K?nig war auf keinen Fall etwas für ihn. Dyade sollte gef?lligst seinen Arsch hierher bewegen. Wenn er wüsste, was sich hier abspielte… dass Garett einen Pakt mit den Drachen eingegangen war… würde er einen Anfall bekommen. Toben w?re noch untertrieben. Was h?tte er sonst tun sollen? Es gefiel ihm genauso wenig, aber es war logisch und vorteilhaft.

  ?Das hier ist noch lange nicht vorbei“, sagte Garett schlie?lich. ?Zieht euch alle zurück. Wir werden eine gro?e Schlacht planen. Seid bereit dafür.“ Ein Schlachtruf erhob sich. ?Seid bereit für unsere unerbittliche Rache.“ Ein weiterer Ruf… einer, der kein Mitglied des eigenen Stammes im Stich lassen würde. Egal ob tot oder lebendig. ?Betet zu unseren G?ttern… Hell, G?ttin des Todes, und Tyr, Gott des Kampfes und Sieges. Sie werden an unserer Seite weilen und uns Kraft und Mut geben. Wir werden als Sieger hervorgehen.“ Garett brüllte es voller Tatendrang. Sein Blut pulsierte in ihm, als würde Strom durch seine Adern flie?en. Sein Herz schlug wieder stark in seiner Brust… voller Vorfreude, endlich seine wahre Natur freizulassen. Auch er wollte einen Krieg… nicht nur Dyade. Alle wollten ihn. Und der würde kommen. Unentwegt. Sollen sie alle kommen. Sie würden warten… und bereit sein. ?Kehrt nun alle zurück“, befahl Garett seinen Kriegern. ?Wir müssen uns auf das Bevorstehende vorbereiten. Sammelt so viele Krieger wie m?glich zusammen.“ Alle stimmten ein und zogen sich zurück.

  Bis auf Garett und Gaias. ?Sollten wir wirklich einen Krieg beginnen, solange K?nig Dyade nichts davon wei??“, fragte sein Oberoffizier nach einer Stille.

  ?Wenn du wei?t, wo er ist… bittesch?n“, erwiderte Garett grummelig und fuhr sich mit der Hand durch sein kurzes, dunkles Haar. ?Seit nunmehr fünf Jahren h?ren wir kein einziges Wort von ihm. Wir wissen nicht, wo er sich befindet oder wann er zurückkehrt. Ich wei? überhaupt nichts. Sollten wir solange warten, bis er da ist? Ich will keine weiteren Verluste, und wir sind kein Volk, das sich unterwerfen l?sst. Wir sind Lykae… und in uns steckt das Tier, das immer wieder freigelassen werden muss. Irgendwann werden wir verrückt.“ In diesem Augenblick war Garett voller Energie… geladen und bereit, seine überschüssige Kraft endlich loszuwerden. Er stand schon viel zu lange unter Strom. Ein Blitzableiter w?re genau das Richtige. Dieser Krieg kam wie gerufen.

  Seit fünf Jahren war Garett nur dafür verpflichtet gewesen, Ordnung im K?nigreich zu halten… Dinge, die er meist vom Anwesen aus erledigen musste. So eingeengt zu sein, war die H?lle. Sein Raubtier in ihm fühlte sich wie in einem K?fig... knurrend, wütend, hin und her laufend. Es wollte ausbrechen und das tun, wozu es geboren war. Jagen und t?ten… was ein Raubtier auszeichnete. Wahrlich jagen. Wie ihm das Gefallen und Guttun würde. Gaias widersprach ihm nicht. ?Ich werde dich dafür beauftragen, ein Heer von Kriegern aufzustellen. Bereite sie auf alles vor. Sammle alle zusammen… aus allen Ebenen und Welten. Wir brauchen jeden Krieger, den wir finden k?nnen.“

  ?Natürlich. Ich werde mich sofort darum kümmern“, antwortete Gaias ohne Umschweife.

  ?Gut.“ Garett blieb kurz still. Seine Gedanken rasten. Dann beschloss er etwas.

  ?Ich habe noch einen anderen Auftrag für dich. Suche die besten F?hrtenleser aus, die du finden kannst… sie sollen sich auf die Suche nach dem K?nig machen. Auch wenn ich nicht wei?, wo er sich gerade befindet… vielleicht ist es besser, Dyade wei? davon.“ Das k?nnte für ihn zum gro?en Vorteil werden. Wenn sein Bruder zurückkam, k?nnte er endlich den Thron abgeben. ?Sie sollen ihm eine Nachricht überbringen. Vielleicht w?re es ein guter Trumpf im ?rmel, wenn wir von hinten Verst?rkung bek?men. Aus Sicherheitsgründen… auch wenn wir es vielleicht nicht brauchen. Ich will auf Nummer sicher gehen. Beginne jetzt damit.“

  Garett wandte sich von Gaias ab und betrachtete das Schlachtfeld. Er musste nicht eins und eins zusammenz?hlen, um zu wissen… das war erst der Anfang. Diese Schlacht zwischen Lykae und Drachen war viel zu schnell entstanden. Ein erschreckendes Bild… und eine Menge Verluste zu beklagen. Auf beiden Seiten.

  Als Garett sich wieder umwandte, war Gaias verschwunden. Ein kleines L?cheln erschien auf seinen Lippen. Er war ein sehr guter Krieger und hatte den Rang als Oberoffizier mehr als verdient. In vielen Schlachten gek?mpft, sich in allem behauptet. Er besa? die Kraft und den Trieb zu einem guten Anführer einer Streitmacht.

  Noch einmal wollte Garett dem Schlachtfeld einen letzten Blick zuwerfen, als ihm der Pfeil im Augenwinkel auffiel… der Pfeil, der sich in die Brust dieser Elfe gebohrt hatte. Es war so schnell gegangen... niemand h?tte es vorausgesehen. Ein zorngefülltes Brüllen hatte die Umgebung erschüttert… ein Brüllen, das alle in der Schlacht hatte innehalten lassen. Es war erschreckend gewesen, wie qualvoll es geklungen hatte. Eine Qual, die nur vom Verlust herrührte. Einem herzzerrei?enden Verlust. Kaum darauf wusste Garett auch, warum… diese Frau war die Seelengef?hrtin von Lucien gewesen. Das hatte alle schockiert… selbst die Drachenkrieger.

  Das hie? nichts Gutes.

  Lucien hatte seine vorherbestimmte Gef?hrtin gefunden… und wieder verloren. Es passierte durchaus, dass ein gebundener Gef?hrte den Verstand verlor, wenn er ohne sein Gegenstück weiterleben musste. K?nnte er Lucien da noch vertrauen? Auch durch den Verrat in seinen eigenen Reihen? Das würde kein gutes Ende nehmen. Garett war sich jetzt nicht mehr sicher, diesen Pakt einzugehen. Doch er hatte Lucien kurz zuvor ein Versprechen gegeben… sie würden eine Vereinbarung finden. Daraus musste er erst einmal etwas machen, bevor er anders entschied.

  Bedacht hob Garett den Pfeil auf, an dem noch Blut haftete. Es war bereits getrocknet, doch der Geruch war intensiv und frisch. Sü?lich… und da runzelte er die Stirn. Etwas Verdorbenes mischte sich mit der Sü?e. Er kannte diesen Geruch. Da schlug es ein wie ein Blitz. ?Ach du Schei?e.“

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