Auf ein Kommando von Maya griff Caleb sich das Bein von Charles und zog ihn hinter sich her, w?hrend er in Richtung des Lagerfeuers lief. Dort angekommen lie? er Charles los, der sich zitternd an eine der Holzb?nke lehnte und mit gro?en Augen zu ihm hinaufschaute. Neben Caleb erschien nun auch Maya, die den beiden dicht gefolgt war. Sie lie? den schweren Hammer, der auf ihrer Schulter ruhte, direkt vor Charles auf den Boden fallen.
?Leg deine Hand auf die Bank!“, sagte sie mit emotionslosem Gesicht.
?W-Was hast du vor?“
Sie streichelte das Stielende, w?hrend sie mit düsterem Blick erwiderte: ?Mach einfach oder du bereust es!“
Daraufhin reagierte sein K?rper fast wie von allein und Charles legte die Hand auf das Holz. Maya drehte ihren Kopf zum Eingang der Holzhütte.
?Rochelle, komm sofort her!“
Z?gerlich ging Rochelle zu Maya hinüber, wo sie mit etwas Abstand vor ihr stehenblieb.
?Was ist denn?“
Maya deutete auf den Vorschlaghammer vor ihr.
?Nimm den und dann zertrümmere ihm die Hand!“, befahl sie und zeigte anschlie?end auf Charles. Mit offenem Mund starrte Rochelle sie für eine Weile an, bevor sie fragte: ?W-Wie bitte …?“
?Du hast mich schon verstanden. Ich sagte, du sollst Charles die Hand zertrümmern! Fang am besten mit den Fingern an und arbeite dich dann weiter vor!“
?Aber das … Geht das nicht etwas zu weit? Komm schon, Maya, willst du ihn wirklich zum Krüppel machen?“
Pl?tzlich packte Maya sie am Kragen ihres Oberteils, zog Rochelle nah an sich ran und sah ihr tief in die Augen.
?So wie ich das sehe, hast du zwei Optionen: Entweder zerschmetterst du Charles die Hand oder nimmst seinen verdammten Platz ein!“
Rochelle drehte den Kopf und ihre Augen verengten sich. Nach einer Weile riss sie sich los und nahm den Hammer in beide H?nde. In der Hoffnung, dass Rochelle jeden Moment irgendeinen Masterplan enthüllen würde, der sie beide rettete, folgte ihr Charles mit seinem Blick. Doch als sie sich neben ihm platziert hatte und er ihr Gesicht wieder sehen konnte, erstarrte Charles. Statt einer Person, die alles unter Kontrolle hatte, wie Maya, sah er zwei Augen, die mit Tr?nen gefüllt waren. Es gab keinen Plan. Beide waren der Situation hilflos ausgeliefert. Gefangen in einer H?lle, in der ihnen nichts anderes blieb, als alles zu ertragen, was man ihnen antat.
Ich werde meine Hand verlieren. Hier und heute wird sie mich verkrüppeln. So eine Schei?e! Ich habe Angst. So verdammt viel Angst. Ich will, dass es aufh?rt. Bitte, lieber Gott … bitte, irgendjemand. Egal wer. Tut doch etwas!
?Caleb, du h?ltst Charles fest!“, sagte Maya.
Sofort umklammerte ihn der Riese und fixierte seinen Arm, sodass Charles keine M?glichkeit mehr hatte, diesen zu bewegen. Mit all ihrer Kraft versuchte Rochelle, den Hammer anzuheben, und schaffte es gerade so, ihn auf ihre Schulter zu hieven. Sie warf einen kurzen Blick zu Maya, die ihr aber nur zunickte und erneut auf Charles verwies. Ihr Arkafon hatte sie bereits aus dem Rock geholt und begann zu filmen. Es war offensichtlich, dass sie ihre Meinung nicht ?ndern würde. Nachdem Rochelle kurz auf den Boden geschaut hatte, wandte sie sich an Charles: ?Bitte verzeih mir! Ich habe keine andere Wahl.“
Mit diesen Worte holte Rochelle aus und lie? den Vorschlaghammer durch die Luft sausen. Zur selben Zeit kniff Charles die Augen zusammen und bereitete sich auf den h?llischen Schmerz vor, der gleich auf ihn zukommen würde. Ein lautes, dumpfes Ger?usch hallte durch den Wald. Zaghaft ?ffnete er seine Augen und bemerkte, wie Rochelle den Hammer losgelassen hatte, da die Vibrationen des Aufpralls sich durch ihre H?nde und Arme zogen. Entgegen allen Erwartungen hatte sie ihn knapp verfehlt und auf die Holzbank geschlagen, was eine stattliche Delle hinterlie?. ?Oh Mann … Was soll der Kindergarten? Kannst du bitte aufh?ren, meine Zeit zu verschwenden? Ich und Charles haben nachher noch ein Date.“
Mit geweiteten Augen schaute Charles hinter sich zu Maya.
Die will das immer noch durchziehen, nachdem sie mir die Hand zertrümmert hat? Das M?del ist doch total gest?rt!
?Denkst du, ich mach das mit Absicht? Das Schei?teil ist verdammt schwer. Wie soll ich den pr?zise schwingen k?nnen?“, erwiderte Rochelle, welche ihre schmerzenden H?nde aneinander rieb.
Maya rollte mit den Augen, bevor sie die Aufnahme beendete und zu Rochelle rüberging.
?Was soll's, ich habe eh schon genug Material.“
Sie schubste Rochelle zur Seite und hob den Hammer auf.
?Dann muss ich das halt selbst machen.“
Mit einem gewaltigen Schwung lie? Maya das monstr?se Konstrukt aus Eisen auf die Hand von Charles niederregnen. Ein ohrenbet?ubendes Knacken durchzog die Gegend, gefolgt von Charles’ unbeschreiblichen Schreien, die aus seiner Kehle drangen, w?hrend er in einem Meer aus Schmerzen ertrank. Als Maya den blutigen Eisenkopf wieder hochhob, konnte man das furchtbare Ausma? des Schadens sehen. Drei seiner Finger waren komplett zerquetscht worden. Knochensplitter hingen überall aus diesen heraus. Sowohl seine zuckende Hand, die Bank und der Waldboden sahen aus, als w?re eine kleine Bombe aus Blut explodiert. Der Anblick war so grauenvoll, dass selbst Caleb den Arm von Charles loslie? und hinter einen Baum rannte, um sich zu übergeben. Auch die sonst so gefasste Rochelle fiel auf die Knie, schloss die Augen und hielt sich die Hand vor den Mund, bevor ihr die Tr?nen über die Wangen liefen. Derweil hielt Charles mit seiner gesunden Hand den verletzten Arm fest und w?lzte sich auf dem Boden vor unertr?glichen Qualen. Sein ganzer K?rper fing an zu schwitzen. Vom Eingang aus hatte Amadeus alles mitangesehen, und nach einer Weile hielt er die qualvollen Schreie nicht mehr aus. Schlie?lich sank auch er auf die Knie. Seine weitaufgerissenen Augen füllten sich mit Tr?nen und er umklammerte die Bibel in seinen Armen so fest er nur konnte.
?V-Vater, vergib ihnen … d-denn sie wissen nicht, was sie tun, Lukas 23,34“
?Immer dieselbe Leier, Amadeus? Leg mal eine andere Schallplatte auf! Wenn du mich schon langweilst, dann wenigstens mit dem Vaterunser. Das kann ich dank dir schon auswendig“, sagte Maya sp?ttisch.
Zitternd rollte sich Amadeus zu einer Kugel, begann zu schluchzen und brabbelte wirr weitere Bibelverse vor sich hin: ?Und richtet nicht … so werdet … nicht gerichtet. Verdammt nicht … vergebt, so wird euch vergeben, Lukas 6…“
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Als Charles das h?rte, platzte ihm der Kragen und er sagte unter heftigen Schmerzen: ?Willst du mich verarschen, Amadeus? Sie hat mir meine Schei?finger zertrümmert. Erz?hl mir doch nichts von Vergebung! Denk einmal in deinem Leben für dich selbst! Die Antwort, die du suchst, liegt nicht in diesem Buch. Sie ist direkt vor dir: Hilf mir, Amadeus!“
Wie erstarrt schaute Amadeus auf den am Boden liegenden Charles.
?E-es … es tut mir so …“
Sogleich übert?nte Maya das Schluchzen von Valentin: ?Dir scheint es ja wieder richtig gut zu gehen, Charles. Dann k?nnen wir ja weitermachen.“
Sie griff die verletzte Hand von Charles, welcher sich panisch gegen sie wehrte und es geradeso schaffte, freizukommen. Die starken Schmerzen hinderten ihn jedoch daran, auch nur einen Schritt zu machen, ehe er wieder zu Boden fiel. Ihm kam es so vor, als w?re er eine verwundete Maus, die hilflos der m?rderischen Katze ausgeliefert war, welche mit Vergnügen ihre sadistischen Spielchen mit ihm trieb.
Unsanft zerrte Maya den hilflosen Charles an seinem Hemd zurück zur Bank und befahl Caleb, ihn erneut festzuhalten. Inzwischen hatte Caleb seinen Magen bereits wieder unter Kontrolle gekriegt und tat sofort, wie ihm aufgetragen wurde.
?Du musst doch merken, wie falsch das ist, Caleb!“, schrie Charles ihn an, als er von hinten gepackt und seine Hand auf die Bank gedrückt wurde. Doch Caleb schwieg nur, biss sich auf die Lippe, schloss die Augen und drehte seinen Kopf weg, ohne Charles loszulassen. Kurz darauf schmetterte Mayas Folterinstrument ein weiteres Mal auf Charles' Hand und er spürte, wie seine beiden verbleibenden Finger unter der Last des Metalls in tausend Stücke brachen. Ein Schock zog sich durch seinen ganzen K?rper und er warf Caleb von sich. Sein Handgelenk fest im Griff, das immer noch vom Schlag vibrierte, schlug er seinen Kopf auf den Waldboden vor Qualen. Er war kurz davor, sein Bewusstsein zu verlieren, als Charles aus heiterem Himmel die Stimme von Maya vernahm: ?Ein Schlag noch und deine rechte Hand ist komplett zerst?rt. H?ng dich rein, mein Liebling!“
Nach einer Weile konnte Charles wieder einen Gedanken fassen: Sie hat recht! Meine Mittelhandknochen sind als einziges noch übrig. Ein letztes Mal … noch ein allerletztes Mal! Dann ist es vorbei. Dieser Wahnsinn wird nach dem n?chsten Schlag zu Ende sein. Ich pack das! Eventuell kann mit Heilmagie zumindest ein Teil meiner Hand wiederhergestellt werden. Es gibt immer noch eine Chance.
Ohne eine Aufforderung von Maya legte Charles seine blutige Hand erneut auf das Holz.
Durchn?sst vom Schwei? sagte er: ?Bringen wir es hinter uns, Maya!“
Sein unerwarteter Anflug von Mut überraschte diese.
?Nanu …? Sieht ganz so aus, als würdest du immer noch nicht aufgeben, was? Du bist echt hartn?ckig. Das muss ich dir lassen.“
?H?r auf zu quatschen und schwing das verdammte Ding endlich!“
Auf Mayas Gesicht erschien ein L?cheln, bevor sie sich ein letztes Mal bereit machte.
Regungslos lag Charles am Waldboden und atmete schwer. Auf seinem Gesicht lag jedoch ein breites L?cheln. Vorsichtig wandte er den Kopf zur Seite. Nicht weit entfernt kniete Maya still auf dem Boden. Den Kopf gesenkt, ruhte sie offenbar ihre Arme aus.
Ich habe es geschafft. Ich habe es tats?chlich überstanden. Hast du das gesehen, Maya? Du kannst mich nicht brechen! Niemand kann mich …
Seine Gedanken wurden durch Mayas Worte j?h unterbrochen: ?Und jetzt die andere Hand.“
Charles Augen weiteten sich. Blitzschnell richtete er den ?berk?rper auf
Was zum …? Es ist noch nicht vorbei?
Gleich darauf erhob sich Maya vom Gras, klopfte den Staub von ihrem Rock und griff sich den Hammer.
?Ach Charles! Hast du etwa gedacht, ich würde deine andere Hand ganz lassen? Wir wissen beide, dass du sie sofort wieder gegen mich erheben würdest, sobald du dich etwas erholt hast. Um zu einer besseren Version von sich selbst zu werden, muss man sein altes Ich komplett zerst?ren. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung! Freu dich, Charles! Ich werde dich heute vernichten, damit du morgen als neuer Mensch wiedergeboren werden kannst.“
Langsam ging Maya n?her an Charles ran, der die Schultern h?ngen lie?. Sie kniete sich vor ihm hin und strich durch seine Haare.
?Mach dir keine Sorgen, Charles! Du wirst auch ohne deine H?nde zurechtkommen. Ich werde mich gut um dich kümmern. Versprochen!“
Wortlos starrte Charles sie eine Weile an. Dann hob er seinen rechten Arm und blickte auf seine vollkommen zerst?rte Hand. Schlie?lich senkte er den Kopf und begann zu l?cheln. Zuerst kicherte Charles leise, doch bald brach aus ihm ein lautstarkes, qualvolles Lachen. Es klang verzweifelt und wurde immer verrückter. Ein schreckliches Ger?usch, von dem er selbst nie gedacht h?tte, es hervorbringen zu k?nnen. Das Lachen eines Menschen, der in den Abgrund geblickt hatte und beim Anblick dessen, was zurückstarrte, den Verstand verlor. Bis auf Valentin waren alle Kinder der Freundesgruppe versammelt, und selbst jetzt hatten sie keine Chance. Nicht mal ann?hernd. Es war egal, was er versuchen würde. Dieses Wesen, das in jenem Moment vor ihm stand, überzeugte Charles davon, dass alle Ma?nahmen aussichtslos waren.
Meine Dummheit ist einfach nur zum Lachen. Hab ich mir echt eingebildet, ich k?nnte so ein Monster schlagen? Bin ich in einem von meinen Abenteuerbüchern oder was?
Allm?hlich verstummte Charles und sein Blick fiel auf Rochelle, welche am Boden kniete und die H?nde vor ihr Gesicht hielt. Dicke Tr?nen rannen über ihre Wangen.
Ist schon okay, Rochelle. Wir beide haben uns wohl einfach zu sehr in diesen Wunschtraum verloren. Innerlich hat sie uns l?ngst gebrochen. Jetzt sieht man es nur auch von au?en. Wir tun so, als würde es keine Rolle spielen, solange morgen die Sonne aufgeht. Aber in Wahrheit holt uns die Nacht immer wieder ein. Daran l?sst sich nichts ?ndern.
Mit leerem Blick lie? sich Charles von Maya zur Holzbank führen. Als sie zum n?chsten Schlag ausholte, schloss er die Augen. Auf halbem Weg ?ffneten sie sich jedoch schlagartig. Etwas an Rochelles Gesicht kam ihm seltsam vor. Zwischen ihren Handballen klaffte ein schmaler Spalt, durch den er einen Teil ihres Mundes erkennen konnte. Genauer gesagt sah er ihre Z?hne und wie sich ihre Lippen leicht nach oben zogen. Es bestand kein Zweifel: Sie grinste.

