?Nein...“, schrie Emmanline ihm verzweifelt hinterher und hatte ihre rechte Hand ausgestreckt, als sie ihn somit erreichen und befehlen konnte, er m?ge zurückkehren. Nichts von dem geschah und seine Schritte verhielten sich im Hintergrund, w?hrend sie die drückende Stille sich um sie ausbreitete. Sie konnte es nicht fassen, aber er hatte sie hier zurückgelassen. Einfach so. Ohne jegliches Gewissen und er hatte noch nicht einmal richtig auf ihr Flehen reagiert. Natürlich war er kurzzeitig stehen geblieben, aber der Drache drehte sich nicht zu ihr um oder würdigte ihr keins Blickes. Er ging einfach und mit einer kalten Begründung, sie konnte sich daran gew?hnen. Was hatte sie auch anders erwartet? Jeden Drachen, den sie kannte, war erbarmungslos und abweisend.
Bebend sah Emmanline noch zum Ausgang der H?hle, wo er verschwunden war. Leicht stiegen ihr die Tr?nen in die Augen, aber sie versuchten standhaft zu bleiben, damit sie nicht rollten. Nein, sie würde nicht weinen, nur weil er ohne weiteres gegangen war. Ihr Arm sank wie ein schwerer Klotz auf die weiche Matratze zurück und sie fühlte sich allein gelassen. Erneut zurückgeworfen und das von Neuem. Es war komisch, aber für einen Augenblick hatte sie sich so gefühlt, als würde der Drache ihr nahe sein und ihr etwas Wichtiges geben wollen, woraufhin Emmanline sich immer gesehnt hatte. Nur eine Irreführung seinerseits.
?Verflucht, Emmanline. Spinnst du?“, schimpfte sie mit sich selbst. ?Erinnerst du dich nicht daran, was er dir alles angetan hat? Wie er dich gedemütigt hat? Das alles an einem einzigen Tag? Nie k?nnte er dir das alles geben, dann du dich verzerrst“, vergrub Emmanline entt?uscht, über sich selbst, ihr Gesicht in ihren Handfl?chen, w?hrend sie weiter mit sich alleine sprach. Letztes Ende war sie nicht nur auf den Drachen wütend, sondern auch auf sich selbst. Selbstverst?ndlich war sie sich darüber im Klaren, wie sie hierin gelegt wurde und nun an diesen Ketten hing. Wie ein Tier, das es verdient hatte. Aber ... Nein, sie war so unsagbar dumm. So dumm, dass sie sich selbst dafür ohrfeigen müsste, damit sie endlich wieder zur Besinnung kam. Sie war ganz alleine Schuld daran, dass sie sich in solch einer ausweglosen Situation befand. Emmanline konnte sich nichts entwickeln oder fühlen, weil er ein Drache war. Er war ein verfluchter Drache und genau wie jeder andere auch und die ihr alles genommen haben. Einfach alles .
Also wieso h?tte sie sich beinahe einem dieser Wesen hingegeben? Sie war vollkommen von Sinnen, weil es nicht anders sein konnte. Vermutlich lag es daran, weil sie zu lange in der Gesellschaft dieser Kreaturen verbracht hatte und auf eine Art und Weise abh?ngig von ihnen gewesen war. Weil sie keine Macht darüber gehabt hatte und ihr Verstand und K?rper dachten noch immer so. Daher konnte sie sich nicht anders bezeichnen, au?er dass sie fürchterlich dumm war.
Noch einmal rüttelte Emmanline an ihren eisernen Handfesseln oder ob sie mit ihren dünnen Handgelenken durchschlüpfen konnte, aber er hatte genau darauf geachtet, dass sie fest eingerastet waren. Der Drache hatte Recht behalten, diesmal konnte sie aus dieser Art Gefangenschaft nicht ausbrechen. Aus jeder r?umlichen Zelle konnte sie ausbrechen, weil es ihr inneres Wesen es konnte, aber solch ein direkter Hautkontakt war eindeutig. Sie sa? hier fest und die Situation wurde immer verzweifelnder. Jede Sekunde, die ins Land zog, und er würde so schnell nicht wieder zurückkommen, sodass er ihre Fesseln abnehmen konnte. Niedergeschlagenheit traf es wohl genau, wie Emmanline sich gerade fühlte.
Langsam gingen ihre Kr?fte zur Neige, w?hrend Emmanline sich an das Kopfende anlehnte und ihren Kopf nach hinten fallen lie?. Ihre Beine streckte sie in ihrer L?nge nach aus und seufzte ersch?pft. Leicht hob sie ihre Arme und blickte nun auf die Eisenfesseln. Es wirkte schon, stellte sie gedanklich fest und spürte es tief in sich aufsteigen. Ihre Panik war nicht umsonst gewesen und noch immer dr?hnte ihr schneller Herzschlag in ihren Ohren, weil es sich nicht beruhigen konnte. Intensiv k?mpfte ihr K?rper gerade, wo sie sich müde seitw?rts auf das Bett fallen lie? und sich zu einer Kugel zusammenrollte.
?Nur noch eine Weile“, murmelte Emmanline vor sich hin. ?Dann ist es ohnehin zu sp?t“, seufzte sie erledigt und vergrub ihr Gesicht in die vielen schwarzen Kissen. Es roch intensiv nach ihm und nach einem wilden stürmischen Herbsttag. Der herrliche Geruch wirkte erdend auf sie und nach einer starken Standhaftigkeit. Dadurch konnte sich ihr Herz etwas beruhigen und wer h?tte es gedacht, sie mochte sogar diesen Duft von ihm.
Emmanlines Blick wanderte durch den H?hlenraum. Sie lag wie ein winziges Objekt auf diesem riesigen schwarzen Bett und ihr schneewei?es Haar gab einen enormen Kontrast dazu ab. über ihr erstreckte sich ein Baldachin und aus dem gleichen dunklen Holz gearbeitet, wie die Bettpfosten. Weinrote Tücher verdeckten halb die Seiten und konnten so zugezogen werden, dass Privatsph?re bot. Sie lag wie auf Federn und es war unbeschreiblich gemütlich. So weich hatte sie noch nie gelegen und war eine Verbesserung. Schon vorher hatte sie kleine Nachtschr?nke mit Kerzenhaltern gesehen, die den Raum warm erleuchtete. Ebenso die Standleuchter am Eingang. Sofern sie noch erkennen konnte, bemerkte Emmanline die h?lzernen Schr?nke, aus dem er ihre Eisenfesseln herausgenommen hatte, und wollte überhaupt nicht wissen, was sich noch darin befand.
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Seufzend schloss Emmanline ihre Augen und ihre Kr?fte schwanden stets mehr. Das Eisen in diesen Ketten würde ihre Energie aus ihren K?rper ziehen. So lange, bis sie ausgelaugt war und nur noch eine leere Hülle von ihr übrig blieb.
Angestrengt ?ffnete Emmanline immer wieder ihre silbernen Augen, musste ?fters blinzeln und um wach zu bleiben. Hin und wieder verschwamm ihr Sichtfeld. Ihre Reserven schwanden mit jeder Sekunde mehr und sie lag wie ein klobiger Stein in diesem Bett. Nun konnte sie keinen Muskel mehr bewegen und ihre Kugelform war eine kleine Erleichterung. So fühlte sie sich behaglicher und wartete auf das, was kommen würde. Das Zeitgefühl war Emmanline schon l?ngst abhandengekommen und konnte nicht bestimmen, welche Tageszeit sie hatte. Wie lange war der Drache nun schon verschwunden? Es müsste mindestens ein halber Tag sein, sonst würde sie vielleicht noch nicht so wehrlos daliegen. Obwohl, manchmal k?nnte es viel schneller gehen, als sie geahnt h?tte. Es konnte untersch?tzt werden.
Erneut blinzelten ihre Augenlider mehrere Male hintereinander, weil ihre Sicht wieder konfus wurde. Doch diesmal war es nicht einfach, das verwaschene Bild wieder zu sch?rfen. Sie war unsagbar zerschlagen und konnte dieses energielose G?hnen nicht unterdrücken. Alles nur wegen dieses Eisens an ihren Handgelenken. Wenn die nicht w?ren. Sie hasste diese hilflose Lage und der Ausgang dahinter. Ebenso was sie erwartete.
W?hrend Emmanline weiterhin in dieser leicht erhellten Stille lag, konnte sie über viele Dinge nachdenken. über ihre Vergangenheit und was sie erlebt hatte. Was sie durchleben musste. Dazu, das die Drachen eine entscheidende Rolle darin spielten und sie nie in Ruhe gelassen hatten. Dabei wollte sie nur Ruhe und eine Freiheit besitzen, die sie zuvor noch nicht gekannt hatte. Wieso war sie wieder am Anfang ihres Lebens? Wieso fing alles wieder von vorne an?
Schossen ihr viele Fragen durch den Kopf und weil sie es nicht kontrollieren konnte. Nicht mehr. Gerade weil sie einmal die Luft der Freiheit schnuppern konnte, sehnte Emmanline sich genau das zurück. Sie hinterfragte nun vieles mehr. Dann noch diese unerkl?rlichen Gefühle, die dazu kamen. Dieser Drache, er hatte mit ihr Dinge angestellt, die für sie nicht begreifbar waren. Er hatte sie auf eine Art und Weise berührt, womit sie nie gerechnet h?tte und das sie so empfinden konnte. Emmanline kannte nur eine Seite von Empfindungen und das waren nicht diese zarten Gefühle und die sich tief in einen verankern konnten. Ein verr?terischer Teil in ihr war verzaubert von diesen Berührungen dieses Mannes. Auch wenn er am Anfang grob und einfordernd war. Am Ende hatte sie in seinen Augen noch etwas anderes gesehen. W?rme und N?he. Ja, es war ihr unangenehm vorgekommen, weil er etwas Befremdliches von ihr wollte. Würde er nur mehr Verst?ndnis und ihr Zeit lassen, all das langsam zu begreifen, würde sie mehr entdecken k?nnen und sich eventuell mehr zutrauen. Doch weil er keine Geduld zeigen wollte, verletzte er sie nur damit. Genauso fühlte Emmanline sich dadurch. Verletzt und einfach nur benutzt, als w?re sie weiterhin nichts wert.
Welche Gedanken ihr auch durch den Kopf schossen. Was würde der Drache tun, wenn er sie so vorfindet? Was würde er unternehmen oder fühlen? Würde er wie immer wütend sein? Oder vor Zorn toben, wie sie es schon erlebt hatte? Sein Feuer konnte durchaus erschreckend sein, wenn es erst einmal verbrannte. Oder würde er vielleicht... nein, diese Gedanken wollten sie nicht beenden. Es würde niemals in Frage kommen. Solche Sichtweisen durften Emmanline sich nicht gestatten, wenn sie weiterhin psychisch überleben wollte. Daher tolerierte sie solche Ansichten nicht, weil es niemanden auf der ganzen Welt gab, der sich Sorgen um sie machen würde. Ihre Mutter war schon l?ngst von ihr gegangen und absolut die einzige Person in ihrem Leben gewesen, die wichtig war. Ansonsten kannte sie niemanden und umgedreht das Gleiche. Auch war es nicht wichtig, sich Gedanken über sinnlose Fragen zu stellen.
Emmanline schaffte es nicht mehr, ihre Augen offen zu halten, und schloss sie in einer Ruhe. Der Verlust ihrer Kr?fte sandte eine K?lte in ihren Gliedern und breitete sich zunehmend aus. Eine unertr?gliche K?lte, die ihr Leib zum Zittern brachte und nicht zu kontrollieren war. Die Luft um sie herum wurde immer schwerer und konnte sie kaum in ihre Lungen ziehen. Das Atmen erschwerte sich stetig mehr. Dieses Gefühl, wie ihr die Luft zum Atem fehlte, war qualitativ und be?ngstigend zugleich, war ihr Lebenselixier. Sie japste nur noch und ihre Atemzüge kamen kurz und sto?weise. So fühlte sich wohl ein Fisch auf den Trockenen, wenn es gezwungen war, am Land ohne Wasser zu sein.
Ihr Brustkorb hob und senkte sich in kürzeren Abst?nden, w?hrend ihr Herz eine rasende Geschwindigkeit annahm. Ihr K?rper versuchte, den verfügbaren Sauerstoff durch ihren Organismus zu pumpen, aber der Rest, der blieb, würde nicht ausreichen. Ihr noch verfügender Verstand wusste das genau. Dies waren die letzten Ma?nahmen, was ihr Instinkt zum überleben verlangte. Nur wenige Minuten sp?ter schlug ihr pulsierendes Herz unregelm??ig in ihre Brust. Es stockte, wobei ihr K?rper regungslos erschlaffte. Ein letzter Atemzug ihrerseits und sie fiel in sich weiter zusammen und schlief ein. So lange, bis ihr Herz endgültig stehen blieb und aufh?rte zu schlagen. Zurück blieb ihr lebloser K?rper auf einem riesigen schwarzen Bett.

