home

search

Kapitel 25 - Was Stärke bedeutet (Finale)

  Zitternd k?mpfte sich Rochelle auf die Beine, w?hrend die Klone von Maya in unterschiedliche Richtungen ausschw?rmten.

  ?Schei? auf deine Tricks“, sagte Charles, zielte mit seinen H?nden auf Maya und lie? einen riesigen Feuerball auf sie los. Geschickt rollte Maya zur Seite und fand Deckung hinter den B?umen. Sogleich jagte er sie mit seinen Flammen durch den Wald. Die Ersch?pfung von Maya machte sich immer deutlicher bemerkbar. Als sie ihr Versteck ein weiteres Mal wechseln wollte, stolperte sie und kroch gerade so hinter einen nahegelegenen Baum in Sicherheit, ehe Charles seine gesamte magische Kraft auf diesen fokussierte und versuchte, ihn in Asche zu verwandeln. Bevor es dazu kam, wurde er jedoch von hinten angegriffen. Geistesgegenw?rtig drehte sich Charles und vernichtete den heranschnellenden Klon. Aus dem Augenwinkel ersp?hte er einen weiteren Doppelg?nger, der zwischen den B?umen hin und her rannte. Umgehend streckte Charles beide Arme aus und drehte sich im Kreis, wobei er ununterbrochen Feuerb?lle aus seiner Hand schoss. Es war, als w?re Charles zu einem lebenden Flammenwerfer geworden. Um ihn herum fingen die Büsche und B?ume langsam an, zu verkohlen, bis der Klon schlussendlich einen Fehler machte und zu früh hinter seiner Deckung hervorkam, was ihn das Leben kostete. In seinem feurigen Amoklauf traf er auch Rochelle, die Schutz hinter einer massiven Eiche gesucht hatte, sich aber dennoch am leicht herausguckenden Bein verbrannte.

  Schwer atmend beugte Charles den Oberk?rper nach vorne und stützte seine H?nde auf die Knie. Der ungew?hnlich hohe Mana-Ausschuss erm?glichte es ihm zwar, seine Magie enorm zu verst?rken, allerdings zerrte dies massiv an Charles' geistiger und physischer Kraft. Trotzdem zwang er sich, den Kopf oben zu halten.

  Nicht nachlassen, du Idiot! Sie ist hier noch irgendwo.

  Immer wieder blickte er nach links und rechts, bis Charles eine Gestalt durch das Gebüsch huschen sah. Mit einem tiefen Atemzug richtete er sich auf, nahm die H?nde nach vorn und entfesselte seine Magie.

  ?über dir, Charles!“, rief ihm jemand aus dem Hintergrund zu.

  Augenblicklich hob er den Kopf und sah, wie ein Baum drohte, auf ihn herunterzufallen. Sein Feuer hatte den Stamm anscheinend so schwer besch?digt, dass dieser schlussendlich nachgegeben hatte. Sofort riss Charles die Arme hoch und feuerte seine Flammen, so schnell er konnte, auf den heranschnellenden Baum. Innerhalb von Sekunden spaltete sich dieser und die beiden Teile krachten vor und hinter ihm zu Boden. Von Schwei? durchn?sst betrachtete Charles seine H?nde.

  Das ist also das Maximum meiner magischen F?higkeiten.

  Ein schmales Grinsen legte sich auf seine Lippen.

  Genau das, was ich brauche, um dieses Monster zu t?ten.

  Pl?tzlich spürte Charles eine Gestalt hinter ihm.

  ?Jetzt habe ich dich, Charles!“

  Sein Grinsen wurde breiter. Blitzschnell drehte er sich und hielt Maya seine Hand ins Gesicht.

  ?Nein. Jetzt habe ich dich!“

  Im n?chsten Moment wurde der Kopf von Maya in ein hell loderndes Feuer gehüllt.

  ?Dachtest du, dass ich so einfach auf deine Tricks rein…“

  Auf einmal verstummte er. Was Charles vor sich sah, war nicht das, was er erwartet hatte. Anstatt einer in Flammen stehenden Maya waren nur brennende Büsche und ?ste zu sehen.

  H?? Sie hat doch nur zwei Klone erschaffen, oder nicht? Warte! Bedeutet das etwa …?

  Aus dem Busch neben ihm schnellte eine weitere Maya, die Charles packte und in den Schwitzkasten nahm. Reflexartig umklammerte dieser ihre Arme und versuchte, sie mit aller Kraft von sich wegzuziehen. Charles' Bemühungen waren jedoch vergebens. Der Druck auf seinen Hals wurde immer st?rker und er rang verzweifelt nach Luft.

  ?Die M?glichkeit, dass ich noch einen weiteren Klon erschaffe, hast du in deinem brutalen Rausch gar nicht in Erw?gung gezogen, oder?“

  Verdammt! Sie hat mich ausgetrickst. Wie konnte ich blo? so dumm sein? Habe ich denn gar nichts gelernt?

  Er wollte sie anschreien, bekam allerdings keinen Ton heraus.

  ?Keine Sorge, mein Liebling! Das hier wird gleich vorbei sein.“

  Die Sicht von Charles verschwamm. Jegliche Ger?usche um ihn wurden allm?hlich leiser.

  ?H?r auf, Maya! Du bringst ihn um!“, vernahm er als ein fernes Flüstern. Um ihn herum wurde es langsam schwarz.

  Gerade als die Dunkelheit ihn zu verschlingen drohte, str?mte endlich wieder Luft in seine Lungen. Maya hatte ihn fallengelassen, und Charles rang unter heftigen Husten nach Atem. Mit beiden H?nden rieb er sich den Hals und hob nach einer Weile den Kopf. Umringt von Feuer starrte Charles auf das, was seine magischen Kr?fte angerichtet hatten. Die roten Flammen um ihn herum waren verschwunden. Alles, was er vor sich sah, war dafür am Brennen. Sein Blick schweifte über Rochelle, die verletzt am Boden kroch, weiter zu seinen zitternden H?nden, die er reglos vor sich hielt, und endete schlie?lich bei Maya. Sie stand immer noch. Nach allem, was geschehen war. Nach allem, was Rochelle und er versucht hatten. Selbst auf dem H?hepunkt seiner Kr?fte waren sie nicht in der Lage, Maya zu schlagen. Unf?hig, sich zu bewegen, lie? Charles den Kopf h?ngen.

  ?Mach das blo? … nie wieder, du Idiot“, brachte die schwei?bedeckte Maya mühsam hervor, ehe ihre Knie nachgaben.

  Sie sank zu Boden, umklammerte Charles und keuchte. Nach einer Weile fuhr sie fort: ?Wei?t du, wie gef?hrlich ein Kontrollverlust für Magier unseres Ranges sein kann? Im schlimmsten Fall k?nntest du deiner Manaquelle heftigen Schaden zufügen oder sie gar zerst?ren!“

  Schweigen legte sich über die Kinder. Nur das hastige Atmen aller war zu h?ren, bis Mayas Worte die Stille beendeten: ?Egal wie sehr ich mein Leben unter Kontrolle hatte, ich wusste, dass uns das Schicksal niemals einfach so zusammenbringen wird. Und es war so unfair. War ich tats?chlich dazu verdammt, deine Welt aus der Ferne zu betrachten, ohne die M?glichkeit, jemals Teil davon zu werden? Ich wollte das nicht akzeptieren. Also zündete ich es an.“

  Tr?nen flossen ihre Wangen herunter.

  ?Ich … ich wollte niemanden umbringen. Das musst du mir glauben, Charles! Ich wollte ihnen blo? Angst vor deiner Magie machen, damit sie dich ins Waisenhaus schicken und wir zusammen sein k?nnen. Allerdings wachte auch nach einigen Minuten niemand auf und die Flammen fra?en sich so wahnsinnig schnell durch dein Haus.“

  Stolen content alert: this content belongs on Royal Road. Report any occurrences.

  Ein kurzes, unkontrolliertes Schluchzen brach aus Maya hervor, ehe sie die Fassung zurückgewann.

  ?In dem Moment verlor ich etwas, von dem ich mir geschworen hatte, es niemals wieder zu verlieren. Ich verlor die Kontrolle und es kostete mich fast alles. Du warst drauf und dran, durch meine Finger zu gleiten, Charles. Meine Doppelg?nger l?sten sich in dem Feuer sofort auf und ich konnte nicht drei Personen gleichzeitig aus dem Haus tragen. Und so blieb mir in meiner Verzweiflung nur, dich zu retten und deine Eltern ihrem Tod zu überlassen.“

  Ihre Lippe zitterte, w?hrend sie ihn noch fester drückte und die Augen schloss.

  ?Es … es tut mir wirklich leid, Charles.“

  Regungslos lauschte Charles ihren Worten. Doch sie waren ihm egal.

  Nichts, was sie sagen kann, wird meine Eltern oder mein Zuhause zurückbringen. Meine Welt liegt bereits in Trümmern.

  Salzige Tropfen kullerten an seinem Mund vorbei. Leblos starrte Charles auf den Boden.

  Ich hasse sie. Ich hasse sie so sehr. Aber am meisten hasse ich mich selbst. Es ist egal, wer das Feuer gelegt hat. In dieser Nacht war ich zu schwach, um meine Eltern zu retten. Ich konnte nichts tun. Und das werde ich mir nie verzeihen. Wie schwach muss man eigentlich sein, dass eine wildfremde Person dein ganzes Leben einfach so zerst?ren kann?

  Aus heiterem Himmel schnellte ein Fu? auf Maya zu. Geradeso schaffte sie es, den Tritt zu blocken. Die Wucht des Aufpralls schleuderte Maya jedoch zur Seite.

  ?Alles in Ordnung bei dir?“, fragte Rochelle, die sich in Kampfhaltung vor ihn stellte.

  Einen Moment lang schwieg Charles. Dann sagte er leise: ?Wie kann das sein, Rochelle? Wie verdammt nochmal kann ich nur so nutzlos sein? Selbst mit diesen Kr?ften bin ich nicht in der Lage, etwas auszurichten. Die M?rderin meiner Eltern ist direkt vor mir und ich kann sie nicht umbringen, weil ich einfach zu schwach bin.“

  Anschlie?end vergrub er das Gesicht in den H?nden und grinste breit. Seine Schultern zuckten unwillkürlich, als ein leises, verzweifeltes Kichern aus ihm hervorbrach.

  ?Und das Witzigste ist, dass so jemand Erb?rmliches wie ich dachte, er k?nnte ein Held sein. So ein peinlicher Schw?chling wie ich. Lustig, oder?“

  Ohne zu ihm zu schauen, sagte Rochelle: ?Ob du stark oder schwach bist, ist vollkommen egal, Charles.“

  Die Lippen von Charles entspannten sich.

  ?Es ist keine Schande, schwach zu sein. Es ist nur eine Schande, schwach zu bleiben. Glaub mir, ich wei?, wovon ich rede. St?rke bedeutet nicht, jeden besiegen zu k?nnen, sondern sich seine Schw?che einzugestehen und daran zu arbeiten. Momentan bist du noch kein Held. Aber du bist verdammt nochmal auf dem besten Weg, einer zu werden. Selbst wenn du keiner wirst, bist du immer noch du und das ist mehr als genug. Also steh auf, Charles! Flieh aus dem Wald und hol Hilfe in der n?chsten Stadt, die du findest!“

  Mit einem L?cheln drehte Rochelle sich zu ihm und sagte: ?Lauf und rette uns alle!“

  Langsam füllten sich Charles Pupillen wieder mit Leben. Er nahm die H?nde runter und blickte zu ihr hinauf.

  In der Zwischenzeit versuchte die Maya, wieder aufzustehen. Allerdings hatte der Kampf so sehr an ihren Kr?ften gezerrt, dass ihre Beine nicht so recht wollten.

  ?Mach schon, Charles!“, schrie Rochelle ihn an.

  ?Ich … ich kann dich doch nicht einfach zurücklassen. Du geh?rst hier nicht hin.“

  ?Doch! Genau hier geh?re ich hin! Wenn ich diesen Kampf nicht gewinne, werde ich meine Vergangenheit nie hinter mir lassen k?nnen. Ich tue das hier nicht blo? für dich oder die Waisen. Das hier ist ebenso für mich. Dafür, dass ich nie wieder aus ein und demselben Albtraum aufwache. Dass ich nicht mehr zusammenzucke, wenn mich jemand an der Schulter berührt. Und vor allem dafür, dass ich endlich wieder ich selbst sein kann.“

  Als Charles das h?rte, presste er die Z?hne aufeinander, ballte die F?uste und kniff die Augen zusammen. Eine Weile lang z?gerte Charles, ehe er sie wieder ?ffnete. Maya hatte es geschafft, auf die Beine zu kommen. Sie taumelte leicht, anders als Rochelle, die sich wie ein Fels vor ihm aufb?umte. Ihre Verbrennungen hatte sie bereits geheilt. Charles stellte seinen Fu? auf den Waldboden und legte seine Hand aufs Knie.

  ?Ich verspreche es dir, Rochelle. Ich werde stark werden. Stark genug, um nie wieder vor Angst zu zittern. Stark genug, um vor niemandem knien zu müssen. Und stark genug, um nicht mehr davonzulaufen. Eines Tages werde ich nicht nur das Kind der Trag?die sein, sondern auch der Held Charles Libertus Fran?ois.“

  Mit hochgezogenen Augenbrauen und leicht ge?ffnetem Mund drehte sich Rochelle zu ihm und betrachtete Charles, der sie mit ruhigem, aber gezieltem Blick ansah. Kurz darauf entspannten sich ihre Gesichtszüge und ihr Mundwinkel zog sich nach oben. Sie schaute wieder nach vorne und antwortete: ?Ich freu mich schon darauf, diesen Charles zu treffen.“

  Ein Schmunzeln huschte über Charles Gesicht. Dann stemmte er seinen K?rper mit letzter Kraft hoch und lief los. Pl?tzlich schrie jemand: ?Warte! Ich bitte dich! Bleib hier, Charles! Du kannst nicht gehen! Du bist meine Welt!“

  Nach ein paar Schritten blieb Charles stehen, drehte sich um und sagte mit vollkommen regungsloser Miene zu Maya, die mit halboffenen Augenlidern und gequ?ltem L?cheln eine Hand nach ihm ausstreckte: ?Dann hoffe ich, dass diese Welt in Trümmern liegt.“

  Das Letzte, was er von Maya sah, war, wie langsam jegliche Emotionen aus ihrem Gesicht verschwanden und ihr Arm sich senkte. Ohne eine weitere Sekunde zu verlieren, wandte sich Charles von ihr ab und rannte Richtung Waldausgang.

  ?Du kannst dich nicht verstecken, Charles! Du entkommst mir nicht! H?rst du? Ich finde dich!“, rief Maya ihm hinterher.

  Im Glanz des Mondscheins brach Charles durch die letzten B?ume und rannte über das offene Feld. Hinter ihm h?rte er nur das Knistern des brennenden Waldes, welches langsam durch das Rauschen des Windes, der an seinen Ohren vorbeipfiff, übert?nt wurde. Seine Beine schmerzten. Die Arme waren schwer. Jeder Atemzug war ein Kampf. Eines war jedoch gewiss: Charles würde niemals anhalten. Egal, was es ihn kostete, er würde stark werden. Alles andere war keine Option mehr für ihn.

Recommended Popular Novels