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Kapitel 23 - Lebender Algorithmus

  Auf einmal brach Maya in h?hnisches Gel?chter aus, wodurch sich die Mundwinkel von Rochelle wieder senkten.

  ?Ist das dein Ernst? Nur weil du einmal richtig geraten hast, denkst du wirklich, dass du in der Lage w?rst, mich zu besiegen?“

  Wortlos schaute Rochelle in den Wald.

  ?Du hast die Westseite genommen“, sagte sie nach einer Weile.

  Die linke Augenbraue von Maya zog sich nach oben.

  ?H? …?“

  Rochelle wandte ihren Blick wieder zu Maya.

  ?Wie du bereits erw?hnt hast, w?re eine Flucht über die Ostseite im Falle eines Kampfes schwieriger gewesen. Das legt doch den Schluss nahe, dass wir extra diese Seite nehmen. Schlie?lich würde man nicht erwarten, dass wir so ein gro?es Risiko eingehen. Trotzdem hast du am westlichen Ausgang auf uns gewartet. Warum?“

  Den Kopf leicht schief gelegt hielt Maya ihre beiden Handfl?chen nach oben und zuckte mit den Schultern.

  ?So strategisch, wie ihr euch bisher verhalten habt, war es offensichtlich, dass ihr auf Nummer sicher geht. Ihr seid einfach zu vorhersehbar.“

  ?Genau deshalb habe ich die Mitte gew?hlt. Es w?re unlogisch, anzunehmen, dass du deine Position nicht wechseln würdest. Viel plausibler w?re es, dass du eine der anderen beiden Seiten nimmst.“

  Auf Rochelles Lippen formte sich ein L?cheln und ihre Augen funkelten voller Selbstbewusstsein.

  ?Du hast darauf vertraut, dass ich erneut eine logische Wahl treffe, und aus diesem Grund habe ich das genaue Gegenteil getan.“

  Das Gesicht von Maya verfinsterte sich.

  ?Worauf willst du hinaus?“

  ?Ver?nderung f?llt dir schwer, weil sie dir die Kontrolle raubt. Deswegen muss ich mein Kampfverhalten nur entsprechend deiner Reaktionen anpassen, denn diese werden gr??tenteils dieselben sein.“

  Maya holte mit ihrem rechten Arm weit aus.

  ?Für jemanden, der noch keinen Treffer gelandet hat …“

  Und lie? sie diesen mit aller Kraft auf Rochelle zuschnellen.

  ?… redest du zu viel.“

  Pl?tzlich traf Maya auf Widerstand. Bevor sie auch nur in die N?he ihres Ziels gekommen war, hatte Rochelle sie bereits mit ihrer linken Hand gestoppt. Wie aus der Pistole geschossen sagte Rochelle: ?Faustschlag von rechts in die Magengrube: siebzig Prozent.“

  Unbeeindruckt setzte Maya ihren Angriff fort. Von links flog eine Faust auf Rochelles Kinn zu. Ohne hinzuschauen griff sich Rochelle blitzschnell das Handgelenk von Maya und hielt sie fest.

  ?Linker Hacken: neunzig Prozent.“

  Fast im selben Moment lie? sich Maya jedoch nach hinten fallen.

  ?Ach wie schade! Jetzt bist du M?chtegerngenie in meine Falle geta…“

  J?h wurde Maya von Rochelle unterbrochen, die ihr mit aller Kraft auf den rechten Fu? trat: ?Highkick: neunundneunzig Prozent.“

  Anschlie?end ging Rochelle etwas in die Knie, sprang in die Luft und trat Maya mit voller Kraft ins Gesicht. Dies schleuderte die Magierin ein ganzes Stück nach hinten. Charles jubelte innerlich: Endlich ein Treffer. Das ist der absolute Wahnsinn. Sie hat einfach jede Bewegung von Maya vorhergesehen.

  Vor Schmerzen rollte sich Maya am Boden und hielt sich die H?nde vors Gesicht. In der Zwischenzeit warf Rochelle dem staunenden Charles einen Blick zu und verwies ihn mit einer Kopfbewegung auf die Büsche hinter Maya. Verwundert schaute er in Richtung des Gestrüpps.

  Ist da etwas? Will Rochelle, dass ich die Gelegenheit nutze und nachsehe? Aber warum …?

  Sein Blick fiel auf die sich am Boden w?lzende Maya.

  Ich denke, alles ist besser, als einfach nur rumzustehen. Rochelle wird schon einen Grund dafür haben.

  Ohne weiter darüber nachzudenken, schlich Charles am Kampfgeschehen vorbei. Derweil streckte Rochelle ihren Arm aus und zeigte auf Maya.

  ?Ein wahrer Meister der Kampfkunst sch?pft aus einem breiten Pool an Fertigkeiten und variiert seine Bewegungen je nach Gegner. Du hingegen verl?sst dich zum gr??ten Teil auf Tricks und ein paar Konter, die du erlernt hast. Schade nur, dass ich mit Licht der Vorhersage die Wahrscheinlichkeit für deine n?chsten Bewegungen berechnen kann.“

  Allm?hlich richtete Maya ihren Oberk?rper auf und schn?uzte sich das Blut aus der Nase, bevor sie sich wieder aufrappelte.

  ?Das ist absoluter Schwachsinn …! Bei der Solar-Affinit?t existiert keine Rang-I-F?higkeit mit diesen Nam…“

  Sie stockte kurz, bevor sich ihre Augen weiteten.

  ?W-warte mal …! Willst du damit etwa sagen …?“

  Diese Enthüllung lie? auch Charles, der flei?ig in den Büschen wühlte, aufhorchen.

  Unm?glich …! Bedeutet das etwa, dass Rochelle bereits in der Lage ist, Rang-II-Magie zu benutzen? Und das mit dreizehn? Was für ein unglaubliches Talent!

  Nebenbei suchte er weiter, bis seine H?nde unerwarteterweise auf etwas Stoffartiges stie?en.

  Moment mal …! Das ist doch …

  Zur selben Zeit ging das Wortgefecht der beiden M?dchen weiter.

  ?Tzz, egal wie beeindruckend das auch sein mag, gegen mich wird es trotzdem nicht reichen. Falls du es bereits vergessen hast: Ich bin eine Antimagierin. Und ich bezweifle, dass du den Transport über die Blutbahn schon ausreichend beherrschst, um deine Manabahnen nicht nutzen zu müssen.“

  ?Ja, du hast recht. Den Transport über die Blutbahn konnte ich nicht mal ansatzweise meistern.“

  Rochelle zeigte auf ihr Auge, das unaufh?rlich in wei?en Flammen loderte.

  ?Zudem kann ich die F?higkeit gerade so auf dem linken Auge anwenden. Dafür kann ich mein Mana allerdings direkt über dessen Hauptarterie transportieren. In anderen Worten: Es gibt keine M?glichkeit für dich, diese zu blockieren.“

  Die Augen von Charles weiteten sich.

  Deswegen war ihr also die Antimagie von Maya egal.

  Ein omin?ses L?cheln erschien auf Mayas Gesicht.

  ?Wenn ich deinen Manafluss nicht unterbrechen kann, dann sorge ich einfach dafür, dass du diese F?higkeit nie wieder gegen mich einsetzen kannst. Ich muss nur nah genug rankommen.“

  Daraufhin griff Maya in ihre Rocktasche und suchte nach etwas. Nach kurzer Zeit wirkte sie jedoch irritiert.

  ?Keine Karten mehr?“, fragte Rochelle.

  Die Augenbrauen von Maya senkten sich und sie biss die Z?hne zusammen. Mit aller Kraft stürmte sie auf Rochelle zu und setzte zu einem Schlag an.

  ?Rechter Faust…“

  Gerade als Rochelle sich zur Seite lehnen wollte, um Mayas Attacke zu entgehen, ?nderte diese die Richtung.

  ?Neuberechnung …“

  Mit einem Haken schlug Maya knapp an Rochelle vorbei. Ihr Oberk?rper drehte sich, sie ging in die Hocke und stützte die H?nde auf den Boden. In einer flie?enden Bewegung rotierte sie die Hüfte und lie? ihren Fu? auf Rochelles Führungsbein sausen. Doch ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, hob Rochelle es einfach an und lie? den Tritt von Maya ins Leere gehen.

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  ?Fu?feger: neunzig Prozent.“

  Gleich darauf antwortete sie mit einem Drehkick gegen ihre Wange. Erneut wurde Maya zu Boden geschleudert. Es dauerte allerdings nicht lange, bis Maya ihren Oberk?rper nach oben stemmte und zusammen mit einem Batzen Blut einen Zahn ausspuckte.

  Unterdessen schlich Charles zurück an seinen ursprünglichen Platz und versteckte den Fund die ganze Zeit hinter dem Rücken.

  ?Ich … ich versteh das nicht …“, keuchte Maya und wischte sich das Blut von der Lippe.

  ?Bis gerade eben hast du noch keinerlei Chance gegen mich gehabt und jetzt zauberst du ein bisschen und das soll sich auf einmal ?ndern?“

  Langsam ging Rochelle auf sie zu, w?hrend Maya ?ngstlich zu ihr nach oben schaute und vorsichtig nach hinten kroch.

  ?Zugegeben, die F?higkeit braucht ihre Zeit. Phase 1 besteht aus der reinen Datenanalyse. Mit dem Sonnenauge untersuche ich alle Informationen, die ich bereits besitze. In Phase 2 errechne ich dann, je nach deinem Verhalten, dynamisch Wahrscheinlichkeiten für deine n?chsten Bewegungen.“

  Bald darauf stie? Maya mit dem Rücken an einen Busch und wurde von Rochelle schlussendlich eingeholt. Ein weiteres Mal türmte sie sich vor Maya auf.

  ?Verstehst du jetzt, warum du keine Chance mehr gegen mich hast? Mein Kampfstil ist ein lebender Algorithmus, der immer besser wird, je l?nger der Kampf dauert. Es ist egal, wie stark du auch bist, ich werde einen Weg finden, um dich zu Fall zu bringen. Das ist meine Art zu k?mpfen.“

  Echt unglaublich … Mayas Kampfstil ist zwar stark und routiniert, aber auch statisch. Hingegen ist die wechselhafte Natur von Rochelle fast wie ein perfekter Konter. Nein. Sie ist nicht der Konter für ihren Kampfstil. Rochelle ist die Antwort!

  ?Eines hast du trotzdem nicht vorhergesehen“, sagte Maya.

  Mit emotionslosem Blick schaute Rochelle sie an: ?Und das w?re?“

  Unauff?llig lie? Maya ihre Hand in den Busch wandern.

  ?Na, dass ich noch eine Geheim…“

  Bevor sie den Satz beenden konnte, verstummte sie jedoch abrupt. Anscheinend schien Maya das, was sie erwartete, nicht zu finden. Hastig schob sie mit ihrer anderen Hand die Bl?tter zur Seite und schaute in den Busch.

  ?W-was zum …?“

  ?Mach dir keine Mühe, Maya!“, mischte sich Charles aus dem Hintergrund ein.

  Sofort drehte Maya den Kopf in seine Richtung und ihre Augen weiteten sich. In seinen H?nden hielt Charles den Zaubermantel, welchen sie anscheinend verzweifelt gesucht hatte.

  ?Wieso …? Wieso hast du mein Ma…“

  ?Ist das nicht offensichtlich?“, unterbrach sie Rochelle.

  Rasch drehte sich Mayas Kopf wieder nach vorne.

  ?Dein Klon hatte seltsamerweise noch einen Zaubermantel getragen. Als du hinter Charles aufgetaucht bist, war dieser aber pl?tzlich verschwunden. Du musst ihn also vorher versteckt haben. Vermutlich, damit du w?hrend unseres Kampfes ein Ass im ?rmel hast.“

  Nun begann Charles, den Mantel zu schütteln. Diverse Karten sowie ein Küchenmesser fielen aus dessen Taschen. Ein erleichtertes Grinsen legte sich auf die Lippen von Rochelle. Ohne zu z?gern schoss Maya nach oben und wollte sich schreiend auf Charles stürzen.

  ?Gib ihn mir wieder!“

  Allerdings schien Rochelle diese Reaktion bereits zu erwarten. Bevor Maya auch nur einen Schritt machte, packte Rochelle ihren Kragen und zog sie nach hinten.

  ?Du bleibst sch?n hier!“

  In dem Moment sah Charles etwas in der Dunkelheit aufblitzen. Etwas, von dem er dachte, es würde bereits zu seinen Fü?en liegen. Ein Gegenstand, der den Lauf dieses Kampfes signifikant ver?ndern k?nnte.

  ?Rochelle, pass auf!“, rief er.

  Doch die Warnung kam zu sp?t. Hilflos sah er mit an, wie Maya ihren Oberk?rper drehte und Rochelle ein Messer ins Auge rammte.

  ?Siehst du, Rochelle? Ich musste nur nah genug rankommen.“

  Nach dem ersten Schock schrie Rochelle in unheimlicher Agonie auf. Sie schubste Maya zur Seite, hielt sich mit beiden H?nden das Auge und sackte auf die Knie. Vor Schmerzen lie? sie ihre Stirn auf den Waldboden sinken und zitterte schreiend vor sich hin. Zufrieden schaute Maya auf sie herab.

  ?Denkst du wirklich, dass ich so nachl?ssig bin? Ich habe meinen letzten Trumpf geopfert, um dich reinzulegen. Als du die Karten und das Messer gesehen hast, bist du für ein paar Sekunden zu nachl?ssig geworden und mir direkt hinterhergehechtet.“

  Charles biss sich auf die Lippe.

  So ein verdammter Mist …! Sie hat uns schon wieder komplett durchschaut. D-dieses … dieses Ding ist einfach unschlagbar.

  Genüsslich führte Maya das Messer an den Mund und leckte mit der Zunge die Schneide entlang. Ihre lila Augen strahlten voller Schadenfreude.

  ?So wie es scheint, bin ich doch zu Ver?nderung f?hig. Anstatt es dieses Mal nur in meinem Mantel zu verstecken, habe ich ein weiteres Messer in einer Scheide an der Innenseite meines ?rmels befestigt, um besser k?mpfen zu k?nnen. Ein weiteres Mal erwies sich die Affinit?t von Amadeus als ?u?erst nützlich.“

  Nachdem Maya das Messer an ihrem Pullover ges?ubert und in die Scheide zurückgesteckt hatte, ging sie in die Hocke.

  ?Ich denke, unser letzter Schlagabtausch sollte dir die Augen ge?ffnet haben. Bist du jetzt endlich bereit, aufzugeben?“, fragte Maya, w?hrend sie den Kopf von Rochelle streichelte.

  Aber anstatt einer Antwort warf Rochelle ihr nur eine Handvoll Dreck entgegen, was Maya kurz die Sicht raubte. In der Zeit rollte sich Rochelle nach hinten zu Charles. Dieser beugte sich runter und streckte die Hand nach ihrer Schulter aus: ?Wie geht’s deinem Auge?“

  Zu seinem Erstaunen schreckte Rochelle vor ihm zurück.

  ?Es … es geht schon“, sagte sie mit zitternder Stimme, bevor Rochelle sich auf ihre wackeligen Beine k?mpfte und Charles beiseiteschob.

  Unaufh?rlich floss Blut, vermischt mit Tr?nen, unter ihrer Hand die Wange entlang. Auch der Schmerz war ihr mehr als deutlich anzusehen. Ihr vom Schmutz bedecktes wei?es Oberteil fing an, sich durch das tropfende Kinn langsam rot zu f?rben. Trotzdem starrte sie entschlossen zu Maya.

  ?Nimm mir mein Auge! Nimm mir meine Menschlichkeit! Von mir aus, nimm mir die Hoffnung! Ich brauche diese Dinge nicht … Es gibt etwas, das du mir niemals nehmen kannst.“

  Ein helles Licht durchbrach die Finsternis und erlosch nach wenigen Sekunden. Rochelle nahm die Hand von ihrem zugekniffenen Auge. Sie hatte die Blutung erfolgreich gestoppt.

  ?Und zwar meinen Willen, mich dir zu widersetzen.“

  Nach einem tiefen Atemzug hob Rochelle ihre F?uste und sagte: ?Ich bin Rochelle Lefort – die Festung, die du niemals einnehmen wirst. Dieser Kampf geht weiter!“

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