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69. Emmanline/Lucien

  Gerade war Emmanline voll und ganz auf den Mann vor ihr konzentriert, w?hrend sie sich um ihn kümmerte. Sie hatte beschlossen… wenn sie schon hier war und zuvor den Gef?hrten von dieser Drachin geheilt hatte, dann würde sie auch den anderen helfen. Es widerstrebte ihr zwar, aber sie konnte nicht anders. Sie konnte nicht einem helfen und die anderen einfach ignorieren. Das war gegen ihrer Natur… schlicht unm?glich.

  Es brach ihr beinahe das Herz, je mehr Emmanline von dem Leid und den Qualen in diesem Lager sah. Vor allem in den Gesichtern der Kinder. Was hatten sie alles erleben und mit ansehen müssen? Sie k?nnte die Augen davor verschlie?en… so gerne sie es auch getan h?tte … aber sie konnte es nicht. Wenn es um Kinder ging, h?rte bei ihr jeder Vorsatz auf. Ein gro?er Drang in ihr zwang sie geradezu dazu. Sie wollte nicht, dass Kinder… egal welcher Rasse sie angeh?rten… von Kummer, Schmerz und Leid geplagt wurden. Sie konnten doch nichts gegen solche grausamen Situationen ausrichten. Deshalb versuchte Emmanline nun, dem Mann vor ihr zu helfen. Ein kleines M?dchen hatte sie zuvor angefleht, ihrem Vater zu helfen. Die Tr?nen auf den Wangen des Kindes hatten sie keinen Moment z?gern lassen. Sie hatte ihm versprochen, den Vater zu heilen, und bemühte sich nun mit aller Kraft, die schweren Verletzungen zu schlie?en. Mochte Emmanline damit auch ihre eigenen Vors?tze verraten… niemals einem Drachen zu helfen… aber die Bitte eines Kindes konnte sie einfach nicht abschlagen. Nicht, wenn sie mit solchen gro?en… hoffnungsvollen Augen angeblickt wurde.

  Gerade als Emmanline mit der Heilung fertig war, seufzte sie leise auf und begutachtete den Mann. Er hatte eine gro?e… muskul?se Statur und wirkte wie jeder Krieger t?dlich… selbst jetzt, da er so geschw?cht vor ihr lag. Seine Verletzungen waren geheilt, doch er würde vermutlich noch einige Zeit Schmerzen haben, bevor er sich vollkommen erholt hatte. Sie stellte fest… die Wunden konnte sie vollst?ndig schlie?en, aber die Schmerzen nehmen… das vermochte Emmanline nicht. Trotzdem schienen ihr viele dankbar zu sein, und aus einem tiefen… verborgenen Winkel ihres Inneren freute sie sich sogar darüber, etwas Au?ergew?hnliches geschafft zu haben. Sicher, viele waren ihr gegenüber noch misstrauisch und h?tten sie am liebsten weggeschickt, aber niemand wagte, es laut auszusprechen. Einige verteidigten sie sogar… vor allem Aiden und der Freund des Drachenk?nigs.

  Sofort schweiften ihre Gedanken zu dem einen Mann ab, und Emmanline presste die Hand schmerzhaft auf ihre Brust. Sie spürte einen ungeheuren Druck dort, und normalerweise wagte sie nicht, darüber nachzudenken, woher er kam… doch tief innen wusste sie es besser. Es kam durch ihn. Emmanline hatte nicht einmal bemerkt, wie sehr sie sich an seine Anwesenheit und N?he gew?hnt hatte. Er strahlte eine Sicherheit und W?rme aus, in die sie sich am liebsten einfach versinken lassen wollte. Sie wünschte es sich sogar, brachte es aber nie über sich. Immer wieder versicherte er ihr, er würde alles tun, um sie zu beschützen… damit ihr ja nichts geschah. Und langsam begann es ihr zu gefallen, wenn er das sagte. Denn sie erkannte die tiefe Ehrlichkeit in seinen Worten. Sie spürte, dass er sie nicht anlog. Was blieb ihr da anderes übrig, als ihm zu glauben? Vertrauen konnte Emmanline ihm nicht. Vermutlich noch nicht. Aber diesen Gedanken wollte… oder konnte… sie noch nicht weiterführen. Dafür war es einfach zu früh. Warum also konnte sie ihn nicht aus ihrem Kopf verbannen? Selbst wenn sie die Augen schloss, sah sie sein Gesicht vor sich… und diesen glühenden hei?en Blick, als würde er nur sie allein ansehen, niemand anderen.

  Dabei war Emmanline für ihn und alle anderen eine gro?e Gefahr. Ein starkes Gefühl warnte sie… Culebra war ihr auf der Spur, und er wusste m?glicherweise bereits, wo sie sich befand. Sollte er je an sie herankommen, würde etwas Schreckliches geschehen. Das spürte sie mit aller Deutlichkeit, und sie wusste nicht, ob sie sich je verzeihen k?nnte, wenn auch nur einem von ihnen ihretwegen etwas zustie?e.

  Emmanline war nun schon so lange unter diesen Drachen, dass sie echte… gute Seiten an ihnen erkannte. Sie waren anders, als sie es je erwartet h?tte… sie lebten nach ganz anderen Werten. Nie hatte sie in ihrer Gefangenschaft erlebt, wie Jugendliche, Kinder oder andere Mitglieder einer Sippe so viel Liebe und Aufmerksamkeit bekamen. Sie kümmerten sich wahrhaftig umeinander. Ein kleiner… scharfer Stich der Eifersucht und Sehnsucht breitete sich in ihr aus, besonders als sie gerade zusah, wie der geheilte Vater seine kleine Tochter herzzerrei?end in die Arme schloss, um sie zu tr?sten. Das M?dchen klammerte sich verzweifelt an ihn, weinte und schluchzte bitterlich. Doch Erleichterung und Freude umgaben die beiden, was Emmanlines eigenen Schmerz ein wenig linderte. Sie sollte sie besser allein lassen... ihnen die Zeit geben, die sie jetzt gemeinsam brauchten.

  Kaum war sie aufgestanden, spürte sie intensive Blicke auf sich. Mit einem Schlag blieb ihr die Luft weg… sie erstarrte zur Salzs?ule. Emmanline kannte dieses Gefühl. Sie wusste ganz genau, wer es war. Ihr Herz raste wie ein au?er Kontrolle geratenes Pferd, ihre Augen weit aufgerissen. Allein der Gedanke an ihn brachte sie schon aus dem Konzept. Es widerstrebte ihr, sich umzudrehen… sie wusste genau, was sie erwarten würde… doch wie schon so oft in letzter Zeit tat ihr K?rper das Gegenteil. Langsam drehte Emmanline sich um und blickte in Augen, gegen deren Glut selbst glühende Kohlen verblassten.

  Wie schaffte er es nur, sie jedes Mal au?er Atem zu bringen, sobald sie in diese Augen schaute? Sie zweifelte an sich selbst... kam sich t?richt vor, weil sie jedes Mal so stark auf seine blo?e Anwesenheit reagierte. Alles ver?nderte sich, sowie sie ihn erblickte. Ihr Inneres zog sich zusammen, Hitze stieg in ihr auf… ein Gefühl, das in letzter Zeit viel zu oft kam. Es war erschreckend, aber zugleich faszinierend. Sie konnte sich nicht dagegen wehren, egal wie sehr Emmanline es versuchte. Dieser Mann weckte Dinge in ihr, die sie lange verdr?ngt hatte… oder von denen sie geglaubt hatte, sie niemals zu besitzen.

  Unbewusst blendete Emmanline ihre gesamte Umgebung aus, ignorierte gekonnt all die Blicke, die auf ihnen ruhten. In diesem Augenblick existierte nur eine Welt… die zwischen ihm und ihr. Nichts anderes war von Bedeutung als das, was zwischen ihnen herrschte. Eine ungeheure Spannung… eine Anziehung, die überm?chtig wurde, je l?nger sie einander ansahen. Seine Blicke waren pures Feuer… das Toben seines Drachen war unmittelbar zu spüren. Selbst seine Brust hob und senkte sich in schnellen… heftigen Atemzügen. Ihm ging es genauso wie ihr. Emmanline wusste es, weil er direkt auf sie zusteuerte. Wie ein Raubtier schlich er sich an, doch sein Blick verriet, dass er sich am liebsten auf sie stürzen wollte. Ein erneuter Schock durchzuckte sie, als sie erkannte, dass sie keinen Funken Furcht verspürte. Sie h?tte vor Panik davonrennen müssen. Stattdessen machte sie zwei Schritte nach vorn… ihm entgegen. Wie sehr sehnte Emmanline sich danach, dass er endlich den Abstand zwischen ihnen überbrückte. Am liebsten w?re sie zu ihm gerannt und h?tte sich in seine Arme geworfen, nur um endlich diese starken Arme, um sich zu spüren.

  Keiner von ihnen sprach ein Wort… kein Laut kam über ihre Lippen. Zwischen ihnen herrschte Stille, doch diese Intensit?t brauchte keine Worte. Es dauerten nur wenige Sekunden, doch für Emmanline fühlte es sich wie eine Ewigkeit an, bis er endlich vor ihr stand und… wie erhofft… sie in seine Arme riss. Er musste ihren Blick richtig gedeutet haben, dieses stumme Flehen nach einer Umarmung. Emmanline gab sich dem Gefühl v?llig hin und schmiegte sich ohne jedes Z?gern an ihn. Ihr Gesicht vergrub sie an seiner Brust, w?hrend auch ihre Arme sich um ihn schlangen. Sie konnten seinen m?chtigen K?rper nicht ganz umfassen, doch das st?rte sie nicht. Er hingegen konnte sie mühelos einschlie?en, sie halb in seiner Umarmung vergraben. Es musste seltsam aussehen… diese kleine Person, die sich an einen solchen Kraftprotz schmiegte. Ihre silbernen Augen waren geschlossen. Ein leiser Seufzer der Zufriedenheit entwich ihren Lippen, als sie seinen schnellen Herzschlag h?rte. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, als würden ihre Herzen im selben Takt schlagen.

  Zu schnell l?ste er sich wieder von ihr. Am liebsten h?tte Emmanline protestiert, doch sie konnte es gerade noch unterdrücken. In seinem Gesicht las sie Wut und Unverst?ndnis. Warum hatte sie gewusst, dass er nicht nur begeistert sein würde, sie zu sehen? Ja, sie h?tte nicht hier sein sollen… aber was h?tte sie tun sollen? Sie hatte keine Wahl gehabt. Es war unvermeidlich gewesen, dass er jetzt wütend auf sie war. Daran lie? sich nichts ?ndern. ?Was glaubst du eigentlich, was du hier tust?“, knurrte der Drache ver?rgert und hielt sie auf Armesl?nge von sich weg. Dabei musterte er sie von oben bis unten… nicht nur einmal… als wollte er sich vergewissern, dass ihr nichts geschehen war und sie keine Verletzungen trug.

  Leise seufzte Emmanline. ?Warum bist du immer gleich so wütend?“, stellte sie eine Gegenfrage, statt seine zu beantworten. Es würde ihn nur noch mehr aufbringen, egal, was sie sagte. Und langsam ging ihr diese st?ndige Wut wirklich auf die Nerven. In seinem Kiefer zuckte ein Muskel… sie wusste genau, dass er kurz davor stand, einen Wutausbruch zu bekommen. Doch es war ihr egal. Emmanline hatte es satt, dass er sie behandelte, wie es ihm gerade beliebte. Er musste endlich lernen, dass er nicht immer seinen Willen durchsetzen konnte.

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  In letzter Zeit schwankten seine Launen st?ndig… mal waren sie gut, mal schlecht. Zurzeit zeigte der Drache ?fter seine sanfte Seite und schien wirklich zu wollen, dass sie sich bei ihm wohlfühlte. Manchmal tat sie das auch. Emmanline konnte es spüren. Es fiel ihr noch immer schwer, das zu glauben, doch langsam beschlich sie ein seltsames Gefühl… sie konnte nicht ewig die Augen davor verschlie?en. Sie musste anerkennen, dass er sich echte Mühe gab. Natürlich hatte er ihr vieles genommen, aber er hatte sich stets bemüht, es wiedergutzumachen… oder es sogar doppelt und dreifach auszubügeln. Dieser Mann steckte voller überraschungen, und langsam fand sie das faszinierend. Noch niemand hatte sich je so um sie bemüht. Eine Sache, über die Emmanline oft nur den Kopf schüttelte, war, dass er etwas Liebenswertes tat… und kurz darauf alles wieder zerst?rte. Dieser Mann konnte sich einfach nicht entscheiden.

  ?Darüber m?chte ich nicht mit dir streiten“, knurrte er.

  ?Knurr mich nicht an“, wies Emmanline ihn scharf zurecht. Langsam verstand sie, welches Problem dieser Mann… und dieser Drache hatte. ?Das kannst du mit deinesgleichen tun, aber ich geh?re nicht dazu.“ Sie konnte sich einfach nicht mehr zurückhalten. Zwar lag ein vager Schmerz in ihr, weil sie trotz allem eine Au?enseiterin war. Sie geh?rte weder zu den Drachen noch zu den Elfen. Sie geh?rte nirgendwohin, denn sie wusste genau… es gab nichts und niemanden, der so war wie sie. Einfach niemand. Sie war allein, und diese Erkenntnis fühlte sich wie eine gro?e Leere in ihr an. Doch Emmanline durfte sich davon nicht beeinflussen lassen. Sie war es gewohnt. Sie hatte schon immer auf eigenen Beinen stehen müssen, denn sie konnte sich nur auf sich selbst verlassen.

  Lucien

  Lucien stand kurz vor einem Ausbruch… am liebsten w?re er tats?chlich in die Luft gegangen. Er konnte es einfach nicht fassen, sie hier im Lager zu sehen. Glaubte Emmanline etwa, er w?re nicht zornig gewesen, wenn sie nicht hier gewesen w?re? Natürlich nicht. Es ging immer nur um sie… und in letzter Zeit war das der einzige Fall, der z?hlte. Seit sie in sein Leben getreten war, musste er ununterbrochen an sie denken, sie sehen, sie berühren, sie besitzen. Der reine Beschützerinstinkt war es, der ihn so au?er Kontrolle geraten lie?. Sonst bewahrte er immer die Ruhe, doch wenn es um sie ging, explodierte er schneller als eine Rakete. Lucien konnte es nicht leugnen… diese Frau vor ihm ging ihm unter die Haut. Sie nistete sich überall in ihm ein, und egal, was er tat… er wurde sie nicht mehr los. Zumal er es auch gar nicht mehr wollte. Emmanline geh?rte ihm. So war es vorherbestimmt. Sie geh?rte an seine Seite, und dort würde sie auch bleiben… egal, wer sich ihnen in den Weg stellte. Nicht einmal Emmanline selbst würde das ?ndern. Er würde ihr unz?hlige Gründe geben, warum sie zu ihm geh?rte, und er würde es ihr verst?ndlich machen, dass sie ihm nicht entkommen konnte. Sein Drache war bereit, für seine Gef?hrtin zu k?mpfen… die er l?ngst anerkannt hatte. Und wenn es das Letzte w?re, was er tat… er würde diese Frau bekommen. Egal, wie stur und wortkarg sie sich gerade gab.

  Eben noch war alles perfekt gewesen, als Lucien sie in seine Arme gerissen und an sich gespürt hatte. In ihren Augen hatte eine tiefe Sehnsucht gelegen… Emmanline hatte gewollt, dass er sie umarmte, und er hatte es getan. Wie h?tte er je diese stumme Bitte ignorieren k?nnen, wenn sie ihn ansah, als br?uchte sie Halt? Genau deswegen war er auf sie zugegangen. Ihm waren die Zuschauer ringsum nicht entgangen, aber es war ihm schlicht egal gewesen, was sie dachten. Sollten sie doch sehen, wie er einer Frau entgegenkam. Sicher, es k?nnte schwach wirken… aber wenn Lucien diese eine Frau sah, war ihm das vollkommen gleichgültig, denn sie geh?rte ihm.

  Darum entsetzte es ihn, als Emmanline sagte, sie geh?re nicht zu den Seinen. Glaubte sie das wirklich? Natürlich geh?rte sie zu ihnen… und vor allem zu ihm. W?re nicht kurz ein tiefer Schmerz in ihren Augen aufgeblitzt, h?tte Lucien fast glauben k?nnen, es w?re ihr egal. Doch das war es nicht. Sollte sie tats?chlich denken, sie sei allein und niemand wolle sie, dann irrte sie sich gewaltig. Er würde so lange beharrlich bleiben und sich die Zeit nehmen, bis sie es endlich verstand. Genau das würde er jetzt tun.

  Blitzartig griff Lucien nach ihrem Handgelenk, drehte sich um und zerrte Emmanline hinter sich her. Was er mit ihr vorhatte oder tun würde, ging die anderen nichts an. Das hier war eine Sache zwischen ihnen beiden. Also zog er sich mit ihr an einen abgelegenen Ort zurück. Er würde niemals etwas tun, das sie nicht wollte. Eher würde er sich selbst Schmerzen zufügen. Er hoffte inst?ndig, dass sie das irgendwann begreifen würde.

  Gekonnt ignorierte Lucien ihren Protest und ihre Gegenwehr… kr?ftem??ig hatte sie ohnehin keine Chance gegen ihn. Niemand wagte es, sich einzumischen, und das war gut so. Er h?tte jedem Einzelnen die Leviten gelesen, der sich ihm in den Weg gestellt h?tte. Ihm war nicht entgangen, dass Aiden es versucht hatte, doch ein einziger t?dlicher… vernichtender Blick hatte gereicht, um ihn zum Stehen zu bringen. Lucien kannte Aidens Gefühle für Emmanline nur zu gut. Sein Drache tobte unter der Haut, wann immer er den anderen in der N?he seiner Gef?hrtin sah. Sie geh?rte ihm… und solange sie seine Frau und Seelengef?hrtin war, hatte kein anderes m?nnliches Wesen in ihrer N?he etwas zu suchen. Er würde nicht ruhen, bis sie endgültig die Seine war.

  ?Lass mich los!“, riss Emmanline ihn aus seinen Gedanken. Immer wieder zerrte sie an seinem Griff, ihre Fingern?gel gruben sich in die Haut seines Unterarms. Es st?rte ihn kaum… ihre Gegenwehr war nichts gegen seine überlegene St?rke.

  ?Nein. Wir werden jetzt miteinander reden… genau wie du es wolltest. Du wolltest eine Erkl?rung für all das, und die werde ich dir jetzt geben. Heute. Hier.“ Lucien blieb an einem ruhigen Bach stehen, weit entfernt vom Lager. Hier würde sie niemand h?ren… der Ort lag still und abgeschieden… perfekt für ein Gespr?ch unter vier Augen.

  Einen Moment lang stand Lucien reglos wie eine Statue da, dann drehte er sich langsam zu ihr um. Emmanline schaute ihn skeptisch und vorsichtig an… ein Blick, der verriet, dass sie auf der Hut war. Vielleicht sollte sie das auch sein, doch er würde ihr niemals wehtun. ?Schau mich nicht so an, Emmanline. Du wei?t, dass ich dir niemals wehtun würde.“ Er trat einen Schritt n?her, blieb so dicht vor ihr stehen, dass sich ihre Brüste fast berührten. Ihr Atem ging pl?tzlich schneller, ihr Herz raste… Lucien konnte es deutlich h?ren. Sie stand wie erstarrt da, wich jedoch nicht zurück und hielt seinem Blick stand.

  Welch wahnsinnige sch?ne Augen sie doch hatte.

  In diesem Moment schienen sie silbern zu leuchten, erfüllt von einer Intensit?t, die selbst ihm den Atem raubte. Keiner von ihnen schien sich der ungeheuren Anziehungskraft bewusst zu sein, die sie aufeinander ausübten. Sanft legte Lucien seine gro?en H?nde an ihre Wangen. Gegen seine m?chtige Gestalt wirkte Emmanline so klein und zerbrechlich, dass sein Beschützerinstinkt nur noch st?rker aufflammte. ?Du musst mir vertrauen… ich würde dir niemals etwas antun.“ Er lehnte seine Stirn gegen ihre und blickte ihr tief in die Augen. ?Ich gebe zu, ich h?tte nicht so wütend sein und dich anknurren dürfen. Bitte verzeih mir.“

  Emmanline hielt seinem Blick stand und schwieg einen Moment lang. ?Du kannst mich nicht dauernd anknurren, wann immer es dir passt“, flüsterte sie schlie?lich. ?Ich... ich mag dir k?rperlich unterlegen sein, aber... aber ich ertrage es... nicht mehr.“ Die letzten Worte kamen kaum h?rbar, w?hrend sie die Augen halb schloss. ?Warum wollt ihr Drachen mich nur... immer st?ndig unterdrücken und einschüchtern?“

  Für einen kurzen Augenblick war Lucien sprachlos. ?Um Gottes willen, Emmanline… niemand hier will dich unterdrücken oder einschüchtern.“ Er zog sich ein wenig zurück, um sie besser ansehen zu k?nnen. ?Ich wei? nicht, was du alles durchgemacht hast, aber ich schw?re dir… keiner wird dir je wieder etwas antun.“ Er atmete tief durch und erfasste ihren berauschenden Duft nach dem Sonnigen. ?Als ich ins Lager kam, habe ich mit angeh?rt, was du getan hast. Etwas Unglaubliches. Du überraschst mich immer wieder… du glaubst nicht, wie sehr. Du tust es einfach… du hilfst anderen, obwohl es eigentlich nicht in deinem Sinne liegt.“

  Emmanline seufzte leise und flehend. ?Du hast recht, es liegt nicht in meinem Sinne. Aber warum kann ich damit nicht aufh?ren? Alles in mir verlangt danach... zu helfen. Ich kann nichts dagegen tun.“

  ?Genau das macht dich aus, Emmanline.“ In seiner Stimme schwang tiefer Stolz mit. ?Du hast ein gro?es… gutes Herz, und du schaffst es, meinem Volk immer n?herzukommen. Es mag einige geben, die noch misstrauisch sind, aber sie akzeptieren dich… und sie danken dir für das, was du bisher getan hast.“ Sie geh?rte ihm. Und Lucien war stolz darauf… stolz, dass diese Frau bald endgültig die Seine sein würde.

  ?Wie kannst du so etwas sagen?“, fragte Emmanline tonlos. ?Ich geh?re nicht zu deinem Volk. Ich geh?re nirgendwohin.“ Die Worte taten ihm schier das Herz weh. Als sie sich von ihm l?sen wollte, hielt Lucien sie sanft, aber bestimmt fest.

  ?Erz?hl nicht solchen Unsinn“, sagte Lucien, die Stimme leicht ermahnend, doch voller Z?rtlichkeit. ?Du geh?rst zu mir. Allein zu mir.“ Und als Emmanline ihren zarten Mund ?ffnete, um zu widersprechen, versiegelte er ihre Lippen mit seinen. Er küsste sie wild und leidenschaftlich. Alles in ihm brannte… ein Feuer, das ihn von innen heraus zu verzehren drohte. Lucien wollte sie… so sehr, so intensiv, dass es ihn beinahe zerriss.

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