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Kapitel 16 - Zeit für das Endgame

  Wann ist die beste Gelegenheit, um Herrn Alatar zu fragen, ohne dass Maya was davon merkt? Nachdenklich sa? Charles auf der Treppe der Eingangshalle und grübelte vor sich hin: Am Wochenende f?llt es zu sehr auf und die Lehrer finden das bestimmt auch nervig. W?hrend des Unterrichts kann ich nicht einfach Sachen fragen, die gar nicht zum Thema passen, das w?re voll komisch. Wahrscheinlich kriege ich die Antwort dann sowieso erst nach dem Unterricht und komme als Letzter zum Essen, was wiederum verd?chtig wirkt. Zudem kann ich nicht jedes Mal sagen, dass ich keinen Hunger habe.

  Sein Blick fiel auf die gro?e Uhr der Eingangshalle.

  Genug gegrübelt! Zehn Minuten sollten bereits rum sein.

  Charles stand auf, streckte sich und begab sich in die zweite Etage. Nachdem er sich versichert hatte, dass ihm niemand gefolgt war, ging Charles rasch zur Toilette, wo ihn ein bekanntes Gesicht erwartete.

  ?Hi, wie …?“

  Noch ehe er sie begrü?en konnte, zog Rochelle ihn direkt in eine der Kabinen, stellte ihre Uhr und erkundigte sich nach den jüngsten Erkenntnissen.

  Wow … Sie nimmt mich mit aufs Klo und erwartet direkt Neuigkeiten. Für Rochelle bin ich anscheinend nicht mehr als eine Zeitung.

  Sogleich erz?hlte ihr Charles alles, was sich bislang getan hatte, und welche finalen Hürden jetzt zu überwinden waren. Nachdem er mit seiner Zusammenfassung fertig war, schwieg Rochelle eine kurze Weile, bevor sie scherzte: ?Zuallererst wünsche ich dir und Maya alles Gute für eure Beziehung. Ich habe schon immer gewusst, dass ihr das perfekte Paar seid.“

  Jetzt macht sie sich auch noch lustig über mich.

  Nach einem kurzen Kichern sagte sich Rochelle: ?Momentan siehst du das vielleicht anders, aber du befindest dich gerade in der bestm?glichsten Position, Charles. Vertrau mir da einfach!“

  Wer es glaubt …

  ?Als Zweites muss ich dich loben. Selbst in meinen kühnsten Tr?umen h?tte ich nicht erwartet, dass sich Valentin gegen Maya stellt. Unter allen Kindern ist er der absolute Jackpot aufgrund seiner bereits erwachten Magiekr?fte. Ihn zu rekrutieren, war hervorragende Arbeit!“

  Voller Stolz klopfte sie Charles auf den Rücken. Doch für ihn war das noch kein Grund zum Feiern.

  ?Sch?n und gut, trotzdem ist die Sache mit der Antimagie sowie Mayas letzter F?higkeit immer noch offen. Das wird kein leichtes Unterfangen!“

  Der Mundwinkel von Rochelle zog sich nach oben.

  ?Mach dir um ihre Antimagie keine Sorgen! Ich habe selbst noch ein Ass im ?rmel.“

  Charles' Augenbrauen schnellten nach oben.

  ?Oh, na, wenn das so ist. Dann bleibt nur noch das Gespr?ch mit Herr Alatar, wegen …“

  ?Das würde ich an deiner Stelle lassen!“, unterbrach ihn Rochelle.

  Daraufhin senkte sich eine Braue von Charles.

  ?Warum das denn?“

  ?Die fehlenden Seiten in den Lexika oder Lehrbüchern sind seit Jahren bekannt und deshalb unterrichten die Dozenten nur zwei der drei F?higkeiten. Bei Interesse wirst du dann einfach an Maya weitergeleitet. Selbst wenn jemand die Illusions-Affinit?t besitzen würde, müsste sich die Person den letzten Zauber von daher selbst beibringen, was ohne Anleitung extrem schwer ist.“

  ?Und es kommt niemand auf die Idee, neue Bücher zu kaufen?“

  Die Augenlider von Rochelle senkten sich.

  ?Denkst du, das Waisenhaus h?tte genug Geld dafür? Viele der Bücher in der Bibliothek sind schlie?lich nur Spenden oder uralt.“

  ?Hei?t das, wir müssen ohne dieses Wissen in den Kampf ziehen?“

  Rochelle setzte sich auf den Toilettendeckel, schlug die Beine übereinander und verschr?nkte die Arme.

  ?Was wei?t du bisher über ihre F?higkeit?“

  Den Kopf zur Seite gelegt, nahm Charles seinen Zeigefinger ans Kinn.

  ?Nicht viel. Sie verschwindet urpl?tzlich und taucht dann hinter oder neben einem wieder auf.“

  ?Wann hattest du das Gefühl, diese F?higkeit zum ersten Mal zu sehen?“

  Stillschweigend überlegte Charles und antwortete dann: ?In der Holzhütte. Bei dem ersten Trick ihrer Zaubershow verpuffte sie pl?tzlich und erschien dann hinter mir.“

  ?Bist du dir hundertprozentig sicher, dass sie ?hinter dir erschienen ist‘ und nicht schon die ganze Zeit dort stand?“

  ?Was willst du damit sagen?“

  Das L?cheln von Rochelle wurde breiter.

  ?Naja, von meiner Position aus konnte ich ein wenig mehr sehen als du.“

  ?Von deiner …? Moment mal!“

  So langsam d?mmerte es Charles.

  Eigentlich h?tte es mir schon früher auffallen müssen! Unser Treffpunkt. Der ?Verstecken‘-Kommentar. Und wie sie sofort Bescheid wusste, was ich mit ?Zaubershow‘ meinte. Sie war es also …

  ?Ich kann an deinem Blick sehen, dass du es langsam begriffen hast.“

  ?Aber warum? Wieso hast du dich auf der Toilette versteckt?“

  Rochelle hielt ihre Handfl?chen nach oben.

  ?Na, weil ich mir sicher war, dass dich Valentin zur Holzhütte bringen würde. Ich habe mitbekommen, dass Maya ihm aufgetragen hat, mit dir zu reden. Vermutlich, um dich in die Freundesgruppe zu holen. Meine Chancen standen fünfzig zu fünfzig. Entweder er geht zur Basis oder bleibt auf dem Hof. Ich habe einfach die interessantere Option genommen. Die wichtigere Frage ist eher, was ich von meinem ?Versteck‘ aus gesehen habe.“

  ?Und das w?re?“

  Sie lehnte sich mit einer Hand auf den Deckel und zeigte auf ihn.

  ?Etwas, das man von deiner Position aus nicht sehen konnte. Selbst für Valentin war es unm?glich. Dafür habt ihr beide einfach in die komplett falsche Richtung geschaut. Ich hingegen konnte durch das kleine Schlüsselloch nur eine Stelle perfekt sehen: den Eingang der Geheimbasis.“

  Als sich ihr Arm wieder gesenkt hatte, weiteten sich die Augen von Charles.

  ?Sag mir nicht … Du hast gesehen, wann Maya in die Holzhütte gegangen ist?“

  Nach vorne gebeugt legte Rochelle ihr Kinn in die Handfl?che und stützte den Ellbogen auf das Knie.

  ?Noch besser! Ich sah, wie sie kurz reinschaute, um sich zu versichern, dass ihr ?zweites Ich‘ verschwand.“

  ?Dann ist es keine Teleportation“, schlussfolgerte Charles nach kurzer überlegung.

  ?Sondern eine Verdopplung, ganz richtig! Für einen Moment existierten zwei Mayas.“

  ?Das verr?t uns leider immer noch nicht, wie diese F?higkeit genau funktioniert.“

  Nach einem kurzen Schulterzucken erkl?rte Rochelle: ?Um ehrlich zu sein, brauchen wir das auch nicht zu wissen. Allein die Tatsache, dass sie sich multiplizieren kann, gibt uns mehr als genug Informationen. Zum Beispiel, dass dieser Kampf nicht blo? ein pures Nummernspiel ist. Ein Eins gegen Drei k?nnte sehr schnell zu einem Zwei oder sogar Drei gegen Drei werden. Wir sollten definitiv damit rechnen, dass sie mehr als einen Doppelg?nger erschaffen kann.“

  The tale has been stolen; if detected on Amazon, report the violation.

  ?Was w?re deiner Meinung nach ein guter Konter?“

  ?Sobald sie sich eine Bl??e gibt, müssen wir so schnell wie m?glich zuschlagen! Wir dürfen ihr absolut keine Zeit zum Zaubern lassen, und für den Fall, dass sie es doch schaffen sollte, müssen wir die Klone sofort loswerden! Wenn wir zu lange dafür brauchen, dann sind wir aufgrund ihrer eventuellen Anzahl geliefert.“

  ?Das hei?t, wir hoffen darauf, dass wir ihre Duplikate im Kampf besiegen k?nnen?“

  Ein Schnauben drang aus Rochelle.

  ?Im Endeffekt ist es nur eine Rang-I-F?higkeit. Wie stark k?nnen die schon sein?“

  Mit diesen Worten blickte sie auf ihre Uhr, stand vom Klo auf und machte sich bereit zum Gehen. Als sie sich an Charles vorbeidr?ngeln wollte, blockierte dieser mit seinem Arm jedoch den Weg.

  ?Warum bist du auf einmal so gespr?chig? Sonst hast du . Was ist jetzt anders?“, fragte Charles mit zugespitzten Brauen.

  Rochelle erhob sich, trat neben Charles und ?ffnete die Kabinentür. Ihr Weg führte sie wohl zum Waschbecken, da er h?ren konnte, wie sie sich gründlich die H?nde wusch. Anschlie?end kam sie zu ihm zurück und legte diese an seine Wangen, ehe sie ihn tief in die Augen sah.

  ?Ich habe es dir doch gesagt: ?Zeig mir, dass du es wert bist, alles zu riskieren!‘ Und das hast du getan. Durch dich haben wir jetzt Valentin auf unserer Seite. Deswegen kriegst du jetzt mehr Informationen. So l?uft das halt, Charles.“

  Stumm sah er zu, wie sie aus der Toilette verschwand, nur um sich im Gang fast zu Tode zu erschrecken. Von einem auf den anderen Moment verschwand aus ihrem Gesicht jegliche Farbe und sie starrte mit weit aufgerissenen Augen vor sich. Sofort rannte Charles hinterher und wurde kreidebleich, als er verstand, was Rochelle so eine Angst eingejagt hatte.

  So eine Schei?e! Das darf nicht wahr sein. Wir sind erledigt. Komplett erledigt. Das ist unser Ende!

  Vor Ihnen stand Maya, die aussah, als würde sie jeden Moment explodieren.

  ?Erkl?rt euch! Was soll das hier? Gehst du mir etwa fremd, Charles Libertus Fran?ois?“

  Verdammter Mist! Wie soll ich mich aus so einer Situation bitte rausreden? Wenn ich die Wahrheit sage, killt sie uns, weil wir eine Verschw?rung gegen sie planen. Sollte ich lügen, killt sie uns, weil Maya denkt, dass ich ihr fremdgehe. Denk nach, Charles, denk nach! Irgendwas, dir muss irgendwas einfallen!

  Doch so sehr er auch nachdachte, es gab keinen Ausweg für ihn. Dann geschah etwas Unvorstellbares: Sie lachte. Mit offenem Mund starrten Maya und Charles auf Rochelle, die sich mittlerweile den Bauch halten musste.

  Nach einer Weile fasste sich Maya wieder und fragte: ?Gef?llt dir die Vorstellung vom Sterben so sehr, dass du dich gar nicht mehr einkriegst vor Lachen?“

  W?hrend sie sich eine Tr?ne aus dem Gesicht wischte, beruhigte sich Rochelle und erwiderte: ?Tja, ich denke, du hast uns erwischt.“

  Maya ballte ihre F?uste. Ihre Nasenflügel bebten.

  ?Wie bitte?“

  ?Eigentlich hatten wir es vor, geheim zu halten.“

  Charles konnte seinen Ohren nicht trauen.

  Dieses M?dchen ist verrückt! Genauso bekloppt wie Maya.

  Er drehte seinen Kopf leicht. Im Augenwinkel sah Charles in ein paar Metern Entfernung das offene Fenster am Ende des Flures.

  Ob so ein Sturz aus dem zweiten Stock mich wohl umbringt? Mit etwas Glück lande ich in einem Busch, aber wohin dann? Au?erhalb des Waldes habe ich absolut keinen Plan, was mich erwartet. Im schlimmsten Fall verhungere ich mitten im Nirgendwo.

  Sein Blick wandte sich kurz zu Maya, die für ihn mittlerweile aussah wie der Teufel h?chstpers?nlich.

  Selbst wenn! Das w?re immer noch ein schmerzfreierer Tod, als durch ihre Hand zu sterben.

  Reine Mordlust funkelte in Mayas Augen, die Rochelle unabl?ssig anstarrten.

  ?Also gibst du es zu?“

  ?Ja, ich gebe zu, dass mich Charles um Hilfe gebeten hat.“

  Sofort drehte sich Charles in ihre Richtung.

  Was zum …? Will sie jetzt etwa mir alles in die Schuhe schieben?

  ?Ich denke, du wei?t selbst am besten, dass Charles nicht gerade sehr viel Erfahrung hat, was Frauen angeht. Nach eurem letzten Treffen hatte er das Gefühl, sich mehr anstrengen zu müssen, wenn das mit euch beiden funktionieren soll. Deswegen hat er mich gefragt, ob ich ihm Tipps geben kann. Schlie?lich sind wir beide im selben Alter, Maya.“

  Skeptisch warf diese einen Blick zu Charles.

  ?Stimmt das, Charles? Versuchst du nur, ein besserer Freund zu werden?“

  Mit einer Hand hinter dem Kopf l?chelte Charles sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

  ??hm, ja, wei?t du … Letztens im Hof habe ich mich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert, da hattest du schon recht. Von daher …“

  Für einen kurzen Moment musterte Maya die Gesichter der beiden. Anscheinend zufrieden mit der Antwort entspannte sich ihr Gesichtsausdruck.

  ?Ach, mein Liebling, das ist ja so sü? von dir!“

  Sie ging n?her zu Charles, legte ihre H?nde auf seine Schultern und zog ihn zu einer Umarmung zu sich heran, ehe sie Rochelle entgegnete: ?Wie w?re es dann mit einem Date morgen Abend, damit er die von dir gelernten Sachen gleich mal anwenden kann?“

  Charles wollte etwas erwidern, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Ruckartig zog Rochelle an Charles und befreite ihn aus der Umarmung von Maya. Zun?chst versuchte sie, ihm die Hand auf den Kopf zu legen. Als sich Mayas Miene jedoch augenblicklich verdunkelte, stemmte Rochelle diese stattdessen l?chelnd in die Hüfte.

  ?Mach dir keine Sorgen! Bis morgen Abend mache ich aus Charles einen echten Gentleman.“

  Für einen Moment musterte Maya die beiden und machte sich dann auf den Weg zur Treppe. Kurz vor dieser hielt sie inne.

  ?Du wei?t, welche Konsequenzen dir drohen, falls etwas schiefgeht, oder? Wage es ja nicht, mich zu verarschen, Rochelle!“, drohte sie und ging dann hinunter.

  Der K?rper von Charles sackte zusammen und er fiel auf die Knie.

  ?Gott sei Dank! Ich dachte, das w?re mein Ende. Du bist ein unheimliches Genie, Rochelle. Wir müssen uns aber unbedingt was einfallen lassen! Ein Date mit Maya stehe ich niemals durch.“

  Mit hochgezogenem Mundwinkel bot ihm Rochelle ihre Hand an.

  ?Keine Sorge, wenn du genau das machst, was ich sage, wird es nicht dazu kommen. Es wird Zeit für das Endgame!“

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