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12. Lucien

  Wie viel Zeit war vergangen? Lucien hatte fast einen ganzen Tag gebraucht, wo er im Schloss aufgehalten wurde. Erst das intensive Gespr?ch mit seiner Mutter, dann seinen Geschwistern und zu guter Letzt die Auseinandersetzung mit seinem ?ltesten Bruder Raiden. Fluchend flog er durch die Lüfte, als er daran zurückdachte und weil er schon l?ngst in seiner H?hle sein wollte. Das einzig Positive war, dass sein Gemüt etwas erhellt hatte, als Lucien seine jüngste Schwester Malatya besuchte. Ihr Gesicht strahlte pure Freude aus und weil er sein Versprechen ihr gegenüber gehalten hatte. Er konnte einfach nichts von ihr abschlagen, wenn er dadurch so belohnt wurde und sein Drache innerlich zufrieden war.

  Dennoch ging Lucien noch einmal den Zusammensto? mit Raiden in seinem Kopf durch, als er durch die Luft segelte. Er wollte ihn erst anknurren, aber das sie gemeinsam ins Himmelreich musste, verkniff er sich einiges. Immerhin war es auch sein Verschulden. Doch es war auch ein seltsames Gespr?ch gewesen und was zur Sprache kam, war ungew?hnlich.

  Lucien ging gerade den Korridor entlang, um auf den Hauptplatz zu kommen und das er sich in seiner Drachenform in die Lüfte emporheben konnte. Er wollte los und wurde doch erneut aufgehalten. Ein Geruch stieg ihm in die Nase und die war ihm mehr als bekannt. Hinter einer der riesigen Drachenstatuen kam sein ?ltester Bruder zum Vorschein. Sein Ausdruck grimmig und in einer Kampfhaltung.

  ?Raiden“, sprach er ihn tonlos an und wandte ihm seine Aufmerksamkeit zu.

  ?Normalerweise h?tte ich dir die Kehle herausrei?en müssen, als ich erfahren habe, was du getan hast“, klang seine Stimme t?dlich. Selbst seine Macht strahlte etwas Gef?hrliches aus und sein Wasserdrache lauerte unter seiner Oberfl?che, die drohte auszubrechen. Sein dunkelblaues langes glattes Haar lag offen über seinen Schultern und seinem Rücken. Seine azurblauen Augen kalt, w?hrend er seine zwei Meter hohe menschliche Muskulatur und schlanke Gestalt voll aufbaute. Seine Gesichtszüge waren scharf geschnitten und eine Schattierung seines Bartes lie? ihn dunkler aussehen.

  Doch seine Drohung verstand Lucien nicht an ihm oder weshalb. Er erwiderte Raidens Blick direkt und schwieg einen Augenblick, w?hrend sie einen Kr?ftemessen per Augenkontakt austrugen. Sein Drache spürte die Angriffslust von Raidens tierischer Seite. Irgendwas stimmt hier nicht. Was hatte er getan, das seine Kreatur so in Rage brachte? Sie hatte sich einige Jahre nicht gesehen und ging sich oft bewusst aus dem Weg. ?Was soll das, Raiden?“, knurrte Lucien seinen Bruder herausfordernd an. ?Was habe ich getan, das du derma?en mit deiner Selbstbeherrschung k?mpfen musst?“

  ?Was hast du mit ihr gemacht?“, ignorierte Raiden seine Fragen und er war auf Konfrontation aus. Seine Augen verengten sich bei seiner Nachfrage. Intensiv dachte er nach und ein Erscheinen blitzte in seinem Geist auf. Das Gesicht der Elfe erschien und dabei weiteten sich leicht seine Augen. Raiden meinte doch nicht etwa sie? Woher wusste er überhaupt von ihr? Das gefiel ihm überhaupt nicht, denn sie geh?rte ihm. Die Elfe war sein Spielzeug.

  ?Das geht dich einen Schei? an“, konterte Lucien mit eisiger, aber ruhiger Stimme. Raidens Energie traf ihn mit voller Wucht und er bebte vor Zorn. Lucien trat einen Schritt auf seinen Bruder zu. Raiden mochte St?rke besitzen, aber die besa? er auch. Wenn Lucien eines Tages der Anführer des Drachenvolks sein sollte, dann musste er sich behaupten k?nnen und diese St?rke mangelte nicht in ihm.

  ?Und ob es mich was angeht“, fauchte sein Bruder und er erwiderte den Machtkampf. Hier ging es um eine Frau, die ihm geh?rte.

  ?Ich werde sie dir nicht übergeben“, gab Lucien nicht nach und er konnte wirklich nicht. Er setzte an dieser Elfe einen Besitzanspruch. Warum auch immer er diesen Drang verspürte, aber er wollte sie als Erstes besitzen. Gerade weil sie ihm etwas schuldig war. Solange sie nicht ihre Schuld beglichen hatte, würde er sie nicht hergeben. Das stand so felsenfest sicher, wie das Amen in einer gottverdammten Kirche. ?Wieso bist du überhaupt versessen auf sie?“, fragte Lucien weiter und runzelte nachdenklich mit seiner Stirn. Er wollte es verstehen und eine Gewissheit bekommen.

  ?Seelengef?hrtin“, kam nur ein einziges Wort aus seinem Mund und Lucien erstarrte vor Schock, als sich seine goldenen Drachenaugen noch weiter weiteten.

  Nein, das durfte nicht sein, dachte Lucien entsetzt. Das konnte nicht sein, denn dabei wollte er mit ihr spielen und sein Spa? an ihr bekommen. Sollte das stimmen und die Elfe war Raidens Gef?hrtin... dann... Verdammt, er wusste überhaupt nicht, was er dann machen sollte, weil Lucien kein Recht mehr auf diese Frau h?tte. Dann musste er sie gehen lassen, ob er es wollte oder nicht. Findet ein Mythenwesen einmal seine vorherbestimmte Seelengef?hrtin, existierte das Gesetz, das nur wahre Gef?hrten ein Anrecht aufeinander hatten. Sollte sich wirklich jemand in den Weg stellen, konnte keine Garantie bestehen, dass derjenige lebend aus der Sache herauskam. Seelengef?hrten wurden erbarmungsloser, unberechenbarer und blutrünstiger, wenn es um ihren Besitz ging. Vor allem, wenn es sich um ihre zweite Seele handelte. Jeder suchte nach sein Seelenstück, der für ihn geschaffen wurde und nach unendlicher Suche sowie der Qual der Einsamkeit, war es tief in den Genen der Mythenwesen verankert, das sie bestialischer und st?rker wurden. Es war ihr Urinstinkt, der dann wie eine Explosion aus ihnen hervor brach. Besitzen... Markieren... Beschützen... Dies waren die essenziellen Priorit?ten, die in den Vordergrund traten. Alles ging so weit, bis derjenige an ihrer Seite war, oder sie sich ablehnten oder ein Teil von ihnen der Tod ereilte. Nicht eher lie? der Zwang der Gef?hrtenschaft nach.

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  Also hatte Lucien kein Recht, sich zwischen sie beide zu stellen. Auch wenn es in ihm ein schreckliches Unbehagen ausl?ste. Aber dennoch, er musste eine Frage stellen, die ihm auf der Zunge lag. ?Woher kennst du diese Elfe?“, schaute Lucien seinen Bruder ernst an und vielleicht bekam er einen kleinen Funken, wo seine Neugierde über diese Frau gestillt werden k?nnte. Er wollte vieles über sie wissen. War es nur, weil er dieses Gefühl verspürte, da sie anderen seiner Art begegnet war? War sie Raiden begegnet?

  Lucien erkannte Verwirrung auf dem Gesicht seines Bruders. ?Elfe? Wovon redest du?“, spiegelte sich seine gerunzelte Stirn die seiner wider. Beide schienen sie irritiert zu sein und... Dachten sie überhaupt an die gleiche Frau?

  ?Du meinst nicht die Elfe? Ich habe sonst niemanden, der sich in meiner H?hle aufh?lt“, verschr?nkte Lucien seine Arme vor seiner kr?ftigen Brust. Irgendwas stimmte hier nicht und wenn er die Elfe nicht meinte, wen denn dann? Ein weiterer Geistesblitz durchzuckte sein Gehirn. Moment, da war noch jemand. ?Der Engel“, stellte Lucien überrascht fest. Die Best?tigung war ein tiefes Knurren von Raiden und das konnte doch nicht wahr sein. Raiden und Jesaja? Drachen und Engel waren seit jeher Feinde und nun sollte eines dieser Wesen die Gef?hrtin seines Bruders sein? Raiden war am damaligen Krieg dabei gewesen und hatte unz?hlige Engel mit eigenen H?nden abgeschlachtet. Seine freudige Mordlust hatte ihn angetrieben und dieses Blut klebte an ihm, wie an vielen anderen Drachen. ?Du hast es echt beschissen getroffen. Ein Engel, wirklich? Verdammt...“, kam Lucien nicht weiter und er bekam von seinem Bruder einen dicken Fausthieb ins Gesicht geschlagen, sodass er zurücktaumeln musste.

  ?Du beschissenes Arschloch, wage es ja nicht schlecht über meine Gef?hrtin zu sprechen. Auch wenn sie ein Engel sein mag, so werde ich sicherlich nicht die Chance entgehen lassen und mich meiner Seelengef?hrtin verwehren. Du wei?t, dass es nie sicher ist, ob jemanden das Glück zuteilwird, das wir unser Gegenstück finden. Jesaja geh?rt zu mir“, brüllte Raiden ihn voller Zorn an und seine Augen glückten vor goldenen Zorn. ?Ich habe es verflucht nochmal satt, das du dich derma?en aufspielst. Du magst eines Tages der K?nig unseres Volkes sein, aber das hei?t noch lange nicht, das du dafür geboren wurdest. Du bist voreingenommen und arrogant. Wie willst du da richtig herrschen?“, bebte der K?rper seines Bruders vor Aufgeregtheit. Raiden und er waren noch nie richtig miteinander ausgekommen und gingen sich stattdessen mehr aus dem Weg. Es war eigentlich nie tragisch gewesen, aber Lucien empfand Respekt vor Raiden und vor seinem Talent. Doch ihn jetzt so zu sehen und das er seine Kontrolle verlor, war au?ergew?hnlich. Sein Bruder lie? sich nicht aus der Ruhe bringen, warum er auch für den Posten als Botschafter perfekt war. Ihm war seine Gef?hrtin wichtig und er hatte eine Grenze überschritten.

  ?Verflucht, es tut mir leid“, entschuldigte Lucien sich und wischte sich mit seinem Handrücken über die leicht blutige Verletzung. Es schmerzte nur flüchtig, w?hrend er seinen Bruder nicht aus den Augen lie?. Diesen heftigen Hieb hatte er definitiv verdient. ?Ich konnte doch nicht ahnen, das sie deine Gef?hrtin ist. H?tte ich das gewusst, wer Jesaja für dich ist, h?tte ich ihr niemals etwas angetan“, gab er zu und meinte jedes Wort ehrlich. Niemals würde Lucien die Gef?hrtin seines Bruders, die ihm von Schicksal vorherbestimmt war, vorenthalten.

  ?Weil du zu hitzk?pfig bist, Lucien“, knurrte Raiden tief aus seiner Kehle und er vergab ihm noch nicht. ?Wei?t du, was du damit angerichtet hast? Du hast mir alles zunichtegemacht, was ich je bei meiner Gef?hrtin erreicht hatte. Wir stehen jetzt vor einem erneuten Krieg und ich werde sicher nicht auf dem Schlachtfeld stehen. Das kann ich nicht und das wei?t du. Was hast du dir nur dabei gedacht?“, schüttelte Raiden entt?uschend mit seinem Kopf und es war eine zus?tzliche Rüge, die mehr als sa?.

  ?Ich kann es nicht mehr ?ndern und zu sagen, das es mir leidtut. Ich konnte ehrlich nicht ahnen, was sie für dich ist. Gerade weil sie ein Engel ist“, zischte Lucien ihn an.

  ?Vergiss es, Lucien. Du wirst es ohnehin nicht verstehen, ehe du deine eigene Seelengef?hrtin getroffen hast. In drei Tagen bist du hier. Sei pünktlich“, wies Raiden ihn scharf zurecht und verschwand ohne ein weiteres Wort. Lucien knirschte mit seinen Z?hnen und sein innerer Drache tobte zornig.

  Kein Wunder, das seine Laune sich dadurch noch verschlechterte. Sein Drache wütete immer noch in ihm, weil er diese Abkanzelung nicht tolerierte. Der ganze Tag war nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Als Erstes wurde Lucien aus seinem erholsamen Schlaf gerissen, dann ein Teil seines geliebten Schatzes gestohlen und das von einer kleinen unbedeutenden Elfe. Er mochte vielleicht für den ersten Moment seinen blutroten Rubin in den Hintergrund gestellt haben. Solange er nicht fertig mit seinen Spielen war, konnte er ein wenig Zeit aufbringen, aber er würde seinen Schatz zurückverlangen. Was er danach mit dieser Elfe anstellte, würde er beschlie?en, wenn es so weit war. Lucien plante gerne einen gewissen Teil voraus und doch musste er nun sehen, wohin er die Frau brachte, w?hrend er abwesend war. Er wusste nicht, wie lange er bei dem Rat der Engel sein würde und solange konnte er die Elfe nicht alleine lassen, ohne daran zu denken, dass sie ihm wieder entwischte. Es würde seine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit kosten. Dies konnte Lucien nicht riskieren.

  Leicht brummend vor Frust segelte Lucien durch den n?chtlichen Himmel, der hereingebrochen war, weil er zulange unterwegs war. Unz?hlige Sterne funkelten am dunklen Firmament und begleiteten ihn auf seinem Weg. Keine der drei Monde zeigte sich heute in der Dimension Dragaria. Alle drei Monate geschah dieses Ereignis, das sie für ein paar N?chte verschwanden. Doch dies beeintr?chtigte nicht seine Sicht als Drache und konnte stets perfekt sehen.

  Ich blieb daher nicht unbemerkt, als Lucien verfolgt wurde und es ihm sichtlich auf die Nerven ging, das er gerade keine Funken Ruhe bekam. Nicht einmal, um klar denken zu k?nnen. Er besa? einen bestimmten Teil seines Friedens, aber an diesem Tag wurde alles überstrapaziert. Irgendwann würde er der K?nig sein und ihm blieb keine Atempause mehr, weil er eine rund um die Uhr Stellung bekam. Danach würde er Kontakte ohne Ende bekommen und dazu noch aus anderen V?lkern. Daher genoss er noch diese Ruhe. Musste es jetzt sein, dass er erneut bel?stigt wurde?

  ?Was willst du, Ruby?“ , sendete Lucien per Gedankenverbindung eine Nachricht an seine Verfolgerin, weil er genau wusste, wer hinter ihm war.

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