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44. Lucien

  Emmanline war erst seit wenigen Stunden aus dem Schloss verschwunden und doch dr?ngte es ihn jetzt schon, hinter ihr herzujagen. Sie zurückholen. Zu sich. In seinen Armen, deren Leere ihn bereits an den Rand des Wahnsinns trieb. Wie sehr sein Innerstes auch nach ihrem schrie... Lucien musste ihr diese Zeit geben. Zeit … l?cherlich und irrsinnig. Er redete sich nur ein, dass sie zur Ruhe kommen sollte. Dabei war es er, der sich sammeln musste. Würde Lucien jetzt aufbrechen, sie jagen… dann k?nnte ihn nichts und niemand mehr aufhalten. Der Zeitpunkt war einfach der Falsche, das spürte er tief in sich drinnen.

  Gefangen zwischen Widerstreit und Verlangen sa? Lucien nun im gro?en Ratssaal, gemeinsam mit seiner Mutter und einem Teil seiner versammelten Geschwister. Die K?nigin, seine Mutter, thronte am Kopf des langen Tisches... an jenem Platz, an dem einst sein Vater stolz und unerschütterlich gesessen hatte. Zu ihrer linken Seite hatte Raiden Platz genommen. Lucien selbst sa? zu ihren Rechten. Neben ihm reihten sich Lodan und Taran, w?hrend neben Raiden Ysera und Charia sa?en. Eine schwere, drückende Atmosph?re lag über ihnen, schnell greifbar. Das Erste, dass sie getan hatte, nachdem sie an dem zwanzigsten Platz einen umfassenden Tisch eingenommen hatte, war schweigen. Tief und lang. Normalerweise hatten auch andere Ratsmitglieder hier ihren Regierungssitz, doch das, was heute zur Sprache kam, betraf ausschlie?lich die Familie De la Cruise.

  ?Glaubst du, es war die richtige Entscheidung, diese Frau gehen zu lassen, Lucien?“ Charia durchbrach endlich die Stille. Endlich jemand, der die erstickende Luft zerschnitt.

  Lucien musste leise auf knurren. ?Nein. Es war nicht die richtige Entscheidung.“ Seine Stimme vibrierte vor unterdrückter Wut. ?Aber ich hatte von Anfang an einen Eid geschworen, Emmanline gehen zu lassen, sobald sie meinen Schatz zurückgebracht hatte. Und diesen Schatz habe ich nun wieder. Der Eid bindet mich... hindert mich daran, sie hier aufzuhalten.“ Er starrte auf die dunkle Maserung des Tisches, doch in Gedanken sah er nur Emmanlines Rücken, wie sie sich abwandte und einfach verschwand. Verdammt, Lucien erinnerte sich viel zu gut. Ein paar Stunden lang und es fühlte sich an, als w?ren es Jahre. ?Ich kann sie nicht zwingen zu bleiben. Und selbst wenn…“ Er presste die Kiefer hart aufeinander. ?Kein Befehl und kein einziges Wort, das sie hier festhalten würde, k?nnte über meine Lippen kommen.“ Dieser Umstand schnürte ihm die Brust zu, enger als jeder Eid.

  Ein sp?ttisches Schnauben ert?nte. ?Warum hast du den Eid dann überhaupt geschworen, wenn du so offensichtlich dagegen bist?“ Ysera verschr?nkte kühl die Arme vor ihrer gut trainierten Brust.

  Luciens r?tlichen Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. ?Weil sie sonst mit dem…“ Er biss sich rechtzeitig auf die Zunge, als sein Blick Raidens warnenden Ausdruck streifte. ?…mit Jesaja gegangen w?re, wenn ich es nicht getan h?tte.“ Und in diesem Moment, damals wie jetzt, war ihm der blutrote Rubin von unsch?tzbarer Bedeutung gewesen.

  ?Du hast dich also von einer kleinen Frau überlisten lassen?“ Taran lachte leise auf und die anderen stimmten leise ein, kaum h?rbar, aber genug, um sein Blut noch hei?er kochen zu lassen. Nur seine Mutter blieb reglos und ernst. Das alleine reichte, um seine Wut zurück in die Bahn zu dr?ngen.

  ?Halt’s Maul, Taran. Hat irgendjemand nach deiner Meinung gefragt?“ Luciens Knurren vibrierte durch den gesamten Tisch.

  ?Schluss jetzt, mit diesen Kindereien.“ Die machtvolle Stimme der K?nigin schnitt klar durch die aufgeheizte Stimmung. Sie richtete sich ein Stück auf... Autorit?t ging von ihr aus wie eine unsichtbare Welle. ?Ich will wissen, was passiert ist. Was hat sie getan, das wir wissen müssen?“ Keine Frage. Ein Befehl.

  Kurz herrschte erneut Stille im Saal, bevor Lucien gezwungen war zu sprechen. ?Eigentlich hat sie kaum etwas getan.“ Seine Stimme klang rau, beinahe müde. ?Sie hat auf den alten Pakt appelliert. Sie muss in meiner H?hle etwas mitgeh?rt haben, als ich mit Jesaja sprach... dass ein Pakt zwischen unseren V?lkern besteht… und den ich gebrochen hatte.“ Lucien schüttelte leicht den Kopf. ?Es ist mir selbst ein R?tsel, wie sie das geschafft hat.“ Die Blicke rund um den Tisch waren erwartungsvoll, fordernd. ?Emmanline hat Argumente vorgebracht, die merkwürdig wirkten… und doch auf wahren Tatsachen beruhten. Etwa das Gleichgewicht der Mythenwelt.“ Er verschr?nkte stirnrunzelnd die Arme vor der Brust und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. ?Die Engel kennen unsere Schw?chen, so wie wir ihre. Aber das ?ndert nichts daran, was h?tte geschehen k?nnen. Und trotzdem haben sie nachgegeben.“

  Ysera lehnte sich vor, die Augen misstrauisch verengt. ?Das sind für mich keine Argumente, Lucien. Die Engel sind ein eigensinniges, stures Volk. Sie geben nicht einfach nach, nur weil jemand das ‘Gleichgewicht’ erw?hnt. Da stimmt etwas nicht.“

  ?Ich stimme ihr zu,“ mischte sich seine Mutter ein. Ihre Stimme war scharf wie ein Messer. ?Hier ist etwas faul. So leicht lassen sie sich nicht umstimmen, vor allem nicht von einem unwissenden G?r, das von nichts eine Ahnung hat. Und dann soll auch noch eine G?ttin auf sie geh?rt haben? L?cherlich. Unm?glich.“

  Lucien musste gegen den Impuls ank?mpfen, zu knurren. Dieses herablassende Wort über Emmanline lie? hitzige Wut in ihm aufflammen... Wut, die er sich selbst nicht eingestehen wollte. ?Mutter… so ganz kann ich dir nicht zustimmen.“ Er zwang sich, ruhig zu sprechen. ?Unwissend ist Emmanline nicht. Sie hat weit mehr Ahnung, als wir glauben. Sie wei? sogar von unserem Geheimnis, dem wahren Geheimnis um den rechtm??igen K?nig.“ Lucien sah in die nun v?llig still gewordenen Gesichter. ?Es gibt nur eine Handvoll Wesen, die davon wissen. So wenige, dass wir sie abz?hlen k?nnen. Selbst in unserem Volk ist dieses Wissen kaum verbreitet. Es betrifft fast ausschlie?lich die De la Cruise.“ Er atmete tief ein. ?Jeder rechtm??ige K?nig war ein De la Cruise. Sollte je ans Licht kommen, was es bedeutet, einen Drachenk?nig zu stürzen, ohne dass ein Nachfolger bereitsteht… w?re es ein verheerender Schlag für unser Volk.“ Alle Blicke richteten sich scharf auf ihn.

  Misstrauen flammte in Raidens Augen auf. ?Woher wei? sie davon?“

  ?Culebra.“ Rhivanna beantwortete die Frage ihres Sohnes mit düsterer Stimme. ?Er war einst Mitglied des Hohen Rates, bevor er uns verraten hat. Er kannte alle unsere geheimen Gesetze... alles, was wir nur mit denen teilen, denen wir bedingungslos vertrauten.“ Ein bitteres L?cheln zuckte über ihre Lippen. ?Nur… dieses Vertrauen war ein Fehler. Die Quittung bekamen wir Jahre sp?ter, als wir erfuhren, dass er hinter unserem Rücken Pl?ne schmiedete, um die K?nigsfamilie De la Cruise zu vernichten. Raziz, euer Vater, war au?er sich vor Zorn und zutiefst getroffen über diesen Verrat. Dennoch musste er... schweren Herzens... einen alten Freund zum Tode verurteilen, aber Culebra entkam damals.“ Ihr Blick trübte sich. Sehnsucht, Schmerz und der Schatten ihrer Bindung zu ihrem verlorenen Gef?hrten lagen offen in ihren Augen. Jeder im Saal spürte erneut, wie sehr sie litt. Wie sehr sie ihn noch immer vermisste.

  Taran brach als Erster das Schweigen. ?Also ist diese Elfe jetzt ein wandelndes Lexikon über unsere gesamte Rasse und Geheimnisse?“, fragte er sp?ttisch.

  ?So k?nnte man es ausdrücken.“ Charia beugte sich vor, ihre Miene ernst. ?Wenn sie eines unserer gr??ten Geheimnisse kennt… was wei? sie dann noch? Sie w?re unser Untergang, sollte sie jemals etwas ausplaudern... falls sie in die falschen H?nde ger?t.“ Ihre Lippen verzogen sich gef?hrlich. ?Culebra mal ausgenommen.“

  Lucien richtete sich abrupt auf. Seine Augen wurden hart. ?Emmanline kann nichts ausplaudern, Charia.“ Sein Tonfall lie? jeden Anflug von Zweifel erstarren. ?Sie hat einen Eid geschworen... einen bindenden Schwur. Sie kann Kein Wort über unser Volk verlieren, das uns schaden k?nnte.“ Einen Herzschlag lang war Stille und Lucien spürte es selbst... diese brennende, viel zu heftige Aggression in seiner Stimme, sobald jemand Emmanline kritisierte. Er verstand nicht, warum sie in ihm wuchs… oder noch? Lucien spürte, wie der Wahnsinn langsam an seinen Verstand nagte. Er musste handeln, und zwar schnell, bevor er etwas tat, das er sp?ter nicht mehr kontrollieren konnte. Die Fragen, die Emmanline hinterlassen hatte, brannten wie Feuer in ihm. Sie bedr?ngten ihn, lie?en ihm keine Ruhe und schnürten ihm die Brust zu. Nur eines war glasklar: Lucien würde ihr folgen. Egal, was geschah. Egal, wer sich ihm in den Weg stellte. Ihr Duft... sonnig, warm, einzigartig... lag ihm immer noch in der Nase. Ein Geruch, der nicht nur seine Sinne fesselte, sondern seinen Drachen gleichsam entfesselte. Es gab niemanden, der so roch wie sie. Niemanden, dessen Aroma so tief in seine Instinkte einschnitt. Und sollte Emmanline fliehen… sollte sie auch nur versuchen, ihm zu entkommen… dann würde Lucien nur eines tun: seinen Jagdtrieb weiterhin reizen und schüren. Er liebte diese Jagd und sein Drache ebenso. Emmanline war... ob er es zulie? oder nicht... die aufregendste Beute, die er je verfolgt hatte. Und hatte er sie erst einmal wieder… Bei allen den G?ttern, die existierten, dann würde nichts ihn davon abhalten, sie an sich zu rei?en. Noch nie in seinem Leben war er sich einer Sache so sicher gewesen.

  The author's tale has been misappropriated; report any instances of this story on Amazon.

  ?Dann hei?t das also, wir lassen sie trotzdem laufen?“, fragte Lodan vorsichtig, das genaue Ebenbild seines Bruders Taran.

  ?Nein.“ Luciens Antwort war so kühl und endgültig, dass der ganze Saal sie spürte. Nie im Leben würde er Emmanline einfach ziehen lassen.

  ?War ja klar, dass du sie angelogen hast.“ Charia schnalzte tadelnd mit der Zunge. ?W?re mir auch sehr untypisch vorgekommen. Du wirkst ihr gegenüber… ziemlich besitzergreifend.“

  Lucien verzog die Lippen zu einem gef?hrlichen Grinsen. ?Wenn dich das st?rt, dann sieh einfach woanders hin. Und überlass meine Angelegenheiten mir.“ Seine Mutter runzelte die Stirn, als wüsste sie etwas Entscheidendes, doch er fuhr unbeirrt fort. ?Au?erdem kann ich sie nicht einfach davonkommen lassen. Nicht mit dem Wissen, das sie in sich tr?gt. Und sie sagte, die Engel w?ren bereit für einen neuen Pakt... wenn ich Kompromisse eingehe.“

  Rhivanna stie? ein kaltes Lachen aus. ?Kompromisse?“ Sie schnaubte ver?chtlich. ?Als w?ren wir nicht schon mehr als genug Kompromisse eingegangen. Diese verfluchten Engel nehmen sich viel zu viel heraus.“

  Ihre Familie schwieg einen Moment, w?hrend Luciens Gedanken bereits weit vorausliefen... zu ihr, zu ihrem Duft, zu der F?hrte, die er jederzeit aufnehmen konnte. Und jeder sah es ihm an: Er war l?ngst entschlossen. Egal welcher Pakt. Egal welcher Preis. Egal welche Gefahr. Lucien würde Emmanline holen.

  ?Kurz bevor ich befreit wurde, begegnete ich noch einmal der G?ttin Seferati.“ Luciens Stimme klang alles andere, als w?re dieses Gespr?ch nett gewesen. Eher wirkte er, als hallten die Worte der G?ttin noch immer wie Donnerschl?ge in ihm nach. ?Sie meinte, ich solle mehr Courage und Einsicht zeigen, wie bei meinem Vater. Mehr Kompromissbereitschaft zeigen. Nur so k?nne ein Bündnis überhaupt Bestand haben.“ Lucien fuhr sich durch seine schwarzen langen Haare und atmete tief durch, als müsse er die Worte erst selbst laut aussprechen, um ihnen Glauben zu schenken. ?Ich… habe darüber nachgedacht. Viel.... und ich werde mir anh?ren, was die Engel zu sagen haben. Ich werde versuchen, einen neuen Pakt auszuhandeln, damit wir zumindest eine Sorge weniger haben.“ Seine Stimme wurde ruhiger, fester. ?Jetzt verstehe ich auch, warum Vater damals diesen Pakt geschlossen hat. Ein Krieg steht direkt vor unserer Haustür, wenn wir nichts unternehmen und wir haben genug Feinde im Nacken. Wir k?nnen nicht gegen jede Fraktion gleichzeitig bestehen. Ob es uns gef?llt oder nicht… wir werden wohl Kompromisse eingehen müssen.“ Lucien schloss kurz die Augen, w?hrend all die Erkenntnisse, die letzten Gespr?che, die vergangenen Stunden erneut durch seinen Verstand rasten. Die führungsweise seines Vaters, die Last des Thrones, die beunruhigenden Worte und Botschaft der G?ttin Seferati. Und zuletzt... Emmanlines unerschütterlichen offenen Worte. All das ergab nun ein Bild, das Lucien lange nicht hatte sehen wollen. ?Sobald sich die Lage stabilisiert hat, werde ich ein neues Treffen einberufen und die Verhandlungen zu Ende bringen.“ Seine Stimme klang nun eindeutig wie die eines Mannes, der wusste, was bevorstand. ?Ich muss es tun. Denn bald werde ich der Herrscher der Drachen sein. Es wird meine Aufgabe sein zu entscheiden, zu handeln und zu führen.“ Aus dem Augenwinkel bemerkte Lucien, dass seine Mutter ihn intensiv musterte. Als er zu ihr blickte, sah er etwas, womit er am wenigsten gerechnet hatte. Anerkennung... und Stolz. Für einen Herzschlag lang war Lucien irritiert... fast überrascht.

  Doch die Zweifel, die tief in ihm verwurzelt waren, schwangen weiterhin mit. Würde er seinem Vater jemals gerecht werden k?nnen? Würde man ihn st?ndig mit Raziz De la Cruise vergleichen? Würde man jede seiner Entscheidungen an dessen Verm?chtnis messen? Lucien wollte nicht in seinem Schatten stehen. Er wollte nicht nur ‘der Sohn von Raziz De la Cruise‘ sein. Seine eigenen Entscheidungen sollten z?hlen. Seine eigenen Erfolge. Sein eigenes Verm?chtnis.

  ?Nicht schlecht, Lucien.“ Raiden lachte leise auf. ?Langsam beginnst du tats?chlich, deinen Verstand zu benutzen. Ich hatte schon Zweifel, ob du dieser Aufgabe überhaupt gewachsen bist.“

  ?Erspare mir deine l?cherlichen Kommentare“, knurrte Lucien zurück. ?Ich lasse mich sicher nicht von dir aus der Fassung bringen. Ich werde tun, was ich für richtig halte.“ Auch wenn er wusste, dass seine Familie ihre Meinungen einbringen würden. ?Jedenfalls muss ich Emmanline zurückholen. Selbst der G?ttin gegenüber musste ich ein Versprechen ablegen, dass sie unter allen Umst?nden geschützt wird.“ Nicht dass er ein Versprechen gebraucht h?tte, um genau das zu tun.

  Stille senkte sich über den Ratssaal. ?Warum sollte eine G?ttin verlangen, dass du wegen einer Elfe ein derartiges Gel?bnis ablegst? Das ergibt keinen Sinn.“

  ?Doch, den gibt es.“ Luciens Stimme war ruhig, aber hart. ?Sie… hat etwas an sich. Etwas Au?ergew?hnliches. An ihr haftet etwas, das man kaum beschreiben kann. Vielleicht ist das der Grund, warum Emmanline geschützt werden muss. Selbst die G?ttin sagte es.“ In Wahrheit wusste Lucien l?ngst, dass Emmanline ein tiefes Geheimnis in sich trug. Etwas Seltenes und M?chtiges. Dieses Geheimnis würde er lüften... niemand sonst. Es war sein Recht, sein Verlangen, seine Obsession. Eines Tages würde sie es ihm sagen. Eines Tages würde sie ihm vertrauen. Sie hatte keine Chance gegen seine Sturheit. ?Aber darum werde ich mich kümmern.“ Seine Stimme lie? keinen Widerspruch zu. Lucien spürte die Jagd bereits in seinem Blut, allein der Gedanke daran, sie aufzuspüren, brachte seine Dracheninstinkte zum Glühen. Er musste sich zwingen, jetzt nicht einfach aus dem Saal zu stürmen.

  Raiden hob eine Augenbraue. ?Ich wei? nicht, ob das eine kluge Idee ist, dass gerade du dich darum kümmerst. Vor ein paar Stunden sah es so aus, als wolltest du sie fressen.“

  Das Wort fressen bekam in Luciens Augen eine v?llig neue Bedeutung. ?Ja“, sagte er langsam, ein gef?hrliches L?cheln auf den Lippen. ?Vielleicht wollte ich sie fressen, aber auf eine ganz andere Kunst.“ Ein goldener Schimmer blitzte in seinen Augen auf, wild und unmissverst?ndlich. Seine Vorhaben, sie in sein Bett zu holen, stehen fester denn je... und niemand würde ihn davon abbringen. ?Denkt, was ihr wollt“, fügte er knapp hinzu. ?Sie ist meine Beute. Meine Wahl. Ich werde ihr nichts antun, was sie nicht auch will. Aber ich werde sie jagen und sollte mir jemand in die Quere kommen…“ Seine Stimme senkte sich zu einem grollenden t?dlichen Versprechen. ?Den zerrei?e ich in der Luft.“ Mit jedem seiner Worte dr?ngte sein Drache weiter nach vorne und jeder im Saal spürte es. Das war kein Bitte. Das war eine Warnung. Lucien sah die Gesichter seiner Familie, ihre Zweifel und ihre Bedenken. Es war ihm vollkommen egal.

  Seine Mutter winkte mit geschlossenen Augen ab. ?Di, was du nicht lassen kannst.“ Und das würde er ganz sicher sein. ?Aber hole aus ihr alle Informationen heraus, die für uns wichtig sind. Sie soll sie uns geben... und im Austausch beschützen wir sie.“

  Lucien schnaubte ver?chtlich. ?Das wird sie nicht tun. Nicht so . Ich kann sie verstehen. Nach dem, was sie erlebt hat, wird sie keinem Drachen ihr Vertrauen schenken. Nicht freiwillig. Nicht am Anfang.“ Er verschr?nkte die Arme vor seiner massiven Brust. ?Wenn wir sie unter Druck setzen, treibt sie das nur weiter weg. Sie ist wie ein ?ngstliches Reh, das auf der Flucht ist. Sie wird sich verschlie?en.“

  ?Lucien hat Recht.“ Charias Stimme war scharf wie eine Klinge. ?Diese Elfe hat genug durchgemacht. Wir würden nur erreichen, was Culebra getan hat. Wir kennen diesen gnadenlosen, kranken Bastard... und wir werden uns nicht auf sein Niveau herablassen.“ Ein düsteres Funkeln lag in ihren Augen; die J?gerin, die Culebra seit Jahren verfolgte, brach durch. ?Wir haben vielleicht einen schlechten Ruf, aber wir folgen keinen Unschuldigen. Wir qu?len niemanden, der es nicht verdient hat.“

  Ja, die Krieger verga?en oft, wer sie wirklich waren. Brutal, gnadenlos… aber nicht herzlos. Und dafür gab es die Mütterlichen, das Herz der gesamten Horde. ?Als erstes müssen wir sie davon überzeugen, überhaupt zurückzukommen.“

  ?Dann solltest du dir schnell etwas einfallen lassen, Lucien“, murmelte Taran auf seiner Seite.

  Luciens Grinsen wurde so breit und scharfkantig, dass es schnell animalisch wirkte. ?Ich sagte bereits, lasst das meine Sorge sein.“ Er hatte mehr als nur eine Idee und war sicher, dass er sie zurückholen würde. Kahl. Sehr kahl... und dann würde Lucien zum n?chsten Schritt übergehen.

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