Sorcha wachte nur tr?ge und mühselig auf, als ihre Augen leicht flatterten. Ihr K?rper fühlte sich schwach und schwer an, als h?tte sie wochenlang in einem tiefen Schlaf gelegen. Warmes Licht blendete sie leicht, w?hrend der Geruch von Desinfektionsmittel in ihre Nase stieg. Ihre innere W?lfin brummte leise und verschlafen, und sie versuchte, ihre Sicht zu fokussieren. Was war nur geschehen? Vor allem… wo war sie? Ein leises St?hnen entwich ihr, als Sorcha ihre Hand hob und bemerkte, dass sie sich schwer anfühlte und kleine Schl?uche daraus hervorragten. Irritiert von dieser Situation strengte sie sich an, sich an alles zu erinnern, was geschehen war.
?Mo ghràidh“, vernahm Sorcha die sanfte Stimme ihres Gef?hrten, der nun in ihr Blickfeld getreten war und z?rtlich über ihren Kopf und ihr Haar strich. Seine sorgenvollen eisblauen Augen zeigten nur Müdigkeit, Schmerz und Trauer, als k?mpfe er mit etwas Qualvollem. ?Endlich bist du wieder wach. Wir haben uns alle Sorgen um dich gemacht“, sprach er weiter, doch tief in ihm erkannte Sorcha, dass etwas nicht stimmte. Je l?nger sie ihren Gef?hrten anschaute, desto qu?lender wurde der Augenblick, in dem sie begriff, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.
?Wa…“, kr?chzte Sorcha und leckte sich mehrmals über die Lippen. Sofort wurde ihr ein Glas Wasser mit einem Strohhalm darin gereicht. Begierig nahm sie einige Schlucke, denn sie hatte riesigen Durst und ihre Kehle war viel zu trocken. ?Was… ist passiert?“, fragte sie noch einmal, heiser und suchend um sich blickend. Sie war auf der Krankenstation... je mehr sie von ihrer Umgebung wahrnahm, desto klarer wurde es.
Adairs eisblaue Augen schlossen sich, als koste es ihn gro?e Anstrengung zu sprechen. Die Bewegung seines Halses, als er schluckte, machte diese Geste noch intensiver. ?Wir… wurden gestern auf der Heimfahrt von J?gern angegriffen“, sagte er leise. Langsam kehrten Erinnerungsfetzen zu ihr zurück... die vielen Explosionen, die schrecklichen Ger?usche, w?hrend sie überfallen wurden. Aye, es war kein Albtraum gewesen, sondern albtraumhafte Realit?t. Es war furchtbar gewesen, und pl?tzlich raste ihr Herz wieder, sodass das Ger?t neben ihr lauter und schneller piepte. Hastig riss sie sich die Kabel von der Brust, weil sie sich aufsetzen wollte. Adair half ihr, ohne etwas zu sagen, weil er nichts sagen musste. Tief in sich h?rte Sorcha ihre W?lfin vor Schmerz wimmern und heulen. Ab diesem Moment spürte sie durch das Rudelband die tiefe Trauer, die darin mitschwang. Sie überschwemmte Sorcha regelrecht, und ohne dass sie es verhindern konnte, rollte die erste Tr?ne über ihre Wange hinab. Der Verlust, den sie alle zu beklagen hatten… Geschockt weiteten sich ihre grünen Augen, als sie Adairs traurigen Blick begegnete. Vier Verbindungen fehlten... wie ausgel?scht. Der Funke war erloschen... und der schlimmste Schmerz von allen... es gab absolut keine Verbindung mehr zu Lachlan MacKenzie.
?N… nein“, keuchte Sorcha schmerzhaft und schluchzend, als sie gerade zu Adair aufblicken wollte. Doch ihr Gef?hrte schlang bereits seine Arme um ihren zarten K?rper. Er hatte sich zu ihr aufs Bett gesetzt und sie an sich gezogen, als h?tte er die ganze Zeit nur darauf gewartet, dass sie die Augen ?ffnete. Er hatte auf diesen Augenblick gewartet... keinen Moment früher... um seinen eigenen Vater zu betrauern, der nicht mehr lebte. Begierig schlang Sorcha ihre Arme um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge, genau wie Adair es bei ihr tat. Sofort spürte sie das Beben seines K?rpers und die Feuchtigkeit auf ihrer Haut. Seine Trauer übermannte ihn nun vollends, und sie riss Sorcha gnadenlos mit sich. Sorcha weinte um ein geliebtes Rudelmitglied, der wie ein Vater für sie gewesen war... voller Güte, voller Liebe und mit einem unerschütterlichen Herzen. Für Adair musste es ungleich schlimmer sein... Lachlan war das letzte verbliebene Mitglied seiner Familie gewesen. Ohne den Halt seiner Gef?hrtin hatte Adair sich nicht fallen lassen wollen, weil die Angst zu gro? gewesen war, er würde nie wieder aus diesem Abgrund herausfinden.
Worte waren hier unn?tig. Egal, welche man gew?hlt h?tte... nichts konnte den Schmerz lindern oder den Verlust mildern. Daher hielten sie einander in einer festen Umarmung und lie?en ihren Emotionen freien Lauf. Niemand wagte es, sie zu st?ren. Sorcha spürte über das Rudelband, wie jeder einzelne Funke darunter trauerte und litt. Vorsichtig tastete sie sogar die Verbindung ihrer Welpen ab, die in einen Mantel aus W?rme eingehüllt war... ein Schutz vor dem immensen Riss im Rudelband. Das musste Adair getan haben, sobald er gespürt hatte, dass sein Vater von ihnen gegangen war. Reiner, unerschütterlicher Schutz gegenüber seinen Welpen.
Sorcha wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als Adair sich schlie?lich von ihr l?ste. Sie wollte ihm das Tempo überlassen, auch wenn sie selbst tief trauerte. Ihr Gef?hrte war in diesem Moment wichtiger. Seine Augen ?ffneten sich nur halb, und ein tr?nenverschleierter, eisblauer Blick traf den ihren. Ihr Herz schmerzte bei diesem Anblick. Sanft nahm sie sein Gesicht in beide H?nde und legte ihre Stirn an seine. Sie lie? ihre W?lfin hervortreten, damit sie seinen Wolf mit unerschütterlicher Liebe und N?he überschütten konnte. Er würde nicht allein sein.
?Auch… wenn es h?llisch schmerzt“, erklang seine Stimme, belegt und voller Trauer. ?Mein Vater… ist mit Ehre und Stolz von uns gegangen. Er hat uns alle beschützt. Das… war genau das, was er sich immer gewünscht hat... anstatt auf einem Krankenbett langsam dahinzusiechen. Er hat… seinen Willen bekommen.“
?Aye“, hauchte Sorcha nur schwach. Jeder kriegerische Schotte wünschte sich einen solchen Tod... auf dem Schlachtfeld. Selbst wenn er einen enormen Verlust bedeutete. Sie wollte nicht wissen, wie es genau geschehen war. Ihr Herz würde nur noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn sie jedes Detail h?rte. Die Leere seiner Verbindung reichte ihr mehr als aus. Es war wie damals, als sie Adairs Mutter… Ealasaid verloren hatten. Ihre damalige Luna. Verlust und Schmerz konnten überwunden werden, aber die tiefen Narben blieben ein Leben lang. ?Es tut mir… leid, dass ich nicht von Anfang an bei dir sein konnte“, entschuldigte sich Sorcha reuevoll bei ihrem Gef?hrten.
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?Nein“, sagte Adair und schüttelte den Kopf, w?hrend seine Stirn noch immer an ihrer ruhte. ?Ich… habe dich gesehen“, knurrte er, und kurz flammten seine Augen eisblau auf. ?Auf dem Schlachtfeld w?re ich beinahe ausgerastet, als du dich kopfüber in die Gefahr gestürzt hast. Mein Wolf und ich wollten dich beschützen… wollten zu dir. Aber ich verstand auch deinen Drang als Luna, deine Clanmitglieder zu schützen. Wir wollten an deiner Seite stehen, doch es waren zu viele J?ger auf einmal. Sie kamen von überall. Wir konnten von Glück sagen, dass Neil mit seiner Einheit in der N?he auf uns gewartet hatte. So haben wir sie bezwingen k?nnen. Die meisten sind tot, aber einige konnten im Chaos flüchten. Als ich dich dann bewusstlos auf dem Boden liegen sah, hatte ich panische Angst, dich zu verlieren. Wir kehrten hierher zurück... aber es war zu sp?t. Mein Vater ist an seinen schweren Verletzungen gestorben. Je l?nger du hier lagst, desto mehr beschlich mich die nackte Panik, dass mein Wolf und ich… dich ebenfalls verlieren k?nnten.“ Adair redete ohne Umschweife weiter. Erneut rollten Sorchas Tr?nen, und sie schlang wieder die Arme um ihn. Er erwiderte die Geste ohne Protest. Sein Gesicht vergrub sich in ihrem feuerroten Haar, als müsse er ihre N?he und ihren Duft in sich aufnehmen. ?Wir haben auf dich gewartet“, erklang seine Stimme erstickt in ihren Haaren. Doch sie verstand jede einzelne Silbe... und genau das machte es noch intensiver und schmerzhafter.
?Ich… ich werde euch nie allein lassen“, versprach Sorcha. Sie würde alles dafür tun, damit es so blieb. ?Ich würde jederzeit zu dir zurückkommen, mo chridhe“, lie? sie ihr Herz und ihre Seele sprechen. Denn es würde nie anders sein. Ihr Gef?hrte war nicht nur ihre zweite H?lfte, sondern ihr Leben selbst. Ihr Atemzug, den sie zum Leben brauchte. Daher würde es auch ihr Tod bedeuten, wenn Adair eines Tages nicht mehr an ihrer Seite w?re. Sie würde ihm folgen, und ihr eigenes Licht würde erl?schen. Doch da blitzte ein weiterer Gedanke auf... ein weiterer tiefer Schmerz. ?Larna …“, hauchte sie nur. Ein einziger Name.
Adair l?ste sich wieder von ihr und blieb mit gesenktem Kopf vor ihr sitzen. Sein Blick war weiterhin traurig, diesmal aber auch ernst. ?Ich war bei ihr, aber… sie l?sst im Augenblick niemanden an sich heran. Sie hat ihren Gef?hrten verloren, und ich wei? derzeit nicht, welche Konsequenzen das haben wird. Ihr Schmerz ist mit der gr??te. Und dann noch…“, seufzte er schmerzhaft. ?Larna ist schwanger. Das macht die Lage noch gef?hrlicher. Das Risiko ist enorm, dass wir beide verlieren k?nnten.“
Ihr Gef?hrte sah so unendlich müde aus. Sorcha glaubte auch nicht, dass Adair eine einzige Sekunde geschlafen hatte, seit dem Vorfall... und niemand h?tte es gekonnt. W?re sie nicht verletzt worden, h?tte auch sie keinen Schlaf gefunden. ?Du bist nicht allein, mo chridhe. Ich werde jetzt an deiner Seite sein“, versprach sie ohne Wenn und Aber. Ihre Verletzungen waren zum gr??ten Teil bereits geheilt... ihre w?lfische Natur hatte das übernommen. Sie heilten einfach viel schneller und waren robuster als Menschen. ?Gemeinsam werden wir das schaffen… egal, was auf uns zukommt. Wir werden den Verlust bew?ltigen. Wir werden denen, die wir verloren haben, den letzten Weg zur Mondg?ttin ebnen, damit sie eine weitere Chance bekommen, wieder zu uns zurückzukehren.“
?Aye“, antwortete Adair leise. ?Die Vorbereitungen laufen bereits. Ich hatte gehofft, dass du rechtzeitig aufwachst, damit die Zeremonie heute Abend stattfinden kann. Allein… ohne dich an meiner Seite… das schaffe ich nicht, mo ghràidh“, gestand er aufrichtig. Sorcha sch?tzte seine ehrlichen Worte sehr... und wie offen er mit seinen Gefühlen ihr gegenüber war. Er hielt sich an sein Versprechen... Er würde sich nie wieder vor ihr zurückziehen, sie nie wieder anlügen. Adair stie? sie nicht weg… trotz des schweren Verlustes seines Vaters. Das war ihre gr??te Sorge gewesen.
?Ich bin hier“, sprach Sorcha sanft und kuschelte sich dankbar an seinen m?chtigen K?rper. Er mochte stark, stur und dominant sein, doch in ihm schlummerte ein weicher Kern... einer, den kaum jemand je zu sehen bekam und den Adair selbst niemals zugeben würde. Sorcha wusste jedoch, dass er diese Seite nur ihr zeigte. Niemandem sonst. Und das reichte ihr vollkommen. Auch sie offenbarte diesem Mann Seiten an sich, die nicht alle kannten. Durch ihn entwickelte sie sich zu einer Pers?nlichkeit, die sie gleichzeitig st?rker und verletzlicher machte. Ein perfekter Ausgleich, der pure Macht bedeutete.
Durch weitere Worte erfuhr Sorcha, dass alle Katzenwandler, die mit ihnen unterwegs gewesen waren, überlebt hatten und sicher auf das Rudelgel?nde zurückgekehrt waren. Sie waren in den Wald geflohen, und Enya hatte sie in den Schutz des Waldes aufgenommen, w?hrend sie sie sicher geleitet hatte. Eine positive Nachricht... denn so konnten sie ihr Versprechen an Alpha Tao halten und seine Rudelmitglieder beschützen. Auch wenn er selbst noch nicht zurückkehren konnte. Es würde noch eine Weile dauern, bis alle Formalit?ten erledigt waren. Dennoch hatte Alpha Tao, als Adair mit ihm gesprochen hatte, sein tiefes Beileid zu ihrem Verlust ausgesprochen. ?hnlich würde es Tadhg und Douglas ergehen... sie bedauerten zutiefst, nicht an der Zeremonie teilnehmen zu k?nnen. Doch wenn sie zurückkehrten, würden sie ein eigenes Gedenken für die Verstorbenen abhalten. Sorcha konnte diese Situation gut nachvollziehen. Sie wusste, welche Priorit?ten jetzt gesetzt werden mussten. Zuerst einmal mussten sie sich alle um die eigene Heilung kümmern... das Rudel wieder festigen nach dem Verlust und dem Schmerz, der jeden von ihnen getroffen hatte. Nicht nur die W?lfe… auch die Katzen hatten etwas verloren.
Die Heilung und Erholung für alle würde jetzt beginnen.
Schottisches W?rterbuch:
Mutter: Màthair
Vater: Athair
Bruder: Bràthair
Onkel: uncail
Gro?vater: seanair
Gro?mutter: seanmhair
Meine Herzen: mo chridhe
Liebling: A ghràidh
Meine Liebste: mo ghràidh
Mein Schatz: mo ghràdh
Mein Alles: Mo shonuachar
Mein kleines M?dchen: Mo nighean bheag
Mein Seelengef?hrte: mo anam cara
Mein Herz und meine Seele: Mo chridhe ?s mo anam
Seelenbegleiter: Anam chompanach
Meine Fee: Mo shìthiche
Meine Schwester: Mo phiuthar
Meine geliebte Schwester: Mo phiuthar ghràidh

